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Der Tyrann von Nottingham – Kapitel 3

Robin Hood
Der Tyrann von Nottingham
Wie Robin Hood den grausamen Normannen Oswald de Burgh gefangen nahm – und warum er ihn wieder freiließ

Kapitel 3: Ein Duell mit Quarterstaffs

Der Anblick Robin Hoods war für den Wucherer Gaspard wie ein schrecklicher Traum. Er hatte Robins Vater gekannt und ihn wegen seiner großzügigen Natur gehasst; doch so sehr er es auch wusste, hatte er den Vogelfreien des Sherwood Forest bis zu diesem Augenblick noch nie gesehen.

»Erbarmen!«, heulte er und schlug verzweifelt die Hände zusammen. »Oh, Herr, tut einem armen alten Mann kein Leid an – einem … einem Sünder wie Euch selbst!«

Der Lärm weckte Bruder Tuck, der wie eine Eule im Sonnenlicht blinzelnd herauskam, um nachzusehen, was geschehen war.

Robin Hood gab ihm ein Zeichen, ruhig zu sein, und sagte dann, während er sich Gaspard zuwandte:

»Nun, was fehlt Euch, Kerl? Für was für einen Mann haltet Ihr mich?«

»St–st–gemäß Eurem Äußeren halte ich Euch für Robin Hood«, stammelte Gaspard.

»Damit liegt Ihr nicht falsch«, erwiderte Robin Hood. »Nun hört zu: Wenn Ihr arm seid, sollt Ihr weder mit leerem Magen noch mit leeren Händen fortgeschickt werden. Kennt Ihr Oswald de Burgh?«

»Oh, gewiss, erhabener Herr! Ich weiß, dass er keinen guten Ruf genießt. Er ist ein gieriger, missgünstiger Mann, der sich nicht scheut, einem so armen Mann wie mir Steuern und den Zehnten abzupressen.«

»Euer Name?«, verlangte Robin Hood zu wissen.

»Thomas Scales«, antwortete Gaspard ohne mit der Wimper zu zucken und log mit seiner gewohnten Ungeschicklichkeit. »Und ich versichere Euch, dass dieses Bündel nur ein paar wertlose Kleinigkeiten enthält – alles, was ich auf dieser Erde besitze.«

»Wie der Schuft lügt!«, brummte Bruder Tuck und stieß mit dem Ellbogen andere aus der Bande zurück, die die Höhle verlassen hatten, um nachzusehen, was vor sich ging.

»Nun gut«, sagte Robin Hood, »ich werde dafür sorgen, dass Ihr wohlgewogen werdet, Meister Scales. Ich sprach von Oswald de Burgh, weil er gerade mein Gast ist. Somit werdet Ihr gute Gesellschaft haben, Meister Scales. Aber kommt, gehen wir hinein. Little John, ich bitte dich, diesen armen Herrn von der Last auf seinem Rücken zu befreien und ihm in die Höhle zu helfen.«

»Ich kann sehr wohl selbst gehen, edler Herr«, erwiderte Gaspard mit zitternder Stimme. »Gewährt mir die Erlaubnis, fortzugehen, und ich werde Euren Namen preisen und ewig für Euch beten.«

»Die meisten Gebete in diesem Teil der Welt bleiben mir überlassen«, sprach Bruder Tuck mit einem Schalk in den Augen. »Das liegt daran, dass ich ein Mann des Friedens bin; denn wenn man mich auf eine Wange schlägt, halte ich meinem Widersacher das ganze Gesicht hin.«

»Niemand verlässt Robin Hood, ohne von seiner Gastfreundschaft gekostet zu haben«, sagte der Vogelfreie. »Nun, Herr, geht dorthin, wohin Little John Euch weist, oder er wird Euch, beim heiligen Hubertus, so tragen, dass sich Euer Kopf dort befindet, wo sonst Eure Beine sind.«

»Wenn es sein muss«, stöhnte Gaspard, »dann bitte ich Euch, lasst mich den Sattel mitnehmen. Darin befinden sich Papiere bezüglich meiner bescheidenen Kate, für die ich einen Pachtvertrag halte.«

»Wie, mein Gast, und noch dazu ein armer, soll sein eigenes Gepäck tragen?!«, rief Robin Hood mit einem schallenden Lachen. »Das soll man vom König des Sherwood Forest niemals behaupten! Ich frage Euch noch einmal nach Eurem Namen. Sprecht nun die Wahrheit, denn wenn Ihr mir eine zweite Lüge auftischt, wäre es besser gewesen, Ihr wärt nie geboren worden.«

»Und sprecht auch Eure Gebete, und zwar schnell!«, brummte Bruder Tuck Gaspard ins Ohr.

