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Aus dem Reiche der Phantasie – Heft 8 – Die Ansiedlung auf dem Meeresgrund 1. Teil

Robert Kraft
Aus dem Reiche der Phantasie
Heft 8
Die Ansiedlung auf dem Meeresgrund
Verlag H. G. Münchmeyer, Dresden, 1901

Kapitel 1
Im Taucheranzug

»Die Wunder der Meerestiefe möchte ich einmal sehen«, sagte Richard vor dem Schlafengehen. »Es steht mir zwar frei, mir zu wünschen, mich im Wasser in jeder Tiefe genau wie an der Erdoberfläche bewegen zu können und meine Lungen in Kiemen zu verwandeln, aber das will ich nicht. Das ist unnatürlich. Solche Dinge begreift man oft selbst im Traum nicht und wundert sich dann darüber – wie ich schon in früheren Träumen manchmal bemerkt habe. Ich will mich daher nur an Möglichkeiten halten, auch wenn die Fantasie sonst noch so kühn arbeitet. So wünsche ich mir also ein Taucherkostüm, von dem ich annehme, dass ich Weiterlesen →

Kommissar Rosic – Band 1.15

Rodolphe Bringer
Kommissar Rosic
Band 1
Der Dolch aus Kristall
Kapitel 15: Bobs Tochter

Rosic war in seiner kleinen Villa in den Hügeln von Sainte-Foy zurückgekehrt. Er hatte seine Tochter umarmt, ebenso Gladys, die Freundin und Anstandsdame seiner Tochter. Schließlich hatte er sich genießerisch seine Hausschuhe angezogen und sich in dem kleinen Esszimmer der Villa zwischen den beiden jungen Frauen an den Tisch gesetzt – vor einen dieser vorzüglichen Lyoner Eintöpfe, die so wunderbar nach der guten alten französischen Küche duften.

»Ach, Kinder … wie schön es doch hier ist!«, seufzte Rosic. »Besonders wenn man vier Tage lang keine halbe Stunde Schlaf bekommen hat und nur von einem Zug ins Auto gesprungen ist … Ach, was für ein anstrengender Beruf!«

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Der Schatten eines Schattens

Tom Hood
Der Schatten eines Schattens

Meine Schwester Lettie lebt bei mir, seit ich einen eigenen Hausstand gegründet habe. Vor meiner Hochzeit war sie meine kleine Haushälterin. Jetzt ist sie die ständige Begleiterin meiner Frau und die Lieblingstante meiner Kinder, die mit all ihren kleinen Sorgen und Nöten zu ihr gehen, um Trost, Rat und Hilfe zu finden.

Doch obwohl sie ein behagliches Zuhause hat und von liebenden Menschen umgeben ist, trägt sie einen ernsten, melancholischen Ausdruck im Gesicht, der Bekannte verwundert und Freunde betrübt.

Eine Enttäuschung! Ja, die alte Geschichte eines verlorenen Geliebten ist der Grund für Letties Wesen. Sie hatte oft gute Heiratsanträge, aber seit sie die erste Liebe ihres Herzens verloren hat, hat sie sich nie wieder dem glücklichen Traum hingegeben, zu lieben und geliebt zu werden.

George Mason war ein Cousin meiner Frau – von Beruf Seemann. Er und Lettie lernten sich auf unserer Hochzeit kennen und Weiterlesen →

Mörder und Gespenster – Band 1 – 28. Teil

August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Das geschossene Täubchen
Kapitel 4

Sechs Wochen später las Frau von S., die sich gerade erst wieder zu erholen begann, in der Zeitung. Plötzlich verzogen sich ihre Gesichtszüge auf seltsame Weise. Sie neigte sich zu ihrem Mann und deutete, ohne ein Wort zu sprechen, auf die Stelle, die sie soeben gelesen hatte.

Herr von S. las folgende Worte:

Heinrich von C. ist seit sechs Wochen spurlos verschwunden. Man vermutet einen Selbstmord.

Der durch die schwere Krankheit abgemagerte Finger der Frau von S. verweilte lange auf der letzten Zeile dieser Meldung. Ihr Weiterlesen →

Deutsche Märchen und Sagen 202

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

285. Habdank

Kaiser Heinrich V. wollte das Land Polen gerne seinem Zepter unterwerfen und rückte deshalb mit seiner Heeresmacht den Polen immer näher auf den Leib. Da entsandte Bolesław eine Gesandtschaft an ihn, um unter angemessenen Bedingungen um Frieden zu bitten. Heinrich forderte jedoch unnachgiebig die vollständige Unterwerfung Polens und verlangte, dass das Land dem Römischen Reich tributpflichtig werde. Als die Gesandten dies hörten, erklärten sie, dass die Polen den Frieden niemals zu einem solchen Preis erkaufen würden. Darüber geriet der Kaiser in Zorn. Er führte die Gesandten zu seiner unermesslichen Schatzkammer, zeigte sie ihnen und sprach: »Seht her! Damit werde ich Polen demütigen.«

Der Anführer der Gesandten, Graf Skarbek, zog daraufhin einen äußerst wertvollen Ring vom Finger, warf ihn zu den Schätzen des Weiterlesen →