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Der Mythos Tempelritter – Teil 3.21

Mythos-Tempelritter

Einst waren sie im Hochmittelalter die mächtigste Organisation auf Gottes Erden. Sie waren führend im Bankwesen, sie besaßen die größte Flotte des Abendlandes. Zeugen ihrer schier übermächtigen Größe und ihres Reichtums findet man noch heute: Der Newport Tower in Newport, Rhode Island, der als Leuchtturm der Templer gilt; Santa Mariá de Eunate in Spanien, welche die Templer nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem erbauten; Temple Church in London, die den Templern als englisches Hauptquartier diente; die Klagemauer sowie der Tempelberg in Jerusalem, wobei aufgrund der derzeitigen religiösen und politischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina es dort unmöglich erscheint, umfangreiche Ausgrabungen durchführen zu können. Die Liste der noch existierenden zeitgenössischen Sachzeugen und Bauwerke ist groß und würde den hiesigen Rahmen sprengen.
Wer waren die Templer? Wie waren sie organisiert? Wer waren ihre Führer? Gingen die geheimnisvollen Templer am Freitag, den 13. Oktober 1307 tatsächlich unter? Oder gibt es heute noch Nachfahren der Templer? Fragen über Fragen.
In einer losen Folge möchte ich versuchen, den Mythos der Tempelritter ein wenig zu beleuchten.


Die Großmeister des Tempelordens


Renaud de Vichiers (1250–1255)

Einen ganzen Monat lang befand sich König Ludwig in sarazenischer Gefangenschaft. Während dieser Drangsal lernte er jene Ritter kennen und schätzen, die ihm die Treue hielten. Er vergaß sie nicht und vergalt ihnen ihren Beistand reichlich. Auch den Marschall der Tempelherren, Renaud de Vichiers, gewann er lieb – einerseits wegen dessen bewiesener Tapferkeit und Kriegserfahrung, andererseits weil dieser den Streit zwischen dem Herrn von Joinville und dem Großkomtur Stephan von Dutricourt zum Guten gewendet hatte. Als der König und die übrige Ritterschaft schließlich in Akkon ankamen, versammelte sich der Konvent der Templer auf dem Pilgerschloss und wählte Marschall Renaud, der von König Ludwig warm empfohlen worden war, zum Großmeister. Renaud war zuvor Meister von Frankreich und seit 1247 Marschall des Ordens gewesen; ihm folgte nun der Tempelritter Hugo von Joy im Amt des Marschalls.

König Ludwig wohnte eine Zeit lang auf dem Pilgerschloss und bezog danach die Burg zu Akkon. Bald nach der Rückkehr der Pilger übergab Seneschall Joinville dem Komtur der Templer in Akkon 360 Livres zur Verwahrung. Als er nach einiger Zeit durch seinen Kaplan Johann von St. Menehaud einen Vorschuss von 40 Livres verlangte, erklärte der Komtur diesem, er kenne weder den Seneschall noch habe er Geld von ihm in Verwahrung genommen. Daraufhin beschwerte sich Joinville bei Großmeister Renaud. Dieser drängte den Seneschall jedoch, die Angelegenheit nicht weiterzuverfolgen, damit der Orden nicht in den Ruf gerate, sich unrechtmäßig Geld zu verschaffen. Vier Tage später kam der Templermeister zu Joinville, der zu den vertrautesten Rittern des Königs gehörte. Er brachte das Geld mit und verkündete lachend, es habe sich doch noch vorgefunden, nachdem der Komtur seines Amtes enthoben und zur Strafe auf den Meierhof Saffran versetzt worden sei.