»Oh, guter Robin Hood – oh, guter, gnädiger Robin Hood«, jammerte der Wucherer, »warum blickt Ihr mich so streng an? Habt Erbarmen. Ich … ich … oh je! Ich reise unter dem Namen Thomas Scales, aber mein wahrer Name ist Daniel Gaspard, ein armer Mann – ein blutarmer Mann, das versichere ich Euch!«

Hier versetzte Little John Gaspard einen seiner leichten Schubse, der ihn kopfüber in Richtung der Höhle fliegen ließ, und Ned Carter hob unter lautem Gelächter die Beine des Wucherers an und schubste ihn nach Schubkarrenart hinein.

Die erste Person in der Höhle, die Gaspard sah, sobald er wieder zu Sinnen kam, war Oswald de Burgh, der ihn mit einem vernichtenden Blick bedachte.

»Oh, großer Sheriff, was für eine schreckliche Lage!«, stöhnte Gaspard, kroch zum anderen Ende des Holzstammes und setzte sich hin.

»Sprecht nicht mit mir, sondern seht zu, wie Ihr selbst zurechtkommt«, erwiderte Oswald de Burgh. »Mich scheint, das wird Euch fürs Erste vollauf beschäftigen.«

Der Tonfall des Sheriffs zeugte von bitterster Verachtung für seinen Mitgefangenen.

»Oh, da kommen sie mit meinem Bündel und meinem Sattel!«, jammerte Gaspard. »Ich bin verloren! Ich bin ein ruinierter Mann! Mögen die Heiligen mich beschützen! Mir wird kein Groschen bleiben, um ein Stück Brot zu kaufen. Oh, Narr, dreifacher Narr, der ich war, mich auch nur einen Schritt weit in den Wald zu wagen!«

»Nun, was gibt es?«, sagte Robin Hood, zog sein Jagdmesser und schnitt die fest geknoteten Schnüre auf, die das Bündel sicherten. »Ihr habt mir erzählt, dass sich hier nichts als ein paar wertlose Kleinigkeiten befänden.«

Auf den ersten Blick schien das Bündel nur Lumpen und Unrat zu enthalten, doch schon bald purzelten goldene Nobles und breite Silbermünzen heraus. Auch die Satteltasche erwies sich als eine wahre Goldgrube; denn neben einer großen Menge Geld befanden sich darin viele Schmuckstücke und Zierrat, die den armen Kätnern von Sherwood abgepresst worden sein mussten.

»Daniel Gaspard«, rief Robin Hood schließlich, »ich kenne Euch als kaltblütig und hartherzig; und ich zweifle nicht daran, dass all dieses Geld die Frucht von Wucher ist. Daher werde ich dafür sorgen, dass diese Schätze, so weit wie möglich, jenen Leuten zurückgegeben werden, von denen Ihr sie erpresst habt.«

Dann hielt er eine Perlenkette hoch und fragte:

»Wie viel ist das wert?«

»Fünf Nobles, Herr. Ich habe sie in reinem Gold bezahlt«, stöhnte der zu Tode erschrockene Wicht.

»Sie soll einen besseren Ruheplatz haben als in einem schmutzigen Lumpen«, erwiderte Robin Hood. »Süße Marian, wenn du diese hübsche Kette an der Quelle gewaschen hast, trage sie an deinem eigenen schönen Hals und vergiss nie, dass der großzügige Daniel Gaspard sie dir geschenkt hat.«

»Oh, ich bin ruiniert! Erbarmen!«, entfuhr es dem der Ohnmacht nahen Gaspard.

