Das Gespensterbuch – Zwölfte Geschichte – Teil 2
Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913
Nikolaus Gogol
Wij, der Fürst der Dämonen – Teil 2
Inzwischen aber verbreitete sich überall das Gerücht, die Tochter eines der reichsten Hauptleute – der ungefähr fünfzig Werst von Kiew eine Besitzung hatte – sei eines Morgens ganz zerschlagen von einem Spaziergang zurückgekommen. Sie hätte kaum noch die Kraft gehabt, das väterliche Haus zu erreichen, läge im Sterben und hätte den Wunsch geäußert, der Seminarist Choma Brut aus Kiew solle nach ihrem Tode während dreier Nächte die Totenmesse bei ihr lesen. Der Philosoph erfuhr das alles durch den Rektor selbst, der ihn zu sich ins Zimmer beschied und ihn beauftragte, sich unverzüglich auf den Weg zu machen, da der berühmte Hauptmann zu diesem Weiterlesen
Das Gespensterbuch – Zwölfte Geschichte – Teil 1
Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913
Nikolaus Gogol
Wij, der Fürst der Dämonen – Teil 1
Einst bogen während einer Ferienreise drei Scholaren aus Kiew von der Landstraße ab, um beim ersten besten Gehöft, auf das sie stießen, den schon längst geleerten Sack mit neuen Vorräten zu versorgen. Dies waren der Theologe Haljawa, der Philosoph Choma Brut und der Rhetor Tiberius Gorobetz.
Es war schon Abend, als sie von der Landstraße abbogen; die Sonne war eben untergegangen, und noch spürte man in der Luft die Wärme des Tages. Der Theologe und der Philosoph marschierten schweigsam mit der Pfeife im Munde dahin und der Rhetor, Tiberius Weiterlesen
Das unheimliche Buch – Sebaldus-Nacht
Das unheimliche Buch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Sebaldus-Nacht
Eine Schauergeschichte von Paul Busson
Der Eisenschild der Herberge drehte sich unaufhörlich auf seinen rostigen Angeln und erzeugte dabei ein ächzendes Geräusch. Die schweren Fensterläden der Gaststube wurden vom Wind gerüttelt und die Flamme der Zinnlampe, die rot schwelte, zuckte hin und her. Missmutig lümmelte Klaus Nunnenfeind am breiten Gesellentisch und sah auf den schlafenden Wirt. Auch der saure Krätzer im gebuckelten Glas war nicht nach dem Sinn des Wegmüden. Er fraß sich schier ein Loch in den Magen und juckte beißend in der Kehle.
Der Dritte im Raum hatte bisher kein Glied gerührt. Erst als der Nachtwächter vor dem Haus die Hellebarde klingend aufs Pflaster stieß und die elfte Stunde verkündete, erhob er sich schattengleich vom Stuhl.
Das unheimliche Buch – Der wahre Sieg
Das unheimliche Buch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Frédéric Boutet:
Der wahre Sieg
Und ich kämpfte verzweifelt mit dem schrecklichen Azrael …
(Edgar Allan Poe: Ligeia)
Es war in der Nacht; auf dem einsamen Kai schritt ein von einem schwarzen Mantel tief umhüllter Wanderer den Fluss entlang.
Rechts am Fuße der das Ufer umgebenden Mauer floss das Wasser tief und ruhig wie in einem Kanal dahin. Hier und dort stieg eine schräg herabführende Treppe zu dem Fluss hinab. Von den verankerten Schiffen leuchteten Stocklaternen wie rote Sterne. Das gegenüberliegende Ufer war nur durch die entfernten Flecken gelblich brennender Laternen und einiger erleuchteter Fenster Weiterlesen
Das Gespensterbuch – Elfte Geschichte
Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913
Karl Hans Strobl
Die arge Nonn’
Eines Nachts erwachte ich plötzlich aus tiefem Schlaf. Ich war verwundert, überhaupt erwacht zu sein, denn ich hatte tagsüber auf dem Trümmerfeld der Jesuitenkaserne gearbeitet und war sehr müde. Ich legte mich auf die andere Seite und versuchte, wieder einzuschlafen. Doch da hörte ich einen Schrei, der mir den Schlaf raubte. Es war ein Schrei der Angst und im nächsten Moment saß ich aufgerichtet im Bett. Zunächst versuchte ich, mich zurechtzufinden. Wie es oft nachts der Fall ist, wusste ich nicht, wo sich Tür und Fenster befanden. Dann besann ich mich, dass ich merkwürdigerweise nur in einer von Nord nach Süd ausgerichteten Lage schlafen Weiterlesen
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