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August Lewald

Mörder und Gespenster – Band 1 – 24. Teil

August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Muttermörder

Kapitel 5

Seitdem sich diese Ereignisse zugetragen hatten, war das Haus, das Heinrich Walter von seinen Eltern geerbt hatte und das nach seinem gewaltsamen Tod an entfernte Erben gekommen war, zum Sitz unheimlichen Spuks geworden. Noch kurze Zeit wurde es bewohnt, dann aber scheute sich ein jeder, hineinzuziehen, und es stand leer, obgleich die Eigentümer es in einem freundlichen Zustand erhielten, um Bewohner anzulocken.

Die Hauptursache dieses Rufes lag in der Erscheinung eines alten Mütterchens, das, wie die Sage ging, niemandem etwas zuleide tat, aber doch die Leute auf seltsame Weise erschreckte. Mussten die Mägde zur frühen Arbeit aufstehen, gab es eine Wäsche Weiterlesen

Mörder und Gespenster – Band 1 – 23. Teil

August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Muttermörder

Kapitel 4

Friederike war dem Anschein nach wieder genesen, aber tief im Inneren nagte der Wurm des Grames an ihrem Herzen, und sie siechte und welkte dahin. Der grauenvolle Ausruf, mit welchem der Mörder der alten Frau Walter entflohen war, tönte ihr noch immer schrecklich in den Ohren: »So töte nun auch deinen Vater, wie du schon deine Mutter getötet hast!«

Welch ein grässlicher Orakelspruch für ein armes Kind, das seine Eltern nie kannte und das von frühester Jugend an nur von der Mildtätigkeit fremder Menschen erhalten worden war. Sie durchflog ihren ganzen bisherigen Lebenslauf; doch keine Spur, die sich auf jene unselige Tat, deren der fürchterliche Mensch sie beschuldigte, hätte beziehen können, wurde ihr gegenwärtig. War es Weiterlesen

Mörder und Gespenster – Band 1 – 22. Teil

August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Muttermörder

Kapitel 3

Am Abend desselben Tages blicken wir in das elende Kämmerchen, in dem die alte Frau Walter wohnt. In ihrem eigenen Bett, das die Grausamkeit des Sohnes ihr nicht hatte vorenthalten können und das noch von besseren Tagen zeugt, liegt die alte Frau. Sie atmet schwer und scheint bereit, jeden Augenblick vor ihren höheren Richter zu treten. Neben ihr auf einem Schemel sitzt das junge Mädchen, das sich ungefragt ihrer Pflege angenommen hat. Als elternlose Waise hatte sie schon seit einigen Jahren im Ort gedient. Da sie gerade ohne Stelle war, weihte sich das gute Geschöpf dieser freiwilligen Aufgabe. Sie verwandte ihr weniges Erspartes gern dazu, das Leid der Greisin zu lindern, der sie wie ein hilfreicher Engel erschienen war. Von ihrer eigenen Herkunft wusste sie nichts; sie war ein ausgesetztes Kind, das eine Bäuerin gefunden und dem Waisenhaus übergeben hatte.

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Mörder und Gespenster – Band 1 – 21. Teil

August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Muttermörder

Kapitel 2

Der Tag des Gerichts war angebrochen. Heinrich Walter, die Magd und einige Zeugen waren anwesend. Alle waren gespannt auf die Verhandlungen. Selbst die Richter waren es mehr als gewöhnlich. Als sich nun die Tür öffnete und eine alte, von den Jahren gebeugte Frau hereinschwankte, die sich auf den Arm eines ihr fremden jungen Mädchens stützte, das mitleidsvoll hinzugeeilt war, um diesem verlöschenden Leben den Abschied aus der Welt zu erleichtern,

Beim Anblick seiner Mutter zeigte Heinrich eine empörende Gleichgültigkeit. Als er aber das Kind sah, das ihn führte, zuckte er wild zusammen und konnte seiner inneren Bewegung kaum Meister werden. Die Richter bemerkten dies sogleich, schoben den Weiterlesen

Mörder und Gespenster – Band 1 – 20. Teil

August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Muttermörder

Kapitel 1

In jenem alten Haus, das mit einer Seite dem Marktplatz des Städtchens und mit der anderen einem engen Gässchen zugewendet ist, will seit fünfzig Jahren niemand einziehen. Das Haus zeigt von außen ein wohlhabendes, wohnliches Aussehen und wahrlich, seine ehemaligen Bewohner gehörten zu den reichsten und angesehensten Bürgern der Stadt. Die Fenster sind blank und ganz, die Dachsteine wohlgefügt, der äußere Anstrich sauber und neu. Es fehlt nichts, was Käufer oder Mieter anlocken könnte, doch niemand kommt, der Lust dazu hätte.

»In dem Haus geht es um«, ist die allgemeine Sage. Zwar kein böser Geist, wird dann hinzugefügt, aber man erschrickt doch Weiterlesen