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Vergessene Werke

Der Märkische Eulenspiegel 29

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie Clauert früher schon einen anderen an seiner Stelle gefangen setzte

Auf dieselbe Weise hatte es Clauert zuvor auch zu Trebbin getrieben. Als er nämlich einmal wegen einiger Verbrechen neben einem Weib, die Reiderin genannt, zu Trebbin in Fesseln gelegt worden war und beide nun im Rathaus gefangen waren, kam der Stadtdiener des Abends zu ihnen, brachte Holz und Kohlen und machte ihnen ein Feuer, damit sie sich wärmen könnten. Eine solche Wohltat gedachte Clauert zu vergelten; er gab Geld her und ließ den Stadtdiener sogleich Bier holen. Clauert stellte sich, als ob er selbst am Weiterlesen

Die Virginier – Erster Band – 14. Kapitel

William Makepeace Thackeray
Die Virginier
Erster Band
Wurzen, Verlags-Kontor, 1858
14. Kapitel

Harry in England

Als der berühmte trojanische Wanderer der Königin Dido seine Flucht und Abenteuer schilderte, zeigte Ihre Majestät, wie wir lesen, größtes Interesse an dem faszinierenden Geschichtenerzähler, der so beredt von seinen Gefahren berichtete. Es folgte eine Geschichte, die rührender war als alle vorangegangenen Ereignisse im Leben des frommen Äneas, und die arme Prinzessin hatte Grund, den Tag zu bereuen, an dem sie jenem glatten und gefährlichen Redner gelauscht hatte.

Harry Warrington besaß nicht die Redegewalt des frommen Äneas, und seine betagte Tante war, wie wir vermuten dürfen, keineswegs Weiterlesen

Femegerichte und Hexenprozesse in Deutschland – Teil 5

Oskar Wächter
Femegerichte und Hexenprozesse in Deutschland
Stuttgart, Verlag von W. Spemann, 1882

Im Jahr 1441 wurden Rat und alle Bürger der Stadt Eßlingen, die über zwanzig Jahre alt, ausgenommen geistliche Leute, vor den Freistuhl zu Waltorf geladen, weil sie einen Freischöffen in Eßlingen gefangen hielten. Und in der Tat mussten die Eßlinger sich durch abgesandte Prokuratoren vor dem westfälischen Gericht verantworten und die sofortige Entlassung des Gefangenen versprechen. Gar nicht selten waren die Fälle, in denen Reichsstädte, deren Rat oder sämtliche männliche Einwohner vom 20. bis zum 70. Lebensjahre vor einen Freistuhl in Westfalen geladen worden sind, Städte, denen im Weg der Fehde nicht beizukommen gewesen wäre, die sich aber unweigerlich jener Ladung beugen mussten.

In den Zeiten der höchsten Macht und Blüte der Femegerichte, namentlich um die Mitte des 16. Jahrhunderts, ergingen ihre Ladebriefe im Süden von Deutschland bis zum Bodensee, östlich bis nach Schlesien und Liefland, im Norden bis zum Meer. Ja, drei Freigrafen wagten sogar, was ein Missbrauch war, den Kaiser Friedrich III. und seinen Kanzler und sein Kammergericht vor ihren Weiterlesen

Femegerichte und Hexenprozesse in Deutschland – Teil 4

Oskar Wächter
Femegerichte und Hexenprozesse in Deutschland
Stuttgart, Verlag von W. Spemann, 1882

Zweiter Abschnitt

Ursprung und Verfahren der Femegerichte
Noch heute sind vielfach die abenteuerlichsten Vorstellungen von den mittelalterlichen Femegerichten verbreitet. Man erzählt schauerliche und unheimliche Geschichten, wie sie bei Nacht, in unterirdischen Gewölben oder im Waldesdickicht unter allerlei Vermummung und furchterregenden Gebräuchen ihre Sitzungen gehalten und mit grausamen Foltern und Strafen ihre Opfer gepeinigt, oder ihre Gefangenen in entsetzlichen Kerkern hätten verschmachten lassen.

Mit dergleichen Phantasiegebilden übertüncht man noch immer eine der ehrwürdigsten und großartigsten Erscheinungen des deutschen Mittelalters.

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Der hinkende Teufel – Kapitel 4 – 2. Teil

Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840

Viertes Kapitel – 2. Teil
Die Liebesgeschichte des Grafen von Belflor und Leonore von Cespedes

Leonore hatte sie voll Ungeduld erwartet und fragte sogleich, was sie Neues bringe. »Die allerbeste Nachricht, die Ihr nur wünschen könnt«, antwortete die Alte: »Ich habe den Grafen gesprochen. Seine Absichten sind, wie ich ja gleich am Anfang sagte, untadelig. Er hat keinen anderen Zweck, als Euch zu heiraten; dies hat er mir bei allem, was heilig ist, geschworen. Natürlich habe ich ihm nicht blindlings geglaubt, sondern zu ihm gesagt: ›Wenn Ihr das im Sinne habt, warum geht Ihr nicht den geweihten Weg und wendet Euch an Don Luis?‹

›Ach, liebe Marzella‹, antwortete er, ohne, wie es schien, über meine Frage verlegen zu werden, ›könntet Ihr es wohl gutheißen, Weiterlesen