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American Indian Weekly Nr. 2 – Aufgespürt in seinem Versteck – Kapitel 5

American Indian Weekly
Nummer 2, 1910
Aufgespürt in seinem Versteck
oder Die Verfolgung des Mitternachtsräubers
von Colonel Spencer Dair
Kapitel 5

Auf der Fährte

Nachdem Bowser und seine Männer beim Zusammentreiben des durchgegangenen Viehs erfahren hatten, dass sich die Öffnungen im Umzäunungszaun auf der Südseite befanden, ritten sie in diese Richtung. Dabei breiteten sie sich in einem weiten Halbkreis aus, um so viel Gebiet wie möglich abzudecken und dadurch die Fährte der fünfzig noch nicht gefundenen Rinder schneller ausfindig zu machen.

Sie preschten hin und her, spähten durch die weichende Dunkelheit nach irgendeinem Anzeichen der vermissten Tiere und spitzten die Ohren für ein fernes Brüllen oder ein Geräusch, das einen Hinweis auf deren Verbleib geben könnte. Und als das Licht immer stärker wurde, waren sie schließlich in der Lage, das Gras nach der breiten Spur abzusuchen, wo das Vieh es auf seiner Flucht niedergetrampelt hatte.

Mehrmals glaubte der eine oder andere der Suchenden, die Fährte gefunden zu haben, nur um nach ein paar Minuten des Folgens festzustellen, dass sie von einer der Rindergruppen stammte, die sie bereits zurückgetrieben hatten.

Die Männer waren so aufgestellt, dass Deadshot am äußersten rechten oder westlichen Ende der Linie ritt, während Pinky, Sandy und der Besitzer der überfallenen Ranch sich in der genannten Reihenfolge nach Osten hin befanden.

Als eine Stunde Tageslicht vergeblich verstrichen war, ohne dass die Spur entdeckt wurde, begannen die Viehzüchter zu begreifen, dass die Verfolgung der Viehdiebe keine leichte Aufgabe sein würde, zu urteilen nach der Art und Weise, wie es ihnen gelungen war, die Fährte von rund fünfzig Rindern zu verbergen.

Diese Erkenntnis spornte sie jedoch nur noch mehr an, die Spur aufzunehmen, und sie machten sich grimmig an die Arbeit.

Zuerst waren sie hin und her geritten, wobei sie sich immer wieder in den Steigbügeln aufrichteten, um die Ebenen um sie herum zu überblicken.

Da diese Methode erfolglos blieb, ritt der Rancher zu Sandy hinüber und befahl ihm, systematisch hin und her zu reiten und bei jeder Kehre etwa dreihundert Yards vorzurücken. Er wies ihn an, Pinky Bescheid zu geben, der wiederum den Cowboy am äußersten Westen informieren sollte.

»Wenn wir die Fährte nicht innerhalb von fünf Meilen aufnehmen können, versuchen wir dieselbe Taktik im Westen und dann im Norden und Osten. Ein Mensch kann keine fünfzig Rinder in die Tasche stecken und damit weglaufen. Die Fährte ist hier irgendwo – und es liegt an uns, uns an die Arbeit zu machen und sie zu finden!«, herrschte Bowser sie an, während er sein Pony herumwarf und zurückritt.

Bevor der neue Befehl jedoch von Sandy an Deadshot übermittelt werden konnte, richtete sich Letzterer plötzlich in seinen Steigbügeln auf und winkte wild mit den Armen. Da es ihm jedoch nicht gelang, die Aufmerksamkeit seiner Gefährten zu erregen, zog er seine Revolver und feuerte dreimal.

Das Knallen der Colts erzielte die gewünschte Wirkung. Die anderen wendeten ihre Pferde und sahen, wie ihr Kamerad ihnen mit den Händen signalisierte, zu ihm zu reiten.

»Hast du sie gefunden?«

»Kannst du sie sehen?«

»Hast du auf jemanden geschossen?«

Diese Fragen wurden dem Cowboy entgegengeschrien, der zu solch aufrüttelnden Methoden gegriffen hatte, um die Aufmerksamkeit seiner Kameraden zu erlangen.

»Glaubt ihr, ich würde hier sitzen und darauf warten, dass ihr alle heraufkommt, wenn ich das Vieh gesichtet oder auf jemanden geschossen hätte?«, fragte der Viehtreiber mit feiner Verachtung.

»Warum hast du uns dann hierhergeholt?«, verlangte der Besitzer der Double-Cross-Ranch zu wissen, wobei sein Ärger verrauchte, als er einen Streich seitens seines Cowboys vermutete.

»Nun, reg dich nicht auf, Sam«, brabbelte Deadshot mit einer Gelassenheit, die seine Kameraden zur Weißglut trieb. »Ich habe das Vieh nicht gesehen, wie ich schon sagte, aber ich habe ihre Fährte gefunden.«

»Wo denn, Mann?«, fragte Pinky.

Bevor der Cowboy jedoch antworten konnte – der es in vollen Zügen genoss, die Neugier der anderen auf die Folter zu spannen –, ritten die Männer an seine Seite.

Dort erstreckte sich, so weit das Auge reichte, eine etwa zwanzig Fuß breite Gasse, in der das fliehende Vieh das Gras so sauber niedergetrampelt hatte, als wäre ein Pfad durch das wogende Mesquite-Gras geschlagen worden.

