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Die Bezwinger des Erdinneren – 1.02

Grigori B. Adamow
Die Bezwinger des Erdinneren
Aus dem Russischen
Erster Teil
Das außergewöhnliche Projekt
Kapitel 2
Ein Treffen unter Freunden

Vor drei Jahren hatten sich die Wege von Marejew und Bruskow nach zwölf Jahren gemeinsamer Ausbildung und Arbeit getrennt. Marejew blieb Geologe und Bergbauingenieur. Bruskow wechselte vom Bergbaumaschinenbau zur Elektrotechnik und ging nach Turkmenistan in das Labor des Aschgabat-Forschungsinstituts.

Nun saßen sie wieder in Marejews Zimmer. Dessen Ausstattung erinnerte ein wenig an den Raum des Clubs der neue Energien. Auf dem Tisch, auf dem Fensterbrett und hinter den Schränken lagen zu Rollen zusammengelegte Zeichnungen unterschiedlicher Größen. Überall an den Wänden hingen strenge und klare Raster von Schaltplänen, Querschnitten und Skizzen. Und auf allen Blättern, ob klein oder groß, wiederholte sich der Querschnitt eines riesigen, einem Geschoss ähnlichen Projektils – eine langgestreckte, zylindrische Form mit flachem Boden und einer konischen Spitze, die wie mit Dachziegeln von zahlreichen scharfen Platten bedeckt war.

Die Freunde saßen am Fenster vor einem runden Tisch. Die Dämmerung setzte ein. Moskau erstreckte sich vor ihnen als gigantisches, vielfarbiges Sternbild. Die Lichter spielten, bald in den dunkler werdenden, sich violett färbenden Himmel aufsteigend, bald sich zu fantastischen Feuern und Bränden vereinigend. Ein kraftvolles, gleichmäßiges Summen vermittelte durch die geöffneten Fenster ein besonderes Gefühl von Ruhe, Sicherheit und unzerstörbarer Geborgenheit …

»Ich widerspreche dir nicht«, sagte Bruskow langsam und nachdenklich, »alles, was du mir dargelegt hast, ist richtig. Aber ich hoffe, du hast mir das alles nicht nur erzählt, um mich mit einer weiteren Energiequelle bekannt zu machen. Offensichtlich bist du bereits praktisch an das Problem der Nutzung unterirdischer Wärme herangetreten. Und das in einem Ausmaß, das nicht geringer ist als das von Parsons.«

»Das Ausmaß ist weitaus größer.«

»Ho!«

»Ja, Michail! Das, wovon Parsons träumte, hat aufgehört, unmöglich zu sein. Ich bin besser ausgerüstet als er.«

»Erklär mir das bitte!«

»Hör zu … Um die hohen Temperaturen zu erreichen, schlug Parsons seinerzeit vor, Schächte mit einer Tiefe von mehreren Kilometern zu graben. Doch wie das zu bewerkstelligen sei, konnte er nicht angeben. Die Metallurgie und der Maschinenbau seiner Zeit konnten die notwendigen Maschinen und Materialien nicht liefern. Und die Frage des Metalls ist eine Aufgabe von erstklassiger Bedeutung.«

»Und du hast sie gelöst?«

»Ich glaube, ja! Eine von mir aus modernstem legiertem Stahl konstruierte Maschine wird den Bereich hoher Temperaturen erreichen können – hart, extrem hitzebeständig und widerstandsfähig gegen alle chemischen Einflüsse und Wirkungen, denen man auf dem Weg in das Erdinnere begegnen kann. Es wird ein stählerner Maulwurf sein, den weder die härtesten Gesteinsschichten noch die stärkste unterirdische Hitze aufhalten werden. Er wird sich immer tiefer in die Erdkruste hineinfressen, bis ich ihn stoppe.«

»Nun, und dann?« Bruskow zog seinen schweren Sessel näher zu Marejew heran. »Und dann? Wie willst du das Gestein aus dem Schacht an die Oberfläche befördern?«

»Das ist es ja gerade, Michail«, konstatierte Marejew, »dass es keinen Schacht geben wird. Ich brauche keinen. Das ist der grundlegende Unterschied meiner Idee gegenüber dem schwerfälligen Projekt von Parsons.«