Im Juni berief König Ludwig seine Brüder, die Prälaten, die Großmeister sowie alle in Akkon anwesenden französischen und syrischen Barone zu einer Beratung ein. Es sollte entschieden werden, ob man im Heiligen Land bleiben oder heimkehren solle. Fast einstimmig fiel der Beschluss dahin aus, dass die Heimkehr unter den gegebenen Umständen die beste Option sei. Nur die syrischen Barone baten den König um einen längeren Verbleib. Ludwig entsprach ihrer Bitte und blieb bis 1254 ohne bedeutende Streitmacht in Syrien. Dennoch erwirkte er im September 1250 die Auslieferung der übrigen Gefangenen durch die ägyptischen Emire und schloss mit ihnen ein Bündnis gegen den Sultan von Damaskus. Darin wurde vereinbart, dass der König ihnen beistehen, das Königreich Jerusalem dafür aber den Christen zufallen sollte. Wegen der Schwäche der königlichen und einheimischen Truppen blieb dieser Vertrag jedoch wirkungslos.

Kurz darauf traf eine Gesandtschaft der Assassinen ein – ein Emir in Begleitung zweier Männer. Sie trugen im Namen ihres Scheichs vor, dass König Ludwig ihm entweder ein Geschenk senden oder ihn von den Tributen an die Templer und Hospitaliter befreien müsse, wenn er vor ihren Anschlägen sicher sein wolle. Der König zog daraufhin die beiden Großmeister zu Rate. Als die Gesandten zurückkehrten, um die Antwort des Königs zu vernehmen, trafen sie bei diesem auf die beiden Großmeister, was sie sichtlich erschreckte. Der Emir weigerte sich zunächst, seine Botschaft in deren Gegenwart zu wiederholen, fügte sich jedoch auf Befehl der Meister. Diese bestellten ihn für den folgenden Tag ins Haus der Hospitaliter. Dort eröffnete man ihm, dass die beiden Großmeister nur aus Respekt vor dem König davon abgesehen hätten, ihn und seine Begleiter ins Meer werfen zu lassen. Er müsse sogleich zum Scheich zurückkehren und innerhalb von 14 Tagen mit einem angemessenen Schreiben und würdigen Geschenken wiederkommen.

Die Gesandten kehrten fristgerecht zurück und überbrachten dem König ein Geschenk des Scheichs: einen Ring aus reinem Gold und ein Hemd. Dies sollte symbolisieren, dass der Scheich den König wie sein eigenes Ich betrachte – so wie das Hemd dem Körper am nächsten ist und der Ring für ewige Verbindung steht. Zudem überreichten sie Figuren eines Elefanten und einer Giraffe sowie ein Brett- und Schachspiel aus Kristall, verziert mit Ambra auf Goldplatten. Als die Schatulle geöffnet wurde, erfüllten köstliche Düfte das Gemach des Königs. Diese Episode verdeutlicht, welch großen Respekt und Schrecken sich beide Orden bei den Assassinen verschafft hatten.

Um dennoch etwas für das Heilige Land zu erreichen, befestigte der König 1251 auf Anraten der Templer und Hospitaliter die Stadt Cäsarea. Bald darauf geriet er jedoch in Konflikt mit den Templern. Wie erwähnt, hatte der König mit den ägyptischen Emiren ein Bündnis gegen den Sultan von Damaskus geschlossen, das jedoch aufgrund der militärischen Schwäche der Christen – bei Cäsarea konnten lediglich 700 Ritter aufgeboten werden – ergebnislos blieb. Die Templer meinten deshalb, eigenmächtig handeln zu können. Sie entsandten ihren Ordensmarschall Hugo von Joy nach Damaskus, um mit Sultan Malek An-Nasir über die Aufteilung eines bedeutenden Territoriums zu verhandeln.

Obwohl eine Zustimmung König Ludwigs in dem Abkommen ausdrücklich vorbehalten war, nahm dieser es den Templern sehr übel, dass sie die Verhandlungen ohne sein Wissen geführt hatten. Der Großmeister hatte ihm den Vertrag erst vorgelegt, als Marschall Hugo bereits mit einem Emir des Sultans und der unterzeichneten Urkunde nach Cäsarea zurückgekehrt war. Um den erzürnten König zu besänftigen, musste sich der stolze Orden einer demütigenden Geste unterwerfen: In einem großen Zelt, zu dem jedermann aus dem Heer Zutritt hatte, erschienen der Templermeister und sein Konvent barfuß aus ihrem abgelegenen Lager.

