Das Geheimnis zweier Ozeane – Erster Teil – Kapitel 7
Grigori B. Adamow
Das Geheimnis zweier Ozeane
Ein wissenschaftlich-phantastischer Roman
Originaltitel: Тайна двух океанов
Erster Teil
Ein außergewöhnliches Schiff
Kapitel 7
Das U-Boot PIONIER
In diesen lebhaften Gesprächen mit Marat und den ruhigen, aber nicht weniger interessanten Unterhaltungen mit anderen Spezialisten des U-Bootes erfuhr Pawlik in den Grundzügen alles, was die Hauptbesonderheit dieses außergewöhnlichen Unterwasserschiffs ausmachte.
Die PIONIER war wahrhaftig die Herrscherin der Meeresweiten. Sie konnte in beliebige Tiefen abtauchen, ohne befürchten zu müssen, von kilometerdicken Wassermassen zerquetscht zu werden, und sie konnte die Ozeane kreuz und quer überqueren, ohne Häfen oder Stützpunkte anlaufen zu müssen oder auf diese angewiesen zu sein. Ihre einzige Basis war der grenzenlose Weltozean mit all seinen unerschöpflichen Energie- und Nahrungsvorräten.
Der Rumpf der PIONIER bestand aus einer neuen Legierung, die erst kürzlich von sowjetischen Metallurgen entdeckt worden war. Bekanntlich erhalten Legierungen verschiedener Metalle oft völlig neue, überraschende Eigenschaften. Aluminium beispielsweise ist ein sehr leichtes und weiches Metall. Verschmilzt man es jedoch mit winzigen Mengen Kupfer, Mangan und Magnesium, gewinnt die entstandene Legierung (Duraluminium) die Härte von Stahl, während sie die Leichtigkeit des Aluminiums behält. Genau dank dieser Eigenschaften – Leichtigkeit und Härte – findet Duraluminium im Bau von Flugzeugen und Luftschiffen breite Anwendung.
In die komplexe Rezeptur der neuen Legierung hatten die sowjetischen Metallurgen einige seltene Elemente in völlig neuen Kombinationen und Mengen eingebracht. Die entstandene Legierung erwies sich als so leicht, robust und – was am wichtigsten war – so günstig, und die Konstruktion des U-Boot-Rumpfes war so clever und gelungen, dass die PIONIER in der Lage war, einem Druck von über tausend Atmosphären standzuhalten. Die besten modernen U-Boote hingegen konnten aufgrund der Unzulänglichkeit von Material und Konstruktion nicht tiefer als zweihundert bis dreihundert Meter tauchen und hielten dabei einem Druck von nur zwanzig bis dreißig Atmosphären stand.
Noch bemerkenswerter erwies sich das von Krepin entwickelte Verfahren, dem Ozean mithilfe von Thermoelementen elektrische Energie zu entziehen, sowie die Methoden zur Speicherung und Nutzung dieser Energie für den Antrieb und die Bewaffnung des U-Bootes.
Der Strom aus den thermoelektrischen Kabelbatterien floss in Akkumulatoren. Dies waren jedoch nicht jene sperrigen, schweren und kapazitätsarmen Akkus, die gewöhnliche U-Boote nutzen mussten und die elektrische Energie für höchstens zwanzig bis dreißig Stunden Unterwasserfahrt speichern konnten. Drei vollständig geladene Batterien aus den neuen Akkumulatoren – die klein, leicht und von enormer Kapazität waren – versorgten die PIONIER fünfzehn Tage lang ununterbrochen auf Unterwasserfahrt mit Licht, Heizung, Antriebskraft und Energie für weitere technische Bedürfnisse. Erst nach Ablauf dieser Frist war der gesamte elektrische Energievorrat in den Akkumulatorenbatterien erschöpft, und sie verlangten nach einer erneuten Aufladung. Dazu musste das U-Boot anhalten und seine Kabelbatterien in Gang setzen.
Diese Akkumulatoren waren eine glänzende Errungenschaft des berühmten Moskauer Instituts für Physikalische Probleme, das sich durch seine Arbeiten auf dem Gebiet tiefer Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt (−273,15 °C) längst Weltruhm erworben hatte. Eines der wichtigsten Probleme, an denen das Institut forschte, war das Phänomen der elektrischen Supraleitung bei tiefen Temperaturen.
