Archiv

Kommissar Rosic – Band 1.02

Rodolphe Bringer
Kommissar Rosic
Band 1
Der Dolch aus Kristall
Kapitel 2: Der blutige Schlafwagen

Der B-14 ist ein internationaler Luxuszug, der einmal pro Woche vom Hafenbahnhof in Marseille abfährt und direkt nach Calais fährt. Seine Abfahrt ist variabel und erfolgt je nach Ankunft des Postdampfers aus Indien am Freitag oder Samstag. Er nimmt dann alle für England bestimmten Depeschen sowie einige Reisende auf, die es eilig haben, in das Vereinigte Königreich zurückzukehren. Daher nimmt er unterwegs weder Fahrgäste auf noch lässt er welche aussteigen.

Gegen zehn Uhr erreicht er Valence, wo er vorschriftsmäßig nur zwei Minuten lang hält. Daher löst seine Durchreise in diesem großen Bahnhof auch keine jener lärmenden Unruhen aus, die den Halt anderer Züge kennzeichnen; die Bahnsteige bleiben verlassen, leer von Reisenden wie von Angestellten. Einzig ein stellvertretender Bahnhofsvorsteher unter seiner weißen Weiterlesen

Westward! Ho! – Erinnerungen eines Trappers – Kapitel 56

Ein Winterquartier

Da die Jahreszeit bereits weit fortgeschritten war, schlugen wir unser Quartier in einem großen Espenhain am Rande einer hervorragenden Quelle auf, die uns mit reinstem Wasser versorgte, und beschlossen, den Winter hier zu verbringen. Unsere Jäger unternahmen täglich Ausflüge in die Berge, von denen wir halb umschlossen waren, und kehrten stets mit dem Fleisch mehrerer Schwarzwedelhirsche zurück – ein Tier, das fast so zahlreich war wie die Kiefern und Zedern, zwischen denen man es fand. Einzelne Jäger erlegten oft sieben oder acht Tiere an einem Tag; folglich war unser Lager, oder zumindest die Bäume darin, bald mit mehreren tausend Pfund Wildbret geschmückt. Wir vertrieben uns die Zeit mit Besuchen, Festmählern und Plaudereien oder gingen gelegentlich zur Bewegung und zum Vergnügen auf die Jagd.

Unser Lager bestand aus acht Lederzelten (Lodges) und zwei Hütten aus Stangen, die mit Rohrgras bedeckt waren, das in dichten Beständen bis zu einer Höhe von acht oder zehn Fuß entlang des Flusses wächst. Sie alle waren durch die umgebenden Bäume vollständig vor dem Wind geschützt. Im Inneren waren die Böden mit Schilf ausgelegt, auf dem unsere Decken und Felle ausgebreitet wurden, wobei in der Mitte ein kleiner Platz für das Feuer frei blieb. Unser Gepäck wurde ringsum am Boden der Lodge auf der Weiterlesen

Tür des Todes – Kapitel 6

John Esteven
Tür des Todes
Kapitel 6
Renaissance-Studien

Eine gefühlskalte Person hätte eine solche Niederlage, wie sie Norse ereilt hatte, einfach achselzuckend abgetan oder sie mit Prahlerei überspielt. Er jedoch ertrug sie tapfer. Er zeigte keinerlei Regung. Nicht, dass er die Demütigung nicht spürte, sondern weil er sie tief empfand – zutiefst existenziell. Ich glaube, er war für eine Weile im wahrsten Sinne des Wortes wie gelähmt. Doch dann wandte er sich ruhig an Roose.

»Haben Sie die Vorderseite des Hauses patrouilliert?«

»Ja, Sir.«

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Schlafgast aus der Hölle

Larry Moore
Schlafgast aus der Hölle

In der tiefsten Nacht erwachte Leona in jenem alten, dunklen Haus – und musste feststellen, dass ihr Bett von einem Wesen heimgesucht worden war, dessen grausige Leidenschaften nicht von dieser Welt waren!

Als Leona in die gelbgefleckten Achat-Augen von Talbot Rhone blickte, meinte sie den Griff eisiger Finger an ihrem Herzen zu spüren.

»Du willst mich also nicht heiraten«, sagte er in einem seltsamen, gepressten Ton. »Du bestehst darauf, in diesem unheimlichen alten Haus zu leben?«

»Ich habe dir immer gesagt, dass ich dich nicht heiraten kann, Talbot, und ich werde ganz sicher in dem komfortablen Heim leben, das ich geerbt habe«, behauptete sie bestimmt, fest in ihrem Entschluss, obwohl sich die Kälte von ihrem Herzen über ihren ganzen Körper ausbreitete. »Als Arzt hast du mir versichert, dass ich mich in einem Zustand der Erschöpfung befinde, dass Weiterlesen

Der Welt-Detektiv – Band 13 – 5. Kapitel

Der Welt-Detektiv Nr. 13
Die unsichtbare Geheimpost
Verlagshaus für Volksliteratur und Kunst GmbH Berlin

5. Kapitel
Ein tückischer Anschlag

Jäh erinnerte sich Sherlock Holmes an den Drohbrief. Wie schloss er doch gleich? Aha, ja: Sollten Sie bis sechs Uhr Gut Buckin nicht verlassen haben, werden Sie um sechs Uhr eine Minute ein toter Mann sein. Das rote Triangel.

Der Weltdetektiv lachte spöttisch auf. Das Gut zu verlassen, hieße, dem Mörder einen Freibrief auszustellen. Aber immerhin: Es war eine Kühnheit ohnegleichen, dass es der Unbekannte überhaupt wagte, sich noch hier irgendwo in der Nähe aufzuhalten – selbst dann, wenn er unter dem Personal Helfer besaß. Ihn, den erfahrenen Kriminalisten, schreckte der Drohbrief nicht. Er besaß eine ganze Kollektion solcher und ähnlicher Schreiben.

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