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Im Original Johannes Wilhelm Wolf

Deutsche Märchen und Sagen 203

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

289. Die vier Träume

Kaiser Karl hatte sich auf der Jagd von seinem Gefolge getrennt und kehrte in ein Wirtshaus ein, das eine Höhle von vier Räubern war. Die Räuber freuten sich über die reiche Beute und begannen spöttisch, ein Spiel aus ihren Träumen zu machen.

»Mir träumt«, sagte der Erste, »dass man diesem Fremden den Hut vom Kopf nehmen sollte.«

»Und mir träumt«, fuhr der Zweite fort, »dass man ihm sein schönes Wams ausziehen müsste.«

»Mir träumt«, hob der Dritte an, »dass er diese prächtige Hose gar nicht braucht und sie uns schenken könnte.«

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Deutsche Märchen und Sagen 202

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

285. Habdank

Kaiser Heinrich V. wollte das Land Polen gerne seinem Zepter unterwerfen und rückte deshalb mit seiner Heeresmacht den Polen immer näher auf den Leib. Da entsandte Bolesław eine Gesandtschaft an ihn, um unter angemessenen Bedingungen um Frieden zu bitten. Heinrich forderte jedoch unnachgiebig die vollständige Unterwerfung Polens und verlangte, dass das Land dem Römischen Reich tributpflichtig werde. Als die Gesandten dies hörten, erklärten sie, dass die Polen den Frieden niemals zu einem solchen Preis erkaufen würden. Darüber geriet der Kaiser in Zorn. Er führte die Gesandten zu seiner unermesslichen Schatzkammer, zeigte sie ihnen und sprach: »Seht her! Damit werde ich Polen demütigen.«

Der Anführer der Gesandten, Graf Skarbek, zog daraufhin einen äußerst wertvollen Ring vom Finger, warf ihn zu den Schätzen des Weiterlesen →

Deutsche Märchen und Sagen 201

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

279. Hildemarka

Im Soinewalde bei Brüssel, an der Stelle, wo man noch heute die Trümmer der Jackosburg sieht, wohnte vor Zeiten ein böser Waldgeist. Dieser entführte eines Tages eine Jungfrau edlen Geschlechts, die Hildemarka hieß und von ungemeiner Schönheit war. Er wollte sie zu seinem Weibe machen und sie zwingen, vor dem obersten Waldgeiste die Knie zu beugen. Doch das wollte Hildemarka nicht.

Sie sprach: »Töte mich und tu mit mir, was du willst. Ich will gerne den Tod erleiden um Christi willen.«

Bei diesem Entschluss beharrte sie auch trotz aller Zauberkünste, welche der Waldgeist anwandte, um sie zu verführen. Als er endlich sah, dass alles nichts half, versenkte er sie in einen siebenjährigen Schlaf. Nachdem diese Zeit nun um war, fragte er sie abermals: Weiterlesen →

Deutsche Märchen und Sagen 200

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

278. Gottliebe

Im Jahre unseres Herrn 1074 wohnte in der Grafschaft Boulogne zu Longfort ein braver Ritter namens Hemfried mit seiner Frau Ogine. In ihrer Ehe hatten die beiden drei Töchter: Ogine, Adele und Godelieve (Gottliebe), die ihren Eltern an Tugend und Gottesfurcht in nichts nachstanden. Vor allen zeichnete sich jedoch die Jüngste, Gottliebe, als ein Vorbild an Heiligkeit aus. Sie liebte die Armen so sehr, dass sie ihnen alle Speisen und Getränke gab, deren sie habhaft werden konnte; nicht selten sparte sie sich selbst das Essen am Munde ab, um es den Bedürftigen zu bringen.

Der Hofmeister ihres Vaters war damit jedoch gar nicht zufrieden, da es häufig an Speisen fehlte, wenn Herr Hemfried sich zu Tisch setzen wollte. Er forschte nach, wo das Essen blieb, und als er erfuhr, dass Gottliebe es stets den Armen gab, passte er scharf auf, um Weiterlesen →

Deutsche Märchen und Sagen 199

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

276. Bischof Wulfhelm

Kaiser Ludwig II., auch der Deutsche genannt, verirrte sich eines Tages bei der Jagd und kam spät abends in den Ort Katzenhausen. Dort kehrte er in der Wohnung des Pfarrers ein. Der Pfarrer war ein schlichter, armer Mann, aber von gutem Herzen. Er empfing den Kaiser freundlich und liebevoll und ließ ihn in seinem eigenen Bett schlafen. Er hatte nur dieses eine, doch das machte ihm nichts aus: »Ich schlafe ebenso gut auf meinem Strohsack«, sprach er. Auch kochte er ihm einen guten Brei. Am anderen Morgen brachte er ihm nach der Messe Brot und Butter und einen Becher frisches, klares Wasser.

Als der Kaiser nun wieder aufbrechen wollte, sprach er zu dem Pfarrer: »Sagt mir, Herr, welchen Dienst ich Euch erweisen kann; Ihr habt mir so viel Liebes erwiesen.«
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