Das Gespensterbuch – Zwölfte Geschichte – Teil 3
Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913
Nikolaus Gogol
Wij, der Fürst der Dämonen – Teil 3
Der Hauptmann war schon alt. Er hatte einen grauen Schnurrbart und saß, den Kopf auf beide Hände gestützt, mit einem Ausdruck dumpfer Trauer am Tisch. Er mochte fünfzig Jahre alt sein; aber der tiefe Gram in seinen Zügen und die bleiche, schlechte Farbe bewiesen, dass sein Herz ganz plötzlich gebrochen und vernichtet, und dass all seine frühere Fröhlichkeit und das laute sorglose Leben für immer zerstört war. Als Choma mit dem alten Kosaken in das Zimmer trat, nahm der Hauptmann die eine Hand vom Gesicht und nickte unmerklich mit dem Kopfe; Choma und der Kosak verbeugten sich tief vor ihm und blieben ehrfurchtsvoll an der Tür stehen.
Wahre irische Geistergeschichten III.1
St. John D. Seymour, Harry L. Neligan
Wahre irische Geistergeschichten
Kapitel 3.1
Spukhäuser in Mogh’s Half
Die nördliche Hälfte Irlands hat sich nicht als so ergiebig an Geschichten über Spukhäuser erwiesen wie der südliche Teil. Die mögliche Erklärung hierfür liegt nicht etwa darin, dass die Menschen im Norden weniger dazu neigen, an solche Dinge zu glauben oder darüber zu sprechen. Es liegt vielmehr daran, dass wir hinsichtlich des Südens das Glück hatten, auf einige eifrige Sammler solcher und verwandter Erzählungen zu stoßen. Deren Eifer beim Sammeln wird nur noch von ihrer Freundlichkeit übertroffen, mit der sie den Verfassern dieses Buches Informationen zur Verfügung stellten.
Auf einem großen Bauernhof in der Nähe von Portarlington lebte einst eine gewisse Frau –, eine willensstarke, fähige Frau, die all ihre Angelegenheiten selbst regelte, Befehle erteilte und sich von niemandem etwas sagen ließ. Zu ihrer Zeit starb sie, und der Weiterlesen
Wahre irische Geistergeschichten II
St. John D. Seymour, Harry L. Neligan
Wahre irische Geistergeschichten
Kapitel 2
Spukhäuser in Conn’s Half
Schon seit sehr früher Zeit existierte eine Teilung Irlands in zwei Hälften. Traditionell wurde angenommen, dass diese im Jahr 166 n. Chr. von Conn dem Hundertkämpfer und Mogh Nuadat vorgenommen wurde. Der Norden war folglich als Conns Hälfte bekannt, der Süden als Moghs Hälfte. Die Trennungslinie bildete eine Reihe von Kieshügeln, die sich von Dublin bis Galway erstreckte. Dieser Aufteilung sind wir gefolgt, mit der Ausnahme, dass wir die gesamten Grafschaften Westmeath und Galway dem nördlichen Teil zugeschlagen haben. Ursprünglich hatten wir gehofft, vier Kapitel über Spukhäuser zu schreiben – eines für jede der vier Provinzen –, aber aus Mangel an Material aus Connacht waren wir gezwungen, den Plan zu übernehmen, nach dem die Kapitel I–III gegliedert sind.
Mrs. Acheson aus der Grafschaft Roscommon sendet uns folgende Schilderung:
Wahre irische Geistergeschichten I
St. John D. Seymour, Harry L. Neligan
Wahre irische Geistergeschichten
Kapitel 1
Spukhäuser in Dublin und Umgebung
Von allen Arten geisterhafter Phänomene spricht das, was gemeinhin als Spukhäuser bekannt ist, den gewöhnlichen Menschen am meisten an. Es hat etwas sehr Unheimliches, innerhalb der vier Wände eines Hauses mit einem Geist eingesperrt zu sein. Das arme menschliche Wesen befindet sich in einer solch benachteiligten Lage. Wenn wir wissen, dass ein Tor, eine Straße oder ein Feld als spukhaft gilt, können wir in fast jedem Fall einen Umweg machen und so den unangenehmen Ort meiden. Doch die Anwesenheit eines Geistes in einem Haus schafft eine ganz andere Lage. Er erscheint und verschwindet nach seinem eigenen Gutdünken, unter völliger Missachtung unserer Gefühle; er scheint ebenso sehr ein untrennbarer Teil des Wohnsitzes zu sein wie die Treppe oder die Haustür, und folglich wird uns nichts anderes als das Verlassen des Hauses oder dessen Abriss (beide Lösungen sind nicht immer praktikabel) vollständig von der unerwünschten Anwesenheit befreien.
Das Gespensterbuch – Zwölfte Geschichte – Teil 2
Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913
Nikolaus Gogol
Wij, der Fürst der Dämonen – Teil 2
Inzwischen aber verbreitete sich überall das Gerücht, die Tochter eines der reichsten Hauptleute – der ungefähr fünfzig Werst von Kiew eine Besitzung hatte – sei eines Morgens ganz zerschlagen von einem Spaziergang zurückgekommen. Sie hätte kaum noch die Kraft gehabt, das väterliche Haus zu erreichen, läge im Sterben und hätte den Wunsch geäußert, der Seminarist Choma Brut aus Kiew solle nach ihrem Tode während dreier Nächte die Totenmesse bei ihr lesen. Der Philosoph erfuhr das alles durch den Rektor selbst, der ihn zu sich ins Zimmer beschied und ihn beauftragte, sich unverzüglich auf den Weg zu machen, da der berühmte Hauptmann zu diesem Weiterlesen
Neueste Kommentare