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Der hinkende Teufel – Kapitel 5 – 1. Teil

Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840

Fünftes Kapitel – 1. Teil
Fortsetzung der Liebesgeschichte des Grafen von Belflor

Don Luis ging sehr früh zum Grafen, der sich immer noch unentdeckt wähnte, und daher über diesen Besuch höchlich verwundert war. Er kam dem Alten entgegen, umarmte ihn mehrere Male hintereinander und sagte: ›Ich bin unendlich erfreut, Euch bei mir zu sehen. Wolltet Ihr mir vielleicht eine Gelegenheit bieten, Euch zu dienen?‹

›Herr Graf‹, antwortete Don Luis, ›ich wünschte, mit Euch allein zu sein.‹

Belflor ließ seine Bedienten abtreten. Sie setzten sich und nun nahm der Alte das Wort. ›Herr Graf‹, sagte er, ›meine Ehre und meine Ruhe machen eine Erklärung nötig, um die zu bitten ich gekommen bin. Ich habe Euch heute früh aus Leonores Zimmer gehen sehen. Sie hat mir alles gestanden, sie hat mir gesagt …‹

›Dass ich sie liebe‹, fiel der Graf ein, der auszuweichen suchte. ›Aber sie hat nur schwache Ausdrücke für das, was ich für sie empfinde. Ich bin von ihr entzückt, ich bete sie an; sie vereinigt alles in sich, Geist, Schönheit und Tugend. Man hat mir gesagt, Ihr hättet auch einen Sohn, der zu Alcala studiert. Gleicht er seiner Schwester? Wenn er so schön ist wie sie und nur etwas von Euch hat, so muss er ein ausgezeichneter Kavalier sein. Ich möchte ihn gar zu gerne sehen und biete Euch meinen ganzen Einfluss für ihn an.‹

›Ihr seid sehr gütig‹, sagte Don Luis mit Ernst, ›aber um wieder auf das zurückzukommen, was …‹

›Man muss ihn sogleich anstellen‹, unterbrach ihn der Graf abermals. ›Ich nehme es auf mich, für sein Glück zu sorgen. Er soll nicht unter dem Haufen der Subalternoffiziere grau werden, das versichere ich Euch.‹

›Gebt mir Antwort, Graf‹, sagte der Alte hitzig, ›und fallt mir nicht immer in die Rede. Wollt Ihr oder wollt Ihr nicht das Versprechen halten?‹

›Ganz zuverlässig‹, unterbrach ihn Belflor zum dritten Mal, ›ich halte mein Versprechen, Euren Sohn mit all meinem Einfluss zu unterstützen. Ihr könnt auf mich zählen, ich bin ein Mann von Wort.‹

›Nein, das geht zu weit, Graf!‹, rief der alte Cespedes aufspringend. ›Zuerst verführt Ihr meine Tochter und dann wagt Ihr es, mich zu höhnen. Ich bin auch von Adel, und dieser Schimpf wird nicht ungerächt bleiben.‹

Und so ging er, kochend vor Wut und tausend Rachepläne in seinem Kopf wälzend.

Als er nach Hause kam, sagte er sehr heftig zu Leonore und ihrer Duenna: ›Der Graf ist mir doch gleich im Anfang verdächtig vorgekommen; er ist ein Verräter, an dem ich mich rächen muss. Was euch betrifft, so wandert ihr morgen miteinander in ein Kloster; macht euch fertig dazu und dankt dem Himmel, dass ihr mit dieser Strafe davon kommt.‹

So sprechend ging er auf sein Zimmer, um bei kälterem Blut zu überlegen, was er in dieser bedenklichen Lage tun solle.

Ihr könnt Euch Leonores Schmerz denken, als sie Belflors Treulosigkeit erfuhr. Sie war wie niedergedonnert, Todesblässe bedeckte ihr Gesicht, die Sinne schwanden ihr und sie sank bewegungslos ihrer Duenna in die Arme, die wirklich glaubte, dass es mit ihr aus sei. Die Alte gab sich alle Mühe, um sie wieder ins Leben zu bringen, und es gelang ihr auch.

Leonore erholte sich, schlug die Augen auf, und als sie ihre Duenna beschäftigt sah, ihr zu helfen, sagte sie mit einem tiefen Seufzer: ›Ach, wie seid Ihr doch so grausam? Warum denn mich aus dem glücklichen Zustand wecken, in welchem ich war? Ich fühlte da nicht das Schreckliche meines Schicksals. Warum ließet Ihr mich nicht sterben? Ihr wisst, welcher Gram die Ruhe meines Lebens vergiftet. Warum wollt Ihr mir es erhalten?‹

Marzella versuchte sie zu trösten; aber sie steigerte nur ihren Schmerz.

›Alles umsonst!‹, rief Leonore, ›ich will nichts mehr hören. Erspart Euch die Mühe, gegen meine Verzweiflung anzukämpfen. Ihr solltet mich vielmehr darin bestärken, denn nur Ihr habt mich in diesen schrecklichen Abgrund gestürzt. Ihr habt Euch für die Redlichkeit des Grafen verbürgt. Ohne Euch hätte ich mich meiner Neigung zu ihm nie überlassen, ich hätte sie nach und nach bemeistert, und der Graf hätte wenigstens nie den geringsten Vorteil davon gehabt. Doch‹, fuhr sie fort, ›ich will Euch an meinem Unglück nicht die Schuld geben, und nur mich allein anklagen. Wer hieß mich auch Eurem Rat folgen und den Schwur eines Mannes ohne Einwilligung meines Vaters annehmen? So rühmlich die Bewerbung des Grafen für mich war, so hätte ich ihn doch lieber verachten, als auf Kosten meiner Ehre zu erhalten suchen sollen; kurz, ich hätte gar niemand trauen sollen, weder ihm noch Euch noch mir selbst. Nun, da ich schwach genug gewesen bin, seinen falschen Schwüren zu trauen, da ich meinen unglücklichen Vater im Innersten betrübt und meine Familie beschimpft habe, nun bin ich mir selbst zum Abscheu. Der einsame Aufenthalt, womit man mir droht, hat nichts Schreckliches für mich. O dass ich meine Schmach in der abscheulichsten Einöde verbergen könnte!‹ Während sie so sprach, vergoss sie bittere Tränen, sie zerriss ihre Kleider und ließ ihre schönen Haare die Ungerechtigkeit ihres Geliebten büßen. Die Duenna stellte sich eben so traurig, wie ihre Gebieterin war; sie ließ auch einige falsche Tränen fallen und stieß tausend Verwünschungen aus über die Männer im Allgemeinen und über Belflor im Besondern.

›Ist es möglich‹, rief sie, ›dass der Graf, den ich für ein Muster von Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit hielt, schlecht genug ist, uns beide zu betrügen? Ich kann mich von meinem Erstaunen nicht erholen, oder vielmehr, ich kann es immer noch nicht glauben.‹

›Freilich‹, sagte Leonore, ›wenn ich mir ihn zu meinen Füßen denke, welches Mädchen hätte diesen zärtlichen Blicken, diesen Schwüren, bei denen er so kühn den Himmel zum Zeugen anrief, diesen unaufhörlichen Ausdrücken glühender Begeisterung misstrauen können? Seine Augen zeigten mir noch mehr Liebe, als sein Mund aussprach; mit einem Wort, er schien ganz bezaubert zu sein. Nein, er hat mich nicht betrogen, ich kann es nicht glauben. Wahrscheinlich hat mein Vater nicht schonend genug mit ihm gesprochen. Sie werden beide hitzig geworden sein, und dann wird der Graf weniger als Liebhaber denn als großer Herr geantwortet haben. Aber vielleicht schmeichle ich mir bloß. Ich muss dieser Ungewissheit ein Ende machen. Ich will an Belflor schreiben und ihm zu wissen tun, dass ich ihn heute Nacht noch einmal erwarte. Er soll mein liebendes Herz entweder beruhigen oder mit eigenem Mund seine Treulosigkeit gestehen.‹

Donna Marzella billigte diesen Plan; sie machte sich sogar Hoffnung, der Graf werde, so ehrgeizig er auch sei, von Leonores Tränen gerührt, sich entschließen, sie zu heiraten.

