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Der mysteriöse Doktor Cornelius – Band 2 – Episode 8 – Kapitel 2

Gustave Le Rouge
Der mysteriöse Doktor Cornelius
Band 2

Achte Episode
Das Geisterauto
Zweites Kapitel
Die Schankwirtschaft Zum Großen Wigwam

Nachdem man eine verriegelte Tür durchschritten hatte, die aus Brettern von Verpackungskisten bestand und deren Scharniere aus Lederstücken gefertigt waren, befand man sich in einem langen, niedrigen und verrauchten Raum, in dem das Auge und die Nase gleichermaßen unangenehm gereizt wurden. Es herrschte dort ein abscheulicher Gestank nach Räucherfisch, vermischt mit dem Odeur von schlechtem Alkohol und ranzigem Fett. Der Rauch der Pfeifen, zusammen mit dem des Kamins, entwich durch ein Loch im Dach, nachdem er die gesamte Atmosphäre des Raumes in einen so dichten Nebel gehüllt hatte, dass man die Hand vor Augen kaum sehen konnte.

Wenn sich der Blick an diese Finsternis gewöhnt hatte, unterschied man an den Wänden barbarische Schmuckstücke, die einst einem gefürchteten Häuptling gehört haben mussten. Es gab Kronen aus Adlerfedern, Halsketten aus Pumazähnen oder Krallen von Grizzlybären, Bögen, Pfeile, Tomahawks, vermischt mit Mokassins aus Hirschleder sowie Armbändern aus Samen und Glasperlen. Man sah auch Skalpier-Messer, ein oder zwei Karabiner alten Modells, Steinschlosspistolen, Elch- und Rentiergeweihe und ein ganzes Arsenal kleiner bestickter Tabakbeutel sowie Friedenspfeifen, von denen einige der älteren Exemplare aus einem ausgehöhlten Stein bestanden und mit einem Schilfrohr versehen waren.

Neben diesen Ausrüstungsgegenständen, die die Wände vollständig bedeckten, bestand das Mobiliar aus einigen wackeligen Hockern, Matten aus Maisstroh und einem Regal, das ein Dutzend Whiskyflaschen trug.

Dies war der seltsame Schlupfwinkel, der in der Gegend unter dem Namen Zum Großen Wigwam bekannt war. Hier trafen sich die Indianer aus einem Umkreis von zwei Meilen, um über die Angelegenheiten ihres Volkes zu sprechen und vor allem Feuerwasser zu trinken, bis sie tot auf der Stelle liegen blieben.

Die Besitzerin dieser einzigartigen Einrichtung war eine alte Squaw, so trocken, schwarz und schrumpelig wie eine Mumie. Sie kauerte gewöhnlich vor dem Kamin und rauchte pausenlos eine alte schwarze Tonpfeife, die man seit Jahren bei ihr kannte. Die Stammgäste des Hauses behaupteten sogar, dass sie ihre hohe Langlebigkeit dieser rußigen Atmosphäre verdanke, und versicherten, sie würde niemals sterben, da sie, ähnlich wie Bücklinge oder Schinken, vom Rauch konserviert sei.

Die beiden Töchter dieser ehrwürdigen Matrone, zwei große Kreaturen mit roter Haut, bläulichem Haar, platter Nase und langen Zähnen, bedienten die Trinker und sollen maßgeblich zum Wohlstand des Etablissements beigetragen haben.

Da die Leiterin der Kneipe eine Cousine achten Grades von Kloum war, hatte dieser die Idee gehabt, seine Freunde in diesen Schlupfwinkel zu führen, wo sie die größten Chancen hatten, nicht entdeckt zu werden. Nachdem sie das Lunatic-Asylum verlassen hatten, waren sie also nach Tampton aufgebrochen.

Sie waren dort bei Tagesanbruch angekommen, alle vier sehr erschöpft von der schlaflosen Nacht und all den Emotionen, die sie durchlebt hatten. Erst nachdem sie das Irrenhaus verlassen hatten, hatte Lord Burydan bemerkt, dass sich ein vierter Insasse der Einrichtung an ihre Fersen geheftet hatte.

