Der Märkische Eulenspiegel 26
Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe
Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin
Wie Clauert einen Kannengießer betrog
In Spandau lebte ein Kannengießer, der viel von Clauert gehört, ihn aber noch nie gesehen hatte. Deshalb hatte er sich oft gegenüber vielen Leuten verlauten lassen, dass er gern Clauerts Bekanntschaft machen möchte. Als Clauert nun eines Tages dorthin kam und den ganzen Tag lang viel Lächerliches tat, machte der Wirt ihn schließlich mit dem Wunsch des Kannengießers bekannt, ihn kennenlernen zu wollen.
Darauf sagte Clauert: »Gebt Euch nur zufrieden, Herr Wirt, bis morgen soll er mich schon kennenlernen.«
Er vergaß es auch nicht, sondern schickte am nächsten Morgen, noch vor Sonnenaufgang, einen Boten zu dem Kannengießer und ließ ihm ausrichten, dass ein Mann im Gasthaus sei, der aus Hainburg komme und eine Partie gutes Zinn dabei habe, das er gern vergießen lassen wolle; allerdings wolle er es vorher wiegen. Deshalb ließ er den Kannengießer bitten, sein Gewicht mitzubringen, wenn er ihm die Arbeit machen wolle.
Der Kannengießer ließ sich nicht lange bitten und folgte dem Boten alsbald. In der Zwischenzeit hatte Clauert in der Küche neben dem Feuerherd einen sauberen Platz gekehrt und einen großen Haufen gelbes Zinn darauf gelegt.
Als der Kannengießer kam, fragte ihn Clauert im Finsteren: »Seid Ihr der Meister?«
Dieser antwortete: »Ja.«
Clauert fragte weiter: »Habt Ihr auch Euer Gewicht mitgebracht?«
»Ja, freilich«, erwiderte der Kannengießer.
Da nahm Clauert ein Licht in die Hand und sagte zu ihm: »Ich hätte gern einen Goldschmied geschickt, aber die haben keine so großen Gewichte. Wohlan denn, Meister, kommt her und wiegt mir diesen Haufen. Wie viel Pfund mag er wohl haben?« Damit zeigte er ihm den Haufen Zinn und leuchtete mit dem Licht darauf.
»Ei, so wiege ihn doch der Teufel«, antwortete der Kannengießer, »und ich nicht.«
Dabei dachte er jedoch an Clauert, sah ihn starr an und fragte: »Bist du nicht Clauert?«
Dieser gab ihm zur Antwort: »Ja, gestern Abend war ich es noch.«
Da sagte der Kannengießer: »Du alter einäugiger Schelm und Bösewicht! Ich habe so viel von dir gehört und muss in meinem Alter noch von dir betrogen werden.«
Clauert erwiderte: »Guter Freund, erzürnt Euch nicht. Ihr wolltet mich kennenlernen, und das ist nicht in böser Absicht geschehen. Kommt herein, wir wollen das Frühstück miteinander verzehren und weitere Bekanntschaft machen.«
Der Wirt hörte dies, kam ebenfalls heraus und versöhnte die beiden miteinander. Clauert bezahlte Essen und Trinken für den Kannengießer, und beide wurden daraufhin gute Freunde.
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