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Märchen und Sagen

Sagen der mittleren Werra 78

Sagen-der-mittleren-Werra

Die weiße Frau vom alten Liebenstein

Alle sieben Jahre steigt die weiße Frau von der alten Burg Liebenstein zu dem am Promenadenweg nach Glücksbrunn gelegenen Auborn herab, füllt hier einen mitgebrachten steinernen Krug und badet sich dann in dem Quell.

Hierauf begibt sie sich wieder zur Burg hinauf, um das dort vor Zeiten eingemauerte und noch immer wimmernde Kind zu laben. Andere wollen wissen, dass sich die weiße Frau zuweilen auch in dem Glücksbrunner Teich bade. An ihrem Gürtel hat sie die Schlüssel zu den verwünschten Schätzen droben auf Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 180

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

238. Die roten Zwerge zu Gysephem

Zu Gysephem in der Ecke ist es nicht pleusch (richtig), und man hat oft von Spuken dort gehört. So hatte ein Mädchen auf dem dortigen Meierhof Lamstaps abends noch spät für sich genäht und war, nachdem sie die Haustür gut verschlossen hatte, ruhig zu Bett gegangen. Plötzlich hörte der Bauer ein Geräusch im Haus und sah von seiner Schlafkammer aus, dass alle Fenster im Erdgeschoss hell erleuchtet waren. Er rief der Magd zu, sie habe wohl die Tür nicht richtig zugemacht, und jetzt könne sie auch mal nachsehen, was unten sei, denn es gehe nicht mit rechten Dingen zu. Das Mädchen stand auf, ging die Treppe hinunter und fand, was es war. Denn es saßen wohl tausend rote Zwerge um die Tische, die dort aufgestellt waren, und amüsierten sich köstlich beim Essen und Trinken. Darüber erschrak die Magd so sehr, dass sie ohnmächtig zu Boden sank. Als sie nicht mehr aufstand, ging der Bauer selbst hinunter und fand dasselbe vor.
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Sagen der mittleren Werra 77

Sagen-der-mittleren-Werra

Von den Schatzgräbern auf dem alten Liebenstein

Den Schatz droben im Buchenkranz auf der alten Burg Liebenstein wollten einst viele aus der Umgegend heben. Das war aber nicht so leicht, denn der Geist, der den Schatz hütete, musste erst herbeigerufen und befragt werden, womit man ihn bewegen und heben könne. So ließen sie einen Jesuiten kommen und durch ihn die Sache vorbereiten. Von diesem erfuhren sie nun nicht nur die genaue Stelle, wo der Schatz liege, sondern auch, dass sie ihn mittels eines schwarzen Huhns, an dem aber keine einzige weiße Feder sein oder gewesen sein dürfe, erlangen könnten.
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Deutsche Märchen und Sagen 179

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

237. Der sprechende Bock

Ein Bauer kam in einer hellen Nacht durch den Beveren-Polder und wollte nach Hause zu. Ermüdet setzte er sich unterwegs nieder, um ein wenig auszuruhen. Es war an den Ruinen des alten Schlosses von Beveren (Waesland). Da hörte er plötzlich ein jämmerliches Blöken nahe bei sich. Er stand auf, ging darauf zu und fand ein blutjunges Böckchen, welches noch keine Stunde alt sein konnte.

»Armes Tierchen«, sprach er bei sich, »wie liegst du hier so verlassen!«

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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 35

Die Keule am Tor zu Jüterbog

An einem der Tor von Jüterbog hängt eine Keule mit der Inschrift:

Wer seinen Kindern gibt das Brot
Und leidet dabei selber Not,
Den schlag’ man mit dieser Keule tot.

Es war nämlich einmal ein reicher Mann, der gab seinen Kindern schon bei Lebzeiten all sein Geld, weil er hoffte, sie würden desto besser zu ihm sein und nun nicht auf seinen Tod warten. Es kam aber gerade umgekehrt, keiner kümmerte sich mehr um ihn. Da bereute der alte Mann seine Verkehrtheit und Weiterlesen

Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 03

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

5. Wolf und Lamm

Hans Ulrich von Schaffgotsch war Burgherr von Kynast. Im Jahre 1630 veranstaltete er ein Gastmahl und lud dazu auch den Pfarrer von Giersdorf, Johann Andreas Thieme, ein. Dieser beschäftigte sich seit Langem mit der Kunst, aus der Stellung der Gestirne das Schicksal der Menschen zu lesen, und hatte sich selbst die Vertreibung aus seinem Amt vorausgesagt. Der Burgherr glaubte solchen Scherzen nicht und verlangte, auch sein Schicksal zu erfahren. Weiterlesen