»Was sollen wir mit ihm machen?«, hatte Oscar gefragt, der in dem Neuankömmling keineswegs den Baruch wiedererkannte, den er bei Monsieur de Maubreuil gekannt hatte, so sehr hatten Gefangenschaft und Natur das Werk des Bildhauers menschlichen Fleisches bereits verändert.

»Bei Gott, ich weiß es nicht«, erwiderte Lord Burydan.

Kloum, kategorischer, hatte erklärt, man müsse diesen Störenfried um jeden Preis loswerden, und mit einer herrischen und kurzen Geste hatte er dem Verrückten den Befehl erteilt, den Platz so schnell wie möglich zu verlassen.

Da hatte sich der Pseudo-Baruch Lord Burydan zu Füßen geworfen und die Hände auf eine so flehende Weise zusammengelegt, dass der Exzentriker zutiefst Mitleid empfand.

»Es geht wohl keine Gefahr von dem Ärmsten aus«“, stellte er fest. »Gewähren wir ihm fürs Erste Unterschlupf; über sein weiteres Schicksal entscheiden wir später.«

Der Geisteskranke war, wie ein verlorener Hund, der sich an die Fersen des ersten sympathischen Passanten heftet, fügsam hinter seinen Gefährten hergelaufen.

Ein Stück vom Lunatic-Asylum entfernt hatten die Flüchtlinge das Glück gehabt, ein Cab zu treffen, und der Kutscher hatte sich beim Anblick der Affenverkleidung, die Oscar trug, eingebildet, es mit Leuten zu tun zu haben, die von einer Maskerade zurückkehrten, und sie ohne Einwände in sein Fahrzeug gelassen. Auf diese Weise hatten sie das Dorf Tampton erreicht; sie waren jedoch so vorsichtig gewesen, einige Entfernung von der Kneipe Zum Großen Wigwam auszusteigen, damit niemand wusste, wohin sie gingen.

Kloum und seine Freunde waren von der alten Squaw und ihren Töchtern herzlich empfangen worden, und dort hatte Oscar sein Affenkostüm ablegen können, das er an die Wand hängte, wo es neben Grizzlyfellen und barbarischen Waffen eine gute Figur machte. Der Bucklige hatte einen blauen Leinenanzug angezogen, den ihm die Indianerinnen überlassen hatten und den Rothäute dort zurückgelassen hatten, die in einem nahegelegenen Steinbruch arbeiteten.

»Das Erste, was wir tun müssen«, erklärte Lord Burydan, »ist, uns auszuruhen. Wir können den ganzen Tag hier bleiben; ich glaube, niemand wird auf die Idee kommen, uns hier zu suchen. Wenn es dunkel wird, werden wir aufbrechen.«

Die alte Indianerin, die von Kloum über diese Entscheidung informiert worden war, ließ die vier Freunde in ein dunkles Kabinett neben dem Hauptraum gehen, das nur durch einen Vorhang aus einer auffällig gefärbten Wolldecke getrennt war. Die Flüchtlinge warfen sich auf die Matten, mit denen die Unterkunft ausgestattet war, und fielen bald in einen tiefen Schlaf.

Kloum war der Erste, der aufwachte. Er schnarchte noch in festem Schlaf, als ihn ein seltsames Kribbeln hinter dem Kopf aus seinen Träumen riss. Es war eine der Indianerinnen, die ihn, einer List ihres Volkes folgend, sanft unter dem Ohr kitzelte.

Kloum öffnete die Augen, ohne das leiseste Geräusch zu machen, ohne ein Wort zu sagen; er sah vor sich eine der beiden Schwestern, die einen Finger auf die Lippen legte und ihm bedeutete, vorsichtig in den großen Raum zu schauen.

Die Rothaut schob sanft die Decke beiseite, die als Vorhang diente, und in einiger Entfernung von einer Gruppe indianischer Steinbrucharbeiter, die damit beschäftigt waren, schluckweise eine Flasche Feuerwasser zu leeren, erblickte er Agénor, der – nicht ohne laute Rufe und Gesten – mit der alten, unbeweglichen Squaw diskutierte, die mit der Pfeife im Mund am Kamin saß.

Sofort stieß er einen Freudenschrei aus und weckte Lord Burydan und die anderen Schläfer. Im nächsten Augenblick fielen sich der exzentrische Lord und sein Freund weinend in die Arme.