»Mensch, die hatten es aber verdammt eilig«, rief Sandy aus, während er die Fährte aufmerksam musterte. »Es müssen mindestens vier oder fünf Diebe hinter ihnen her gewesen sein, damit die Rinder so ein Tempo vorlegen.«

»Nun, sitzt nicht nur auf euren Pferden herum und diskutiert«, schaltete sich der Rancher ein. »Steigt ab und sucht den Boden nach Hufspuren ab. Deadshot, du hast doch immer damit geprahlt, wie verdammt geschickt du im Fährtenlesen bist – jetzt zeig uns, ob du auch liefern kannst.«

Diese Aufforderung an ihren Kameraden, in der Sache Farbe zu bekennen, die sein liebstes Thema zum Angeben war, zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der anderen Cowboys. Sie lehnten sich in ihren Sätteln zurück und warteten auf das Ergebnis von Deadshots Spurensuche.

Doch ihre Freude an der Situation wurde jäh vertrieben.

»Sitzt hier nicht wie ein Haufen Greenhorns herum, die darauf warten, dass ein Führer ihnen das Wild aufstöbert«, blaffte Bowser. »Steigt runter und seht nach, ob ihr Deadshot nicht zuvorkommen könnt. Ihr solltet daran denken, dass es hier solche Kreaturen gibt, die die Indianer heap talk-Männer nennen.«

Der Besitzer der überfallenen Ranch war jedoch nicht der Typ, der die ganze Arbeit seinen Männern überließ. Noch während er sprach, glitt er aus dem Sattel und kroch bald darauf auf Händen und Knien über das niedergetrampelte Gras, schob es hin und wieder beiseite und musterte den Boden aufmerksam.

Angespornt durch die beißenden Worte ihres Chefs taten die drei Viehtreiber dasselbe. Einige Minuten lang war das einzige hörbare Geräusch das Schnaufen der Pferden, die versuchten, nach ihrem harten Ritt wieder zu Atem zu kommen.

»Muss ein unbeschlagenes Wildpferd gewesen sein«, brummte Pinky, da kein Abdruck eines Pferdehufs seine Suche belohnte.

»Was hast du denn erwartet, Kavalleriepferde?«, brummte Deadshot verächtlich. »Merkt euch meine Worte: Bevor wir diese Bande von Viehdieben umstellt haben, werden wir wissen, dass wir auf einer Fährte waren!«

»Fürs Erste redest du mal vernünftig«, grinste Sandy.

Und während sie sich gegenseitig gutmütig neckten, setzten die Cowboys ihre sorgfältige Untersuchung fort.

Die Aufgabe, in dem niedergetrampelten und von gespaltenen Hufen zerfurchten Boden Pferdepuren zu entdecken, erwies sich jedoch als zu schwer für die Fähigkeiten der Präriemänner, und schließlich gaben sie den Versuch auf.

»Es hat keinen Sinn, noch mehr Zeit zu verschwenden«, erklärte der Rancher und richtete sich auf. »Schließlich ist es völlig egal, wie viele von den Halunken es waren. Ob ihre Bande nun aus zwei oder einem Dutzend besteht, wir werden sie uns holen! Wir haben ihre Fährte gefunden, das ist die Hauptsache.«

Gekränkt darüber, dass er seine oft wiederholten Behauptungen, alles mit Beinen aufspüren zu können, nicht hatte unter Beweis stellen können, war Deadshot schließlich gezwungen, auf sein Pferd zu steigen und den anderen hinterherzureiten. Diese waren aufgesessen, sobald ihr Chef die Suche beendet hatte, und folgten nun der deutlich erkennbaren Spur durch das Gras.

»Was glaubst du, wo die Viehdiebe hinwollen, Deadshot?«, fragte Bowser, als der Mann sie einholte.

Entschlossen, keine weitere Meinung zu äußern, die nicht auf soliden Gründen beruhte, stellte sich der Viehtreiber in die Steigbügel und erkundete den Horizont vor sich sowie nach rechts und links.

»Natürlich kann man das nicht mit Sicherheit sagen«, begann er, »aber nach dem, was ich über die kleinen Eigenheiten von Viehdieben und die Beschaffenheit dieser Ebenen hier weiß …«

»Oh, mach’s kurz! Wir sind keine Ausflugsgesellschaft, die auf einer Kaffeefahrt herumgeführt wird«, knurrte Pinky. »Wenn du irgendeine Ahnung hast, raus damit.«

»Wie ich schon sagte: Nach meinem Wissen über die Tricks von Viehräubern und diese Ebenen«, wiederholte Deadshot und ignorierte die Unterbrechung seines Kumpels, »würde ich sagen, dass die Diebe auf dem Weg zu den Sangammon-Niederungen sind. Sie sind nicht mehr als vierzig Meilen entfernt, und dort gibt es Sümpfe mit Gras, das hoch genug ist, um einen Elefanten darin zu verstecken.«

Mit verschiedenen Bemerkungen nahmen die anderen diesen Vorschlag über das Ziel des Mitternachtsräubers auf, aber niemand wagte einen offenen Widerspruch.

»Ich schätze, diesmal hast du ins Schwarze getroffen, Deadshot«, erklärte schließlich der Ranchbesitzer. »Obwohl ich gehofft hatte, die Teufel wären vielleicht in Richtung der alten indianischen Katakomben drüben im Geistertal gezogen. Es wäre verdammt noch mal viel leichter, sie aus den Gräbern zu vertreiben als aus den Sangammon-Sümpfen – und für uns nicht so gefährlich. Man läuft leicht Gefahr, in ein Schlammloch zu geraten und zu versinken, noch bevor die Kameraden einen finden können.«

»Vielleicht hat Deadshot ja unrecht«, warf Pinky ein, dem die Worte seines Chefs unerwartete Gefahren vor Augen führten.

Doch keiner der anderen gab einen Kommentar ab, und schweigend, jeder in seine eigenen Gedanken versunken, fegte das Quartett auf seiner Rachemission über die niedergetrampelte Fährte dahin.

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