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Die Schwarzmäntel – Band 1 – Kapitel 5

Paul Féval
Die Schwarzmäntel
Originaltitel: Les Habits Noirs
Band 1
Kapitel 5
Die Gewissensbisse des J.-B. Schwartz

Die Kutsche durchquerte im gestreckten Galopp das Dorf Allemagne, wo noch alles schlief, dann bog Monsieur Lecoq nach links ab und schlug einen Feldweg ein. So fuhren sie drei oder vier Minuten lang schweigend dahin.

»Das Spiel, der Wein, die schönen Frauen, Jean-Baptiste«, sagte Monsieur Lecoq plötzlich. »Mein kleiner Finger erzählt mir so manch eine Geschichte. Du hast deinen Auftrag dort drüben gut erledigt, mein Bester. Der Kommissar hat nicht das Geringste gemerkt!«

Er trieb Coquet mit der Peitsche an, woraufhin das Pferd wie der Teufel lospreschte.

»Nur keine Hemmungen, mein Schätzchen«, fuhr er fort, »heute Abend hast du fünfunddreißig Lieues in den Knochen!«

»Wo fahren wir denn hin?«, fragte Schwartz.

»Du? Du fährst nicht weit, Jean-Baptiste. Ich für meinen Teil liege im Moment in Alençon im Bett, weil ich eine Erkältung habe, und morgen Früh stehe ich frisch und munter auf!«

»Haben Sie etwa Angst vor dem Ehemann, Monsieur Lecoq?«

»Was für ein Ehemann, Jean-Baptiste? Wie kommst du denn auf einen Ehemann? Ich werde frisch und munter aufstehen, um meine Besorgungen zu machen, meine Waren unterzubringen und von meiner Erkältung zu erzählen. Es ist doch gut, überall Freunde zu haben, mein Lieber, nicht wahr? Der Freund, bei dem ich schlafen werde, ist derselbe, der heute Morgen den Brief zur Post bringt, in dem ich meinen Goldring zurückfordere … Hast du schon mal von den Freimaurern gehört, mein Alter?«

»Mein Vater war einer«, erwiderte J.-B. Schwartz.

»Mein Vater auch«, sagte Monsieur Lecoq lachend. »Das kann nützlich sein. Du bist beim Militär? Du ziehst in die Schlacht, stehst direkt vor einer Kanone, machst das Geheimzeichen, und der feindliche Artillerist schießt stattdessen deinen Nachbarn in zwei Teile, nur um dir einen Gefallen zu tun. Kanntest du die Geschichte schon?«

»Mein Vater hat sie erzählt, Monsieur Lecoq.«

»Meiner auch: Sie ist hübsch. Nun gut, Jean-Baptiste! Wir sind eine Hundertschaft von Kameraden, vielleicht zweihundert – alte Schulkameraden eben! So etwas wie Internatsschüler oder ehemalige Schützlinge der Institution Balanciel. Die einen sind hier, die anderen dort, und wir erweisen uns kleine Gefälligkeiten, um die Freundschaft zu pflegen, die uns verbindet … Ich habe dir also von einem Ehemann erzählt – nicht wahr, mein Bester?«

»Sie haben mir gesagt …«

»Das Spiel, der Wein, die schönen Frauen! Meinetwegen soll da ein Ehemann sein, Jean-Baptiste, wenn es dich glücklich macht. Welche gefällt dir besser? Die Dunkelhaarige? Die Blonde? Mein schwaches Herz schwankt zwischen beiden. Glaubst du an das höchste Wesen? Ja? Das kann ich dir nicht verdenken. Diesen Glauben findet man bei allen Völkern des Universums. Hüte dich nur vor den Exzessen der Bartholomäusnacht. Was für ein Tye, dieser Karl IX., mein Bester? Das ist dir egal? Mir erst recht! Die Sache ist doch die: Es gab genauso wenig einen Ehemann wie in meiner hohlen Hand!«

Das alles wurde in einem spöttischen Ton vorgebracht. Unser junger Elsässer war ein durch und durch ernsthafter Geist, der die Worte für bare Münze nahm und sich noch nicht an den seltsamen Jargon gewöhnen konnte, der im Begriff war, die erhabene Sprache Bossuets im Alltag des einfachen Paris abzulösen. Er lauschte mit offenem Mund all diesen Wirrungen. Dennoch kam ihm keineswegs der Gedanke, dass sein Begleiter den Verstand verloren haben könnte. Seine Naivität war keineswegs ohne Scharfsinn. Er bedachte, dass dieser einsame Weg wie geschaffen war, einen Mord zu verbergen. Er bekam es tatsächlich mit der Angst zu tun. Besonders das letzte Wort von Monsieur Lecoq ließ ihn erzittern. Vage war ihm bewusst, dass er zu tief in ein gefährliches Geheimnis hineingeraten war.

