Oberhessisches Sagenbuch Teil 21
Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
Die weiße Frau und das Waisenkind
Vor mehr als sechzig Jahren ging eine Schar Mädchen aus Burkhards in den Schwarzwald, welcher zwischen dem Dorf Streithain und dem Riedern, einem ausgegangenen Ort, links von der stumpfen Kirche liegt. Sie suchten Beeren und fanden ganz besonders viele und schöne unter einem Steingeröll, in dessen Mitte ein sehr großer und oben platter Stein sich zeigt.
Eins der Mädchen, ein armes Waisenkind, stieg da hinauf, um sich umzusehen. Kurz danach geschah ein Knall, als Weiterlesen
Oberhessisches Sagenbuch Teil 20
Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
Zwei weiße Jungfrauen auf der Altenburg
Es ist etwas daran, man mag sagen, was man will: Oben auf der Altenburg bei Sichenhausen befindet sich ein tiefes Loch. Wer das erblickt und mit dem Fuß auftritt oder das Ohr an den Boden legt, der merkt, dass es hohl da drunten ist, denn es hallt dumpf aus dem Berg herauf.
Von so merkwürdigen Sachen wusste aber der Bettelkaspar nichts, denn er war ein armer Kälberhirt zu Kaulstos und stammte eigentlich aus dem Hessenland. Als Findling hatten sie ihn in Sichenhausen erzogen. Schon manches Weiterlesen
Oberhessisches Sagenbuch Teil 19
Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
Das Schloss zu Altenhain
Unterhalb Altenhain findet sich eine Erhöhung, der Hüwel geheißen, und gleich nebenan der Pfaffenstrauch. Hier soll einst ein stolzes Schloss gestanden haben, das aber längst vom Erdboden verschwunden ist. In mancher Mitternacht jedoch sieht man es wieder dastehen, wie es gewesen ist, mit seinen Türmen und Zinnen, alle Fenster hell erleuchtet, als ob drinnen ein großes Fest gefeiert würde. Dann erscheint mitunter auch das Schlossfräulein, das ist schneeweiß angetan und von wunderbarer Schönheit, aber es redet nichts, sondern klagt nur leise und Weiterlesen
Oberhessisches Sagenbuch Teil 18
Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
Der wilde Jäger und die Kinder
Wo dem Busenbörner Kastenmeister sein Haus war, stand ehemals eine Scheuer, zwerchüber der Straße. Wenn nun der wilde Jäger vom Oberwald herabkam, allemal in der Zeit vor Weihnachten, dann fuhr er gemeiniglich da hindurch. Meistens merkte man sein Kommen gegen Abend hin. Am Himmel wurde es so hell, als ob irgendwo Feuer angegangen wäre. Vorablich sah man einen feurigen Schwanz ihm nachziehen, so lang wie ein Wiesbaum. Kinder sahen ihn einmal daherfahren, als sie mit ihrem trockenen Abendbrot vor dem Haus standen, und riefen Weiterlesen
Oberhessisches Sagenbuch Teil 17
Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
III. Umzüge der Götter
Der wilde Jäger am Mahnerweg
In Michelbach war ein Mädchensding, das wollte sein Vater zwingen, es sollte einen Burschen nehmen, den es absolut nicht leiden mochte. Weil es nun seinen eigenen Kopf hatte wie eine Schnitzbank, litt es auch sein Vater nicht, dass es auf den Schotter Sommermarkt hinabging zum Tanz mit seinen Kameraden. Er hieß es statt dessen aufs Feld hinausgehen und Korn schneiden. Das Mädchen, was wollte es machen, musste gehorchen, so sauer es Weiterlesen
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