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Oberhessisches Sagenbuch Teil 18

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Der wilde Jäger und die Kinder

Wo dem Busenbörner Kastenmeister sein Haus war, stand ehemals eine Scheuer, zwerchüber der Straße. Wenn nun der wilde Jäger vom Oberwald herabkam, allemal in der Zeit vor Weihnachten, dann fuhr er gemeiniglich da hindurch. Meistens merkte man sein Kommen gegen Abend hin. Am Himmel wurde es so hell, als ob irgendwo Feuer angegangen wäre. Vorablich sah man einen feurigen Schwanz ihm nachziehen, so lang wie ein Wiesbaum. Kinder sahen ihn einmal daherfahren, als sie mit ihrem trockenen Abendbrot vor dem Haus standen, und riefen ihm zum Uz zu: »Wirf mir auch einen Käse herunter!« Da fiel auf einmal, hart vor ihrer Nase, ein Käse von oben herab, der war riesengroß und stank wie die Pest. Die Kinder hörten ihn auf die Gasse platschen, hielten die Nase zu und flüchteten eilig in den offenen Hausährn, dessen Tür sie fest verriegelten.


IV. Weiße Frauen

Im Antoniter-Kloster zu Grünberg

Das frühere Antoniter-Kloster zu Grünberg wurde in ein Schloss verwandelt, und seit langen Jahren wohnte der Landrichter und Rentmeister darin. In mancher Nacht hatte der Bäcker, der »in den Höfen« wohnte, den einen Flügel desselben, der unbewohnt war, erleuchtet gesehen und eine himmlische Musik gehört, die von keinem Sterblichen herrührte.

Die ledige Schwester eines Rentmeisters war in der Adventszeit lange aufgewesen, sodass es gegen Mitternacht sein mochte. Unvermerkt tat sich da auf einmal die Tür ihres Zimmers auf und zwölf weiße Jungfrauen traten herein, eine schöner als die andere. Sie stellten sich in einen Kreis um sie herum auf und hoben einen Gesang an, der lautete so süß und wunderschön, dass es nicht zu sagen ist.

Das Mädchen traute seinen Augen und Ohren nicht und fiel aus einer Verlegenheit in die andere, weil es nicht wusste, wo es mit dem Ding hinauswollte.

Endlich sagte es in großer Befangenheit: »O, welch ein hoher Besuch ist das!«

Da war die Erscheinung ebenso schnell fort, wie sie gekommen war. Nur einen Augenblick noch hallte der Gesang draußen auf dem Hausflur nach, bis er verging.


Die Jungfrau im Kellergarten

Unweit der Eichelsdorfer Kirche, welche einsam über dem Ort sich erhebt, liegen die Kellergärten. Hierhin waren vor vielen Jahren Leute gefahren, um Holz zu machen. Einer von ihnen sah eine goldgelbe Schlüsselblume vor sich stehen und steckte sie, nachdem er sie abgebrochen hatte, in den Mund. Sogleich kam ihm die ganze Gegend verändert vor. Er stand vor einem Berg, in welchen eine Tür hineinging, und sah eine hübsche weiße Jungfrau. Die schien auf ihn zu warten und winkte ihm gar freundlich herbeizukommen. Der Mann folgte mit einigem Zittern. Die Jungfrau ging voraus, und indem er sich hart hinter ihr hielt, kam er durch einen dunklen Kellergang in ein hohes, lichtes Gemach, in welchem allerlei Schätze aufgehäuft lagen. Da warf er die Blume zur Seite und griff gierig nach dem vielen Gold, um sich die Taschen zu füllen.

Aber die Jungfrau fing auf einmal an zu reden. »Freund, du hast das Beste verloren!«

Darüber erschrak er, lief hinaus und hatte keine Ruhe, bis er heimkam. Ein paar Goldstücke fand er zwar in der Tasche, aber nie konnte er sich darüber trösten, dass er so einfältig gewesen war und die Wunderblume weggeworfen hatte, denn die Jungfrau und die Tür wurden nicht wieder vor ihm sichtbar.

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