Es war ein Hohlweg, in den die dämmernde Morgenröte ein paar graue Lichtschimmer über zwei gewaltige Hecken warf. J.-B. Schwartz beobachtete seinen Gefährten aus dem Augenwinkel. Im Falle eines Kampfes hätten die Wettenden wohl kaum auf J.-B. Schwartz gesetzt, dessen schmächtige Gestalt die breite Statur seines Nachbarn nur noch mehr hervorhob; betrachtete man jedoch dieses scharfe Gesicht, diese unruhigen und stechenden Augen genauer, so gehörte unser Elsässer keineswegs zu denjenigen, die sich wie Hühner erwürgen lassen.

Monsieur Lecoq drehte sich abrupt zu J.-B. Schwartz um und musterte ihn von oben bis unten. Er war bester Laune; das Gesicht des jungen Elsässers ließ ihn in schallendes Gelächter ausbrechen.

»He, Jean-Baptiste!«, rief er. »Sie sehen aus wie ein Mann, der sich sagt: Es wäre mir sehr unangenehm, wenn man mir das Gehirn wegblasen würde. Es gibt doch solche bösen Geschichten in den Zeitungen, nicht wahr? Sieh an, sieh an, mein Bester!«, unterbrach er sich und betrachtete ihn aufmerksam. »Du würdest dich also ein wenig wehren? Wo waren wir stehen geblieben? Beim Ehemann? Nein, beim höchsten Wesen. Das höchste Wesen ist der Direktor der großen Lotterie. Würde es Ihnen Spaß machen, einen Fünfer im Lotto zu gewinnen, Jean-Baptiste?«

Schwartz’ Blick war unter dem Taxieren des Handelsreisenden wieder konsequent geworden. Er blieb kühl und antwortete gelassen: »Das kommt darauf an, Monsieur Lecoq.«

»Sieh an, sieh an!«, meinte dieser erneut. »Lohnt es sich etwa, mit dir ordentliches Französisch zu sprechen, Jean-Baptiste?«

»Nein«, antwortete Schwartz entschlossen. »Wenn Sie etwas Krummes gedreht haben, will ich nichts davon wissen.«

»Großartig!«, grummelte der Handelsreisende. »Sie sind alle gleich. Nun gut, mein Bester, es gab dort tatsächlich einen Ehemann! Bist du jetzt zufrieden?«

»Ja«, erwiderte Schwartz. »Sie haben mir hundert Franc versprochen, weil ich Ihnen einen Dienst erwiesen habe für den Fall, dass der Ehemann Ihnen Ärger macht.«

»Stimmt … und ich gebe dir tausend, Jean-Baptiste.«

Er hielt eine Banknote über genau diesen Betrag zwischen Zeigefinger und Daumen.

J.-B. Schwartz’ Lider zuckten. Er war ganz blass und fragte leise: »Warum geben Sie mir tausend Franc?«

Monsieur Lecoq versetzte dem kleinen Bretonenpferd einen freudigen Peitschenhieb und antwortete: »Du bist aber neugierig! Willst du etwa Streit mit mir anfangen?«

»Ich will es wissen!«, sagte J.-B. Schwartz langsam.

Monsieur Lecoq musterte ihn mit wachsender Aufmerksamkeit.

Komischer Vogel, diese Sorte Mensch!, dachte er. Du lügst, Jean-Baptiste. Du hast nur einen einzigen Wunsch, nämlich es eben nicht zu wissen.

Laut fügte er hinzu: »Was haben Sie diese Nacht getan, Monsieur Lecoq?«, stammelte unser junger Elsässer, auf dessen Stirn Schweißperlen standen.

»Der Wein, das Spiel, die schönen Frauen …«, begann Lecoq achselzuckend. Doch er brach abrupt ab und sagte in einem scharfen, bestimmten Ton: »Steig aus, mein Bester. Wir haben genug geplaudert. Unsere Wege trennen sich.«

Er hielt den Wagen auf der Stelle an, und J.-B. Schwartz stieg mit offensichtlicher Eile aus.

»Jean-Baptiste«, fuhr Monsieur Lecoq nicht ohne eine gewisse Höflichkeit fort, »ich bin zufrieden mit Ihnen. Vielleicht sehen wir uns wieder. Sie sind ein ganzer Kerl, mein Lieber, auf Ihre Art, das steht fest. Sie haben mir einen Dienst von tausend Franc erwiesen, und ich bin nicht der Mann, der in Ihrer Schuld bleiben will. Hier sind Ihre tausend Franc, wir sind quitt.«

Da der junge Schwartz reglos neben dem Wagen stand und die Hand nicht ausstreckte, ließ er die Banknote los, die flatternd auf die Erde fiel.