Der König hieß sie in Anwesenheit des Emirs Platz nehmen und sprach: »Meister, sagt dem Emir, dass Ihr bereut, ohne mein Wissen einen Vertrag mit dem Sultan von Damaskus geschlossen zu haben. Gebt dem Botschafter die Urkunde zurück und entbindet den Sultan von allen Verpflichtungen euch gegenüber.«

Dies geschah. Hierauf befahl der König dem Meister Renaud und dem Konvent, niederzuknien und Abbitte zu leisten. Renaud kniete vor dem König nieder, reichte ihm den Zipfel seines Mantels und bat um Festlegung der Strafe für den Orden. Ludwig antwortete, dass vor allem Marschall Hugo das Königreich Jerusalem unverzüglich verlassen müsse, da er den Vertrag abgeschlossen habe. Trotz der Fürsprache der Königin Margarethe, des Meisters Renaud und Hugos – des Komturs vom Pilgerschloss, der den im Pilgerschloss geborenen Königssohn, den Herzog von Alençon, getauft hatte – musste der Marschall das Land verlassen. Der Orden beugte sich und gehorchte gezwungenermaßen.

Ganz anders trat der Orden jedoch König Heinrich III. von England gegenüber auf, wo Ritter Adelard damals Meister war. Dieser König benötigte stets viel Geld, verfügte aber über kaum finanzielle Mittel. Er verlangte daher immer wieder Zuwendungen vom reichen Orden, der sich jedoch nur unter bestimmten Bedingungen dazu bereit erklärte. Heinrich blickte voller Neid auf die Einkünfte der Tempelherren und des Klerus. Im Jahr 1252 erklärte er vor mehreren Prälaten und dem Meister Adelard: »Ihr Prälaten und Geistlichen, vor allem aber Ihr Tempelherren und Hospitaliter, besitzt so viele Privilegien und Rechte, dass euch dieser Reichtum zu maßloser Überheblichkeit verleitet. Es gebietet die Klugheit, das wieder zurückzunehmen, was euch einst aus Torheit verliehen wurde. Ich werde die Magna Charta und andere Freibriefe aufheben, die meine Vorfahren und ich euch törichterweise gewährt haben.«

Darauf zögerte Meister Adelard nicht zu erwidern: »Ei, was sagst du da, Herr König? Es sei fern, dass je wieder ein so unbedachtes und schnödes Wort aus deinem Mund kommt! Solange du Gerechtigkeit walten lässt, wirst du König bleiben können. Sobald du jedoch die Magna Charta aufhebst, wirst du aufhören, König zu sein.«

Auf diese unumwundene Ansage wagte der König nichts mehr zu entgegnen.

Im folgenden Jahr (1253) ersuchte Heinrich beide geistliche Ritterorden inständig darum, für ihn beim Grafen von Gloucester, dem er große Summen schuldete, eine Bürgschaft zu übernehmen. Die Orden schlugen diese Bitte jedoch kurzfristig ab. Darüber geriet der König in solchen Zorn, dass er den Tempelritter Roger, seinen Almosenpfleger, sogleich vom Hof entfernte. Von da an behandelte er beide Orden feindselig und ließ keine Gelegenheit aus, sich ihnen entgegenzustellen.

Aus dem Vorangegangenen wird deutlich, wie selbstbewusst, anmaßend und rücksichtslos die Tempelherren im Abendland auftraten. Es wurde immer schwieriger, ihnen beizukommen oder ihre Macht einzuschränken, denn sie bildeten in den reichsten Ländern bereits eine furchterregende, aristokratische Soldateska. Im Jahr 1252 war der mährische Edelmann Wratislav von Pernstein in Frankreich dem Templerorden beigetreten. Er war aus seiner Heimat geflohen, nachdem er sich mit den Templern auf der einen und Kaiser Friedrich II. auf der anderen Seite gegen König Wenzel I. von Böhmen und Mähren verbündet hatte. Dem Orden vermachte er seine mährischen Güter, darunter die Burg Eichhorn.