»Was wird es dann geben?«, fragte Bruskow ungeduldig. »Nehmen wir an, deine Maschine gräbt sich in die Erde … Was dann? Was wird sie dort tun?«

»Sie wird in der Tiefe anhalten, in der die für meine Zwecke notwendige Temperatur herrscht. Dort werden Thermoelemente installiert …«

»Thermoelemente?!«, Bruskow stand halb auf und klammerte sich an die Tischkante. »Du sagst – Thermoelemente?!«

»Nun ja! Ich werde doch nicht auf jene primitive Methode der Umwandlung von Wärmeenergie in mechanische Energie zurückgreifen, die Parsons vorschlug: die Erzeugung von Wasserdampf. Die Dampfbildung absorbiert eine Menge Energie und gibt nur einen völlig unbedeutenden Teil davon als nützliche mechanische Arbeit ab.«

Bruskow saß tief in seinem Sessel. Er schloss die Augen, presste das Kinn fest in seine Faust, und seine großen, leicht abstehenden Ohren liefen immer röter an.

Marejew kannte diese Anzeichen starker Aufregung und angestrengter Denkarbeit. Er schmunzelte und fuhr fort, als bemerke er nichts:

»Dampfbildung ist ein allzu uneffektiver Prozess, mein Lieber. Erstens benötigt Wasser eine riesige Menge Wärme, um zu Dampf zu werden. Dann verliert der Wasserdampf, noch bevor er die unterirdische Dampfturbine erreicht, bereits einen gewaltigen Teil der gewonnenen Energie. Schließlich muss man die Verluste durch Kondensation und den Energieverlust in der Maschine selbst berücksichtigen, wie sie in solchen Fällen üblich sind. Im Ergebnis werden nicht mehr als zehn bis zwölf Prozent der Wärme für effektive Arbeit genutzt.«

»Ja … ja … natürlich …«, murmelte Bruskow, »aber Thermoelemente … Thermoelemente … Was für eine Idee?!«

»Ich bin zu dem Schluss gekommen«, fuhr Marejew fort, »dass es unmöglich ist, ein Projekt auf der Nutzung von Dampf aufzubauen. Das ist die Mühe nicht wert. Ganz anders verhält es sich mit Thermoelementen. Hier wird Wärmeenergie direkt in elektrische Energie umgewandelt. Und elektrische Energie lässt sich leicht und fast ohne Verluste an die Erdoberfläche übertragen.«

»Das alles ist schön und gut …«, unterbrach ihn Bruskow. Er sprang aus dem Sessel auf und schritt stürmisch im Zimmer auf und ab. »Aber Thermoelemente?! Hast du schon Entwürfe, Berechnungen?«

»Nein, es gibt noch nichts«, antwortete Marejew schlicht. »In diesem Teil ist das Projekt noch nicht ausgearbeitet. Ich bin kein Elektrotechniker. Ich weiß nur, dass Thermoelemente in der Lage sind, je nach Temperaturdifferenz zwischen den Kontaktstellen bis zu 35 Prozent der Wärme in elektrische Energie umzuwandeln. Und hier rechne ich mit deiner Hilfe. Ich denke schon lange darüber nach, wollte dir schreiben. Es ergibt sich, dass du sehr gelegen gekommen bist. Übernimm diese Sache, Michail. Die Idee ist so wichtig, dass man dafür alle anderen Arbeiten liegen lassen könnte.«

»Aber das ist doch ein äußerst komplexes Problem! Du verstehst nicht einmal die ganze Komplexität, Nikita! Allein schon das Temperaturgefälle …«

Seine Ohren glühten. Er fuhr in einem Zustand äußerster Erregung fort:

»Damit ein einfaches Thermoelement funktioniert, ist eine Temperaturdifferenz an den Stellen notwendig, an denen seine Elemente verlötet sind. Die eine Lötstelle muss wärmer, die andere kälter sein. Bei den heutigen, komplex zusammengesetzten Thermobatterien gilt: Je größer diese Temperaturdifferenz zwischen den Lötstellen ist, desto effektiver arbeiten die Thermoelemente. Aber wie soll man diese Temperaturdifferenz in einer Tiefe von mehreren Kilometern erreichen, wo nur eine einzige und zudem extrem hohe Temperatur herrscht? Begreifst du, wie viele schwierigste Probleme bei der Ausarbeitung dieses Projekts auftauchen werden?«