Das Phänomen der Supraleitung besteht darin, dass viele Metalle, Legierungen und chemische Verbindungen von Metallen bei einer für den jeweiligen Stoff spezifischen Temperatur nahe dem absoluten Nullpunkt plötzlich die Fähigkeit verlieren, dem durch sie geleiteten elektrischen Strom Widerstand entgegenzusetzen. Der Strom fließt durch sie hindurch, ohne einen Teil seiner Energie in Form von Wärme zu verlieren, die normalerweise für die Überwindung des Leiterwiderstands aufgewendet wird. Dank dieser Eigenschaft bleibt der elektrische Strom in einem geschlossenen Ring aus beispielsweise Bleidraht, der sich in flüssigem Helium bei einer Temperatur von – 271,9 °C befindet, mehrere Tage lang erhalten.
Dem Institut für Physikalische Probleme gelang es nach langer und beharrlicher Suche, eine Metalllegierung zu finden, die sich bei einer Temperatur, die nur zwei Hundertstel Grad vom absoluten Nullpunkt entfernt lag, in einen Supraleiter mit ungeheuer hoher Energiekapazität und einer langen Relaxationszeit verwandelte – also der Zeitspanne, in der der Strom nach dem Abschalten der elektromotorischen Kraft erhalten bleibt. Das Institut entwickelte auf Vorschlag staatlicher Stellen für Krepins U-Boot winzige, leichte Akkumulatoren, die riesige Mengen an Elektroenergie speichern, lange halten und je nach Bedarf abgeben konnten.
Am meisten erstaunte Pawlik jedoch die enorme, unerhörte Geschwindigkeit, die die PIONIER unter Wasser entwickeln konnte. Während U-Boote herkömmlicher Bauart bei Unterwasserfahrt eine Geschwindigkeit von nicht mehr als zwanzig Knoten erreichen konnten, schaffte die PIONIER mühelos achtzig bis neunzig Knoten – genauso viel wie die schnellsten überwasserfahrenden Torpedoboote und U-Boot-Jäger.
Doch wie war es Krepin gelungen, eine solche unerhörte Geschwindigkeit trotz des enormen Widerstands zu erreichen, den das Wasser einem Schiff besonders bei der Unterwasserfahrt entgegensetzt?
Es ist bekannt, dass die besten Unterwasserschwimmer Fische, Wale und Kopffüßer sind. Über Hunderte von Millionen Jahren hinweg und über Millionen von Generationen passten sie sich im ununterbrochenen Kampf ums Dasein an das wässrige Element an. Es siegten, überlebten und hinterließen Nachkommen nur jene, die besser ausgerüstet waren und sich in ihrem meeresfrischen Element schneller fortbewegten. Infolgedessen nahmen ihre Körper Formen an, die die höchste Bewegungsgeschwindigkeit bei geringstem Kraftaufwand gewährleisten. Dies sind die Form eines Torpedos und die Form eines hängenden Flüssigkeitstropfens mit einer Wölbung vorne und einer Verjüngung zum hinteren Ende hin. Beide Formen besitzen ihren größten Durchmesser im ersten Drittel ihres vorderen Teils. Dennoch war schon lange bewiesen worden, dass genau diese Formen dem umgebenden Medium – Wasser oder Luft – bei der Vorwärtsbewegung den geringsten Widerstand entgegensetzen. Wasser- oder Luftströmungen umfließen solche Formen sanft und strömen dahinter ebenso sanft wieder zusammen, ohne saugende Wirbel zu bilden.
Ingenieur Krepin verzichtete auf die übliche spitze Bugform des U-Boot-Rumpfes und verlieh seiner PIONIER die Form eines Pottwals. Nach den Berechnungen des Konstrukteurs stellte sich nämlich heraus, dass der Pottwal trotz seiner riesigen Maße und seines Gewichts für die Bewegung jedes Quadratmeters seiner Oberfläche weniger Kraft aufwendet als jeder andere Meeresbewohner.
