Der hinkende Teufel – Kapitel 4 – 2. Teil
Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840
Viertes Kapitel – 2. Teil
Die Liebesgeschichte des Grafen von Belflor und Leonore von Cespedes
Leonore hatte sie voll Ungeduld erwartet und fragte sogleich, was sie Neues bringe. »Die allerbeste Nachricht, die Ihr nur wünschen könnt«, antwortete die Alte: »Ich habe den Grafen gesprochen. Seine Absichten sind, wie ich ja gleich am Anfang sagte, untadelig. Er hat keinen anderen Zweck, als Euch zu heiraten; dies hat er mir bei allem, was heilig ist, geschworen. Natürlich habe ich ihm nicht blindlings geglaubt, sondern zu ihm gesagt: ›Wenn Ihr das im Sinne habt, warum geht Ihr nicht den geweihten Weg und wendet Euch an Don Luis?‹
›Ach, liebe Marzella‹, antwortete er, ohne, wie es schien, über meine Frage verlegen zu werden, ›könntet Ihr es wohl gutheißen, Weiterlesen
Der hinkende Teufel – Kapitel 4 – 1. Teil
Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840
Viertes Kapitel – 1. Teil
Die Liebesgeschichte des Grafen von Belflor und Leonore von Cespedes
Der Graf von Belflor, einer der angesehensten Herren am Hof, war sterblich in die junge Leonore von Cespedes verliebt. Er hatte jedoch nicht die Absicht, sie zu heiraten, denn die Tochter eines einfachen Edelmanns schien ihm keine hinreichend glänzende Partie zu sein. Er wollte sie zu seiner Geliebten machen.
In diesem Verlangen folgte er ihr überall hin und verlor keine Gelegenheit, ihr durch seine Blicke seine Liebe auszudrücken. Doch er konnte weder mit ihr reden noch ihr schreiben, da sie fortwährend von einer strengen und wachsamen Duenna namens Marcella beaufsichtigt wurde. Darüber war er verzweifelt, und weil dieses Hindernis sein Verlangen nur noch glühender machte, Weiterlesen
Der hinkende Teufel – Kapitel 3
Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840
Drittes Kapitel
Wohin der hinkende Teufel den Studenten führt und was er ihm zuerst zeigt
Asmodi hatte seine Schnelligkeit nicht umsonst gerühmt. Er durchflog die Luft wie ein von starker Hand abgeschossener Pfeil und ließ sich schließlich auf dem Turm der San-Salvador-Kirche nieder. Nachdem er wieder festen Fuß gefasst hatte, sagte er zu seinem Gefährten:
»Nun, Señor Leandro, ist es nicht eine falsche Redensart, wenn man einen holprigen Wagen ein Teufelsfuhrwerk nennt?«
»Allerdings«, antwortete Zambullo höflich, »denn dieses Fuhrwerk ist lieblicher als eine Sänfte und dabei so förderlich, dass man keine Zeit hat, sich auf der Reise zu langweilen.«
Der hinkende Teufel – Kapitel 2
Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840
Zweites Kapitel
Fortsetzung der Befreiung des Asmodi
Der Dämon sah, dass sein Anblick die Studenten nicht zu seinen Gunsten einnahm, und sagte lächelnd: »Hier, Señor Don Cleophas Leandro Perez Zambullo, sehen Sie den reizenden Liebesgott, den souveränen Beherrscher der Herzen, vor sich. Wie gefällt Euch mein Aussehen und meine Schönheit? Sind die Dichter nicht ausgezeichnete Schilderer?«
»Offen gestanden«, antwortete Don Cleophas, »schmeicheln Sie ein wenig. Ich darf voraussetzen, dass Sie nicht in dieser Gestalt Psyche erschienen sind!«
»Das in der Tat nicht«, fiel der Teufel ihm ins Wort, »ich nahm die Gestalt eines kleinen französischen Marquis an, um sie plötzlich Weiterlesen
Der hinkende Teufel – Kapitel 1
Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840
Erstes Kapitel
Was für ein Teufel der hinkende Teufel ist – Wie Don Kleophas Leandro Perez Zambullo ihn kennenlernte
Über der berühmten Stadt Madrid lag die dichte Finsternis einer Oktobernacht. Es war bereits dunkel, und die Liebhaber hatten auf den Straßen und unter den Balkonen ihrer Angebeteten freie Bahn. Das Geklimper der Gitarren machte den Vätern Angst und die eifersüchtigen Ehemänner unruhig. Mit anderen Worten: Es war beinahe Mitternacht, als Don Kleophas Leandro Perez Zambullo, ein Student aus Alcalá, etwas zu schnell aus dem Dachfenster eines Hauses stieg. Es ging um Leben und Ehre, denn er hatte es mit drei oder vier Raufbolden zu tun, die ihm nachsetzten, um ihn entweder zu ermorden oder zur Heirat mit einer Dame zu zwingen, bei der sie ihn überrascht hatten.
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