»Ich weiß nur eines, Michail«, antwortete Marejew dumpf, »außer dir wollte ich niemandem die Arbeit an diesem Teil des Projekts anvertrauen.«

Bruskow schlug mit der Faust auf den Tisch und stürzte sich in seinen Sessel. Nach einem Moment des Schweigens richtete er sich auf und fuhr sich mit der Hand über den kahl rasierten Kopf.

»Lass uns lieber weiter über deine Maschine sprechen. Ich verstehe immer noch nicht, wie sie ihre Arbeit in einer Tiefe von zehn oder mehr Kilometern verrichten soll. Woher bekommt sie die notwendige Energie? Wie gelangt sie danach wieder nach draußen? Und schließlich: Wer wird sie wie steuern?«

»Warte, warteforderte Marejew mit einem Lachen. »Lass uns der Reihe nach vorgehen. Wie wird die Maschine arbeiten? Als autonomer Bohrer, der seinen Antrieb in sich selbst trägt. Das Geschoss muss eigene Motoren haben, die den Bohrer in Drehung versetzen. Die Energiequelle? Ein oberirdisches Kraftwerk, das meine Maschine über Kabel, die hinter der Maschine hergezogen werden, mit Elektroenergie versorgt.«

»Aber wie wird sich dieser Maulwurf fortbewegen?«

»Mehrere Stahlsäulen werden aus seinem Boden ausgefahren und mit gewaltiger Kraft seine Spitze mit der Bohrkrone in das umgebende Gestein hineindrücken.«

»Nun gut, meinetwegen! Aber wie wird dieses außergewöhnliche Geschoss gesteuert?«

»Die Steuerung ist in der Maschine selbst konzentriert. Gesteuert wird sie von Menschen, die sich in ihrem Inneren befinden.«

»Menschen?!«, rief Bruskow und klammerte sich an die Lehne des Sessels. »Wer wird sich darauf einlassen?«

»Ich und du …«

Bruskow sprang auf.

»Was? … Du bist wahnsinnig geworden! Sich einem solchen Risiko auszusetzen?!«

»Ich glaube«, antwortete Marejew, »dass das Risiko nicht größer sein wird als beim Überqueren einer modernen Straße. Wenn du dich näher mit meinen Berechnungen und Zeichnungen vertraut gemacht hast, wirst du dich selbst davon überzeugen. An meinem Projekt muss noch vieles ausgearbeitet werden. Weder ich noch jemand anderes allein könnte das bewältigen. Das Institut wird meine Idee prüfen, ein Projekt erstellen und mir helfen, das Risiko auf ein Minimum zu reduzieren. Das Wichtigste ist jetzt das Projekt der unterirdischen thermoelektrischen Station. Genau das, wofür ich das Geschoss baue, wofür ich bereit bin, in das Erdinnere hinabzusteigen, das, was das Hauptziel meiner Idee ausmacht.«

Bruskow lehnte sich im Sessel zurück und starrte konzentriert an ihm vorbei.

Marejew fuhr mit einem leichten Lächeln fort:

»Es ist nichts Erstaunliches dabei, dass ich als Erster die Maschine steuern werde, ihr Autor. Es wäre merkwürdig, wenn ich dieses Recht jemand anderem überließe. Nun, und du … Ich bin überzeugt, dass du bei mir sein wirst. Allerdings … wenn du nicht willst …«

»Hältst du endlich den Mund?«

Bruskow sprang auf. Sein Gesicht war wieder mit roten Flecken bedeckt, seine Ohren glühten. Er griff nach seinem Hut.

»Leb wohl! Ich gehe … Mein Kopf platzt gleich bei diesen wilden Projekten.«

»Nun warte doch, Mischuk! Wohin willst du?«

Aber Bruskow winkte nur ab und verschwand in der Tür.

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