Des Weiteren ist jedem die große Bedeutung des Schleims bekannt, der den Körper fast aller Wasserorganismen bedeckt – insbesondere jener, die nicht an einem Ort verharren, sondern sich aktiv und schnell bewegen. Tatsächlich verringert Schleim die Reibung und den Wasserwiderstand während der Bewegung erheblich. Krepin faszinierte der Gedanke, die Geschwindigkeit der PIONIER zu steigern, indem er ihren Rumpf mit etwas Ähnlichem wie Schleim überzog. Doch selbst wenn es gelungen wäre, die Oberfläche der PIONIER mit künstlichem Schleim zu bedecken, wäre dieser kontinuierlich vom Wasser abgespült worden. Nach langer Suche fand Krepin einen völlig überraschenden Ausweg: In den Fällen, in denen es notwendig war, besonders hohe Geschwindigkeiten zu erreichen, umgab er den Rumpf der PIONIER anstelle von Schleim mit einer Schicht aus heißem Dampf. Unter Nutzung ihrer unerschöpflichen Elektroenergievorräte erhitzte die PIONIER die gesamte äußere Hülle des U-Bootes auf eine Temperatur von zweitausend Grad. Bei dieser Temperatur verwandelte sich eine dünne Schicht des umgebenden Wassers augenblicklich in Dampf. Durch die schnelle Bewegung des U-Bootes kamen immer neue Wasserschichten mit seiner glühenden Oberfläche in Berührung und erzeugten ununterbrochen eine durchgehende gasförmige Hülle um das Schiff. Dadurch wurde die Wasserreibung eliminiert und es entstand eine Reibung in einem gasförmigen Medium, dessen Dichte zwar höher war als die der Atmosphäre, aber um ein Vielfaches geringer als die Dichte des Wassers. Der um das U-Boot entstehende Dampf kühlte sich, sobald sich das Schiff von dem jeweiligen Punkt entfernte, unter dem Einfluss der niedrigen Umgebungstemperatur sofort ab und verwandelte sich wieder in Wasser, ohne die Oberfläche in Form von Blasen zu erreichen.
Schließlich beschloss Ingenieur Krepin, auf Schiffsschrauben zu verzichten. Nur die Rakete konnte nach Krepins fester Überzeugung die Möglichkeit bieten, sowohl die enorme Leistung seines Kraftwerks als auch die kolossale Festigkeit und Hitzebeständigkeit des Metalls, aus dem die PIONIER gebaut war, voll auszuschöpfen. Es schien, als könne man in einem so dichten Medium wie dem Wasser am wenigsten das Vorkommen natürlicher Strahlantriebe erwarten. Mittlerweile war jedoch längst bekannt, dass einige Wasserorganismen – wie etwa so hervorragende Schwimmer wie die Kopffüßer – sich dieser Fortbewegungsweise perfekt bedienen, indem sie Wasser vorne in ihre Trichter einsaugen und es anschließend durch starkes Zusammenziehen nach hinten ausstoßen.
Doch für einen Strahlantrieb wird sehr viel Treibstoff benötigt, der bei der Verbrennung enorme Mengen an Antriebsenergie freizusetzen vermag. Woher konnte die PIONIER diesen Treibstoff beziehen und wie lagerte sie ihre Vorräte, die gemessen an der Dauer der ununterbrochenen Fahrt, zu der sie fähig war, vermutlich sehr beträchtlich sein mussten? Auch hier kam dem Konstrukteur der PIONIER, wie in vielen anderen Fällen, wieder der Weltozean zu Hilfe – mit seinen unerschöpflichen Ressourcen und seinen riesigen, noch ungenutzten Möglichkeiten.
Der Ozean sollte der PIONIER Knallgas in unbegrenzter Menge liefern, dessen furchtbare Explosionskraft hinlänglich bekannt ist.