»Nun, beim heiligen Dominikus!«, rief Bruder Tuck aus. »Was ist das? Ein Rosenkranz mit einer goldenen Kette und Türkisperlen. Der sollte gut zu dieser Halskette passen, Robin, also gib ihn der süßesten und besten aller Maide. Ich hätte ihn für mich selbst erbeten«, fügte er mit verschmitztem Blick hinzu, »doch da ich das Gelübde der Armut abgelegt habe, würde man mich verspotten, sähe man mich mit einem so wertvollen Gegenstand.«

»Oh, Himmel, ich halte das nicht aus!«, rief Gaspard und sprang auf die Füße. »Ich lasse mich nicht bestehlen! Ich … ich …«

»Knebelt den Schuft und bindet ihm die Hände auf den Rücken!«, befahl Robin.

Dies geschah, und Gaspard wurde zu den Füßen von Oswald de Burgh platziert.

»Nun, Bruder Tuck«, fuhr Robin Hood fort, »du hast zwar eine raue Art wie wir alle, aber du bist ein ehrlicher Mann. Nimm dieses Geld und sorge dafür, dass es den Armen zugutehält – bis auf zehn Nobles, die wir für unsere eigenen Unkosten behalten.«

»Ja, das werde ich«, erwiderte Bruder Tuck. »Und höre mir zu, du kleinlauter Geizkragen: Wenn du den Beweis erbringen kannst, dass ich auch nur eine einzige Münze für meine eigenen Zwecke verwendet habe, erlaube ich dir, mir die Tonsur mit dem rauesten Feuerstein zu scheren, der je aus der Erde gegraben wurde.«

»Ich hätte große Lust, Euch an einem Seil aus Euren eigenen Lumpen aufzuhängen«, fuhr Robin Hood fort und wandte sich an Gaspard. »Ich habe so viel von Eurer Grausamkeit gegenüber den armen Leuten gehört, die gezwungen waren, sich Geld zu leihen, dass ich vorhatte, Euch einen Besuch abzustatten. Aber ich danke Euch, dass Ihr mir diese Mühe erspart habt. Ned Carter, gib ihm ein wenig Wein. Wahrlich, er sieht so weiß aus wie die Wand einer Kreideklippe.«

Ned Carter nahm Gaspard gehorsam den Knebel aus dem Mund und hielt ein Bohnenhorn mit Wein an seine Lippen. Der Geizkragen schluckte ihn hinunter wie ein hungriger Hecht einen Köder.

»Ihr sollt Eure Zunge wieder gebrauchen dürfen, wenn Ihr versprecht, guten Gebrauch von ihr zu machen«, sagte Robin. »Seht Ihr, ich tue nur, was recht ist, und erteile Euch eine Lehre, aus der Ihr Nutzen ziehen solltet. Bei all meiner scheinbaren Härte bin ich nur grausam, um gut zu sein. Doch nun wollen wir unser Fasten brechen. Kommt alle herbei, Freie und Gefangene; ihr sollt alle vom Besten essen. Heda! Richtet ein Festmahl unter freiem Himmel an. Bindet Oswald de Burgh los und Gaspard ebenso. Wir wollen bis zum Glockenschlag von zwölf Uhr eine Gesellschaft sein, und dann soll sich der Sheriff einen Mann auswählen, der gegen ihn kämpft.«

Oswald de Burgh schöpfte Hoffnung, dass es eine Chance zur Flucht ohne Kampf gäbe, doch diese wurde sogleich im Keim erstickt. Robin Hood stellte drei seiner besten Scharfschützen in gleichem Abstand als Posten auf, die den Gefangenen ellenlange Pfeile hinterherschicken sollten, falls sie plötzlich Fersengeld gäben.

Das Beste, was die Speisekammer der Vogelfreien hergab, wurde aufgetischt, und es war so köstlich, dass sich selbst Gaspard für den Augenblick darüber freute, ein so herrliches Mahl umsonst zu bekommen; auch Oswald de Burgh schien, dem Anschein nach, keineswegs den Appetit verloren zu haben.

Schließlich neigte sich das Mahl dem Ende zu, und kaum waren die Reste abgeräumt, da erhob sich Robin Hood.

»Oswald de Burgh«, sagte er, »die Zeit ist gekommen, dass Ihr Euch einen Gegner wählt. Männer des Sherwood Forest, tretet an!«

Sie stellten sich in einer Reihe auf, und Oswald de Burghs Blicke schweiften auf und ab.