»Schon gut«, fuhr er fort, wobei wieder Spott in seiner Stimme mitklang, »man wird das Geld schon aufheben, wenn ich erst weg bin. Man befindet sich in einer heiklen Lage … ehrlich, zweifellos … Aber man hat dem Polizeikommissar etwas vorgelogen … und wenn die Dinge schiefgehen, bekäme man eine Einladung, die von den Gendarmen überbracht wird.«

Zorn flammte in Schwartz’ Augen auf.

Monsieur Lecoq fuhr lachend fort: »Ich bin nicht böse: Es gibt einen Ehemann, Jean-Baptiste. Und so läuft die Sache, mein Junge: Geh deines Weges, schnurgeradeaus, ohne dich umzusehen; das ist das beste Mittel, um nicht zu sehen, was hinter deinem Rücken geschieht. Du kennst doch das Sprichwort? Niemand ist tauber als der, der nicht hören will. Verstopf dir die Ohren, damit du deinen Seelenfrieden hast. Wenn du brav bist, wirst du dein kleines Geld zählen und verwalten wie ein Engel. Wenn du nicht brav bist, hast du auf der einen Seite die Staatsanwaltschaft und auf der anderen mich und meine Kumpane – die mit mir, das warne ich dich, auf einer ganz besonderen Schule gewesen sind. Du hast zwei Schlingen um den Hals, Jean-Baptiste! Auf Wiedersehen!«

Er trieb sein Pferd an, das fröhlich austrat; doch dann besann er sich anders, zügelte es und fügte hinzu: »Mein Bester, es wäre nicht gesund für dich, in dieser Gegend eine Banknote zu wechseln. Hier ist Kleingeld für die Reise. Ich denke eben an alles; viel Glück! Hü, Coquet!«

Diesmal riss das kleine Bretonenpferd den Wagen mit sich fort, der rasch unter dem Blätterdach verschwand. Als Begleitung zu seinen letzten Worten hatte Monsieur Lecoq zwei Goldmünzen und etwas Silbergeld vor die Füße von J.-B. Schwartz geworfen. Dem prächtigen Handelsreisenden fiel an diesem Morgen nichts schwer. Er gab mit voller Hand und streute Wohltaten auf seinen Weg.

J.-B. Schwartz glich keineswegs den Meisterwerken der antiken Bildhauerkunst, doch man hätte ihn für ein Abbild des Gottes Terminus halten können. Das Gold, das Silber und die Banknote lagen dort im Staub vor ihm; er bückte sich nicht, um sie aufzuheben; er war wie aus Stein.

Noch lange nachdem das Rumpeln der Räder und der Galopp von Coquet verhallt waren, stand er noch immer an derselben Stelle, reglos und aufrecht.

Seine starr auf den Boden gerichteten Augen verrieten entweder mühseliges Grübeln oder vollkommene Erstarrung. Die Dämmerung war gewichen, das Frühlicht angebrochen und schließlich der helle Tag; die aufgehende Sonne spielte in den Lücken der Hecke. J.-B. Schwartz rührte sich nicht.

Als er sich endlich bewegte, geschah es nur, um am Rand des Grabens in sich zusammenzusinken. Seine Beine versagten ihm den Dienst. Auf seiner Stirn glänzte Schweiß, und er hatte Tränen in den Augen.

J.-B. Schwartz war ehrlich, er hatte ein Gewissen; er legte Wert darauf, auf rechtem Weg zu wandeln. Der Anblick dieses im Sand verstreuten Geldes erfüllte ihn beinahe mit Abscheu.

Er brauchte sich nicht lange zu fragen. Etwas in ihm schrie: Hier liegt ein Verbrechen vor! Ein Schwindel überkam ihn, und er meinte rote Flecken auf dem Papierfetzen zu sehen – und dieses Rot war Blut. Die Gestalt Lecoqs erschien ihm plötzlich ins Teuflische vergrößert.

Vom Ende des Hohlwegs her ertönte das Poltern eines schweren Fuhrwerks. J.-B. Schwartz schob das Geld zusammen mit der Banknote mit dem Fuß auf einen Haufen und bedeckte alles mit Staub. Er kletterte die Böschung hinauf, zwängte sich wie ein wildes Tier durch die Hecke, wobei er Kleidung und Haut zerkratzte, und legte sich flach auf den Bauch ins Gras des angrenzenden Feldes.

