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Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 34

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

VIII. Hirschberg und Umgebung

14. Das städtische Goldbergwerk

Um 1569 besaß Hirschberg ein eigenes Goldbergwerk beim Dorf Grunau. Die einheimischen Bauern verjagten die Bergleute jedoch mehrfach, da diese ihren Grund zerstörten. Im Dreißigjährigen Krieg verschütteten und ebneten sie die Schächte schließlich vollständig, sodass der genaue Ort heute vergessen ist.

15. Der Kavalierberg

Der Kavalierberg – einer der schönsten Aussichtspunkte Hirschbergs – trug ursprünglich den Namen Galgenberg. Im Jahr 1778 ließ General Favrat den Galgen entfernen und stattdessen eine militärische Schanze errichten, die er Kavalier taufte. Später ging dieser Name auch auf den gesamten Berg über.

16. Die Straupitzer Kirche

Der Überlieferung nach wurde die Kirche in Straupitz bereits im 10. Jahrhundert erbaut und gilt als die Mutterkirche der Hirschberger Stadtpfarrkirche (welche selbst um 1108 errichtet worden sein soll).

17. Der Hirschberger Reisbrei

Die Dörfer Schwarzbach und Hartau kauften sich einst von allen Frondiensten frei. Als Gegenleistung mussten die Hartauer bei der jährlichen Rechnungsprüfung (Dreiding) die Hirschberger Ratsherren unter anderem mit traditionellem Reisbrei bewirten. Vergaßen sie diese Pflicht, drohte ihnen der Verlust ihrer hart erkämpften Freiheiten.

18. Das Raubschloss

Hoch über dem Boberufer im Sattler bei Hirschberg ragt ein markanter Felsen aus dem Wald, der einer Burgruine ähnelt. Einst soll dort ein Raubschloss gestanden haben, dessen Herr die Bürger der Stadt immer wieder tyrannisierte. Schließlich brannten die Hirschberger die Festung nieder. Den geheimen Zugang verdankten sie der verschmähten Geliebten des Raubritters: Sie wies den Städtern den Weg durch den Wald, indem sie Erbsen auf den Pfad streute, der direkt zu einer verborgenen Pforte führte.

19. Der Schlossberg

Eine Viertelmeile von Hirschberg liegt der Schlossberg im Waldgebiet der Grünen Harte. Dort stand in alter Zeit eine Burg namens Grünbusch, die in den Hussitenkriegen zerstört wurde und dem Berg seinen heutigen Namen gab.

20. Das Geisterpaar in Straupitz

In der Adventszeit sieht man um Mitternacht im Dorf Straupitz oft ein graues Pärchen stehen. Der Nachtwächter kennt die Erscheinung längst und ignoriert sie. Geht jedoch ein trunkener Zecher fluchend an ihnen vorbei, fliegt ihm sogleich der Hut vom Kopf, während die Gestalten spurlos verschwinden. Das Geisterpaar soll schon vor Jahrhunderten tuschelnd auf den Wegen gesehen worden sein. Es zeigt sich nicht jedem – wer ihm begegnet, tut gut daran, höflich den Hut zu ziehen.

21. Das Bolkoschloss

Auf dem Gipfel des Molkenberges bei Eichberg stehen die Trümmer des Bolkoschlosses (auch Molkenhaus genannt). Vor dessen Bau durch Herzog Boleslaus den Langen im Jahr 1198 soll sich dort eine heidnische Kultstätte befunden haben. Seit der Zerstörung der Burg im Jahr 1429 bewacht ein schwarzer Ritter mit gezogenem Schwert die Ruine und verwehrt Schatzsuchern den Zugang zu den Felsenkellern. Nur wer einen bestimmten Zauberspruch kennt, kann den Wächter vertreiben und das Gold an sich nehmen.

22. Der Geist am Helaberg

Der Helaberg bei Lomnitz war einst ein heidnischer Opferort, an dem es bis heute nachts nicht geheuer sein soll. Der dort herrschende Naturgeist, der Graumann, stieg einst ins Tal hinab und erschien um Mitternacht einer armen, kranken Witwe. Aus Angst verkroch sich die Frau hinter einer Truhe. Als man ihr riet, dem Geist bei einem erneuten Besuch zu folgen, wagte sie es – kehrte aber am Fuß des Berges voller Furcht wieder um.

Ihr geiziger Nachbar, ein wohlhabender Schneider, witterte seine Chance auf schnellen Reichtum. Beladen mit Sack, Hacke und Spaten stieg er um Mitternacht auf den Berg. Bei den alten Opfersteinen erblickte er ein helles Licht und fand einen gewaltigen Goldschatz. Doch ehe er zugreifen konnte, trat der Graumann vor ihn und sprach: »Bist du arm, so fülle deinen Sack. Hast du jedoch genug zum Leben und suchst nur Luxus, so nimm nur die Hälfte!«

Der gierige Schneider log dem Geist vor, er sei blutarm und müsse eine riesige Familie ernähren. Hastig stopfte er den Sack randvoll. Da rief der Graumann zornig: »Du lügst!«, und verpasste dem Schneider eine derart gewaltige Ohrfeige, dass dieser bewusstlos den Berg hinabflog. Erst am Morgen kam er wieder zu sich. Die Hand des Geistes blieb als Abdrücke auf seiner Wange sichtbar – den erbeuteten Goldschatz fand er trotz verzweifelter Suche nie wieder.

23. Pechwinkel

Die Adelsfamilie von Zedlitz führte einst verschiedene Beinamen. Ein gewisser Friedrich von Zedlitz erhielt den Namen Pechwinkel nach der gleichnamigen Gegend bei Hirschberg, wo das Bolkenhaus stand. Ursprünglich leitete sich der Ort von Bächewinkel ab – benannt nach dem Zusammenfluss von Bober und Zacken.

24. Der Wandel des Boberlaufs

Die Sage berichtet, dass der Bober in alter Zeit nicht wie heute durch den Sattler floss. Bevor sich das heutige Flussbett öffnete, verlief der Strom zwischen dem Kappen- und dem Silberberg. Wo das Wasser heute fließt, verlief früher eine belebte Landstraße.

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