Der hinkende Teufel – Kapitel 3
Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840
Drittes Kapitel
Wohin der hinkende Teufel den Studenten führt und was er ihm zuerst zeigt
Asmodi hatte seine Schnelligkeit nicht umsonst gerühmt. Er durchflog die Luft wie ein von starker Hand abgeschossener Pfeil und ließ sich schließlich auf dem Turm der San-Salvador-Kirche nieder. Nachdem er wieder festen Fuß gefasst hatte, sagte er zu seinem Gefährten:
»Nun, Señor Leandro, ist es nicht eine falsche Redensart, wenn man einen holprigen Wagen ein Teufelsfuhrwerk nennt?«
»Allerdings«, antwortete Zambullo höflich, »denn dieses Fuhrwerk ist lieblicher als eine Sänfte und dabei so förderlich, dass man keine Zeit hat, sich auf der Reise zu langweilen.«
Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel X, Teil 2
Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.
Kapitel X, Teil 2
Hätte man das peinliche Gesetzbuch seit dreißig Jahren befolgt, hätte man Dutzende von Ministern, Hunderte von Präfekten und Unterpräfekten und Tausende von Regierungsagenten wegen Bestechung anklagen und verurteilen müssen. Mehr als ein königlicher Prokurator und mehr als ein Richter hätten ihren eigenen Prozess instruieren und sich selbst verurteilen müssen. Und um ganze Gemeinden und Gewerbe zu bestechen, verspricht der Unterpräfekt, der an nichts, nicht einmal an den Teufel glaubt, dieser Dorfkirche einen schönen Heiligen, einen Schutzpatron, in Öl gemalt. Er lässt die erstaunten Wähler an dem Ufer eines Flüsschens oder Baches zusammenkommen und befragt sie, wo die Brücke am passendsten zu bauen wäre. Er lässt sie das Bild bereits sehen. Den Schankwirten, den Kaffeewirten, den Fleischern, den Bäckern, den Gastgebern – den Wählern – kündigt er einen Kasernenbau an. Alle diese Leute sehen schon wütende, hungrige und durstige Regimenter im Anmarsch, die Bier, Wein und Branntwein fässerweise leeren Weiterlesen
Der hinkende Teufel – Kapitel 2
Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840
Zweites Kapitel
Fortsetzung der Befreiung des Asmodi
Der Dämon sah, dass sein Anblick die Studenten nicht zu seinen Gunsten einnahm, und sagte lächelnd: »Hier, Señor Don Cleophas Leandro Perez Zambullo, sehen Sie den reizenden Liebesgott, den souveränen Beherrscher der Herzen, vor sich. Wie gefällt Euch mein Aussehen und meine Schönheit? Sind die Dichter nicht ausgezeichnete Schilderer?«
»Offen gestanden«, antwortete Don Cleophas, »schmeicheln Sie ein wenig. Ich darf voraussetzen, dass Sie nicht in dieser Gestalt Psyche erschienen sind!«
»Das in der Tat nicht«, fiel der Teufel ihm ins Wort, »ich nahm die Gestalt eines kleinen französischen Marquis an, um sie plötzlich Weiterlesen
Der Märkische Eulenspiegel 28
Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe
Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin
Wie Clauert an seiner Stelle den Kerkermeister gefangen nahm
Nach dem großen Brandschaden, den die Stadt Trebbin im Jahr 1565 erlitt, erlaubte ihr Landesfürst und Herr, der Kurfürst von Brandenburg, den Bürgern, auf den Zossen’schen Haiden einige Schock Stämme Bauholz abzuhauen, da auf den Trebbinischen Haiden nicht genug Holz zum Wiederaufbau der Stadt zu finden war. Nachdem jeder seine ihm zugewiesene Anzahl an Stämmen gefällt hatte, gab es viele, die aus Armut das Holz nicht nach Hause schaffen konnten, sodass vieles davon dort verfaulte. Darüber wurde Eustachius Weiterlesen
Das Marktg’schlärf von Wolfratshausen … Teil 3
Das Marktg’schlärf von Wolfratshausen, der Raub- und Mordritter Judas von Teufelsnest und der fromme Pilger und heilige Märtyrer Konrad Nantovin
Eine höchst schauerliche Ritter-, Räuber-, Mörder- und Gespenstergeschichte aus dem 13. Jahrhundert
Altötting, ca. 1860
Unseren Lesern sollten diese scheußlichen Henkerwitze, wie sie in finsteren Zeiten in Folterkammern zu hören waren, bekannt werden. Eine derartige Herzlosigkeit in christlichen Ländern ist fast unglaublich, zumindest aber unbegreiflich.
Vor dem Eingang zur Folterkammer in Regensburg befindet sich eine Bank, auf der der Unglückliche vor der Tortur noch eine Viertelstunde sitzen durfte, um sich zu überlegen, ob er freiwillig bekennen wolle oder nicht. Die Marterwerkzeuge konnte er durch eine Öffnung in der Tür genau betrachten. Der Eingang führt dann vier Stufen abwärts. Im Vordergrund links befindet sich eine Bank, auf der der Wundarzt Platz nahm. Er musste die Dauer der Folter nach der Körperkraft des Delinquenten bestimmen und ihm bei Bedarf chirurgische Hilfe leisten.
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