Um dieses Gas zu gewinnen, muss man über zwei Gase verfügen: Wasserstoff und Sauerstoff – genau jene Stoffe, die sich zu Wasser verbinden. Man kann sie auf verschiedene Weise gewinnen, doch die einfachste Methode ist die Zersetzung von Wasser durch Elektrolyse. Dazu taucht man zwei mit einer Stromquelle verbundene Elektroden in ein Gefäß mit angesäuertem Wasser. Leitet man elektrischen Strom durch das Wasser, scheidet sich an einer Elektrode – der Anode – Sauerstoff ab und sammelt sich in Bläschen, während an der anderen – der Kathode – Wasserstoff entsteht. Beide Gase gelangen durch Rohre in getrennte Behälter. Mischt man sie anschließend in bestimmten Mengenverhältnissen beim Ausströmen, entsteht Knallgas.
Es genügt, einen elektrischen Funken durch dieses Gas zu schicken, um eine Explosion auszulösen. Um einen Strahlantrieb zu erzeugen, müssen diese Explosionen in einer speziellen Kammer stattfinden, die sich im hinteren Teil des Schiffes oder der Rakete befindet. Diese Kammer muss eine äußere Austrittsöffnung besitzen, die sich zu einer Düse (einem Trichter) erweitert. Wenn in der Kammer eine Explosion stattfindet, drängt der dabei entstehende Wasserdampf heraus und schlägt mit enormer Kraft nach allen Seiten.
Auf der Rückseite der Kammer hat der Wasserdampf jedoch einen Auslass – die Düse -, während auf der Vorderseite dieser Auslass fehlt; so wirft die gesamte Explosionskraft, die nach vorne gerichtet ist, die Rakete oder das U-Boot vorwärts.
Indem diese Explosionen rasch aufeinanderfolgen, verleihen sie dem U-Boot eine immer weiter ansteigende Geschwindigkeit.
Als Ergebnis der Knallgasexplosionen entsteht aus dem Wasserdampf wieder Wasser, das sich sogleich spurlos und vollständig mit dem umgebenden Wasser verbindet. Was den Lärm und das Krachen der Explosionen betrifft, so wurden diese durch hochentwickelte Schalldämpfer absorbiert, wie sie zu jener Zeit bereits in allen Flugzeugen und Automobilen verwendet wurden.
Doch indem die PIONIER solch unerhörte Geschwindigkeiten in den bei weitem noch nicht erforschten, unergründeten Tiefen entwickelte, riskierte das U-Boot, auf dort verborgene Felsen, Riffe und Untiefen zu laufen, von denen viele zweifellos noch auf keiner der besten Seekarten und in den besten Lotsenbüchern der Welt verzeichnet waren. Auf einem solchen Unterwasserschiff konnte man nicht im Blindflug navigieren. Die am Bug und an den Seiten des U-Bootes angebrachten Scheinwerfer mit einer Leistung von mehreren Milliarden Kerzenstärken drangen zwar einen halben Kilometer weit in die schwarze Finsternis der Tiefe vor, doch bei einer solchen Geschwindigkeit war es unmöglich, auf diese Distanz Hindernisse rechtzeitig zu erkennen. Zudem hätte eine so starke Beleuchtung ein militärisches Unterwasserschiff dem Feind verraten können.
Es mussten für die PIONIER scharfe und weitsichtige Augen gefunden werden, die tief in das Dunkel der Tiefe blickten und rechtzeitig vor auftauchenden Gefahren und Hindernissen warnten. Zu diesen Augen wurden die Ohren, mit denen Krepin sein U-Boot ausstattete.