»Mein lieber Agénor! Wie glücklich bin ich, Sie wiederzufinden!«

»Und ich erst, der ich Ihren Tod beweinte!«

»Ich auch, ich bildete mir ein, Sie seien beim Untergang der Ville-de-Frisco umgekommen! Aber jetzt hoffe ich, dass unsere Probleme vorbei sind!«

»Leider nein!«, erwiderte Agénor, der plötzlich ernst geworden war. »Verlieren wir keine Zeit mit nutzlosen Gefühlsausbrüchen, denn Sie sind ernsthaft bedroht, und deshalb bin ich hier.«

»Was gibt es noch?«, fragte Oscar Tournesol.

»Das Haus wird von Polizisten eingekreist, die – ich weiß nicht wie – von Ihrem Versteck erfahren haben. In einer Viertelstunde werden sie hier sein!«

»Teufel!«, murmelte Lord Burydan mit unzufriedener Miene, »ich habe keineswegs Lust, ins Gefängnis oder in ein Irrenhaus zurückzukehren!«

»Wir müssen uns beraten, und zwar schnell«, murmelte Agénor; »aber zunächst gebe ich Ihnen Ihre Papiere zurück, die ich aus dem Schiffbruch retten konnte. Sie sind in dieser Brieftasche, in die ich für alle Fälle auch einige Banknoten gesteckt habe.«

Währenddessen verhandelte Kloum mit den Indianern, die damit beschäftigt waren, Whisky zu trinken. Nach wenigen Minuten schwang sich einer von ihnen, der Behändeste, mit der Kraft seiner Handgelenke durch das Loch, das als Kamin diente, und kletterte auf das Dach. Er kehrte bald mit bestürzter Miene zurück.

»Vier Trupps Polizisten«, erklärte er und zählte an seinen Fingern ab. »Sie besetzen alle Straßen, die Zum Großen Wigwam führen.«

»Verdammt!«, rief Oscar, »was machen wir jetzt?«

»Bei Gott, ich sehe es nicht recht«, erwiderte Lord Burydan. »Wir sind weder zahlreich noch gut genug bewaffnet, um einen Ausbruch zu wagen.«

Es gab einige Minuten echter Angst. Egal, wohin man sich wandte, die Flucht war unmöglich; und die Polizisten, von Minute zu Minute deutlicher zu hören, näherten sich mit der unerbittlichen Langsamkeit des Schicksals.

Plötzlich lachte Kloum lautlos und zeigte mit dem Finger gegenüber der Tür des Wigwam auf drei oder vier Loren, die die indianischen Arbeiter dort gelassen hatten, während sie hineingingen, um sich zu erfrischen.

Alle hatten es verstanden. Es ging für die Flüchtlinge einfach darum, sich in das Innere der kleinen Fahrzeuge zu verstecken und so an der Nase der Herren Polizisten vorbeizukommen.

Doch es war keine Minute zu verlieren, und zunächst musste man die Arbeiter dazu bewegen, bei dieser Flucht mitzuhelfen. Kloums Eloquenz, unterstützt von ein paar Dollar, erreichte dieses Ergebnis mühelos.

Agénor drückte eilig die Hand seiner Freunde.

»Vor allem«, empfahl er Lord Burydan, »vergessen Sie nicht, mir zu schreiben und mir Ihr Versteck mitzuteilen.«

»Das werde ich nicht versäumen, zumal ich Ihnen Enthüllungen zu machen habe.«

»Ja«, sagte Oscar, »wir wissen, wo M. Bondonnat ist. Lord Burydan war sein Leidensgenosse in der Gefangenschaft.«

»Und wo ist er?«

»Auf der Insel der Gehängten.«

»Was ist das für eine Insel?«

»Ich habe keine Zeit, es Ihnen zu erklären. Mein nächster Brief wird Ihnen all das im Detail erzählen.«

Ein letzter Händedruck wurde ausgetauscht, dann legten sich der exzentrische Lord und Oscar auf den Boden der ersten Lore, während Kloum und ihr Begleiter, der stets stumm und fügsam war, im zweiten Platz nahmen.

