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Mystery

Mörder und Gespenster – Band 1 – 20. Teil

August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Muttermörder

Kapitel 1

In jenem alten Haus, das mit einer Seite dem Marktplatz des Städtchens und mit der anderen einem engen Gässchen zugewendet ist, will seit fünfzig Jahren niemand einziehen. Das Haus zeigt von außen ein wohlhabendes, wohnliches Aussehen und wahrlich, seine ehemaligen Bewohner gehörten zu den reichsten und angesehensten Bürgern der Stadt. Die Fenster sind blank und ganz, die Dachsteine wohlgefügt, der äußere Anstrich sauber und neu. Es fehlt nichts, was Käufer oder Mieter anlocken könnte, doch niemand kommt, der Lust dazu hätte.

»In dem Haus geht es um«, ist die allgemeine Sage. Zwar kein böser Geist, wird dann hinzugefügt, aber man erschrickt doch Weiterlesen

Der mysteriöse Doktor Cornelius – Band 2 – Episode 7 – Kapitel 1

Gustave Le Rouge
Der mysteriöse Doktor Cornelius
Band 2

Siebente Episode
Ein Drama in der Irrenanstalt
Erstes Kapitel
Eine verheerende Krankheit

In New York sprach man nur noch von der bevorstehenden Hochzeit des Ingenieurs Harry Dorgan mit Miss Isidora, der Tochter des Milliardärs und Éclair-Reederei-Direktors Fred Jorgell. Fred Jorgell war eine sehr beliebte Persönlichkeit in Finanz- und Industriekreisen. Die Éclair-Passagierschiffe, die in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Harry Dorgan gebaut worden waren, hielten den Geschwindigkeitsrekord. Dank ihres extraleichten Rumpfes aus Aluminium und Nickel sowie ihrer mit Öl beheizten Maschinen legten sie die Strecke von Le Havre nach New York in vier Tagen zurück. Auch die Aktien des Unternehmens, die ursprünglich zu hundert Dollar ausgegeben worden waren, wurden nun an allen Börsen der Welt zu dreitausend Dollar notiert.

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Tür des Todes – Kapitel 4

John Esteven
Tür des Todes
Kapitel 4
Francis Ballion

Er stand in der Tür und betrachtete uns. Ich spürte sofort die Dominanz seiner Persönlichkeit wie ein Gewicht. Es war etwas Katzenhaftes an ihm, aber eher wie bei einem Löwen: seine arrogante Haltung, das implizite Gefühl von Macht und seine bedrohliche Wachsamkeit. Dass er wütend war, war offensichtlich, denn er trug das weiße Band der Leidenschaft auf seiner Stirn und seine Augen glühten, wenn er uns ansah. Aber ansonsten waren seine Bewegungen bedächtig. Es war die Ruhe einer langsam brennenden Zündschnur. Ohne den Blick abzuwenden, zog er ein Etui aus der Tasche, zündete sich eine Zigarette an und atmete langsam aus. Doch jede seiner Gesten strahlte Verachtung aus. Und als er endlich sprach, klang die Tiefe und Höflichkeit seiner Stimme giftig.

»Meine Herren! Sie haben mir gegenüber den Vorteil des Namens. Vielleicht kann mir der eine oder andere von Ihnen sagen, ob Weiterlesen

Mörder und Gespenster – Band 1 – 19. Teil

August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Erbe des Teufels

Kapitel 9

Franz erwachte gewöhnlich sehr früh, ganz wie es die Schäfer tun, die mit der Sonne aufzustehen oder ihr gar zuvorzukommen pflegen. Die schauerlichen Begebenheiten der vergangenen Nacht lagen wie ein Traum hinter ihm und sein Herz fühlte sich wunderbar erleichtert. Welche Macht diese Ruhe über ihn gebracht hatte, kümmerte ihn nicht sehr.

Er sprang auf und sah nach dem Alten, der mit klaren Augen dalag, ohne ihn zu fragen, wo er die Nacht verbracht hatte. Auch dies fiel Franz nicht auf, da er wusste, dass der Alte manchmal Gedächtnislücken hatte und oft nicht imstande war, einen Gedanken festzuhalten.

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Tür des Todes – Kapitel 3

John Esteven
Tür des Todes
Kapitel 3
Eine Aussage

Francis Ballion: Was für ein Mensch er war, wo er in dieser letzten Oktobernacht gewesen war – das war nun die entscheidende Frage. Für Norse und mich war er, abgesehen von seinem Porträt unten, immer noch nur ein Name. Meiner Meinung nach konnten wir nichts anderes tun, als auf seine Ankunft zu warten.

In dieser Hinsicht war Norse jedoch anderer Meinung.

»Ich weiß nicht, wann er hier sein wird«, bemerkte der Detektiv, »aber ich hoffe, eher später als früher, denn das verschafft uns Zeit.«

»Wofür?«, fragte ich.

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