Das Echolot wurde auf Unter- und Überwasserschiffen aller Länder schon lange eingesetzt. Es beruht darauf, dass sich Schall nicht nur in der Luft, sondern noch besser und schneller im Wasser ausbreitet. Während sich Schallwellen in der Luft mit einer Geschwindigkeit von dreihundertdreißig Metern pro Sekunde fortbewegen, beträgt diese Geschwindigkeit im Wasser tausendfünfhundert Meter pro Sekunde. Der Schall breitet sich von seiner Quelle in kugelförmigen Wellen nach allen Seiten aus; trifft er auf ein Hindernis, wird er reflektiert und läuft in die entgegengesetzte Richtung zurück. Unter Nutzung dieser Eigenschaft von Schallwellen entwickelte man Geräte, mit denen man zunächst die Tiefen des Meeres- und Ozeanbodens zu messen begann. Auf der einen Seite des Schiffes erzeugte man unter Wasser durch eine Explosion oder einen Glockenschlag einen Schall und stoppte die Zeit. Die Schallwellen erreichten den Boden, wurden von ihm reflektiert und kehrten zum Schiff zurück. Dort war auf der anderen Seite unter Wasser ein Apparat angebracht, der diesen reflektierten Schall empfing und den Zeitpunkt der Ankunft registrierte. Da der Schall vom Schiff zum Boden und zurück die gleiche Zeit benötigt, reichte es aus, die verstrichene Gesamtzeit von der Explosion bis zum Empfang durch den Empfänger zu kennen, um zu berechnen, wie viele Sekunden und folglich wie viele Meter der Schall bis zum Boden zurückgelegt hatte. Später kamen Echolote auf, die automatisch die Tiefe in Metern auf einer speziellen Skala anzeigten und den Menschen von Berechnungen befreiten. Indem sie kontinuierlich Arbeit verrichteten, Auslöseschalle aussendeten und deren Reflexionen empfingen, zeichneten solche Echolote das Profil des Meeresbodens, über den das Schiff hinwegfuhr, selbsttätig auf Papier oder auf einem Bildschirm auf. Schließlich erschienen Ultraschall-Echolote wie beispielsweise der Langevin-Strahler.
Die Höhe jedes Schalls hängt von der Schwingungsfrequenz ab, in die die Schallquelle die Teilchen des übertragenden Mediums – Luft, Wasser oder Festkörper – und über diese das Trommelfell im menschlichen Ohr versetzt. Das menschliche Ohr ist nur in der Lage, Schwingungen als Schall wahrzunehmen, die mit einer Frequenz von sechzehn bis zwanzigtausend Hertz (Schwingungen pro Sekunde) erfolgen. Dies reicht vom tiefsten Brummen bis zum höchsten, feinen Mückenpiepsen. Oberhalb von zwanzigtausend Schwingungen beginnt der Ultraschall. Ultraschall kann vom menschlichen Ohr nicht mehr wahrgenommen werden.
Die Quelle von Ultraschallschwingungen ist ein Plättchen aus Bergkristall bzw. Piezo-Quarz. Platziert man ein solches, zwischen Metallelektroden eingespanntes Plättchen in einer Flüssigkeit und setzt es der Einwirkung eines Radiosenders aus, wird es in hochfrequente, starke Schwingungen versetzt, die sich auf die umgebende Flüssigkeit übertragen. Je höher die Schwingungsfrequenz des Plättchens ist, desto höher ist der erzeugte Ultraschall.
Ultraschallwelle besitzen zwei sehr wichtige Besonderheiten: Erstens kann man sie anstatt in Kugelwellen nach allen Seiten in einem gebündelten, dünnen Strahl aussenden. Zweitens versinken – wie bereits aus den Experimenten von Wood und Loomis bekannt war – einige tierische Organismen wie Frösche, kleine Fische, Kaulquappen und Meereskrebse in einem Ultraschallfeld und sterben ab, während manche Festkörper wie Eis gelockert und zerstört werden.
Ingenieur Krepin nutzte beide Eigenschaften des Ultraschalls optimal aus, um seinem U-Boot Sehvermögen, Gehör und eine vernichtende Waffe im Kampf gegen die lebende und unbelebte Natur zu verleihen.
Zusammen mit seinem Freund, dem Wissenschaftler und Erfinder Wlassjew, Professor am Moskauer Institut für das Studium hochfrequenter Schwingungen, baute er einen Apparat, der bis zu mehreren hundert Millionen Schwingungen pro Sekunde erzeugte. Sie fanden Methoden zur Erzeugung so starker Schwingungen, dass der von ihrem Apparat ausgesandte Ultraschallkegel Wasserflächen bis zu einer Entfernung von zwanzig Kilometern durchdrang. Diese Apparate installierte Krepin zusammen mit selbstregistrierenden Empfängern am Bug, am Rumpfrücken, an den Seiten und am Kiel der PIONIER und gab ihr damit Ohren, wie sie kein lebendes Wesen auf der Welt besitzt.
