TSB John Sinclair – Folge 79
Geisterjäger John Sinclair
Das Dämonenauge
Nach dem Roman von Jason Dark
Tonstudio Braun, MC JS 017, 1988, ca. 49:05 Minuten
Buch: Max Braun, Regie: Erwin Scherschel, Musik: Peter Seidel, Illustration: Vicenç Badalona Ballestar
Sprecher: Erzählerin: Marianne Mosa, John Sinclair, Erzähler: Helmut Winkelmann, Suko: Peter Niemeyer, Jane Collins: Margit Wolff, Kiriakis: Peter Hackenberger, Hereos: Matthias Kniesbeck, Mann: Max Braun, Frau: Christl Pfeil-Scherschel
Synopsis:
Den heimtückischen Überfall des Schwarzen Todes hatten wir abgewehrt, doch Jane Collins war getroffen. Sie lag im Sterben. Jeden Augenblick musste der nächste Angriff erfolgen. Und den würden wir nicht überleben. Der Schwarze Tod wollte seine gefürchtetste Waffe gegen uns einsetzen: das Dämonenauge …
Die Geschichte knüpft an die dramatischen Ereignisse um Jane Collins an: Durch eine magische Salbe des Heilers Kiriakis kann sie im letzten Moment gerettet werden. Während ihres Scheintods empfängt Jane jedoch eine düstere Vision des Dämonenauges – einer mächtigen Waffe, mit der der Schwarze Tod durch die Zeit blicken kann. Sie sieht Johns potenzielle Schicksale: gefesselt an einen Mühlenflügel und vor einem heranrasenden Taxi.
Um diese Bedrohung zu vernichten, müssen John und Suko den uralten Magier Myxin aus Atlantis erwecken, der vor 10.000 Jahren in einem goldenen Sarg im Meer versenkt wurde. Doch der Rettungsversuch fordert Opfer: Während des Tauchgangs werden Jane und Kiriakis an der Oberfläche in den Bandenkrieg zweier Gangsterbosse hineingezogen. Kiriakis wird tödlich verletzt, vertraut John vor seinem Ableben aber noch ein Geheimnis an: Seine Tochter Elena wurde vom Schwarzen Tod entführt und in eine Vampirin verwandelt. Schließlich gelingt es John mithilfe des erwachten Myxin und eines magischen Spiegels, das Dämonenauge im Reich des Schwarzen Todes zu vernichten.
Die TSB-Hörspiele genießen unter Fans der ersten Stunde absoluten Kultstatus, doch mit der Vertonung des Romans „Das Dämonenauge“ hat sich das Kult-Studio keinen großen Gefallen getan. Als direkter Nachfolger des starken ersten Teils enttäuscht die Folge 79 auf fast allen Ebenen und zieht im direkten Vergleich mit der späteren Neuinszenierung der Edition 2000 (Folge 45) meilenweit den Kürzeren.
Ein zentrales Problem der Folge liegt in der akustischen Umsetzung und der Sprecherführung. Die schauspielerische Leistung lässt in dieser Episode massiv zu wünschen übrig. Die Sprecher wirken oft uninspiriert, wodurch die eigentlich dramatische Rettung von Jane Collins oder der Tod von Kiriakis an emotionaler Tragweite verlieren.
Ein wiederkehrendes Ärgernis ist die Regiearbeit bei den Dialogen. Die Betonung der Sprecher passt stellenweise nicht zu der jeweiligen Situation oder dem eigentlich gesagten Text. Das reißt den Hörer unweigerlich aus der ohnehin dünnen Atmosphäre.
Der uralte, mächtige Magier aus Atlantis ist eine Schlüsselfigur im Sinclair-Universum. Seine Stimme in dieser Version wird der Würde und der Macht des Charakters jedoch in keiner Weise gerecht – Myxin klingt hier schlichtweg falsch getroffen.
Das Skript leidet unter einer extrem nuancierten Erzählgeschwindigkeit. Anstatt Höhepunkte dramatisch auszubauen, wird das Timing völlig auf den Kopf gestellt.
Schlüsselmomente, wie das Überwältigen der Gangster auf dem Meer durch John und Suko, werden lieblos und viel zu schnell mit nur einem einzigen Satz abgespeist. Dem Hörer wird dadurch jegliches Gefühl von Bedrohung oder echter Action genommen. Im krassen Gegensatz dazu wird die Sequenz des Tauchgangs unnötig in die Länge gezogen. Hier verliert sich das Hörspiel in Belanglosigkeiten, die die Handlung künstlich strecken.
Dass es das Tonstudio Braun mit der Realität nicht immer ganz genau nahm, gehört zum charmanten Trash-Faktor der Reihe. Bei der Unterwasser-Logik in dieser Folge schlägt der Dilettantismus jedoch ins Negative um: Während John und Suko zum Sarg von Myxin hinabtauchen, unterhalten sie sich völlig ungezwungen. Dass sie eigentlich Atem-Mundstücke im Mund haben müssten, die ein klares Sprechen unmöglich machen, wird komplett ignoriert.
Noch skurriler wird es, nachdem Myxin verschwindet. Ab diesem Zeitpunkt sprechen die beiden Geisterjäger unter Wasser nicht einmal mehr über ein simuliertes Funkgerät, sondern unterhalten sich akustisch so klar und deutlich, als würden sie gemütlich an der Erdoberfläche spazieren gehen.
Die TSB-Folge 79 ist ein Musterbeispiel für eine überstürzte und unsaubere Hörspielproduktion. Die Edition 2000 hat Jahre später gezeigt, wie man die Geschichte um das Dämonenauge packend, atmosphärisch dicht und vor allem logisch erzählt. Wer die alte Version hört, braucht eine gehörige Portion Nostalgie-Bonus.
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