Sein Bruder Burian erkannte diese Schenkung aufgrund einer Erbeinsetzung jedoch nicht an, besetzte die Burg Eichhorn und setzte den Ritter Wranek von Obrzan als Burggrafen ein. Dieser erhielt den strikten Befehl, die Tempelherren unter keinen Umständen in den Besitz der Burg kommen zu lassen. Die Templer wandten sich daraufhin an König Wenzel, der den Fall untersuchen ließ. Ein anschließender Rechtsspruch sprach die Burg den Templern zu. Burian widersetzte sich jedoch der Übergabe und rief einen Verwandten, den Herrn von Zierotin, zu Hilfe. Die Tempelritter rüsteten daraufhin zum Kampf: 1253 zogen sie aus ihren Burgen Spielberg, Lukow, Tepenetz, Janowitz und Neuschloss ein Heer von einigen Tausend Reitern zusammen und marschierten gegen Eichhorn, um die Burg gewaltsam einzunehmen. Burian wiederum hatte aus seinen Burgen Namiest und Pernstein 6000 Krieger versammelt. Er legte 900 Mann als Besatzung nach Eichhorn, bezog mit den übrigen Truppen Stellung in den umliegenden Wäldern und versperrte alle Zugänge zur Burg mit Verhauen und Gräben.

Unter der Führung des böhmisch-mährischen Meisters Berthold von Czimburg rückten die Tempelritter an. Am 26. Juni kam es zwischen Rziczan und Eichhorn zu einer blutigen, aber unentschiedenen Schlacht, in welcher der Meister fiel. Am folgenden Tag vereinbarte man eine dreitägige Waffenruhe und begrub im Wald 1700 Gefallene in drei großen Massengräbern. Danach flammte der Kampf erneut auf. Burian wurde in die Burg zurückgetrieben, wo er sich tapfer verteidigte und den Templern schwere Verluste zufügte, da die Burg auf einem schroffen Felsen lag und ausreichend mit Mannschaft sowie Lebensmitteln versorgt war.

Als König Ottokar II., Wenzels Nachfolger, von dem Streit erfuhr, sandte er Alex Holliczky mit dem Befehl zu Burian, die Burg Eichhorn unverzüglich den Tempelherren zu übergeben. Andernfalls werde er ihn als öffentlichen Landfriedensbrecher betrachten und seine Güter einziehen. Daraufhin lenkte Burian ein und übergab Eichhorn dem Orden. Dort wurde der nach Wenzels Tod zurückgekehrte Wratislav von Pernstein zum Komtur ernannt, und das Schloss erhielt eine Besatzung von 30 Tempelrittern. Die Burg wurde nach Art der Templer zu einer Komturei umgestaltet und mit hohen Mauern sowie Türmen weiter befestigt.

Unterdessen steuerte das christliche Königreich in Syrien unaufhaltsam seinem Untergang entgegen. Im Juni 1253 erschien das Heer aus Damaskus vor Akkon, zog sich zwar bald wieder zurück, zerstörte jedoch die Stadt Sidon. Man riet König Ludwig, diese Stadt wieder aufzubauen, was auch den beiden Orden gefiel – woraufhin sie dem König von der geplanten Eroberung von Nablus abrieten. Während der König nach Sidon zog, begab sich ein Großteil seiner Ritterschaft zusammen mit beiden Großmeistern und ihren Truppen nach Paneas, um diese Stadt einzunehmen. Die Ritter formierten sich in vier Kontingente, worauf die Knappen den Angriff eröffneten. Die Tempelritter sollten auf dem bisherigen Weg direkt auf Paneas vorrücken. Die Franzosen übernahmen den Angriff zwischen der Burg und der Stadt, flankiert von der syrischen Ritterschaft auf der linken und den Hospitalitern auf der rechten Seite.

