Das verlassene Haus
Beulah Poynter
Das verlassene Haus
I
Der strömende Regen, der seit einer Stunde unaufhörlich niederging, peitschte uns ins Gesicht. Der Wind pfiff durch die Bäume um uns herum und rüttelte so heftig an unserem kleinen Wagen, dass an ein Weiterkommen kaum noch zu denken war. Ein gleißender Blitz, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Donnerkrachen, ließ mich auf meinem Sitz zusammenzucken und die Hände über den Ohren zusammenschlagen.
»Das war’s wohl!«, rief mein Bruder, der vergeblich versucht hatte, das Auto sicher durch den Sturm zu steuern. »Da liegt ein Baum mitten auf der Straße!«
Er hielt an und richtete den Suchscheinwerfer auf das dunkle Hindernis. Es war ein riesiger Baum, der offenbar vom Blitz getroffen worden war und die gesamte Fahrbahn blockierte.
Die Sage des Billy the Kid – Kapitel 14
Walter Noble Burns
Die Sage des Billy the Kid
Kapitel 14
Eine Schönheit des alten Fort Sumner
Billy the Kid hatte in seinem Leben viele flüchtige Liebschaften, doch er liebte nur eine einzige Frau. Zumindest ist es das, woran man im Südwesten seit fast fünfzig Jahren glaubt. Seine Liebe zu ihr war der einzige reine Funke Poesie in seiner Seele. Auf seinem Weg in die Hölle schenkte sie ihm seinen einzigen Blick auf den Himmel.
Über die Identität seiner Geliebten wurde viel spekuliert. Dass sie im alten Fort Sumner lebte, gilt als sicher. Als Billy the Kid später aus Lincoln entkam, hätte er – darin ist man sich weitgehend einig – rasch nach Alt-Mexiko fliehen können, wo er vor Verfolgung sicher gewesen wäre. Das Leben und die Freiheit lockten ihn jenseits des Rio Grande. Doch die Sehnsucht in seinem jungen Herzen zog ihn zu seiner Geliebten, und so ritt er auf direktem Weg nach Fort Sumner. Für die eine Frau seiner Träume Weiterlesen
Das Gespensterbuch – Zwölfte Geschichte – Teil 3
Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913
Nikolaus Gogol
Wij, der Fürst der Dämonen – Teil 3
Der Hauptmann war schon alt. Er hatte einen grauen Schnurrbart und saß, den Kopf auf beide Hände gestützt, mit einem Ausdruck dumpfer Trauer am Tisch. Er mochte fünfzig Jahre alt sein; aber der tiefe Gram in seinen Zügen und die bleiche, schlechte Farbe bewiesen, dass sein Herz ganz plötzlich gebrochen und vernichtet, und dass all seine frühere Fröhlichkeit und das laute sorglose Leben für immer zerstört war. Als Choma mit dem alten Kosaken in das Zimmer trat, nahm der Hauptmann die eine Hand vom Gesicht und nickte unmerklich mit dem Kopfe; Choma und der Kosak verbeugten sich tief vor ihm und blieben ehrfurchtsvoll an der Tür stehen.
Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel X, Teil 4
Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.
Kapitel X, Teil 4
Kaum Platz genommen, erhob sich Herzog Michel von seinem Sitz und begann: »Meine Herren Lords! Es muss Ihnen bereits bekannt sein, auf welche scheußliche Weise abermals ein Soldat des englischen Heeres, ein Husar vom 7. Regiment, sein Leben verlor und zu Tode gepeitscht wurde. Ich trage nun darauf an, für den Augenblick alles andere ruhen lassend, dass ein Gesetz in Vorschlag gebracht werde, welches ein für alle Mal die Peitschenstrafe bei unserem Heer aufhebt. Ist es nicht eine Schande für Großbritannien, dass dessen Krieger noch immer durch die siebenschwänzige Katze in Zucht und Ordnung gehalten werden sollen – nicht müssen; denn der englische Soldat besitzt ebenso viel Ehrgeiz und steht auf derselben Stufe der Bildung wie der französische und deutsche, und wenn er hie und da mehr Rohheit zeigt, so ist es gerade diese rohe Behandlung, welche sie erzeugt. Fast in allen deutschen Staaten ist das Stockregiment abgeschafft, und wir, die wir uns das freie England nennen, an die Spitze der zivilisierten Nationen stellen wollen, wir Weiterlesen
American Indian Weekly Nr. 2 – Aufgespürt in seinem Versteck – Kapitel 8
American Indian Weekly
Nummer 2, 1910
Aufgespürt in seinem Versteck
oder Die Verfolgung des Mitternachtsräubers
von Colonel Spencer Dair
Kapitel 8
Red Rogers schickt eine Nachricht an das Fort
In angespanntem Schweigen sah Rose zu, wie der Bandit näher kam, um die Befehle seines Herrn auszuführen.
Einen Augenblick lang dachte das Mädchen daran, sich sowohl dem berüchtigten Gesetzlosen, der sie zurückgewiesen hatte, als auch seinem Handlanger zu widersetzen. Ein einziger Schnitt mit ihrem Bowie-Messer würde die Fesseln des Pfadfinders hinter ihrem Rücken durchtrennen – und dann könnte sie sowohl Red als auch Pedro mit ihren Revolvern in Schach halten.
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