Doch damit gaben sich Krepin und Wlassjew nicht zufrieden. Sie gingen weiter und verwandelten diese Ohren gleichzeitig in die Augen ihres U-Bootes.
Die von ihrem Apparat ausgesandten Ultraschallstrahlen wurden von Hindernissen nicht mit gleicher Intensität reflektiert, sondern entsprechend der äußeren Form dieser Hindernisse. Daher kehrte der Ultraschallstrahl verändert zurück. Die Erfinder konstruierten eine Empfangsmembran aus tausend mikroskopisch kleinen Einzelmembranen. Jede von ihnen vibrierte entsprechend der Stärke jenes Teilstrahls des zurückgekehrten Ultraschalls, der genau auf sie traf.
Mithilfe einer komplexen Vorrichtung, die Schallenergie in Lichtenergie umwandelte, erzeugte jeder Teilstrahl auf dem Bildschirm der Zentrale des U-Bootes ein Bild jenes Teils des Hindernisses, von dem er reflektiert worden war. Tausende solcher Einzelbilder aller mikroskopischen Membranen verschmolzen zu einem Ganzen und ergaben die vollständige äußere Form des Objekts. Solche Ultraschall-Scheinwerfer waren an allen Seiten des U-Bootes angebracht und sendeten kontinuierlich Bilder von allem, was sich vor und um das U-Boot herum in einem Radius von zwanzig Kilometern befand, auf den Rundumbildschirm der Zentrale.
Man hätte einen solchen Scheinwerfer auch unter Verwendung von Schallsignalen gewöhnlicher, hörbarer Frequenz bauen können. Doch gewöhnlichen Schall, der sich im Wasser nach allen Seiten ausbreitet, hätte jedes Schiff hören können, das mit einem einfachen Hydrophon ausgestattet war. Das durfte unter keinen Umständen zugelassen werden. Für die Ultraschall-Scheinwerfer der PIONIER konnte man jedoch aus dem riesigen Frequenzbereich – von zwanzigtausend bis zu mehreren hundert Millionen Schwingungen pro Sekunde – und ihrer Intensität eine Kombination zusammenstellen, deren Entschlüsselung für Außenstehende eine nahezu unlösbare Aufgabe darstellte. Und selbst wenn es jemandem gelungen wäre, dieses Geheimnis zu lüften, hätte er nicht über die Apparate verfügt, um Ultraschall von so hoher Frequenz und außergewöhnlicher Leistung zu empfangen. Diese Empfänger und Strahler waren die neueste Erfindung von Krepin und Wlassjew, und ihr Geheimnis gehörte dem großen Land des Sozialismus, der Heimat der Erfinder.
Dieselben Ultraschallstrahlen wandte Ingenieur Krepin als neue Waffe im Kampf gegen die lebende und unbelebte Natur an. Hierbei half ihm der bekannte Zoologe und Biologe Professor Lordkipanidse, der am Institut für Experimentelle Medizin seit Langem an Problemen der Anwendung von Ultraschallschwingungen in Biologie und Medizin arbeitete. Unter Nutzung des bereits fertiggestellten Strahlers konstruierten Krepin und Lordkipanidse eine Ultraschallkanone sowie eine kleine Ultraschallpistole, die bei verschiedenen, exakt festgelegten Schwingungszahlen in der Lage waren, auf jedes lebende Gewebe tödlich und auf die meisten bekannten Metalle und Minerale zerstörerisch zu wirken. Durch die von der Kanone oder der Pistole ausgesandten Ultraschallstrahlen wurden die Zellen eines Lebewesens in so schnelle Schwingungen versetzt, dass sie zerrissen, während die Moleküle von Metallen und Mineralien in Atome zerfielen, sich lockerten und zerstört wurden.
In dem Moment, als Krepin, Wlassjew, Lordkipanidse und eine Reihe von Mitarbeitern, die ihnen halfen, den Bau ihrer ersten Ultraschallapparate vollendeten, schlug die Verteidigungsindustrie der Sowjetunion Krepin vor, Aufmerksamkeit auf eine neue Entdeckung des sowjetischen Erfinders Bleichman auf dem Gebiet der infraroten bzw. unsichtbaren Wärmestrahlung zu richten.