Die felsige Lage der Stadt erschwerte den Sturm erheblich. Obwohl die Knappen in die Stadt eindringen konnten, wurden sie wieder zurückgeschlagen, bis die Franzosen zu Hilfe eilten. Als diese jedoch den in die Burg fliehenden Türken zu ungestüm nachsetzten, erlitten sie schwere Verluste und standen kurz vor der Flucht, als Meister Renaud de Vichiers rechtzeitig eingriff. Dennoch konnte die Burg nicht erobert werden, weshalb sich die Christen nach Sidon zurückzogen und die Stadt wieder aufbauten.

Im Februar 1254 kehrte König Ludwig von Sidon nach Akkon zurück. Am 24. April schiffte er sich gemeinsam mit seiner Gemahlin und seinen Kindern auf einem Templerschiff ein, dessen Kapitän Rainaud hieß. In Begleitung von zwölf weiteren Schiffen, auf denen sich seine Ritterschaft befand, trat er die Heimreise nach Frankreich an, wo er am 26. Juni bei Hières landete. Den Ritter Gottfried Sergines ließ er mit einer Truppe als seinen Stellvertreter zurück.

Die Anteilnahme am Heiligen Land ließ immer weiter nach: Es trafen nur noch unbedeutende bewaffnete Pilgerscharen und wenige Ritter mit den regulären Überfahrten ein, sodass die syrischen Christen zunehmend sich selbst überlassen blieben. Aus dem regulären Schiffsverkehr zogen vor allem Genuesen, Pisaner und Venezianer großen Profit – die Kreuzzüge waren im Laufe der Zeit zu reinen Handelsunternehmungen verkommen.

Im Jahr 1255 erwirkte die syrische Ritterschaft vom Sultan von Damaskus einen zehnjährigen Waffenstillstand. In diesem und dem darauffolgenden Jahr stellte Papst Alexander IV. dem Templerorden außergewöhnlich viele Urkunden zur Bestätigung und Erweiterung seiner Privilegien aus. Alexander hatte dazu triftigen Grund, da er mit dem kriegerischen Staufer Manfred – der im selben Jahr ganz Apulien unter seine Kontrolle gebracht hatte – in gefährliche Auseinandersetzungen verstrickt war. Hierfür konnte er das Geld und die Unterstützung des Ordens dringend gebrauchen. Großmeister Renaud dürfte entsprechende Forderungen bereits im Sommer gestellt haben, muss jedoch kurz darauf gestorben sein: In den zahlreichen nachfolgenden päpstlichen Schreiben an den Orden blieb der Platz für den Namen des Großmeisters leer, da noch kein Nachfolger gewählt bzw. dessen Name noch nicht bekannt war.

Papst Alexander IV. entsprach den Forderungen des Ordens in vollem Umfang, wie das Folgende belegt: Laut einem Schreiben vom 5. Dezember hatte der Papst erfahren, dass sich einige Schuldner mitsamt ihrem Vermögen in den Schutz der Templer geflüchtet hatten, daraufhin jedoch von ihren Gläubigern ergriffen wurden, was die Rechte des Ordens verletzte. Er untersagte ein solches Vorgehen für die Zukunft unter der Strafe des kleinen Bannes. Im Gegenzug wurden die Ordensbrüder jedoch ermahnt, darauf zu achten, dass Mörder und andere verwerfliche Personen nicht in den Genuss ihres Schutzes kämen.

Solche Asylrechte führten jedoch zwangsläufig zu Missbräuchen, schränkten die weltliche und geistliche Gerichtsbarkeit ein und schürten den Hass auf den Orden weiter. Am 7. Dezember bestätigte Alexander sämtliche Privilegien des Ordens, und in einem weiteren Breve desselben Tages hieß es:

Es ist die Pflicht des Heiligen Stuhls, die Tempelritter und deren Güter nach Kräften zu schützen, da sie tapfer gegen die Ungläubigen kämpfen und für die gesamte Christenheit schwere Lasten auf sich nehmen.

