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Märchen und Sagen

Sagen der mittleren Werra 110

Die Brabanter Gräfin am Hautsee

Einst reiste ein wohlhabender Graf aus Brabant mit seiner bildschönen Tochter in das Dorf Dönges. Er hatte vom sagenumwobenen Hautsee gehört, und da ihm die malerische Landschaft so sehr gefiel, nahm er für einige Zeit Quartier im örtlichen Gasthaus.

Der See mit seiner schwimmenden Insel übte jedoch eine magische Anziehungskraft auf die junge Gräfin aus. Sie konnte sich kaum von dem Anblick losreißen und verweilte oft bis spät in die Nacht am Ufer. Als sie eines Tages nicht mehr in die Herberge zurückkehrte, ließ ihr zutiefst besorgter Vater sogleich die gesamte Umgebung durchsuchen. Er versprach immense Belohnungen, doch seine Tochter blieb unauffindbar. Schließlich musste der Graf gebrochenen Herzens allein die Heimreise antreten.

Doch die Sehnsucht ließ ihm keine Ruhe. Immer wieder kehrte er zum Hautsee zurück und beklagte verzweifelt den Verlust seines Kindes, das er in den Tiefen des Gewässers vermutete.

Das Leid des Vaters rührte die dorfeigenen Bauern. Sie rieten ihm, ein Fest in der Nähe des Ufers auszurichten und keinesfalls die Musikanten zu vergessen. Die drei geheimnisvollen Wasserschwestern des Sees liebten den Tanz außerordentlich und würden sich Weiterlesen →

Deutsche Märchen und Sagen 201

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

279. Hildemarka

Im Soinewalde bei Brüssel, an der Stelle, wo man noch heute die Trümmer der Jackosburg sieht, wohnte vor Zeiten ein böser Waldgeist. Dieser entführte eines Tages eine Jungfrau edlen Geschlechts, die Hildemarka hieß und von ungemeiner Schönheit war. Er wollte sie zu seinem Weibe machen und sie zwingen, vor dem obersten Waldgeiste die Knie zu beugen. Doch das wollte Hildemarka nicht.

Sie sprach: »Töte mich und tu mit mir, was du willst. Ich will gerne den Tod erleiden um Christi willen.«

Bei diesem Entschluss beharrte sie auch trotz aller Zauberkünste, welche der Waldgeist anwandte, um sie zu verführen. Als er endlich sah, dass alles nichts half, versenkte er sie in einen siebenjährigen Schlaf. Nachdem diese Zeit nun um war, fragte er sie abermals: Weiterlesen →

Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 37

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

XI.Bolkenhain und Schweinhaus

11. Burg Schweinhaus

Auf dem Abhange des Steinberges bei Bolkenhain liegen die Ruinen der großen Burg Schweinhaus. Diese soll böhmischen Ursprungs sein und ihren Namen vom Erbauer, Ritter Biwoy Swinka (Schweinchen), erhalten haben. Sie ist die Stammburg derer von Schweinichen und wurde wahrscheinlich schon vor dem 10. Jahrhundert erbaut. Nach einer anderen Sage soll die Burg Swinia (Schwein) geheißen haben. Als die Weiterlesen →

Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 36

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

XI.Bolkenhain und Schweinhaus

1. Die Bolkoburg und Bolkenhain

Die Bolkoburg hat ihren Namen nach dem Erbauer, dem heidnischen Fürsten Bulko oder Bolko, erhalten, welcher dort eine Burg (807) und um diese einen heiligen Hain anlegte, den er dem Götzen Mars weihte. Die Sage berichtet, dass Kaiser Karls des Großen Sohn, König Ludwig, in seinen großen Kriegen gegen die Polen und Böhmen bis zur Bolkoburg vorgedrungen sei, dort die heidnischen Götzen zerstört und an der Weiterlesen →

Sagen der mittleren Werra 109

Vom Geldbirnbaum bei Unterrohn

Auf dem sogenannten Schlösschen am Haspelsgraben, wo sich zuweilen eine weiße Frau zeigen soll, stand noch vor wenigen Jahren ein riesiger Feldbirnbaum. In der Gegend nannte man ihn nur den Geldbirnbaum, weil unter ihm ein großer Schatz vergraben lag.

Einst spielten mehrere Kinder aus Unterrohn in seiner Nähe. Da erblickte ein Junge unter dem Baum einen alten Topf, der bis an den Rand mit blanken Talermünzen gefüllt war. Doch als er die anderen mit den Worten »Herrje, was ist das! Schnell, schnell!« herbeirief, versank der Topf ebenso rasch wieder vor seinen Augen im Boden.

Von den Wichtelmännchen am Haspelsgraben bei Unterrohn

»Sie wissen doch«, so erzählt die alte Tiefenorter Botenfrau, »dass sich zwischen Unterrohn und Tiefenort von den Werrawiesen aus ein kleines Tal bergauf zieht, das man Haspelsgraben nennt. Rechts auf der Ecke des Berges stand einmal ein altes Schloss, von dem heute nur noch der tiefe Graben, Kalk und Ziegelsteine übrig sind. Dort in der Gegend wohnen immer noch Wichtelmännchen. Wie ich von alten Leuten gehört habe, sollen sie mittlerweile allerdings mehr als zehn Fuß tief unter der Erde stecken.
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