Er sah dort keinen Mann, den er im Kampf nicht zu fürchten gehabt hätte, und mehr als eine Minute lang saß er grübelnd da, wählte bald diesen, bald jenen aus und änderte seine Meinung ein Dutzend Mal. Dann schoss ihm wie ein Blitz ein Gedanke durch den Kopf. Der Mönch! Er war beleibt und ein Mann der Kirche, und was konnte er schon vom Kämpfen verstehen! So kombinierte der Normanne in seiner Unkenntnis der Tatsache, dass der gute Bruder Tuck einer der gewaltigsten Kämpfer mit dem Kampfstab in den Reihen der Vogelfreien war.

»Da Ihr mich dazu zwingt, kühner Robin Hood«, sagte De Burgh hinterlistig, »will ich Euch eine Frage stellen: Zählt Ihr jenen Mönch dort zu Euren Gefolgsleuten?«

»Ja, in der Tat«, erwiderte Robin, »und ich habe keinen treueren Gefolgsmann in meinen Reihen als Bruder Tuck.«

Bruder Tuck zuckte zusammen, als hätte ihn eine Hornisse gestochen.

»Nun, bei Peter und Paul!«, rief er in gespielter Furcht aus. »Das geht über einen Scherz hinaus. Was, ich, ein Mann des Friedens, soll die Klingen mit einem Mann messen, der im Waffengang so erfahren ist wie Oswald de Burgh? Beschützt mich, ihr Heiligen, ich muss träumen!«

»Ho! Ho! Ho! Ho!«, brüllte Little John und warf seine muskulösen Arme über den Kopf. »Was für ein lustiger Kampf das werden wird!«

»Ein lustiger Kampf, du Stier von Baschan?«, sagte Bruder Tuck. »Wie, du freust dich bei der Aussicht, diesen meinen armen Leib als eine Masse schrecklicher Quetschungen zu deinen Füßen liegen zu sehen? Pfui über dich! Schäme dich! Oh, warum habe ich nur meine Einsiedelei und die friedlichen Kröten und Frösche verlassen, die meine Gefährten waren?«

Die dicken Seiten des Mönchs bebten, doch ob vor Furcht, vermochten jene, die ihm am nächsten standen, am besten zu beurteilen.

»Edler Robin«, fuhr Bruder Tuck fort, drückte sich die Knöchel in die Augen und schnitt so drollige Grimassen, dass die Waldläufer erneut in Brüllen ausbrachen. »Sagt mir, dass meine Ohren mich getäuscht haben, und macht mich glücklich. Um Himmels willen, wie kann ein Mann meines Alters und meines Körperbaus mit einem solchen Krieger wie Oswald de Burgh fertigwerden?«

»Meiner Treu!«, erwiderte Robin Hood, drehte den Kopf zur Seite und lachte. »Ich sehe keinen Ausweg. Ich kann mein Wort nicht zurücknehmen; also, Mönch, musst du kämpfen.«

»Womit? – mit Blasen oder Säcken voller Federn?«, sprach Bruder Tuck. »Oh, guter Robin, edler Robin, habt Erbarmen mit einem Mann des Friedens. Wenn ich erschlagen werde, wo wollt Ihr einen anderen Mönch finden?«

»Ich weiß es nicht«, erwiderte Robin, der vor unterdrücktem Lachen fast bebte. »All das und noch mehr geht mir durch den Kopf, aber dennoch kann ich nicht umhin zu sagen, dass Oswald de Burgh im Recht ist. Mönch, ich sage dir noch einmal, dass du kämpfen musst.«

»Wenn das so ist«, stöhnte Bruder Tuck, »liegt die Wahl der Waffen bei mir, da ich der Geforderte bin. In den Tagen meiner Jugend wusste ich recht wohl mit dem Kampfstab umzugehen, und so werde ich mit dem Kampfstab kämpfen oder gar nicht.«

»Heda!«, rief Robin Hood. »Bringt zwei gut abgehangene Stäbe herbei. Bildet einen Kreis, meine wackeren Männer, und gebt wohl auf Gaspard Acht, dass er nicht entkommt.«

Oswald de Burghs Gesicht war beinahe so grün geworden wie das Gras unter seinen Füßen.