Während dessen sann Belflor, nachdem er sich den guten Alten vom Halse geschafft hatte, zu Hause über die Folgen nach, die sein Betragen gegen ihn haben könnte. Er dachte sich wohl, dass die ganze Familie Cespedes, aufgebracht über die Beschimpfung, mit Racheplänen umgehen werde; doch machte ihm dies wenig Kummer. Weit mehr beschäftigte ihn seine Liebe. Er stellte sich vor, wie man Leonore in ein Kloster sperren oder wenigstens genau hüten und ihm alle Möglichkeit abschneiden werde, sie wieder zu sehen. Dieser Gedanke machte ihn traurig; er sann hin und her auf Mittel, dem Unglück vorzubeugen, als ihm sein Kammerdiener einen Brief brachte, den Donna Marzella ihm eingehändigt hatte. Er war von Leonore und lautete folgendermaßen:

Ich soll morgen die Welt verlassen, um mich in Klostereinsamkeit zu vergraben. Entehrt, meiner Familie verhasst und mir selbst zuwider, das bin ich jetzt, weil ich Euch angehört habe. Ich erwarte Euch heute Nacht noch einmal. In meiner Verzweiflung suche ich neue Qualen: Kommt und gesteht mir, dass Euer Herz keinen Anteil an den Schwüren hatte, die Euer Mund aussprach, oder bekräftiget sie durch denjenigen Schritt, der mein hartes Schicksal allein mildern kann. Da dieses Rendezvous nach dem, was zwischen Euch und meinem Vater vorgegangen ist, gefährlich werden könnte, so lasst Euch von einem Freund begleiten. Obschon Ihr das ganze Unglück meines Lebens seid, so fühle ich doch, dass mir das Eure noch teuer ist.
Leonore.

Der Graf las diesen Brief zwei- bis dreimal, und indem er sich Leonore in der Lage vorstellte, die sie selbst schilderte, wurde ihm wehmütig ums Herz. Er ging in sich: Vernunft, Rechtschaffenheit, Ehre, die er im Taumel der Leidenschaft vergessen hatte, fingen an, aufs Neue Raum in seiner Brust zu gewinnen. Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen, und wie ein Kranker, der von einem heftigen Fieberanfall wieder zu sich kommt, sich der Albernheiten schämt, die er gesagt oder getan, so errötete nun der Graf über die niedrigen Kunstgriffe, deren er sich bedient hatte, um seine Lüste zu befriedigen.

›Ich Unglücklicher!‹, sagte er, ›was habe ich getan? Welcher Teufel ist in mich gefahren? Ich habe Leonore die Ehe versprochen, ich habe den Himmel zum Zeugen aufgerufen, ich habe gelogen, der König hätte mir eine Gemahlin vorgeschlagen; ich habe Lüge, Treulosigkeit, Meineid, alles angewendet, um die Unschuld zu verführen. Ich Rasender! Hätte ich nicht eher meine Liebe unterdrücken, als durch ein Verbrechen befriedigen sollen? Jetzt habe ich ein Mädchen von Stand verführt, dem Zorn ihrer Familie, die mit ihr entehrt ist, preisgegeben und sie unglücklich gemacht, bloß weil sie mich glücklich machte. Welch schnöder Undank! Ich muss den Schimpf wieder gut machen! Ja, ich muss und will mein Wort lösen und sie heiraten. Wer könnte sich dem widersetzen, was die Gerechtigkeit fordert? Ihre Gefälligkeit beweist nichts gegen ihre Tugend; weiß ich doch, wie viele Mühe es mich kostete, sie zu überwinden. Sie hat sich nicht sowohl meiner Liebe als meinen Schwüren ergeben. Aber auf der anderen Seite bringe ich mich bedeutend in Schaden, wenn ich bei dieser Wahl bleibe. Ich, der ich auf die vornehmsten und reichsten Erbinnen des Reichs Anspruch machen kann, ich sollte mich mit der Tochter eines bloßen Edelmanns, der ein mittelmäßiges Vermögen hat, begnügen! Was wird man bei Hof von mir denken? Man wird sagen, es sei eine lächerliche Partie.‹

So zwischen Liebe und Ehrgeiz geteilt, wusste Belflor nicht, wozu er sich entschließen sollte; aber obschon er in Beziehung auf die Heirat noch schwankend war, so war er doch dahin mit sich einig, dass er Leonore künftige Nacht besuchen wolle; er beauftragte also seinen Kammerdiener, Donna Marzella davon zu benachrichtigen.

