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Die MetropolCon 2026 in Berlin – Ein Interview mit Con Chair Claudia

Interview anlässlich der bevorstehenden MetropolCon 2026 in Berlin

Vom 2. bis 5. Juli 2026 wird Berlin zum Treffpunkt für Science-Fiction-, Fantasy- und Horror-Fans aus ganz Europa. Die MetropolCon 2026 im silent green Kulturquartier verbindet als diesjährige Eurocon Literatur, Wissenschaft und Kunst auf internationalem Niveau. Kurz vor dem Start des viertägigen Event-Marathons stand uns Con Chair Claudia Rede und Antwort.

Geisterspiegel: Die MetropolCon 2026 fungiert in diesem Jahr gleichzeitig als Eurocon. Wie stark beeinflusst dieser europäische Fokus die Programmgestaltung, und auf welche besonderen internationalen Programmhighlights oder länderübergreifenden Panels dürfen sich die Fans am meisten freuen?

Claudia: Auf der einen Seite wird es eine ganze Reihe von Programmpunkten geben, bei denen die Phantastik eines einzelnen Landes vorgestellt wird – entweder als Überblick oder mit Fokus auf jüngste Entwicklungen, wie das Panel zur ukrainischen Phantastik, das sich auf die letzten zehn Jahre konzentriert, oder noch spezieller als Schlaglicht auf einen Aspekt: Horror aus Portugal etwa, oder finnische Fantasy. Dazu kommen Themen wie The History of Eurocon, The Future of Eurocon (als offene Gesprächsrunde zum Mitgestalten), What is happening in European SF? und The World of SFF Magazines für den umfassenderen Blick.

Auf der anderen Seite haben wir Dinge geplant, die sich dem Zusammenbringen, dem Finden neuer Allianzen und Freundschaften widmen. Das reicht von Workshops, die ganz konkret nach neuen Methoden, Plattformen und Projekten für mehr Austausch über Grenzen hinweg fragen, mehr Übersetzungen anregen möchten und alle zum Mitmachen einladen, bis hin zu ganz klassischen Sachen wie Speed Friending, Karaoke, der Werwölfe-Session oder der Samstagabend-Disco. All das soll helfen, nicht nur die große Community um sich herum zu haben, sondern auch wirklich in lockeren Formaten die Gemeinschaft mit anderen zu spüren.

Aber auch Themenpanels wie Death in Fiction oder Queer Writing: A Dialogue across Genres oder All the Things you can do/show/say in Comics dürften spannende Anregungen liefern.

Geisterspiegel: Durch den Eurocon-Status wird ein Großteil des Programms auf Englisch stattfinden, während auch deutsche Programmpunkte geplant sind. Wie stellt ihr sicher, dass sich sowohl das lokale Berliner Publikum als auch die international angereisten Gäste gleichermaßen abgeholt und integriert fühlen?

Claudia: Im Lauf der Planung hatten wir kurz die Befürchtung, der deutschsprachige Anteil des Programms könnte zu klein ausfallen. Deshalb freuen wir uns zum Beispiel ganz besonders darüber, dass das Phantastik-Autor*innen-Netzwerk PAN e.V. wieder mit dabei ist und dieses Mal eine eigene Programmschiene kuratiert hat, vieles davon auf Deutsch, aber auch hier wird selbstverständlich international gespielt.

Ansonsten hoffen wir, mit all den bei der ersten Frage genannten Formaten die gesamte Community zu begeistern. Und aus eigener Erfahrung mit Cons in anderen Ländern, speziell aber Eurocons: Uns verbindet doch viel mehr, als uns trennt!

Geisterspiegel: Mit Becky Chambers, Aiki Mira, Bernhard Hennen sowie Stjepan und Linda Šejić habt ihr eine fantastische Mischung aus internationaler und nationaler Prominenz (von Hope-Punk-Literatur bis hin zu epischen Comics und High Fantasy) gewinnen können. Nach welchen Kriterien habt ihr die diesjährigen Guests of Honor ausgewählt und wie werden sie in das interaktive Programm eingebunden?

Claudia: Genau das wollten wir: eine fantastische Mischung aus etabliert und Shooting Star, aus weltweit bekannt und überraschend, aus SF und Fantasy, aus Deutschland, Europa und dem Rest der Welt – und wir glauben, dass alle unsere Gäste wirklich eine Menge faszinierender, wichtiger Dinge zu sagen haben.

Geisterspiegel: Neben dem Status als Jahrescon des SFCD wird auf der MetropolCon auch der renommierte Kurd Laßwitz Preis sowie die ESFS Awards verliehen. Was bedeutet es für das Team, der Hub für so viele wichtige Branchenauszeichnungen der Phantastik zu sein?