»Der Kampfstab ist die Waffe von Schurken und Gesinde«, sagte er. »Gebt mir ein Schwert oder eine Axt, und ich werde mein Leben verteidigen, aber –«

»Kein Wenn und Aber hier«, unterbrach ihn Robin Hood. »Die Chancen stehen weit auf Eurer Seite, und wenn Ihr Euch weigert zu kämpfen, werdet Ihr mit Sicherheit hängen.«

»Ich hole das Seil«, sagte Little John. »Ich dachte mir schon, dass es bald gebraucht würde, also habe ich es griffbereit gehalten.«

»Halt!«, rief Oswald de Burgh. »Ich werde mich an diesem Mönch versuchen, der, wenn er wollte, ein Schwert ebenso gut führen könnte wie jeder Mann hier. Seine Wahl des Kampfstabs dient nur dazu, mich zu erniedrigen.«

»Euch erniedrigen?«, erwiderte Robin voller Hohn. »Wer seid Ihr denn? Welch ein Unterschied besteht zwischen Eurem Fleisch und Blut und dem eines jeden anderen hier? Ich wette, der einfachste Köhler im Wald, der sich von Wurzeln und Schwarzbrot ernährt, hat eine bessere Chance, in den Himmel zu kommen, als Oswald de Burgh. Nutzt also Eure Chance und versucht, ein Mann zu sein!«

Ein großer Kreis wurde gebildet, und Bruder Tuck, der seinen Kampfstab prüfte, trat in dessen Mitte, raffte seine Kutte auf, bis seine Knie bloßlagen, und machte sich bereit.

»Wenn ich sterbe«, sagte er traurig, »begrabt mich unter dem alten Weißdornbusch, wo die Drossel in der Morgendämmerung singt. Little John, du Schurke, der du da stehst und lachst – wenn das Glück mir hold ist, werde ich über dich herfallen, während du schläfst.«

»Oh, dann werde ich wahrlich vollkommen erstickt sein!«, antwortete Little John. »Seid barmherzig, Mönch, und beschert mir einen besseren Tod.«

Robin Hood wurde wegen der Verzögerung allmählich ungeduldig.

Die ganze Zeit über hatte Oswald de Burgh gehofft, dass ihm Hilfe zur Rettung eilen würde, und selbst jetzt klammerte er sich an diese Hoffnung wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm.

Doch es drang weder das Geräusch von Hufgeklapper an sein Ohr, noch erblickte er durch die Bäume das Blitzen von Stahl. Zähneknirschend fluchte er vor sich hin, riss Little John den verbleibenden Kampfstab aus der Hand und richtete seine unheilvollen Augen auf Bruder Tuck.

Selbst da zögerte Oswald de Burgh noch, um zu prüfen, ob mit dem Kampfstab kein Schindluder getrieben worden war; woraufhin Little John so aufgebracht wurde, dass er rief:

»Zimmere ihm eins über den Schädel, guter Mönch! Zimmere ihm eins über den Schädel!«

»Alles zu seiner Zeit, mein hübsches Kind«, erwiderte Bruder Tuck vergnügt. »Nun, Oswald de Burgh, obwohl ich ein Mann des Friedens bin, wette ich einen Noble mit Euch, dass Ihr zuerst am Boden liegt.«

Dann begannen die Augen des wohlbeleibten Mönchs zu funkeln. Er reckte den Hals, bis sein Doppelkinn verschwand, pflanzte den linken Fuß fest auf, trat mit dem rechten einen Schritt vor und wirbelte den Kampfstab zugleich so flink herum, dass er wie eine Schlange in der Luft zu zischen schien.

Seitwärts sauste er herab, traf Oswald de Burgh mit voller Wucht am linken Arm und ließ ihn quer durch den Kreis direkt gegen den unglücklichen Gaspard taumeln.

»Ein Treffer! Ein Treffer!«, rief Robin Hood.

»Mehr Glück als Verstand, vielleicht«, sagte Bruder Tuck. »Ich wollte eigentlich einen Zoll weiter unten treffen, und ich werde versuchen, es beim nächsten Mal besser zu machen.«

Oswald de Burghs Blut kochte nun vor Wut. Der Schlag hatte ihm nicht so sehr wehgetan, wie ihn die Meisterschaft der Ausführung verblüfft hatte. Er packte seinen Kampfstab mit eisernem Griff, stieß einen wilden Schrei aus und stürzte sich wie ein Stier auf seinen leibhaften Gegner.

