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Sagen der mittleren Werra 79

Von der Höhle im Höchheimer Holz

In dem Höchheimer Holz, östlich von Bad Liebenstein, soll sich eine Höhle befinden, zu der nun jedoch niemand mehr den Eingang zu finden weiß. Die Venediger aber, die sich vor langen Jahren in der Gegend umhertrieben, kannten sie genau und füllten dort in der Johannisnacht ihre Säcke mit brauner Erde, die sie dann vergnügt in ihre Heimat trugen und in gediegenes Gold verwandelten.

Einstmals waren den Welschen einige junge Bursche in jener Nacht nachgeschlichen und hatten sich den Eingang gut gemerkt. Als nun jene die Gegend verlassen hatten, schlichen die neugierigen Burschen in die Höhle, fanden aber nichts als einiges Gerät vor, welches die Venediger dort zurückgelassen hatten.

Da sie ein arges Grauen überfiel, so machten sie sich, ohne etwas anzurühren, so schnell wie möglich aus dem Staub.

Dem alten Knieling in Steinbach aber, bei dem die Venediger oft einkehrten, sagten diese bei ihrer Rückkehr im folgenden Jahr, dass ihnen der Berggeist in jener Höhle den Besuch der jungen Bursche mitgeteilt habe und es ein Glück für diese gewesen sei, dass sie dort nicht narriert hätten, sonst hätte keiner die Höhle lebendig wieder verlassen.

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Deutsche Märchen und Sagen 181

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

239. Rotmützchen

In Ostflandern halten die Knechte es sehr mit den Rotmützchen und diese helfen ihnen zu manch bösen Streichen. Wenn die Knechte nämlich ein Liebchen haben, welches ihnen nicht ganz hold ist, dann lassen sie sich das Mädchen nachts von den Rotmützchen aus dem Bett holen und in ihre Kammer oder in den Pferdestall bringen, in dem sie schlafen. Wenn das Mädchen nun erwacht, dann ist es so beschämt, dass es froh ist, zu schweigen und den Knecht, der es ihm angetan hatte, auf seiner Seite zu halten, damit er nur nicht von der Sache spreche. Dadurch ist schon manches Mädchen zu einer Heirat gezwungen worden.

240. Rübezahls Pferde

Ein vornehmer Kriegsobrist hat mir erzählt, Rübezahl sei einmal einem schwedischen Oberstleutnant in Gestalt einer vornehmen Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 78

Sagen-der-mittleren-Werra

Die weiße Frau vom alten Liebenstein

Alle sieben Jahre steigt die weiße Frau von der alten Burg Liebenstein zu dem am Promenadenweg nach Glücksbrunn gelegenen Auborn herab, füllt hier einen mitgebrachten steinernen Krug und badet sich dann in dem Quell.

Hierauf begibt sie sich wieder zur Burg hinauf, um das dort vor Zeiten eingemauerte und noch immer wimmernde Kind zu laben. Andere wollen wissen, dass sich die weiße Frau zuweilen auch in dem Glücksbrunner Teich bade. An ihrem Gürtel hat sie die Schlüssel zu den verwünschten Schätzen droben auf Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 180

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

238. Die roten Zwerge zu Gysephem

Zu Gysephem in der Ecke ist es nicht pleusch (richtig), und man hat oft von Spuken dort gehört. So hatte ein Mädchen auf dem dortigen Meierhof Lamstaps abends noch spät für sich genäht und war, nachdem sie die Haustür gut verschlossen hatte, ruhig zu Bett gegangen. Plötzlich hörte der Bauer ein Geräusch im Haus und sah von seiner Schlafkammer aus, dass alle Fenster im Erdgeschoss hell erleuchtet waren. Er rief der Magd zu, sie habe wohl die Tür nicht richtig zugemacht, und jetzt könne sie auch mal nachsehen, was unten sei, denn es gehe nicht mit rechten Dingen zu. Das Mädchen stand auf, ging die Treppe hinunter und fand, was es war. Denn es saßen wohl tausend rote Zwerge um die Tische, die dort aufgestellt waren, und amüsierten sich köstlich beim Essen und Trinken. Darüber erschrak die Magd so sehr, dass sie ohnmächtig zu Boden sank. Als sie nicht mehr aufstand, ging der Bauer selbst hinunter und fand dasselbe vor.
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Sagen der mittleren Werra 77

Sagen-der-mittleren-Werra

Von den Schatzgräbern auf dem alten Liebenstein

Den Schatz droben im Buchenkranz auf der alten Burg Liebenstein wollten einst viele aus der Umgegend heben. Das war aber nicht so leicht, denn der Geist, der den Schatz hütete, musste erst herbeigerufen und befragt werden, womit man ihn bewegen und heben könne. So ließen sie einen Jesuiten kommen und durch ihn die Sache vorbereiten. Von diesem erfuhren sie nun nicht nur die genaue Stelle, wo der Schatz liege, sondern auch, dass sie ihn mittels eines schwarzen Huhns, an dem aber keine einzige weiße Feder sein oder gewesen sein dürfe, erlangen könnten.
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Deutsche Märchen und Sagen 179

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

237. Der sprechende Bock

Ein Bauer kam in einer hellen Nacht durch den Beveren-Polder und wollte nach Hause zu. Ermüdet setzte er sich unterwegs nieder, um ein wenig auszuruhen. Es war an den Ruinen des alten Schlosses von Beveren (Waesland). Da hörte er plötzlich ein jämmerliches Blöken nahe bei sich. Er stand auf, ging darauf zu und fand ein blutjunges Böckchen, welches noch keine Stunde alt sein konnte.

»Armes Tierchen«, sprach er bei sich, »wie liegst du hier so verlassen!«

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