Archiv

Die Geheimnisse Londons – Band 1- Kapitel 17

George W. M. Reynolds
Die Geheimnisse Londons
Band 1

Kapitel 17
Eine Höhle des Schreckens

Wie schmutzig, ungesund und abstoßend die gesamte Umgebung der West Street (Smithfield), Field Lane und Saffron Hill heute auch erscheinen mag, so war sie vor einigen Jahren doch noch weitaus schlimmer. Es gab damals nur wenige Senkgruben; und kaum eine der existierenden verfügte über einen Abfluss. Die Abdeckereien von Cow Cross und die Betriebe in der Castle Street, in denen Pferdefleisch zu Futter für die Hunde und Katzen der Metropole verkocht wird, verströmen heute, wie damals, einen üblen und krank machenden Gestank, der von einem empfindlichen Magen unmöglich ertragen werden könnte. An den Fenstern dieser Betriebe hängen die Knochen der Tiere zum Bleichen und beleidigen das Auge ebenso sehr, wie der entsetzliche Gestank des Fleisches abstoßend auf die Nerven wirkt. Oft werden in jeder dieser Stätten täglich über sechzig Pferde geschlachtet; und Weiterlesen

American Indian Weekly Nr. 2 – Aufgespürt in seinem Versteck – Kapitel 6

American Indian Weekly
Nummer 2, 1910
Aufgespürt in seinem Versteck
oder Die Verfolgung des Mitternachtsräubers
von Colonel Spencer Dair
Kapitel 6

Die Rächer werden aufgehalten

Nach einem einstündigen, harten Ritt stießen die Rächer auf den Kadaver eines Ochsen, der mitten auf dem Pfad lag.

Der Anblick des verendeten Tieres schien den Besitzer der Double Cross-Ranch schier um den Verstand zu bringen.

»Seht euch diesen Ochsen an!«, brüllte er. »Nie hat besseres Vieh auf den Ebenen gegrast! Und hier liegt es nun, zu Tode gehetzt! Verflucht seien diese Teufel! Ich werde sie dafür büßen lassen, dass sie meine Rinder geraubt und sie dann so mörderisch Weiterlesen

Deutsches Sagenbuch – 001

Ludwig Bechstein
Deutsches Sagenbuch
Leipzig, Verlag von Georg Wigand, 1853
1. Vom deutschen Rheinstrom

Heilige Wasser rinnen von den Bergen des Himmels – so singt es die Edda, das uralte Götterlied. So entspringt auch der Rhein, der heilige Strom des deutschen Vaterlandes, dem Gottesberg (St. Gotthard). Aus Eispalästen und dem Schoß der Alpen fließt er als Strom des Segens herab. Schon die Alten sagten über ihn: »Die Donau ist aller Wasser Frau, doch kann der Rhein mit Ehren ihr Mann sein.«

Die Urbewohner seiner Ufer hielten seine Flut für so wunderbar, dass sie ihm neugeborene Kinder übergaben, um deren eheliche Geburt zu prüfen. Rechtmäßige Abkömmlinge trug die Strömung sanft an das Ufer zurück; uneheliche Kinder jedoch zog er mit ungestümen Wellen und reißenden Wirbeln in die Tiefe – als zorniger Rächer und Richter über die Unreinheit. Andere Anwohner brachten dem heiligen Strom mit Pferden ihr Liebstes als Opfer dar.

Weiterlesen

Einbrecher aus Leidenschaft – Ein Gaunerstück – Teil 2

E.W. Hornung
Einbrecher aus Leidenschaft
Ein Gaunerstück

Teil 2

»Morgen Abend!«, rief ich aus. »Was, um alles in der Welt, hast du denn vor?«

»Den Bruch«, sagte Raffles. »Ich wollte dir eigentlich schreiben, sobald ich wieder in meinen Zimmern bin, um dich zu bitten, morgen Nachmittag bei mir vorbeizuschauen. Dann wollte ich dir meinen Schlachtplan darlegen und dich von dort aus direkt ins Gefecht führen. Es geht nichts darüber, die nervösen Spieler zuerst an den Schlag zu bringen; das lange Warten mit angelegten Beinschützern bringt sie nur um den Verstand. Das war ein weiterer Grund, warum ich mich so verdammt bedeckt gehalten habe. Du musst versuchen, mir zu verzeihen. Ich konnte nicht vergessen, wie großartig du beim letzten Ausflug mitgespielt hast, ganz ohne Zeit, vorher weichzuwerden. Ich will morgen Abend nur, dass du ebenso kühl und clever bist wie damals – obwohl, bei Gott, die beiden Fälle in keinem Verhältnis zueinander stehen!«

Weiterlesen

Kommissar Rosic – Band 1.05

Rodolphe Bringer
Kommissar Rosic
Band 1
Der Dolch aus Kristall
Kapitel 5: Crystal-Dagger

Als der Zug Nummer 62 in den Bahnhof einfuhr, erblickte Guillenot, wie der Streckenwärter von Pierrelatte ausstieg. Bevor er in Valence stellvertretender Bahnhofsvorsteher wurde, hatte er als leitender Arbeiter in Pierrelatte gedient und stand in engem Kontakt mit Monsieur Lahuche; er ging also zielstrebig auf ihn zu, die Hand bereits ausgestreckt.

»Welch guter Wind weht Sie hierher?«, fragte er.

»Mein Lieber«, antwortete Lahuche, »ich glaube, mein Streckenwärter Frégière hat den Mörder aus dem B-14 entdeckt.«

»Ach was!«, rief Guillenot aus. »Das ist eine lange Geschichte. Ich habe den ersten Zug genommen und Frégière mitgebracht.«

Weiterlesen