Don Luis seinerseits sann den ganzen Tag darüber nach, wie er seine Ehre wieder herstellen könne. Seine Verlegenheit war nicht gering. Nahm er zu den Gesetzen seine Zuflucht, so machte er seine Schande selbst öffentlich, und überdies war zu befürchten, das Recht möchte auf der einen und die Richter auf der andern Seite sein. Ebenso wenig konnte er es wagen, sich zu den Füßen des Königs zu werfen. Er hielt dies für vergeblich, weil er der Meinung war, der Monarch habe die Absicht, den Grafen mit einer anderen zu verheiraten. So blieb ihm also nichts übrig als die Waffen, und dazu entschloss er sich endlich. In der ersten Hitze wollte er den Grafen selbst fordern. Als er aber bedachte, dass er zu alt und zu schwach sei, um sich auf seinen Arm verlassen zu können, so beschloss er, seinen Sohn damit zu beauftragen, dessen Stöße er für sicherer hielt als die seinen. Er schickte also einen Bedienten nach Alcala mit einem Brief, worin er seinen Sohn aufforderte, unverzüglich nach Madrid zu kommen, um eine der Familie Cespedes angetane Beleidigung zu rächen. Dieser Sohn, Don Pedro mit Namen, ist achtzehn Jahre alt, ausgezeichnet schön und so tapfer, dass er auf der ganzen Universität für den gefürchtetsten Fechter gilt; doch Ihr kennt ihn ja selbst, und ich brauche nichts weiter über ihn zu sagen.«

»Es ist wahr«, sagte Don Kleophas, »er schlägt sehr gut und ist in jeder Beziehung ein ausgezeichneter Bursche.«

»Der junge Mann‹, fuhr Asmodi fort, »war indessen nicht in Alcala, wie sein Vater glaubte. Das Verlangen, die Dame seines Herzens wieder zu sehen, hatte ihn nach Madrid zurückgeführt. Bei seinem letzten Besuch in der Hauptstadt hatte er auf dem Prado ihre Eroberung gemacht. Ihr Name war ihm noch unbekannt; man hatte von ihm verlangt, dass er keinen Schritt tun wolle, um ihn zu erfahren, und er hatte sich, wiewohl höchst ungern, in diese grausame Notwendigkeit gefügt. Es war ein Mädchen von Stand, die seine Freundin geworden war und die eine so schlechte Meinung von der Verschwiegenheit und Beständigkeit eines Studenten hegte, dass sie es für nötig hielt, ihn auf die Probe zu stellen, bevor sie sich ihm zu erkennen geben wollte.

Natürlich war er mehr mit seiner Unbekannten als mit dem Aristoteles beschäftigt, und die geringe Entfernung von Alcala nach Madrid machte, dass er sehr häufig, gerade wie Ihr, mein junger Freund, die Collegia schwänzte, nur mit dem Unterschied, dass seine Liebe es besser verdiente als Eure Donna Thomasa. Damit aber Don Luis nichts von seinen Minnefahrten erfahren sollte, quartierte er sich gewöhnlich in einem Gasthof am äußersten Ende der Stadt ein, wo er sich unter einem falschen Namen sorgfältig verborgen hielt. Er verließ seinen Schlupfwinkel nicht eher als morgens zu einer gewissen Stunde, wo er in ein Haus ging, in welchem die Dame, die ihn so von seinen Studien ablockte, in Begleitung einer Kammerfrau sich einzufinden die Gefälligkeit hatte. Den ganzen übrigen Tag blieb er in seinem Gasthof eingesperrt, allein kaum war die Nacht erschienen, so wandelte er überall in der Stadt umher.