Unsichtbare Wärmestrahlen mehr oder weniger starker Intensität werden von jedem erwärmten Körper ausgesandt – von der Sonne, einem heißen Bügeleisen, einem Wohnhaus, warmblütigen Tieren, Bäumen und sogar Fischen. Mithilfe spezieller Apparatur wurde die Infrarotfotografie seit Langem weiträumig bei Nacht, in dichtem Nebel sowie bei grauem, regnerischem Wetter eingesetzt. Wenn man nachts mit dem Flugzeug auf eine Höhe von fünf- bis sechstausend Metern aufstieg, konnte man Aufnahmen aus Entfernungen von fünfhundert bis sechshundert Kilometern machen, indem man nicht nur die manchmal winzige Wärme nutzte, die Objekte an der Erde ausstrahlten, sondern auch den Unterschied zwischen ihrer Temperatur und der Temperatur der Umgebung. Es waren bereits Infrarot-Ferngläser für die Nachtsicht und für das Sehen durch Nebel und dichten Regen bekannt.
Doch bis zu den Arbeiten Bleichmans schien die Aufgabe unlösbar, im wässrigen Medium jene oft winzigen Wärmestrahlen abzufangen und in ein sichtbares Bild zu verwandeln, die von den Meeresbewohnern und anderen im Wasser befindlichen Gegenständen ausgestrahlt werden.
Die Temperatur von Wassertieren liegt gewöhnlich nur sehr geringfügig über der Temperatur des sie umgebenden Wassers. Nur im Wasser lebende warmblütige Säugetiere wie Wale, Pottwale, Delfine, Robben, Walrosse und Seekühe, die einst vom Land ins Wasser übergegangen sind, bewahren dank ihrer äußeren Hüllen – dicker Haut und dicken Schichten von Unterhautfett – eine hohe Körpertemperatur. Alle anderen Wassertiere – Weichtiere, Seesterne, Krebse, Krabben, Schildkröten, Fische – geben fast die gesamte Wärme, die sie durch Muskelarbeit und Stoffwechsel erzeugen, an das umgebende Wasser ab. Dennoch geben sie diese Wärme nicht vollständig ab. Ein kleiner Teil – manchmal in ganzen Graden messbar, manchmal nicht höher als einige Hundertstel Grad – verbleibt dennoch in ihrem Körper.
Für die besten terrestrischen Infrarotkameras stellte es kein großes Problem dar, selbst auf erhebliche Entfernung winzige Strahlungen sehr schwach erwärmter Körper zu erfassen. Für die Unterwasser-Infrarotfotografie bestand die Hauptschwierigkeit jedoch darin, dass Wärmestrahlen beim Eintritt in das wässrige Medium fast vollständig gierig von diesem absorbiert oder reflektiert wurden. Und dennoch war Bleichmans Apparatur so empfindlich, dass sie jene für präziseste Instrumente kaum noch wahrnehmbaren Infrarotstrahlen auffangen konnte, die noch im Wasser verblieben. Allerdings konnten diese Geräte sie nur auf eine Entfernung von etwa fünfhundert Metern von der Strahlungsquelle erfassen. Gleichzeitig besaß Bleichmans Apparatur die Fähigkeit, beim Übergang vom Wasser- in das Luftmedium wie eine beste Landinstallation zu arbeiten. Diese Apparatur war zudem äußerst tragbar.
Krepin nahm das Angebot der Mitarbeiter der Verteidigungsindustrie mit großer Freude an. Er erkannte den vollen Wert von Bleichmans Erfindung. In kurzer Zeit konstruierte Krepin ein kleines Raketengeschoss, das sich mithilfe eines Vorrats an komprimiertem Wasserstoff und Sauerstoff ähnlich wie das U-Boot und mit dessen Geschwindigkeit bewegen konnte. In dieses Geschoss, das einer dicken, anderthalb Meter langen Gurke glich, baute Krepin Bleichmans Apparate so ein, dass deren Objektive über die gesamte Oberfläche verteilt waren und Wärmestrahlen von allen Seiten auffangen konnten.