Ein Bauer fuhr vorüber, der auf der Deichsel saß, mit seinen Tieren sprach, ein Landlied trällerte und seinen großen, von einer Baumwollmütze bedeckten Kopf hin und her wog.

Als der Bauer vorbei war, richtete sich J.-B. Schwartz wieder auf und machte unwillkürlich einen Schritt auf seinen Schatz zu. Doch als Beweis dafür, wie ehrlich er war, empörte er sich plötzlich gegen sich selbst und wandte der Hecke den Rücken zu. Er rannte über die Felder davon. Er lief und lief, bis ihm der Atem ausging, quer über die Brachfelder, sprang über Gräben und hetzte geradewegs durch das Unterholz.

Oh, er lief aus tiefster Überzeugung, und seine Flucht war umso verdienstvoller, als es in seiner Natur lag, aufgegebenem Geld leidenschaftlich nachzutrauern. Tausend Francs, man stelle sich das vor! Das Zehnfache dessen, wovon er je geträumt hatte – ganz zu schweigen vom Kleingeld in seiner Tasche!

Er lief weiter. Die Sonne stand schon hoch. Erschöpft hielt er am Rand eines Weizenfeldes an, im Schatten einer Hecke. Er hatte Hunger, Durst und war müde. Schlafen lindert alle Leiden, heißt es: So schlief er ein.

Er träumte von seinen tausend Franc, die die Gestalt einer Eichel hatten. Aus der Eichel wuchs ein riesiger Baum. Doch im Laubwerk dieses mächtigen Baumes saßen Vögel, die mit der Stimme von Monsieur Lecoq Beschimpfungen zwitscherten.

Als er erwachte, blickte er sich um. Er wusste nicht mehr recht, was Wirklichkeit war – sein Traum oder seine Erinnerungen. Die üppige Hecke wies eine Lücke auf, als hätte sie kurz zuvor ein wildes Tier durchbrochen. J.-B. Schwartz, mit Blut in den Augen, zwängte sich durch das Loch; er kannte diesen Weg; er ließ sich an der Rückseite der Böschung hinabgleiten und landete direkt neben dem kleinen Staubhaufen, der seine Banknote bedeckte.

Er war ehrlich, aber obwaltete hier nicht Schicksal?

Er sagte sich: »Bringen wir das alles zumindest in Sicherheit.« Und er grub mit seinem Messer ein Loch in die Böschung, ein hübsches, rundes, sauberes, wohlgeformtes Loch, in dem er die Banknote zwischen zwei flachen Steinen unterzubringen gedachte.

Und überhaupt, warum sollte dieser Lecoq nicht Liebesabenteuer gehabt haben? Er war jung, elegant, gut aussehend, kühn, fröhlich, redselig. Während er grub, ging J.-B. Schwartz all das durch den Kopf. Er betrachtete die zwei Goldmünzen, das Silbergeld und den Schein. Oh, diese Banknote! Ein süßes Billet! Das sind doch die echten Liebesbriefe! Ein Schein in voller Blüte; nicht allzu sauber, aber ohne Flicke oder Klebestreifen. Sind sie nicht hübsch, diese Kupferstiche? Ihr Ungläubigen! Betrachtet eine Note der Banque de France, und es wird euch wie Schuppen von den Augen fallen!

Gewiss, dieser Lecoq musste mit einer Weste wie der seinen und solchen karierten Hosen so manche Ehe ins Wanken bringen. Die Banknote hatte kleine Stecknadelstiche, die ihr hervorragend standen. Diese Nadelstiche sind das Lächeln, die Grübchen der Liebe bei Banknoten. Lecoq war offensichtlich ein Mann mit Glück bei den Frauen; er hatte das Äußere dafür, die Erscheinung, einfach alles. Diese Banknoten haben manchmal Muttermale wie die Damen, besondere Kennzeichen. In einer Ecke trug der Tausend-Franc-Schein die Unterschrift von Bonnivet dem Jüngeren nebst Paraphe.

Wohlauf, überlegen wir vernünftig: Was war zu tun? Zum Polizeikommissar gehen? Ihm die Banknote, die Goldmünzen und das Silbergeld aushändigen? J.-B. Schwartz zog dies tatsächlich in Betracht, so ehrlich war er; aber hatte er nach seinem Gewissen überhaupt das Recht, so zu handeln? Wäre das nicht schlicht und einfach Verrat? Und was, wenn der eifersüchtige Ehemann Monsieur Lecoq eines Tages sein Schwert durch den Leib stieße?

