Archiv

Die Pirateninsel – Kapitel 1-1

Harry Collingwood
Die Pirateninsel
Kapitel 1
Das Wrack der Gunfleet

Es war eine verdammt raue Nacht. Während der beiden vorangegangenen Tage sank das Barometer langsam aber beharrlich. Die Dämmerung sah rot und bedrohlich aus, eine starke Brise wehte von Süd-Ost. Obwohl an diesem tristen Novembertag der Wind mal abflaute, mal etwas zunahm, hatte sich diese Brise bis zum Einbruch der Dunkelheit zu einem regelrechten Novembersturm mit pfeilartigem Regen und Graupelschauern entwickelt, welche von wütenden Böen getrieben einer Musketensalve gleich auf das Straßenpflaster schlugen.
Bei solch einem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür. So sagte sich Ned Anger, als er in Brightlingsea den gemütlichen Schankraum des Ankers betrat, einen Stuhl griff und sich in die Nähe des lodernden Wrackholzfeuers setzte, um auf sein Pint zu warten, welches er am Tresen bestellt hatte.
»Und doch gibt es viele arme Seelen«, erwiderte die dralle Wirtin, während sie Ned das bestellte Pint auf einem kleinen Tablett Weiterlesen →

Vampir Horror Roman Nr. 1

Hugh Walker Hubert Straßl)
Vampir Horror Roman Nr. 1
Vampire unter uns
Erschienen am 12.09.1972 im Erich Pabel Verlag Rastatt
Titelbild: Carolus Adrianus Maria Thole

Jeden Abend sieht sie den Schatten am Fenster. Dann weht ein eisiger Hauch ins Zimmer. Der unheimliche Besucher lässt sich nicht abwehren. Bei seinem Anblick erstarrt die Frau vor Entsetzen. In der Totenstille hört sie immer wieder die gleiche Frage. Aber die Angst erstickt ihre Antwort. Denn sie kann nicht begreifen, dass plötzlich der Mann vor ihr steht, den sie vor vielen Jahren begraben hat …

Hugh Walkers Vampire unter uns verbindet klassische Schauerelemente meisterhaft mit den Mitteln des modernen Mystery-Thrillers. Was zunächst wie das rätselhafte Ehedrama einer entfremdeten Ehe beginnt, entfaltet sich rasch zu einer albtraumhaften Parabel über Schuld, Schicksal und die düstere Macht des Verdrängten.

Weiterlesen →

Der Tyrann von Nottingham – Kapitel 1

Robin Hood
Der Tyrann von Nottingham
Wie Robin Hood den grausamen Normannen Oswald de Burgh gefangen nahm – und warum er ihn wieder freiließ

Kapitel 1: Die Erstürmung von Schloss Nottingham

Im dichten Unterholz des Sherwood Forest, auf dem noch der Tau des frühen Morgens lag, kauerten Robin Hood, Bruder Tuck und Little John. Ganz in der Nähe befanden sich Dutzende Krieger der Freischärler, deren Kleidung sich farblich so sehr dem Laub anpasste, dass sie sich kaum zu verbergen brauchten. Immer mehr Männer trafen ein, und Maid Marian hatte alle Hände voll zu tun, um die tüchtigen Kerle zu verpflegen, die herbeigeströmt waren, um dem Aufruf ihres Anführers zu den Waffen zu folgen.

Denn wie auf den Flügeln eines Pfeils hatte sich die Nachricht vom geplanten kühnen Angriff auf ihren Feind im Schloss Nottingham Meile um Meile durch Lichtungen und Dickicht verbreitet. Aus den tiefsten Winkeln des Waldes strömten die Männer freudig und bereitwillig herbei, sodass Robin Hood bereits am frühen Nachmittag über zweihundert Mann unter seinem Kommando Weiterlesen →

Die Bezwinger des Erdinneren – 1.05

Grigori B. Adamow
Die Bezwinger des Erdinneren
Aus dem Russischen
Erster Teil
Das außergewöhnliche Projekt
Kapitel 5
Der Aufbruch des Tiefengeschosses

Die Zeche Gigant hatte ihren Namen nach einer grundlegenden Rekonstruktion erhalten, bei der man ihre Tiefe auf einen Kilometer gebracht hatte. Das Bergwerk war nach dem neuesten Stand der Technik ausgerüstet. Der gesamte Prozess der Kohleförderung – der Abtransport, das Sortieren, die Förderung über Tage und das Verladen in die Waggons – war vollständig mechanisiert und automatisiert. Die menschliche Arbeit unter und über Tage war auf ein Minimum reduziert worden; der Mensch überwachte nur noch den Lauf der Maschinen. Ein Hochspannungsring, der das Dnepr-Wasserkraftwerk sowie sämtliche Elektrizitätswerke der Südukraine und des Donbass miteinander verband, versorgte die Zeche reichlich mit Strom.

Weiterlesen →

Die Gespenster – Vierter Teil – 50. Erzählung

Die Gespenster
Kurze Erzählungen aus dem Reich der Wahrheit von Samuel Christoph Wagener
Allen guten Schwärmern, welchen es mit dem Bekämpfen und Ablegen beunruhigender Vorurteile in Absicht des Geisterwesens ernst ist, liebevoll gewidmet von dem Erzähler Friedrich Maurer aus dem Jahr 1798
Vierter Teil

Fünfzigste Erzählung
Das schreiende Kind in einer Gegend ohne lebendige Wesen

Bekanntlich treiben bei Weitem die meisten Gespenster ihr Unwesen im nächtlichen Dunkel. Es ist unstreitig gut, dass sie für ihre Neckereien gerade die Nachtzeit wählen, da die Menschen in der Regel schlafen und nur wenige ihren Belästigungen ausgesetzt sind. So wie es aber Menschen geben soll, die selbst am helllichten Tag und mit offenen Augen zugunsten des Gespensterwesens schlafen, träumen und faseln, so scheinen sich auch einige Geister nicht zu entblöden, am Tag ihren Unfug zu treiben. Eines dieser Gelichter schien im Frühjahr 1775 sein Mütchen an mir kühlen zu wollen.

Weiterlesen →