Darum ermahnte Alexander alle Bischöfe, den Templerorden in seinen Privilegien zu schützen. In einer Bulle vom 8. Dezember rügte der Papst den Klerus scharf dafür, dass er die Rechte des Ordens nicht wahre, dessen Beschwerden unbeachtet lasse und ihm sogar Schaden zufüge. Dies führe dazu, dass dem Orden viele Almosen entzogen würden, weil die Bischöfe gemeinsame Sache mit seinen Feinden machten. Er befahl ihnen daher, das Wohl des Ordens getreulich zu wahren, auf seine Beschwerden zu hören und diesen nicht nur nach Recht, sondern auch nach Billigkeit abzuhelfen. Ein Schreiben vom 9. Dezember beklagte zudem, dass Templer, die von Dritten verwundet oder tätlich angegriffen wurden, kein Recht bekämen. Daher wurde festgelegt, dass sich jeder Beschuldigte künftig entweder durch einen Eid reinigen müsse oder exkommuniziert werde.

Eine Bulle vom 3. Januar 1256 schärfte allen Prälaten die weitestgehende Begünstigung der Templerbrüderschaft ein. Die Brüder sollten bei ihren jährlichen Sammlungen in den Kirchen nicht behindert, sondern bestmöglich unterstützt werden. Kein Tempelritter durfte exkommuniziert und keine Templerkapelle ohne besonderen apostolischen Erlass mit dem Interdikt belegt werden. Wenn Laien die Häuser oder Güter der Templer schädigten, musste deren Beschwerde gehört und ihnen zu ihrem Recht verholfen werden. Alle eigenständigen Personen durften ihren Wohnsitz in den Komtureien nehmen. Für verstorbene Templer durfte kein Geistlicher Begräbnisgebühren verlangen, es sei denn, es handelte sich um eine freiwillige Gabe der Brüder oder der Angehörigen. Kein Prälat durfte Zehnten für das Viehfutter oder das Vieh der Templer verlangen. Wenn die Brüder Kapellen bauten oder Friedhöfe errichteten, hatten die Bischöfe die Weihe ohne Umschweife zu vollziehen.

Templer, die ihr Ordenskleid abgelegt hatten und umherstreiften, sowie jene, die sich ihren Oberen in den Komtureien widersetzten, sollten von den Bischöfen dazu angehalten werden, ihr Gewand wieder anzulegen und nach der Regel zu leben bzw. ihren Ungehorsam aufzugeben; gegen Säumige konnte die Exkommunikation verhängt werden. Wer dem Orden etwas vermachte, sich ihm anschloss oder eine jährliche Abgabe leistete, dem wurde stets ein Siebtel der auferlegten Kirchenbuße erlassen. Jeder Affiliierte sollte nach seinem Tod kirchlich beerdigt werden – selbst wenn seine Pfarrkirche unter dem Interdikt stand –, sofern er nicht persönlich exkommuniziert, vom Interdikt betroffen oder ein offenkundiger Wucherer war.

Zudem wurde erneut bestätigt, dass reisende Templerbrüder einmal im Jahr in Kirchen unter dem Interdikt Gottesdienst feiern durften. Alle diese Rechte mussten von den Kanzeln verkündet werden. Da es dem Orden an eigenen Klerikern fehlte, wurde es Geistlichen mit Zustimmung ihrer Vorgesetzten (insbesondere der Kapitel) gestattet, den Templern für ein oder zwei Jahre freiwillig und unentgeltlich zu dienen, ohne dass sie ihre sonstigen Pfründen verloren. Von dieser Erlaubnis dürften beide Seiten aus naheliegenden Gründen jedoch nur wenig Gebrauch gemacht haben. In einer Bulle vom 18. Januar wurden sämtliche Privilegien nochmals bestätigt, und schließlich wurde den Prälaten in einer weiteren Bulle vom 8. Februar untersagt, sich ihre Gastfreundschaft gegenüber den Templern von diesen bezahlen zu lassen.

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