Claudia: Es ist uns selbstverständlich eine Ehre und wir hoffen, allen das Rampenlicht und die Aufmerksamkeit verschaffen zu können, die ihnen gebührt. Wir sind eben sowohl eine Con für die deutsche Phantastik als auch fürs europäische Fandom.

Geisterspiegel: Die MetropolCon versteht sich als Brücke zwischen Science-Fiction, Fantasy und Horror über alle Medien hinweg – von Literatur über Gaming und Cosplay bis hin zur Wissenschaft. Welches Medium oder welche Schnittstelle (z. B. Science meets Fiction) hat eurer Meinung nach im Vergleich zur ersten MetropolCon 2023 den größten Sprung nach vorne gemacht?

Claudia: Tatsächlich ist Science meets Fiction ein gutes Stichwort, denn Formate des Austauschs, vor allem zwischen Wissenschaft und SF, sprießen in den letzten paar Jahren allerorten aus dem Boden. Oft klein, manchmal größer – das gibt auch Hoffnung für den ewigen Kampf, mit Phantastik ernstgenommen zu werden. Ich bin da auch besonders gespannt auf die Hörspiele, die ARD und Deutschlandradio uns mitbringen, auf den Talk zur Verfilmung von Nils Westerboers Roman Athos 2643, auf die RPG-Workshops und den musikalischen Content. Denn das große, heimliche oder nicht so heimliche Ziel einer solchen Convention ist ja auch, dass wir durch das Zusammenbringen all dieser Stränge und Formate einen Raum schaffen, der neue Sprünge nach vorn ermöglicht.

Geisterspiegel: Auf eurer Website wird das Projekt Futures Stories Operating System erwähnt, und ihr ladet dazu ein, Utopien eine Bühne zu bieten. Wie viel Raum nimmt das Thema Zukunftsvisionen und gesellschaftlicher Wandel im diesjährigen Programm im Vergleich zur klassischen Unterhaltung ein?

Claudia: Wir haben schon bei den eingehenden Vorschlägen fürs Programm wie auch in vielen persönlichen Gesprächen bemerkt, wie groß der Wunsch nach einer ernsthaften, nach Lösungen und Hoffnung suchenden Beschäftigung mit der Zukunft – mit möglichen Zukünften, mit Alternativen zum Doom-and-Gloom-Szenario – bei sehr vielen Menschen ist. Daher geben wir solchen Themen auch viel Raum. Dazu passt auch unser virtueller Ehrengast-Joker Kim Stanley Robinson, der am Donnerstag zu einem Panel zugeschaltet wird und ganz sicher einige wertvolle Denkanstöße mitbringt.

Aber um ein beliebtes Meme zu zitieren: Why not both? Unterhaltung und lockere Formate finden ebenso ihren Platz wie ernsthafte und ernste Diskussionen. Wir haben uns wirklich viel Arbeit und Gedanken beim Programm gemacht und glauben, dass am Ende für alle etwas dabei ist.

Geisterspiegel: Das silent green Kulturquartier im Wedding ist als ehemaliges Krematorium eine sehr außergewöhnliche, historisch und architektonisch reizvolle Location. Warum passt gerade dieser Ort so perfekt zur MetropolCon und wie nutzt ihr die verschiedenen Räumlichkeiten für die intime Atmosphäre einerseits und das große Con-Feeling andererseits?

Claudia: Wir finden das gesamte Gelände, besonders aber den Mix aus alten Gebäudeteilen und neuen Ergänzungen, wirklich inspirierend. Auch die Tatsache, dass ein Ort des Todes und des Abschieds zu einem äußerst lebendigen Kulturzentrum umgewandelt wurde, trägt dazu bei. Es passt zur Phantastik, die alten Mythen, Träumen und Fantasien immer wieder aufs Neue Leben einhaucht. Die Atmosphäre ist auf alle Fälle etwas Besonderes. Und die Räumlichkeiten geben eben genau das her: kleinere, pragmatische Räume ebenso wie die große unterirdische Betonhalle mit Platz für viele Dinge gleichzeitig und die stimmungsvolle Kuppelhalle mit dem Mosaikfußboden, in der jeder Vortrag gleich ein wenig mehr Gravitas und Glamour bekommt.

Geisterspiegel: Ihr betont stark den Community-Gedanken und wollt Indie-Studios, Self-Publisher, Großverlage, Cosplayer und Fandoms zusammenbringen. Gibt es spezielle Networking-Formate oder Sicherheitszonen (Stichwort: Code of Conduct), die dieses Jahr besonders gefördert werden, um den Austausch auf Augenhöhe zu erleichtern?