Für Aufstiege in die Luft stattete Krepin das Geschoss mit Flügeln aus, die ausgefahren werden konnten und sich wie die Flossen eines Fliegenden Fisches entfalteten. Doch die echte Aktivität, Praktikabilität und ein vollkommenes Funktionieren verlieh diesem Geschoss die Radiotelemechanik. Mithilfe eines Radiosenders konnte der Wachhabende Offizier des U-Bootes das Geschoss aus seiner Halterung an der Bordwand ausstoßen und es bis zu fünfzig Kilometer weit zur Erkundung aussenden; per Funk wurde der automatische Mechanismus des Raketenmotors in Gang gesetzt, die Steuerung seiner Bewegungen, Manöver, das Ausfahren der Flügel und der Aufstieg in die Luft durchgeführt. Per Funk wurde alles, was von Bleichmans Kameras rund um das Geschoss im Umkreis von fünfhundert Metern registriert wurde, auf den Bildschirm der Zentrale des U-Bootes übertragen. Mit ständig zwei solchen Aufklärungsgeschossen vor sich und besonders oben an der Ozeanoberfläche sowie mehreren Reservegeschossen in den Lagerräumen brauchte das U-Boot keine unerwarteten Begegnungen zu befürchten und konnte seinen Weg in den dunklen Tiefen des Ozeans mit noch größerer Sicherheit bahnen.
Als Pawlik zum ersten Mal in der zentralen Steuerzentrale des U-Bootes stand, war er überwältigt von der außergewöhnlichen Fülle verschiedenster und bizarrer Instrumente, Apparate und Mechanismen, die an den runden Wänden angebracht, auf Schalttafeln, Sockeln und Ständern montiert waren. Ein kreisförmiger Bildschirm aus Milchglas zog sich als breites Band oben an den Wänden entlang und bedeckte wie eine Kuppel die Decke des Raumes. Auf ihm wechselten ununterbrochen die Schatten von Fischen und anderen Ozeanbewohnern, die rasch um das U-Boot herumhuschten. Selbst die undurchdringliche Dunkelheit der Tiefe konnte diese Geschöpfe nicht vor den allsehenden Augen der PIONIER verbergen.
Der Wachhabende Kommandant konnte von hier aus die Arbeit aller komplexesten Mechanismen und Maschinen des U-Bootes steuern; doch alle Mechanismen und Maschinen, die in der Gesamtarbeit miteinander verknüpft waren, funktionierten so weit automatisiert, dass es genügte, dem Hauptaggregat einen Impuls zu geben, damit alle Hilfsaggregate anliefen. Musste das U-Boot auf eine bestimmte Tiefe tauchen, brauchte der Kommandant nur den Zeiger des Tiefenmessers auf die entsprechende Zahl zu stellen, woraufhin automatisch die Mechanismen anliefen, die das Geländer von der oberen Plattform des U-Bootes einzogen; danach schob sich von selbst eine stromlinienförmige Haube darüber, die Luke schloss sich, die Ventile der Belüftung und die Flutventile der Ballasttanks öffneten sich, welche sich dann auf der vorgegebenen Tiefe wieder von selbst schlossen. Grüne Kontrolllampen leuchteten auf, sobald das eine oder andere Aggregat, die Maschine oder der Mechanismus zu arbeiten begann, und brannten weiter, solange die Arbeit ordnungsgemäß verlief. Bei der geringsten Störung erlosch das grüne Lämpchen sofort und ein rotes leuchtete auf – das Notsignal. Doch seit dem Stapellauf der PIONIER hatte bisher keine einzige rote Lampe aufleuchten müssen: Alle Apparate und Mechanismen arbeiteten einwandfrei, präzise und abgestimmt.
Bei einer solchen Automatisierung der U-Boot-Mechanismen war es verständlich, dass die Besatzung sehr klein sein konnte. Trotz des Wasserhubes von über tausend Tonnen bestand die gesamte Besatzung der PIONIER – abgesehen von den Mitgliedern der wissenschaftlichen Expedition – aus nur zwanzig Personen. Dafür waren fast alle von ihnen hochqualifizierte Spezialisten, erfahrene U-Boot-Fahrer, Menschen von erprobter Tapferkeit, kühn, findig und ihrer großen Heimat unendlich ergeben.
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