Einmal des Nachts, als er durch eine entlegene Straße ging, hörte er eine menschliche Stimme und Instrumente, die seine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Es war eine Serenade, bei der er ein wenig in der Nähe stehen blieb. Der Kavalier aber, der sie zum Besten gab, war betrunken und von Natur grob. Kaum hatte er unseren Studenten wahrgenommen, so ging er schnell auf ihn zu und sagte ohne Komplimente in barschem Ton zu ihm: ›Guter Freund, Ihr könnt immerhin Euers Wegs gehen; naseweise Leute sind hier nicht gerne gesehen.‹

›Ich würde allerdings gehen‹, antwortete Don Pedro beleidigt, ›wenn Ihr mich artig darum gebeten hättet; so aber werde ich bleiben, um Euch zu lehren, was der Brauch ist.‹

›Nun gut‹, sagte der Serenadebringer, seinen Degen ziehend, ›es wird sich bald zeigen, wer Recht behält.‹

Don Pedro zog ebenfalls vom Leder und sie schlugen sich. So geschickt auch sein Gegner war, so konnte er doch einen tödlichen Stoß nicht parieren und sank leblos aufs Pflaster. Indessen hatten die Teilnehmer an der Serenade ihre Instrumente weggeworfen, ihre Degen gezogen und drangen nun alle auf Don Pedro ein, um ihren toten Freund, dem sie nicht mehr helfen konnten, zu rächen. Der Musensohn entwickelte bei dieser Gelegenheit seine ganze Geschicklichkeit. Er parierte nicht bloß mit bewundernswürdiger Fertigkeit alle Stöße, sondern fiel selbst so gewaltig aus, dass seine Gegner genug zu tun hatten. Mittlerweile waren diese so zahlreich geworden und so hartnäckig, dass er trotz aller seiner Geschicklichkeit dennoch verloren gewesen wäre, hätte nicht Graf Belflor, der gerade durch diese Straße ging, seine Verteidigung übernommen. Der Graf hatte Mut und Ehre im Leib. Als er so viele Bewaffnete gegen einen sah, konnte er nicht umhin, sich seiner anzunehmen. Er zog sein Schwert, stellte sich an Don Pedros Seite und drang mit ihm so lebhaft auf die Musikanten ein, dass sie sämtlich davonliefen, die einen verwundet, die anderen, um es nicht zu werden. Als sie fort waren, wollte Don Pedro dem Grafen für seinen Beistand danken, allein Belflor ließ ihn nicht ausreden, sondern fragte nur, ob er nicht verwundet sei.

›Nein‹, antwortete Don Pedro.

›Nun, so wollen wir unseres Wegs weiterziehen‹, sagte der Graf. ›Ihr habt Euren Gegner getötet und es ist nicht ratsam, länger in dieser Straße zu bleiben. Die Polizei könnte uns überraschen.‹

Sie entfernten sich also mit starken Schritten, bis sie in eine andere Straße kamen, und erst als sie den Wahlplatz weit hinter sich hatten, blieben sie stehen. Don Pedro, von gerechter Dankbarkeit durchdrungen, fragte den Grafen, wem er so viel zu danken habe. Belflor nahm keinen Anstand, es ihm zu sagen, und stellte dann dieselbe Frage; aber der Student, der sich nicht erkennen geben wollte, antwortete, er heiße Don Juan de Maros. Zugleich gab er die Versicherung, dass er seine Wohltat nie vergessen werde. ›Ich könnte Euch‹, sagte der Graf, ›noch heute Nacht Gelegenheit geben, Eure Schuld gegen mich abzutragen. Ich habe ein Rendezvous, das nicht ohne Gefahr ist, und wollte eben einen Freund aufsuchen, der mich begleiten sollte. Eure Tapferkeit ist mir bekannt. Dürfte ich Euch wohl bitten, Don Juan, mit mir zu kommen?‹

›Ihr beleidigt mich, wenn Ihr daran zweifelt‹, erwiderte der Student. ›Ich könnte das Leben, das Ihr mir gerettet habt, nicht besser anwenden, als wenn ich es für Euch wage. Kommt, ich bin bereit, Euch zu begleiten.‹

So führte Belflor selbst Don Pedro in seines Vaters Haus und sie stiegen beide über den Balkon in Leonores Zimmer.«

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