Claudia: Networking und Austausch wurden ja bereits mehrfach erwähnt. Ein weiteres Beispiel ist das von Aiki Mira angeregte Round Table Queer Conversations am Sonntag, das nicht nur der queeren SFF-Community Raum geben soll, sondern auch der über die Veranstaltung hinausgehenden Vernetzung dient und gleichzeitig Gelegenheit bietet, ein Fazit aus den zuvor besuchten oder mitgestalteten Programmpunkten mit queeren Inhalten zu ziehen.

Sicherheitszonen klingt mir ehrlich gesagt mehr nach Abschottung als nach Schutz und Aufmerksamkeit und Fürsorge für alle Beteiligten. Einen vollkommenen Safe Space wird es wahrscheinlich nie geben, aber unser Streben ist es, die gesamte Con zu einem Ort zu machen, bei dem gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme, Offenheit und Neugier auf das, was ich noch nicht kenne, im Vordergrund stehen. Ein klar gekennzeichnetes Listener-Team und die Durchsetzung des Code of Conduct bei Verstößen sind wesentliche Punkte, die dabei helfen sollen.

Geisterspiegel: Eine viertägige Convention zu organisieren, die gleichzeitig europäischer Hotspot für Phantastik ist, erfordert enorme Logistik. Was war in den letzten Monaten der Vorbereitung die größte unerwartete Herausforderung für das Organisationsteam, und wie habt ihr sie gelöst?

Claudia: So richtig unerwartet hat uns diesmal eigentlich nichts getroffen – nicht wie bei der ersten MetropolCon 2023, als die Leipziger Buchmesse mitten in der Planung plötzlich auf unser Wochenende verlegt wurde und wir einen neuen Termin finden mussten … Es ist ein enormer Vorteil, wenn ein Großteil des Teams vom ersten Mal sich gemeinsam an die zweite, größere Auflage macht (und dabei von Neuzugängen unterstützt wird, die einen unverstellten Blick, andere Ideen und eine Menge Energie mitbringen).

Eine Herausforderung, an der wir laufend arbeiten, ist das Bekanntmachen der Con über die engere Community hinaus, die eh schon Bescheid weiß. Und dabei hilft uns jeder geteilte Post auf Social Media, jedes Weitersagen im Bekanntenkreis und natürlich umso mehr jedes Interview wie dieses. Daher danke für eure Neugier auf uns!

Geisterspiegel: Zu guter Letzt ein gewagter Blick in die berühmt-berüchtigte Glaskugel. Wenn am 5. Juli um 17:00 Uhr die Tore der MetropolCon 2026 schließen: Mit welchem Gefühl oder welchem Feedback der Besucherinnen und Ausstellerinnen wäre die Convention für euch persönlich ein absolut perfekter Erfolg?

Claudia: Das beste Feedback wäre, dass sich das Ganze wirklich nach einem Miteinander angefühlt hat.

Die Leute hatten eine gute Zeit, haben irgendetwas Neues gelernt, einander kennengelernt, gehen inspiriert nach Hause. Bücher und Comics haben neue Leserinnen gefunden, Händler gute Verkäufe erzielt, Fan Tables neue Members für ihre anstehenden Cons gewonnen. Vielleicht entstehen Freundschaften oder bestehende wurden vertieft, und es gab keine sichtbaren, großen Katastrophen. Im besten Fall gehen alle auch mit einer neuen Wertschätzung für Europa (als Idee, als Projekt, als gemeinsamem Lebens- und Kulturraum, vielleicht sogar als Realutopie in dieser verrückten, stets auf der Kippe stehenden Welt) aus dieser Erfahrung hinaus.

Perfekt wäre für mich, wenn sich wirklich neue Projekte und Zusammenarbeit ergeben würden – etwa so, wie ich es im Nachgang der letzten Eurocon in Mariehamn auf den Åland-Inseln erlebt habe: Aus der Begegnung mit einer dänischen Autorin und ihrem Buch ist eine deutsche Ausgabe speziell für die Eurocon in Berlin entstanden; ich habe die Übersetzung der englischen Version gemacht. Die Book Launch-Party findet ihr ebenfalls in unserem Programm.

Geisterspiegel: Im Namen des gesamten Teams möchten ich mich ganz herzlich bei Claudia bedanken! Vielen Dank, dass sie sich trotz der intensiven Vorbereitungsphase die Zeit genommen hast, unsere Interviewfragen so ausführlich und spannend zu beantworten

Die Einblicke hinter die Kulissen der MetropolCon 2026 machen definitiv Lust auf mehr! Wir wünschen Claudia als Con Chair, dem gesamten Orga-Team und allen Beteiligten eine fantastische, stressfreie finale Phase und natürlich eine rundum erfolgreiche und unvergessliche MetropolCon 2026.

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