Archiv

Dracula & Co.

Im Schatten des Vollmonds I

Im Schatten des Vollmonds I
Weshalb der Werwolf im Horror-Filmgenre benachteiligt ist

Im Vergleich zu anderen klassischen Filmunholden der Kinogeschichte werden Werwölfe, um aufrichtig zu sein, häufig vernachlässigt. Während sich Vampire und Untote auf zahlreiche legendäre Werke berufen können und Geister beziehungsweise Hexen ohnehin allerorts präsent sind, erweisen sich hervorragende Lykanthropen-Produktionen auf der großen Leinwand als eine Rarität. Die Gründe hierfür werden im folgenden Beitrag analysiert.

Allerdings zählt der Werwolf zu den ältesten sowie weltweit am häufigsten verbreiteten Wesen der volkstümlichen Überlieferung. Sein modernes Fundament erstreckt sich bis zur antiken griechischen Schrifttradition, bevor er sich zu einer zentralen Figur in europäischen mündlich überlieferten Erzählungen entwickelte und die Menschheit am Feuer mit Besorgnis erfüllte. Gegenwärtig begegnet man der Gestalt des Werwolfs in praktisch allen kulturellen Regionen – vom nordischen Úlfheðinn bis zum östlichen Werewolf – und unterstreicht die menschliche Leidenschaft für die Vermischung von Mensch und Tier. Allerdings treten Werwölfe auf der Leinwand deutlich seltener – und zumeist weniger erfolgreich – auf als erheblich neuere Nachtgeschöpfe wie zum Beispiel Weiterlesen →

Wie schmeckt das Blut von Dracula (1970)

Wie schmeckt das Blut von Dracula (1970)

Der vierte Teil der Hammer-Dracula-Reihe markiert das Kinodebüt von Regisseur Peter Sasdy. Die vorliegende Kritik untersucht das Spannungsfeld zwischen Sasdys atmosphärischer Inszenierung und den strukturellen Defiziten im Drehbuch von John Elder. Im Fokus stehen dabei die detaillierte Charakterzeichnung der ersten Filmhälfte sowie die zunehmende Marginalisierung der Titelfigur innerhalb der etablierten Studio-Formel.

Wie schmeckt das Blut von Dracula ist der vierte Teil der legendären Hammer-Reihe, kann sich jedoch kaum mit der Qualität des Originals Dracula (1958) messen. Er stellt zwar eine Steigerung gegenüber dem schwachen Vorgänger Draculas Rückkehr dar, leidet aber massiv unter dessen übernommenen Mängeln. Dennoch repräsentiert das Werk wohl das Beste, was man innerhalb der engen Grenzen der Hammer-Formel und der recht starren Vorstellung des Studios vom Dracula-Mythos erwarten kann.

Das Werk profitiert spürbar von der Regie Peter Sasdys und – wie gewohnt – von der charismatischen Präsenz Christopher Lees. Das Drehbuch von John Elder lässt beiden jedoch kaum Spielraum. Elder (eigentlich Hammer-Produzent Anthony Hinds) leistete immerhin bewundernswerte Arbeit dabei, das bizarre Ende des Vorgängerfilms schlüssig mit der neuen Geschichte zu verknüpfen.

Weiterlesen →

Frankenstein 1910

Frankenstein (1910)

Es braucht wohl einen besonders nüchternen Geist, um Thomas Alva Edison nicht zumindest eine Prise Bewunderung entgegenzubringen. Während andere Erfinder mit einer Handvoll Schöpfungen in die Annalen eingehen, scheint es bei Edison mitunter einfacher, all jene Dinge aufzuzählen, die er nicht erfunden oder zumindest zur Vollendung geführt hat. Sein Ruf mag stellenweise überhöht sein, bedenkt man seine Neigung, die Werke anderer unter seinem Namen zu vermarkten. Doch selbst jene Skepsis verblasst angesichts der Tatsache: 1093 Patente – eine Zahl, die für sich spricht.

Schon Kinder verbinden Edison mit der Erfindung der Glühbirne, und Erwachsene erinnern sich an seine Pionierrolle bei der Elektrifizierung und der Tonaufzeichnung. Weniger bekannt bleibt jedoch sein Einfluss auf die frühen Tage des Films, eine Kunst, die er maßgeblich formte.

Im Jahr 1888, kaum dass der Phonograph seinen Triumph gefeiert hatte, begann Edison zusammen mit William K. L. Dickson, einem seiner fähigsten Mitarbeiter, das Geheimnis bewegter Bilder zu entschlüsseln. Inspiriert von Eadweard Muybridges fotografischen Experimenten entwickelten sie eine Technik, die auf schnell aufeinanderfolgenden Fotografien beruhte. Diese Arbeit erforderte nicht nur die Entwicklung eines geeigneten Mediums – damals waren Glasplatten noch Standard –, sondern auch die Konstruktion von Geräten zur Aufnahme und Präsentation dieser Bilder.

Weiterlesen →

Dracula (1958)

Dracula (1958)

Auf der Suche nach seinem vermissten Freund Jonathan Harker wird der Vampirjäger Dr. Van Helsing zum Schloss von Graf Dracula geführt. Dort findet er einen untoten Harker in Draculas Gruft und erfährt, dass der Graf es nun auf Harkers kränkelnde Verlobte Lucy Holmwood abgesehen hat. Mit der Hilfe von Lucys Bruder Arthur kämpft Van Helsing darum, Lucy zu beschützen und dem parasitären Schrecken von Graf Dracula ein Ende zu setzen.

Nachdem sich der Kutscher geweigert hat, sich dem Schloss Dracula zu nähern, legt der angesehene Gelehrte Jonathan Harker die letzten Kilometer seines Weges im Jahr 1885 zu Fuß zurück – ein Vorhaben, das unweigerlich ins Verderben führt (dies wird durch das Lesen seiner Tagebucheinträge erzählt). Beim Betreten der düsteren, gotischen Residenz, die überraschend gut beleuchtet ist, wird er in einem prunkvollen Saal mit einer anständigen Mahlzeit empfangen. Doch sein Gastgeber bleibt unsichtbar. Stattdessen wird er von einer geisterhaften Frau überrascht, die ihm unheilvolle Bitten und Warnungen zuflüstert: »Er hält mich gefangen! Bitte hilf mir zu entkommen!«

Weiterlesen →

Draculas Braut (1936)

Draculas Braut (1936)

Der Film Draculas Braut aus dem Jahr 1936 knüpft direkt an den bahnbrechenden Horrorfilm Dracula (1931) an und beschreitet gleichzeitig neue erzählerische Wege. Unter der Regie von Lambert Hillyer und mit Gloria Holden in der Titelrolle entstand ein Werk, das weniger auf Schockeffekte als auf psychologische Tiefe und subtile Atmosphäre setzt. Trotz seines geringen Bekanntheitsgrades in der Geschichte des Horrorfilms verdient der Film sowohl aufgrund seiner thematischen Ambitionen als auch seiner stilistischen Besonderheiten eine besondere Beachtung.

Universal Pictures hatte das Horrorgenre zur Entstehungszeit des Films bereits entscheidend geprägt. Er sollte an den Erfolg von Frankensteins Braut (1935) anknüpfen. Dabei wagte das Studio eine bedeutende Innovation: die Einführung einer weiblichen Hauptfigur.

Die Produktion war von Anfang an von Schwierigkeiten geprägt. Das ursprüngliche Drehbuch von John L. Balderston, das einen anspruchsvollen und ernsten Horrorfilm vorsah, fiel der Zensur des Hays Office zum Opfer, und Universal musste auf eine Weiterlesen →