Was hofft Bonnivet der Jüngere aber eigentlich zu erreichen, wenn er seine Unterschrift und seinen Namenszug in die Ecke von Banknoten setzt?

Es ist eine Form von Werbung. J.-B. Schwartz hatte sein Loch fertig gegraben. Er suchte nach zwei flachen Steinen. Der Gedanke, zum Polizeikommissar zu gehen, hielt einer Prüfung nicht stand. Dieser Beamte hatte sich ihm gegenüber schlecht benommen, und es könnte ihn die Laune anwandeln, die Sache von der falschen Seite zu betrachten; unser Schwartz hatte die Justiz getäuscht – sieh an, wohin eine erste Unvorsichtigkeit führen kann: vor das Schwurgericht!

Denn man muss vom Schlimmsten ausgehen. Nehmen wir ein Verbrechen an: J.-B. Schwartz, die Unschuld in Person, wäre dann ein Mitschuldiger. Außerdem durfte Monsieur Lecoq mit seinen Kumpanen, die auf einer merkwürdigen Schule gewesen waren, wohl einen langen Arm haben.

Unser Schwartz fand zwei flache Steine. Er legte die Banknote zwischen die beiden Steine und die Steine ganz ordentlich auf den Boden des Lochs. Sein armes, spitzes Gesicht zeigte eine beinahe väterliche Melancholie. Es gehört Heldenmut dazu, seinen ersten Banknotenschein so lebendig, lächelnd und angebetet zu begraben. Obwohl er aus Gebweiler stammte, betrug sich J.-B. Schwartz hier, als wäre er ein alter Römer gewesen. Er legte die zwei Goldmünzen neben den Schein, das Silbergeld neben die Goldmünzen und warf die erste Handvoll Sand darüber.

Es ist ein düsteres Geräusch, das einem das Blut in den Adern erstarren lässt. Unser Schwartz schloss die Augen, um nicht eine Ecke des Namenszugs von Bonnivet dem Jüngeren zu sehen, die zwischen den beiden flachen Steinen hervorschaute. Unter seinen geschlossenen Lidern stahl sich eine Träne hervor. Gute Seele! Mit gierigen, krampfhaften Händen warf er die Erde hinein; das Loch war zu.

J.-B. Schwartz setzte sich neben dieses Abgrundloch, in dem er soeben mehr als sein Leben vergraben hatte. Er hatte Hunger und Durst, aber was bedeutete das schon? Er konnte nicht fortgehen. Ein unsichtbarer Nagel kettete ihn an diesen Boden, in dem seine Seele ruhte.

Sie wissen es wohl; man hat es Ihnen bereits gesagt. Es war kein Tausend-Franc-Schein, der dort lag: Es war der Samen zu einer Million. Solche Samen dürfen im Gegensatz zu anderen niemals in die Erde gelegt werden.

J.-B. Schwartz vergnügte sich damit, einen kleinen Rasenhügel über dem geliebten Grab anzulegen. Doch dann – eine ganz natürliche Sache, die schon von manch berühmtem Liebenden praktiziert wurde – kam ihm der Gedanke, das Grab zu schänden, um seinem Herzen einen letzten Kuss zu geben.

Er scharrte die Erde weg. Ein Hammer pochte in seinem heißen Kopf und schrie in seiner Stirn: »Dieser Lecoq ist ein Mann, der Glück bei den Frauen hat.«

Andere, schleichende Stimmen flüsterten ihm zu: »Lass ein Kapital nicht ungenutzt ruhen. Das ist das eigentliche Verbrechen.«

Wieder andere sagten: »Du musst es ja nur zurückgeben, wenn du eines Tages erfährst …«

Ein Flimmern tanzte vor den Augen von J.-B. Schwartz, als er den Namenszug von Bonnivet dem Jüngeren wieder erblickte. Zurückgeben – eines Tages! Er verfiel in ein heiteres Nachsinnen.

Was für ein Don Juan war dieser Lecoq doch im Grunde!

J.-B. Schwartz sah den Ehemann vor seinen eigenen Augen!

Die Dame war blond – oder dunkelhaarig. Pfui, schamlos!

Wo um alles in der Welt hatte J.-B. Schwartz vorhin nur seinen Verstand gehabt! Man macht sich ja Gespenster.

Er nahm hundert Sou für Abendessen und Unterkunft, dann den einen Louis d’or, dann den anderen, schließlich den süßen Schein, der armen Liebe wegen, die schon ganz feucht war. Er steckte alles in seine Tasche und machte sich ganz unbedarft auf den Weg zur Hauptstraße nach Lisieux, um auf die Postkutsche nach Paris zu warten.

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