Archiv

Im Original Walter Noble Burns

Die Sage des Billy the Kid – Kapitel 14

Walter Noble Burns
Die Sage des Billy the Kid
Kapitel 14

Eine Schönheit des alten Fort Sumner

Billy the Kid hatte in seinem Leben viele flüchtige Liebschaften, doch er liebte nur eine einzige Frau. Zumindest ist es das, woran man im Südwesten seit fast fünfzig Jahren glaubt. Seine Liebe zu ihr war der einzige reine Funke Poesie in seiner Seele. Auf seinem Weg in die Hölle schenkte sie ihm seinen einzigen Blick auf den Himmel.

Über die Identität seiner Geliebten wurde viel spekuliert. Dass sie im alten Fort Sumner lebte, gilt als sicher. Als Billy the Kid später aus Lincoln entkam, hätte er – darin ist man sich weitgehend einig – rasch nach Alt-Mexiko fliehen können, wo er vor Verfolgung sicher gewesen wäre. Das Leben und die Freiheit lockten ihn jenseits des Rio Grande. Doch die Sehnsucht in seinem jungen Herzen zog ihn zu seiner Geliebten, und so ritt er auf direktem Weg nach Fort Sumner. Für die eine Frau seiner Träume Weiterlesen

Die Sage des Billy the Kid – Kapitel 13

Walter Noble Burns
Die Sage des Billy the Kid
Kapitel 13

Ein Fremder aus dem Panhandle

Aus den Ländereien des Mesa kommend, ritten eines Tages im Februar 1878 drei wettergegerbte Männer auf der Texas Road in das alte Fort Sumner ein. Über ihren Sattelknöpfen ruhten lange Büffelgewehre; Bratpfannen und anderes Kochgeschirr klirrten an ihren Sätteln, und ihre mageren, zotteligen Ponys sahen aus, als hätten sie seit langer Zeit weder Hafer noch einen Striegel gesehen.

Kaum hatten sie ihre Ponys am Pecos River angebunden, war von etwas Essbarem die Rede. Daher durchsuchten sie sorgfältig ihre Taschen und fischten einen Dollar und fünfunddreißig Cents in Fünf- und Zehn-Cent-Stücken zusammen. Sie schlenderten in die Stadt, wo ihnen appetitliche Düfte aus einem Restaurant in die Nase stiegen.

Weiterlesen

Die Sage des Billy the Kid – Kapitel 12 Teil 2

Die Sage des Billy the Kid
Kapitel 12 Teil 2

Ein Frieden auf Haaresbreite

Zwei Jahre später erinnerte sich Billy im Schatten des Galgens an das Begnadigungsversprechen des Gouverneurs. Doch die Begnadigung blieb aus, und seine Freundschaft schlug in Hass um.

»Die Schreckensherrschaft in Lincoln County ist noch nicht vorbei«, schrieb Susan E. Wallace, die Frau des Gouverneurs, in einem Brief aus Fort Stanton, »und unser Leben liegt in der Gnade von Desperados und Gesetzlosen, allen voran Billy the Kid, dessen Stolz es ist, für jedes Jahr seines Lebens einen Mann getötet zu haben. Einmal wurde er gefangen genommen und entkam, und nun schwört er, dass er sich ergeben und hängen lassen wird, sobald er den Sheriff, den Richter, der das Urteil über ihn gefällt hat, und Gouverneur Wallace getötet hat.«

»Ich habe vor, auf die Plaza von Santa Fe zu reiten, mein Pferd vor dem Palast anzubinden und Lew Wallace eine Kugel zu Weiterlesen

Die Sage des Billy the Kid – Kapitel 12 Teil 1

Die Sage des Billy the Kid
Kapitel 12 Teil 1

Ein Frieden auf Haaresbreite

Hass stirbt nur langsam, und der Friede kehrte nur zögerlich ein. Die Ruhe, die sich versuchsweise über Lincoln legte, glich einem hochempfindlichen Abzug – an sich harmlos, doch der kleinste Fingerzeig genügte, um ihn tödlich werden zu lassen.

Murphy war nicht mehr am Leben, um den Triumph seiner Fraktion zu genießen. Er starb in Santa Fe kurz vor jener Schlacht, die mit einem Schlag sowohl McSweens Leben als auch dessen Hoffnung auf Macht beendete. Vielleicht war es besser so. Der Krieg hatte Murphy ruiniert. Sein Besitz war verpfändet worden, um seine Kämpfer zu bezahlen. Seine Gläubiger pfändeten seine Rinderfarm, sein Handelsunternehmen sowie sein Hotel; der Big Store wurde schließlich zum Gerichtsgebäude. Einst der Herr der Berge, reich und von immenser Macht, starb er praktisch mittellos.

Doch der Krieg hatte auch das finanzielle Glück von McSween zunichtegemacht. Er hinterließ seiner Witwe kaum mehr als ein Erbe aus Weiterlesen

Die Sage des Billy the Kid – Kapitel 11

Die Sage des Billy the Kid
Kapitel 11

Der Mann, der sich totstellte

Mit Blick auf das Bonito Valley, einige Meilen westlich von Lincoln, steht auf einem Felsvorsprung am Fuß hoher Hügel ein malerisches Bauernhaus aus Adobe. Von deren Hängen weht der Duft von Pinien herüber. Bis zum kleinen Fluss, der sich hier in trägen Schleifen und stillen Teichen dahinschlängelt, erstrecken sich Weizen-, Hafer- und Luzernefelder. Auf den Weiden grasen Rinder und Schafe. Die Obstgärten hängen schwer mit Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Pfirsichen. Nur wenige Meter von der Tür des Bauernhauses entfernt singt ein überquellender Asequia ein Lied des Friedens.

Dies ist das Zuhause von Eugenio Salazar, der wie durch ein Wunder noch heute lebt, um von der kühnen List zu erzählen, die ihm vor fast einem halben Jahrhundert in Lincoln das Leben gerettet hat. Er ist ein fröhlicher und ernsthaft höflicher Mann, der weit über siebzig Jahre alt ist. Er hat eisengraues Haar, einen Schnurrbart und eine große, breitschultrige Statur, die auf die Kraft schließen lässt, Weiterlesen