Aus dem Reiche der Phantasie – Heft 7 – Das Stahlross – 5. Teil
Robert Kraft
Aus dem Reiche der Phantasie
Heft 7
Das Stahlross
Verlag H. G. Münchmeyer, Dresden, 1901
Kapitel 5
Im roten Tal
»Achtung, wir werden verfolgt!«, sagte Richard kaltblütig zu Georg. »Zieh deinen Nackenschleier fest, dass er keine bloßen Stellen am Hals lässt, und wende nicht das unbedeckte Gesicht. Tr–r–r–ab, Galopp, Karriere!«
Ein Dutzend Schüsse fielen, eine ganze Salve krachte hinter ihnen.
»Ich bin verwundet!«, stöhnte Georg plötzlich.
Der Wolfdämon – 6. Kapitel
Albert W. Aiken
Der Wolfdämon
Oder: Die Königin von Kanawha
6. Kapitel
Ein weiteres Opfer
Als Murdock sich der Gruppe näherte, sah er, dass Oberst Boone und ein fremder Jäger im Zentrum der Männer standen. Auch ein weiteres unbekanntes Gesicht fiel dem Neuankömmling ins Auge: Das eines Mannes, der in die schlichte, selbstgewebte Kleidung der Siedler gehüllt war. Sein Haar war rabenschwarz und seine Haut beinahe so dunkel gebräunt wie die eines Indianers. Er stand am äußeren Rand der Gruppe und stützte sich auf ein langes Gewehr. Die scharfen, dunklen Augen dieses Fremden hatten einen rastlosen Blick und wanderten ununterbrochen umher.
Murdock war sich in dem Moment, als er das Gesicht des Fremden erblickte, sicher, dass er ihn schon einmal irgendwo gesehen hatte – doch um alles in der Welt wollte ihm nicht einfallen, wann oder wo das gewesen war. Langsam trat er näher, während er Weiterlesen
Sagen der mittleren Werra 110
Die Brabanter Gräfin am Hautsee
Einst reiste ein wohlhabender Graf aus Brabant mit seiner bildschönen Tochter in das Dorf Dönges. Er hatte vom sagenumwobenen Hautsee gehört, und da ihm die malerische Landschaft so sehr gefiel, nahm er für einige Zeit Quartier im örtlichen Gasthaus.
Der See mit seiner schwimmenden Insel übte jedoch eine magische Anziehungskraft auf die junge Gräfin aus. Sie konnte sich kaum von dem Anblick losreißen und verweilte oft bis spät in die Nacht am Ufer. Als sie eines Tages nicht mehr in die Herberge zurückkehrte, ließ ihr zutiefst besorgter Vater sogleich die gesamte Umgebung durchsuchen. Er versprach immense Belohnungen, doch seine Tochter blieb unauffindbar. Schließlich musste der Graf gebrochenen Herzens allein die Heimreise antreten.
Doch die Sehnsucht ließ ihm keine Ruhe. Immer wieder kehrte er zum Hautsee zurück und beklagte verzweifelt den Verlust seines Kindes, das er in den Tiefen des Gewässers vermutete.
Das Leid des Vaters rührte die dorfeigenen Bauern. Sie rieten ihm, ein Fest in der Nähe des Ufers auszurichten und keinesfalls die Musikanten zu vergessen. Die drei geheimnisvollen Wasserschwestern des Sees liebten den Tanz außerordentlich und würden sich Weiterlesen
Kommissar Rosic – Band 1.12
Rodolphe Bringer
Kommissar Rosic
Band 1
Der Dolch aus Kristall
Kapitel 13: Der Herr, der auf die B-14 wartete
Gegen zwei Uhr nachmittags schritt an diesem Tag ein kleiner, rothaariger Mann fieberhaft über die verlassenen Kaianlagen des Fährbahnhofs von Calais.
Er trug einen blauen Anzug, dessen weit geöffnetes Revers den Blick auf ein weißes Flanellhemd freigab. Seine feurige Mähne hatte genau die Farbe einer zu dunkel gebackenen Brioche und wurde von einer Marineoffiziersmütze bedeckt – abgesehen von einer schwarzen Seidenschnur ohne jede Abzeichen oder Borde.
Er schien kaum dreißig Jahre alt zu sein. Trotz der Schulterpolster war leicht zu erkennen, dass eine seiner Schultern höher stand Weiterlesen
Mörder und Gespenster – Band 1 – 25. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Das geschossene Täubchen
Kapitel 1
Das Speisezimmer war angenehm durchwärmt und von appetitlichen Düften erfüllt. Die Mahlzeit, die nach Art der vornehmeren Gesellschaft auf die Abendstunden verlegt worden war, war soeben beendet. Herr von S. saß seiner jungen Gattin in trauter Zweisamkeit gegenüber.
An seinem Rock prangte ein kleines, leuchtend farbiges Band. Seine hohe Stirn wurde von feinem Haar umrahmt, das bereits zu ergrauen begann. Diese Merkmale sowie seine edlen, ausdrucksvollen Züge verliehen ihm die Ausstrahlung eines Mannes im mittleren Alter. Er besaß zwar nicht mehr die Gewohnheiten und Ansprüche der Jugend, verstand es aber dennoch zu gefallen und bewegte sich mit außerordentlichem Taktgefühl in der Gesellschaft.
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