Mörder und Gespenster – Band 1 – 20. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Muttermörder
Kapitel 1
In jenem alten Haus, das mit einer Seite dem Marktplatz des Städtchens und mit der anderen einem engen Gässchen zugewendet ist, will seit fünfzig Jahren niemand einziehen. Das Haus zeigt von außen ein wohlhabendes, wohnliches Aussehen und wahrlich, seine ehemaligen Bewohner gehörten zu den reichsten und angesehensten Bürgern der Stadt. Die Fenster sind blank und ganz, die Dachsteine wohlgefügt, der äußere Anstrich sauber und neu. Es fehlt nichts, was Käufer oder Mieter anlocken könnte, doch niemand kommt, der Lust dazu hätte.
»In dem Haus geht es um«, ist die allgemeine Sage. Zwar kein böser Geist, wird dann hinzugefügt, aber man erschrickt doch Weiterlesen
Mörder und Gespenster – Band 1 – 19. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Erbe des Teufels
Kapitel 9
Franz erwachte gewöhnlich sehr früh, ganz wie es die Schäfer tun, die mit der Sonne aufzustehen oder ihr gar zuvorzukommen pflegen. Die schauerlichen Begebenheiten der vergangenen Nacht lagen wie ein Traum hinter ihm und sein Herz fühlte sich wunderbar erleichtert. Welche Macht diese Ruhe über ihn gebracht hatte, kümmerte ihn nicht sehr.
Er sprang auf und sah nach dem Alten, der mit klaren Augen dalag, ohne ihn zu fragen, wo er die Nacht verbracht hatte. Auch dies fiel Franz nicht auf, da er wusste, dass der Alte manchmal Gedächtnislücken hatte und oft nicht imstande war, einen Gedanken festzuhalten.
Mörder und Gespenster – Band 1 – 18. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Erbe des Teufels
Kapitel 8
In der Zwischenzeit hatte der alte Jüdel große Mühe, seine Leute auf die Beine zu bringen. Zuerst weckte er seine Familie auf: Männer, Frauen und Kinder. Sein Sohn war groß und kräftig gewachsen, hatte einen schwarzen, gekräuselten Bart und ein blasses Gesicht. Er war keiner von denen, die einer Waffentat aus dem Weg gehen oder vor einer Gefahr zurückschrecken. Auf seinen Reisen nach Wilna, Grodno, Warschau oder noch weiter nach Lemberg oder Krakau galt es, viele meilenlange Wälder zu durchziehen, in denen Gefahren aller Art lauerten. Mit diesem nicht geringen Grad eines rühmlichen Mutes verband er die nötige Gegenwart des Geistes, ohne die jener zu nichts nützt. Der scharfe Überblick, die Fertigkeit im Kombinieren, die gewöhnlich den Begabteren seines Volkes innewohnt, hatten bei ihm, dem im Handel und Wandel Geübten, eine bedeutende Ausbildung erfahren.
Mörder und Gespenster – Band 1 – 17. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Erbe des Teufels
Kapitel 7
Die Dame, die unseren Raufbold, Kapitän Krummbuckel, aus bizarrer Laune – denn einen anderen Grund lässt sich kaum denken – bei nächtlicher Weile empfing, bewohnte ein großes Hotel am Ende der Marktstraße. Hinter dem Hotel erstreckte sich ein weitläufiger Garten, der von einer nicht sehr hohen Mauer umgeben war.
Wie durch Eingebung wandte Franz seine Schritte in Richtung dieses Gartens und tatsächlich fanden die Treffen der beiden in einem der zahlreichen Pavillons statt, die in den Boskets verstreut lagen.
Franz lief eine Weile entlang der Mauer, um zu sehen, wo sich ihm eine geeignete Stelle bieten würde, um sie zu überklettern. Die Weiterlesen
Mörder und Gespenster – Band 1 – 16. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Erbe des Teufels
Kapitel 6
Er hatte die Gasse, in der der Pfefferküchler wohnte, bald erreicht. Der Goldschmied saß hier bei seiner lieben Gevatterin im Erdgeschoss neben dem Laden, das wusste er. Das kleine Stäbchen war mit Absicht gewählt worden, um jeden Verdacht der Sträflichkeit dieses Beisammenseins von dem Mann zu entfernen.
Der Schäfer horchte an der Tür, blickte durch den Laden und klopfte ziemlich heftig an, nachdem er Licht gesehen und Stimmen vernommen hatte. Die Störung erschreckte das Pärchen nicht wenig. Schließlich fasste sich die Frau, öffnete ein kleines Gitterfenster und fragte, was sein Begehren sei.
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