Wie schmeckt das Blut von Dracula (1970)

Wie schmeckt das Blut von Dracula (1970)
Der vierte Teil der Hammer-Dracula-Reihe markiert das Kinodebüt von Regisseur Peter Sasdy. Die vorliegende Kritik untersucht das Spannungsfeld zwischen Sasdys atmosphärischer Inszenierung und den strukturellen Defiziten im Drehbuch von John Elder. Im Fokus stehen dabei die detaillierte Charakterzeichnung der ersten Filmhälfte sowie die zunehmende Marginalisierung der Titelfigur innerhalb der etablierten Studio-Formel.
Wie schmeckt das Blut von Dracula ist der vierte Teil der legendären Hammer-Reihe, kann sich jedoch kaum mit der Qualität des Originals Dracula (1958) messen. Er stellt zwar eine Steigerung gegenüber dem schwachen Vorgänger Draculas Rückkehr dar, leidet aber massiv unter dessen übernommenen Mängeln. Dennoch repräsentiert das Werk wohl das Beste, was man innerhalb der engen Grenzen der Hammer-Formel und der recht starren Vorstellung des Studios vom Dracula-Mythos erwarten kann.
Das Werk profitiert spürbar von der Regie Peter Sasdys und – wie gewohnt – von der charismatischen Präsenz Christopher Lees. Das Drehbuch von John Elder lässt beiden jedoch kaum Spielraum. Elder (eigentlich Hammer-Produzent Anthony Hinds) leistete immerhin bewundernswerte Arbeit dabei, das bizarre Ende des Vorgängerfilms schlüssig mit der neuen Geschichte zu verknüpfen.
Zu Beginn führt uns der Film zum Ort von Draculas Ableben im vorangegangenen Teil. Ein verängstigter Antiquitätenhändler beobachtet entsetzt, wie sich der auf einem riesigen Kreuz aufgespießte Graf windet und schließlich zu Staub zerfällt. Getrieben von Gier sichert sich der Händler die Reliquien des Untoten: Umhang, Ring, Medaillon und in Phiolen aufgefangenes Blut. Diese Kette glücklicher Zufälle wirkt erzählerisch zwar arg konstruiert; doch um die Tradition der stetigen Wiederauferstehung zu wahren, muss man dem Genre gewisse erzählerische Freiheiten zugestehen.
Ein wesentliches Problem des Sequel-Formats wird hier jedoch deutlich: Die eigentliche Rückkehr Draculas lässt lange auf sich warten und nimmt fast die gesamte erste Filmhälfte in Anspruch.
Interessanterweise ist die erste Hälfte des Films ohne den Grafen weitaus fesselnder als die zweite mit ihm. Das liegt vor allem an den präzise gezeichneten Charakteren: Geoffrey Keen überzeugt als heuchlerischer Snob William Hargood, Peter Sallis als willensschwacher Samuel Paxton und John Carson als pragmatischer Jonathan Seeker. Gemeinsam sucht diese Gruppe nach den schlüpfrigeren Freuden des Lebens. Regisseur Sasdy fängt dabei das viktorianische England mit einer Authentizität ein, die für eine Low-Budget-Produktion beachtlich ist.
Sobald Christopher Lee jedoch die Bühne betritt, offenbaren sich die Schwächen des Skripts. Sein Dracula bleibt vage definiert; Elder scheint oft unschlüssig, wie er den Vampir einsetzen soll. Dass Dracula häufig Selbstgespräche führt, raubt manchen Szenen ihre bedrohliche Wirkung. Auch sein Motiv – ein Rachefeldzug gegen jene, die seinen Jünger ermordet haben – wirkt widersprüchlich, da seine Auferstehung ohne diesen Mord gar nicht erst möglich gewesen wäre.
In der Hammer-Tradition blieb Dracula oft eine Randfigur. In den ersten Filmen funktionierte das, weil seine wenigen Szenen so dominant geschrieben waren, dass er das Geschehen dennoch beherrschte. Hier verzettelt sich die Handlung jedoch in Nebensträngen, wodurch der Graf zur Randnotiz im Leben anderer Menschen degradiert wird. Diese Formel ist im Kern verfehlt und verhindert, dass der Film eine wirklich übergeordnete Größe erreicht.
Trotzdem bietet das Werk handwerkliche Highlights. Die Szene, in der sich Dracula aus Staub auf dem Körper seines Jüngers materialisiert, ist tricktechnisch hervorragend umgesetzt. Auch das Finale in der verfallenen Kirche ist stimmungsvoll inszeniert. Wenn Dracula an der Decke klettert, um dem Anblick des Kreuzes zu entgehen, und die Ruinen durch seine Augen als strahlende, ihn verabscheuende Symbole erscheinen, zeigt Sasdy sein ganzes Können.
Wie schmeckt das Blut von Dracula
Originaltitel: Taste the Blood of Dracula, Produktionsland: Großbritannien, Originalsprache: Englisch, Erscheinungsjahr 1970, Länge: 91 Minuten, Altersfreigabe: FSK 16, Produktionsunternehmen, Hammer Film Productions
Stab
Produktion: Aida Young, Regie: Peter Sasdy, Drehbuch: John Elder, Kamera: Arthur Grant, Schnitt: Chris Barnes, Szenenbild (Art Director): Scott MacGregor, Musik: James Bernard, Ton: Roy Hyde, Maske (Make-up Supervisor): Gerry Fletcher, Spezialeffekte: Brian Johncock, Regieassistenz: Derek Whitehurst
Besetzung
Dracula: Christopher Lee, William Hargood: Geoffrey Keen, Martha Hargood: Gwen Watford, Alice Hargood: Linda Hayden, Samuel Paxton: Peter Sallis, Paul Paxton: Anthony Corlan, Lucy Paxton: Isla Blair, Johnathan Seeker: John Carson, Lord Courtley: Ralph Bates, Weller: Roy Kinnear, Cobb: Michael Ripper
Trailer
(wb)
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