Die beiden Indianerinnen bedeckten die Körper der Flüchtlinge mit alten Decken, über die die Arbeiter einige Schaufeln Sand warfen, in genügender Menge, um zu täuschen, aber nicht genug, um die Luftzufuhr zu verhindern.

Diese Vorbereitungen beendet, begannen die Indianer, die Loren auf den Schienen mit der nonchalanten Art zu schieben, die ihnen gewöhnlich war, und gingen der Einheit entgegen, die der ehrliche Grogmann befehligte. Die phlegmatische Haltung der Rothäute beeindruckte den Polizisten vollkommen. Er hegte nicht den geringsten Verdacht. Er ging weiterhin mit demselben majestätischen Schritt an der Spitze seiner Männer in Richtung der Schankwirtschaft »Zum Großen Wigwam.

Er kam genau in dem Moment dort an, als Agénor herauskam, und da er immer noch davon überzeugt war, dass der Dichter ein hoher Polizeibeamter sei.

»Haben Sie sie gesehen?«, fragte er ihn.

»Nein«, antwortete Agénor und schüttelte den Kopf. »Die Vögel sind ausgeflogen!«

»Teufel! Schade! Aber ich werde trotzdem durchsuchen. Diese Rothäute haben diabolische Listen, und unsere Verrückten könnten in irgendeinem Keller oder Dachboden versteckt sein.«

»Ja, das ist es, durchsuchen Sie gründlich«, sagte der Dichter aufs Geratewohl, während er den Weg nach New York einschlug, ohne dass sich ihm jemand in den Weg stellte.

Die Polizisten wühlten vergeblich in den schmutzigen Lumpen, die das Mobiliar der Kneipe ausmachten, und entdeckten nichts.

Währenddessen waren die vier Flüchtlinge unbeschadet bis zum Granitsteinbruch gelangt, in dem die Indianer arbeiteten und der fünfhundert Meter entfernt lag. Sie beeilten sich, ihre unbequemen Fahrzeuge zu verlassen und dankten ihren Rettern herzlich.

Die Nacht kam mit großen Schritten. Von nun an war alle Gefahr verschwunden. So erreichten Oscar Tournesol und seine Freunde, ohne sich zu beeilen, aber dennoch einen Pfad nehmend, der es ermöglichte, die Hauptstraße zu vermeiden, den Bahnhof von Tampton. Dort löste Lord Burydan, der bereits einen ganzen Plan ausgearbeitet hatte, vier Fahrkarten zweiter Klasse mit Ziel Montreal, denn er kannte Kanada perfekt, wo er riesige Besitztümer besaß.

Bevor der Zug den Bahnhof verlassen hatte, hatten die vier Flüchtlinge um den Tisch im Speisewagen Platz genommen und waren gerade dabei, ein substanzielles Menü zusammenzustellen, als Oscar plötzlich einen Schrei des Erstaunens ausstieß und mit offenem Mund, geweiteten Augen und zitternden Händen stehen blieb, als hätte er eine Vision gehabt.

»Was ist denn los?«, fragte Lord Burydan beunruhigt.

Mit dem Finger zeigte Oscar auf die Straße, die nur durch eine Holzbarriere vom Gleis getrennt war, wo ein riesiges rot-schwarzes Automobil soeben angehalten hatte. Am Steuer saß, wie von der blendenden Helligkeit der Scheinwerfer umstrahlt, ein Mann mit einer energischen und harten Physiognomie; und im Inneren ein Greis mit glattem Gesicht und dem Profil eines Raubvogels, dessen faszinierende Augen hinter den Gläsern seiner goldgerahmten Brille zu funkeln schienen.

»Sehen Sie«, sagte der Bucklige mit unaussprechlicher Erregung, »der junge Mann, der dieses Auto fährt, nun! das ist derselbe, ich bin mir sicher, der an der Entführung von M. Bondonnat teilgenommen hat und der mich selbst mit einem Gewehrkolben halb erschlagen hat.«

Doch in diesem Moment setzte sich der Zug in Bewegung, und wenige Minuten später war das mysteriöse Auto, das Geisterauto, wie Oscar es bereits nannte, verschwunden, verborgen durch eine Kurve der Strecke.

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