Archiv

Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 33

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

VIII. Hirschberg und Umgebung

7. Der Zweikampf

Im Herbst 1621 überrannten wilde Kriegerhorden das schöne Hirschberger Tal. Als sie am 22. November vor die Stadt zogen, fanden sie die Bürger jedoch gut gerüstet auf den Mauern vor. Einen überraschenden Überfall hätten die feindlichen Scharen gern gewagt, vor einer regelrechten Erstürmung schreckten sie jedoch zurück. Stattdessen boten sie den Städtern einen Zweikampf zwischen einem ihrer Krieger und einem Bürger an.

Ein mutiger Hirschberger nahm die Herausforderung an und trat vor die Mauer. Als der Kampf beginnen sollte, griff er zu einer List und rief überrascht: »Oho! Warum kommt ihr denn zu zweit? So war das aber nicht abgemacht!«

Als sich der feindliche Krieger verdutzt nach seinem vermeintlichen Kameraden umsah, versetzte ihm der Hirschberger einen so gewaltigen Schlag auf den Kopf, dass er auf der Stelle tot zusammenbrach. Als die abergläubischen Feinde den Ausgang des Zweikampfes sahen, zogen sie ab, ohne die Stadt weiter zu belagern.

8. Das steinerne Kind an der Hartauer Brücke

Während einer schweren Überschwemmung am 2. Juni 1608 riss der reißende Fluss Bober einer Witwe das einzige Kind samt Wiege fort. Wehklagend rief die Mutter um Hilfe, doch in den Fluten wusste niemand Rat. In ihrer Verzweiflung fiel die geängstigte Frau auf die Knie und gelobte Gott eine fromme Stiftung, sollte ihr Kind gerettet werden. Während Menschen und Vieh in den reißenden Wassermassen ertranken, wurde das Knäblein unversehrt in seiner Wiege an die Hartauer Brücke in Hirschberg gespült. Überglücklich dankte die Mutter Gott, stiftete einen Altar und ließ zum ewigen Gedenken das Bildnis des Kindes in einen der Brückenpfeiler einmauern.

9. Vom Storch gebracht

Bis zum Jahr 1709 besaß Hirschberg keine evangelische Schule. Als diesem Mangel endlich abgeholfen wurde, berief man den ersten Lehrer an die neue Einrichtung: Er hieß Daniel Storch. So entstand das scherzhafte Sprichwort der Hirschberger, der Storch habe ihnen den ersten Unterricht gebracht.

10. Der feste Grund

Vom Fundament des katholischen Kirchturms in Hirschberg erzählt man sich, es sei so gewaltig, dass ein mit sechs Pferden bespannter Heuwagen bequem darauf wenden könne.

11. Der große Brand

Vom verheerenden Stadtbrand des Jahres 1549 berichtet die Sage, dass in ganz Hirschberg kaum genug Holz übrig blieb, um auch nur einen einzigen Fisch zu kochen. Zur Erinnerung an die Katastrophe befindet sich noch heute eine Gedenktafel am Gebäude der Aktiengesellschaft Bote aus dem Riesengebirge (Ecke Kirchgasse/Schildauer Straße). Die lateinische Inschrift besagt: Im Jahre 1549, am Vorabend von Cantate, verbrannte die gesamte Stadt.

12. Der Fläz

Der Begriff Fläz ist bis heute ein bekanntes Schimpfwort für grobe, unhöfliche Menschen. Die Bezeichnung geht auf ein Ereignis zurück, bei dem sich mehrere Prediger mit dem berüchtigten Theologen Flacius in Straupitz (oder Langenau) trafen. Flacius trat dabei derart maßlos und flegelhaft auf, dass man fortan jeden Grobian spöttisch einen Flaz nannte – woraus sich schließlich das Wort Fläz entwickelte.

13. Die Wolfgangskapelle

Auf dem Kreuzberg bei Hirschberg stand einst eine dem heiligen Wolfgang geweihte Kapelle. Ein schlichtes Kreuz markiert noch heute die Stelle inmitten eines alten Friedhofs. Das ursprüngliche Altarbild des heiligen Wolfgang wird bis heute in der Sakristei der katholischen Kirche in Hirschberg aufbewahrt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert