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Märchen und Sagen

Deutsches Sagenbuch – 001

Ludwig Bechstein
Deutsches Sagenbuch
Leipzig, Verlag von Georg Wigand, 1853
1. Vom deutschen Rheinstrom

Heilige Wasser rinnen von den Bergen des Himmels – so singt es die Edda, das uralte Götterlied. So entspringt auch der Rhein, der heilige Strom des deutschen Vaterlandes, dem Gottesberg (St. Gotthard). Aus Eispalästen und dem Schoß der Alpen fließt er als Strom des Segens herab. Schon die Alten sagten über ihn: »Die Donau ist aller Wasser Frau, doch kann der Rhein mit Ehren ihr Mann sein.«

Die Urbewohner seiner Ufer hielten seine Flut für so wunderbar, dass sie ihm neugeborene Kinder übergaben, um deren eheliche Geburt zu prüfen. Rechtmäßige Abkömmlinge trug die Strömung sanft an das Ufer zurück; uneheliche Kinder jedoch zog er mit ungestümen Wellen und reißenden Wirbeln in die Tiefe – als zorniger Rächer und Richter über die Unreinheit. Andere Anwohner brachten dem heiligen Strom mit Pferden ihr Liebstes als Opfer dar.

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Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 32

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

VIII. Hirschberg und Umgebung
1. Der Stadtname

Die Stadt Hirschberg soll ihren Namen von einem heidnischen Fürsten erhalten haben, welcher im 10. Jahrhundert am Zusammenfluss von Bober und Zacken jagte. Derselbe geriet durch einen ungewöhnlich starken Hirsch in Lebensgefahr, erlegte denselben aber glücklich und stiftete an dem Ort eine Stadt, welcher er einen Hirsch in das Wappen gab. Daraus ist der Name Hirschberg entstanden.

2. Die Entstehung der Stadt

Als König Boleslaus Chrobri von Polen sich im Jahre 1004 mit seinem Kriegsheer in das Gebirge geflüchtet hatte, nachdem er von Uhldarich von Böhmen geschlagen worden war, kam er an den Zusammenfluss von Bober und Zacken und befahl seinem Rat Panchelenik, dort eine Burg zu erbauen. Nach dem Erbauer wurde die Burg Pancheleni genannt. Als am Fuße derselben sich Häuser fanden, nannten die Bewohner aber ihren Ort Pancheleni und den Berg Hausberg. Pancheleni (Pan Gelink heißt auf Deutsch Herr Hirsch) soll später in Hyrezberg umgewandelt worden sein und die Burg hieß das Bolkenhaus.
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Sagen der mittleren Werra 105

Der gute Born bei Möhra

Im Jahr 1688 am 12. des Monats Juni pflügte Hans Peter Luck von Möhra auf dem Acker seines Vaters, der links am Weg nach Etterwinden an dem sogenannten Seeb gelegen war, als er dort unvermutet eine starke Quelle zu Tage gehen sah. Der erstaunte Bauer rief den in der Nähe wei­denden Schäfer herbei, erweiterte mit dessen Hilfe die Öffnung des Sprudels und gewahrte nun, wie derselbe in der Tiefe aus einem kellerähnlichen Gewölbe hervorquoll. Das Wasser war molkig, hatte einen seltsamen Geschmack und färbte die Erde umher mit einem gelblichen Schlamm. Die aufgefundene Quelle wurde bald näher bekannt, und man entdeckte in ihr ein so vortreffliches Heilmittel gegen allerlei Leibesübel, dass von Nah und Fern viele dorthin eilten und für ihre Ge­pressten Genesung suchten und fanden. Die Feldbirnbäume in der Nähe hingen bald voll von Krücken, welche die ge­heilten Lahmen aus Dankbarkeit hier zurückgelassen hatten.

Als die Gemeinde solches Wunder sah, erwachte in ihr der Eigennutz, und sie gedachte die Quelle zu ihrem Vorteil auszubeuten. Sie beschloss ein Häuschen über den segensreichen Born zu setzen und einen Opferstock daneben zu errichten, um das so gewonnene Geld dann unter sich zu verteilen, und führte das auch aus. Darüber aber zürnten die gütigen Berg­geister, die solchen Weiterlesen

Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 31

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

8. Der Schatz im Burgkeller

Hinter dem Haupteingang der Burg Lähnhaus zeigt sich an der linken Seite im Gebüsch ein halbverfallenes Kellerloch, aus welchem ein kalter Modergeruch steigt. Dieses Loch soll der Eingang zu einem unermesslichen Schatz sein, der seit Jahrhunderten dort in der Tiefe ruht. Die Reichtümer sind aber von einem geisterhaften Ritter bewacht, der bei Mondschein oft aus dem Kellerloch hervorlugt. Der Ritter wird entweder Hans oder Konrad genannt. Unter Hans von Czedliz, der 1465 in den Besitz der Burg kam, wurde sie zu den gefürchtetsten Raubschlössern des Landes gerechnet.

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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 69

Die Gänse von Putlitz

Uralt ist das Geschlecht der Edlen Herrn geheten de Gense in der Priegnitz. Bald nennen sie sich von Wittenberge, bald von Perleberg, wo auch eine Gänseburg war, bis schließlich die Bezeichnung von Putlitz alle anderen überwog, und dieser Name verblieb. Lange haben sie eine hervorragende Stellung in der Geschichte der Priegnitz eingenommen, und ihr Länderbesitz war groß, größer zeitweise als der der Grafen von Ruppin. Auch in der altmärkischen Wische auf dem linken Elbufer besaßen sie Güter, denn dort liegt ebenfalls mitten im Sumpf ein Burgwall, die Gansenburg genannt.
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