Sagen der mittleren Werra 103
»Mein Urgroßvater, den sie nur Schmied’s Hans nannten«, begann einer aus Möhra, »hier vom Wirtshausfenster aus kann man gerade wieder das Haus sehen, in dem er gewohnt hat. Der hatte eine weiße Frau im Haus, um die sich aber kein Mensch weiter bekümmerte, weil sie noch keinem etwas zuleide getan hatte. Nur ein einziges Mal hat er sie böse gemacht, als er wie gewöhnlich spät aus dem Wirtshaus heimging, in der Küche etwas knistern hörte und glaubte, es sei seine Frau. Da rief er sie dreimal bei ihrem Namen: ›Else! Else!‹ Und da er keine Antwort erhielt, wurde er böse und hieß sie, während er die Treppe hinaufging, ihn im … lecken. Kaum war ihm dieser Schimpf über die Zunge gekommen, stürzte die weiße Frau zornig aus der Küche und ihm nach. Er war jedoch mit ein paar Sätzen an der oberen Stubentür, denn dorthin und in die untere Stube durfte sie nicht gehen. Sie verschwand daher in der Rauchkammer, in die sie sonst aus dem Keller oder der Küche ging.
Neben der Rauchkammer war die Schlafkammer einer Frau aus Ruhla, die dem Alten nach Elses Tod den Haushalt besorgte. Zu der kam die weiße Frau später oft mehrere Nächte hintereinander, wenn die Alte müde war und sie ein verfluchtes Schönglaich (Schindluder) nannte, so seufzte sie und verschwand. Auch nach Schmieds Hansens Tod blieb das Gespenst im Haus. Da fiel Weiterlesen
Sagen der mittleren Werra 102
Der Alb, der im Werragrund und dessen nächster Umgebung allgemein genannt wird, ist fast immer ein unheimliches Weibsbild, welches die Gabe besitzt, sich nachts zu denjenigen einzuschleichen, die es drücken und beängstigen will. Zu diesem Zweck benutzt es im Notfall sogar das Schlüsselloch. Sie nimmt die Gestalt einer Katze, eines Marders oder eines anderen haarigen Spuks an, springt auf das Bett, legt sich dem Schlafenden auf Brust oder Hals und drückt ihn so, dass er die Unholdin weder abzuwerfen noch um Hilfe zu schreien imstande ist. Hat sie sich genug an der Angst und dem Gewimmer des Geplagten ergötzt, verschwindet sie wieder auf demselben Weg.
In Möhra stehen besonders diejenigen Frauen in Verdacht, ein Alb zu sein, denen die Augenbrauen über der Nase zusammengewachsen sind.
Ein derart gezeichnetes Mädchen aus Möhra kam eines Abends mit einer Freundin aus der Spinnstube. An der Schmiede angekommen, stellte sie ihr Spinnrad vor das Haus, sagte zu ihrer Freundin: »Warte hier ein wenig und sieh nach meinem Rad, ich Weiterlesen
Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 66

Der Spuk in Havelberg
Bei der Fähre oberhalb von Havelberg zeigen sich gewöhnlich allerhand wunderbare Zeichen, wenn jemand ertrinken soll. Bald scheint es, als schlüge ein großer Fisch auf, doch es ist keiner zu sehen. Oder es lacht ganz ordentlich, obwohl kein Mensch da ist.
Auch im Havelberger Dom ist es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Es schien, als wären die alten Mönche doch noch nicht ganz zur Ruhe gekommen. Es ist noch nicht lange her, da spielte der Organist einmal pro Woche auf der Orgel. Er war allein in die Kirche gegangen und hatte die Tür hinter sich zugeschlossen. Als er die letzten Töne anschlug, sah er zufällig zur Kanzel hinüber. Da stand leibhaftig ein Mönch, der zu ihm hinüber schaute und das Weiterlesen
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 28
Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung
11. Der Zauberer vom Geiersberg
Über der Rabendocke ragt der Geierberg bei Goldberg empor. Dort hatte einst ein mächtiger Zauberer sein Schloss erbaut, aus dem er über die Täler hinwegschaute und das menschliche Leben und Treiben beobachtete. Er half mit Rat und Tat den Armen und Kranken, schützte die Unschuld und belohnte die Tugend.
Der Burgherr auf der Rabendocke aber war der wilde Geier, ein böser Geselle, der von seinem Söller auf Weiterlesen
Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 65

Das Bassewitzfest in Kyritz
Die Stadt Kyritz hatte in alten Zeiten viele Fehden mit den Rittern der benachbarten Länder. So lag sie auch einmal mit dem mecklenburgischen Ritter Kurt von Bassewitz im Streit, der im Jahr 1411 heranzog und sie hart belagerte. Die Kyritzer verteidigten sich jedoch tapfer und bewachten Tor und Mauern sorgfältig. So konnte er ihnen nichts anhaben, weshalb er überlegte, wie er die Stadt mit List nehmen könnte.
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