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Im Original Johannes Wilhelm Wolf

Deutsche Märchen und Sagen 57

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

58. Die Baseler Nachtigall

Während des Konsilium von Basel gingen einige von den gelehrten Doktoren in einem Wald spazieren und hörten dort eine Nachtigall, die so wunderbar sang, dass sie nie in ihrem Leben so etwas gehört hatten.

Das kam einem der Herren verdächtig vor. Er beschwor die Nachtigall, zu sagen, wer sie sei. Da sprach der Vogel, er sei eine verdammte Seele und müsse in dem Wald wohnen bis zum Tage des Jüngsten Gerichts.

Deutsche Märchen und Sagen 56

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

57. Geist erlöst

Im Jahre 1459 auf Allerseelentag wurde zu Ypern ein wiederkehrender Geist erlöst. Es hatte nämlich ein gewisser Gerhard Middendorf, ein Bäckermeister, ein Haus gemietet, welches seit Langem gänzlich verlassen gewesen war, weil es darin spukte. Nun war seiner Frau erste Arbeit, das Haus vom Söller bis zum Keller zu putzen und zu fegen. Da kam sie denn auch unter anderem an einen alten Schrank. Währenddessen sie den reinigte, fand sie ein heimliches Kästchen, das brach sie auf und sah, dass ein Säckchen voll Geld darin lag. Erfreut rief sie ihren Mann Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 55

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

56. Seele als Vogel

Nach der Schlacht von Walchern, in der die Fläminge vom Grafen Florenz von Holland und den Seeländern geschlagen wurden, ging eine sehr reiche und fromme Matrone auf dem Schlachtfeld umher, um den Verwundeten Hilfe und den Sterbenden Trost zu bringen. Da hörte sie sich plötzlich rufen, schritt dem Ort zu, von woher die Stimme erschallte, und sah, dass es ein schwer Verwundeter war. Sie hob sein Haupt und legte es in ihren Schoß, ermahnte ihn, an Gott und das Jenseits zu denken, und redete ihm mit viel frommen Worten zu.
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Deutsche Märchen und Sagen 54

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

55. Kaninchen auf dem Kirchhof

Ein Mann aus Kortryk kam abends spät noch über den Kirchhof und sah da ein schönes, weißes Kaninchen herumhüpfen. Ah, dachte er bei sich selbst, das Tierchen will ich mir fangen. Es ist etwas für Sonntag. Er nahm seinen Hut in die Hand und

lief hinter dem Kaninchen bis an die Kirchtür. Da schmiss er den Hut darauf, sodass es drunter saß.

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Deutsche Märchen und Sagen 53

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

53. Das weiße Kaninchen zu Dendermonde

Auf dem Wällchen (Vestje) zu Dendermonde wohnte vor alten Zeiten eine Milchfrau, die ihren Kunden allzeit getaufte Milch, das ist Milch mit Wasser vermischt, lieferte. Die Bäuerin starb sonder Beichte und seitdem schwärmte ihr Geist jede Nacht in Gestalt eines weißen Kaninchens um, welches rief:

Ik heb myn ziel aen den duivel verkocht
Omdat myn zoete melk niet en dogt.
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Deutsche Märchen und Sagen 52

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

52. Der schwere Hund zu Lübeck

Mitte Oktober 1687 ließ sich in eines Schiffers Haus zu Lübeck ein Gespenst vernehmen, welches die Gläser in Stücke schlug, den Leuten nachts die Decken vom Leib und das Bett unterm Leib wegrückte und viel andere Possen trieb, ohne jedoch jemanden ein Leid zuzufügen. Verschiedene Bürger und Fremde kamen in das Haus, konnten aber nichts sehen.

Nur einem kleinen Mädchen war der Spuk sichtbar, und es rief stets: »Sieh, sieh, da geht es und glotzt mich mit Weiterlesen