Keinen Zoll wich Bruder Tuck zurück. Er stieß seine Hände nach vorne, drehte sie geschickt, schob den Kampfstab zwischen Oswald de Burghs Beine, hob ihn glatt von den Füßen und schleuderte ihn in die Luft.

Polternd schlug er auf, dass ihm jeder Knochen im Leib dröhnte.

Selbst Robin Hood und seine Gefolgsleute waren über dieses Kunststück erstaunt. Niemals zuvor hatten sie den Mönch so etwas vollbringen sehen, und obwohl voll Bewunderung, standen sie schweigend da und warteten ab, was geschehen würde.

Zwei Waldläufer halfen Oswald de Burgh auf die Beine, doch als Robin Hood sah, wie übel er zugerichtet war, sagte er:

»Es soll eine kurze Pause geben, während ich langsam bis dreißig zähle.«

»Halt!«, rief Oswald de Burgh. »Ich will nicht mehr! Jener Mann dort ist mehr Teufel als Mönch!«

»Und Ihr«, brüllte Bruder Tuck, »seid ganz Teufel und gar kein Mönch! Beim heiligen Dunstan, ich werde Euch durchprügeln, ob Ihr wollt oder nicht!«

Mit diesen Worten drosch der Mönch den Sheriff im Kreis herum ab, bis er vollkommen erschöpft auf dem Rasen saß und so schnaufte und blies, als müssten seine Wangen platzen.

Zerbeult und wie ein geprügelter Hund lag Oswald de Burgh da und knirschte mit den Zähnen, bis Robin Hood befahl, ihn aufzurichten und das Ausmaß seiner Verletzungen festzustellen.

Es waren keine Knochen gebrochen, aber noch nie hatte ein Mann eine gründlichere Abreibung erhalten, und nie war ein Mann so gedemütigt und kleinlaut wie der Sheriff von Nottingham.

Nun sollte das Ende kommen.

»Bringt Gaspards Maultier herbei«, sagte Robin Hood, »und bindet den Geizkragen und den Sheriff Rücken an Rücken darauf. Dann sollen sie auf das Wohl der wackeren Männer von Sherwood trinken und an die Grenze des Waldes geleitet werden.«

Gaspard stimmte ein Geheul an, doch Oswald de Burgh schwieg. Seine schändliche Lage traf ihn tief ins Mark, doch die Tatsache, dass sein Leben geschont wurde, war ihm ein großer Trost.

»Oswald de Burgh«, sagte Robin Hood, der seine Gedanken erriet, »ich habe mein Wort um einer schönen Dame willen gebrochen, die es über sich brachte, Barmherzigkeit für einen so gemeinen Kerl wie Euch zu erflehen! Lasst mich hören, dass Ihr Euren Lebenswandel gebessert habt, denn ich warne Euch: Wenn Ihr durch eine Tyrannei erneut in meine Hände geratet, werdet Ihr nicht so leicht entkommen.«

Das Maultier wurde geholt, und da man es reichlich mit Korn gefüttert hatte, war es so mutwillig, dass es sich auf die Hinterbeine stellte und zu tanzen versuchte.

»Das Vieh ist toll!«, kreischte Gaspard. »Das Biest wird uns umbringen!«

»Wahrlich«, sagte Little John, während er ein langes Seil abwickelte, »das arme Geschöpf ist so erstaunt über das gute Mahl, dass ihm der Verstand abhandengekommen ist. Ruhig, Jupiter! Brrr, Mars! Wie heißt eigentlich dieser Knochenhaufen auf vier Beinen?«

»Ich nenne das Maultier Greedyjaws«, antwortete Gaspard vor Schreck zitternd.

»Meiner Treu, ein trefflicher Name für Herr und Vieh!«, sagte Little John. »So hinauf, Sir Daniel Greedyjaws, und Ihr auch, werter Sheriff. Der Mittag ist längst vorbei und der Tag neigt sich. Es wird Abend sein, ehe Ihr die gute Stadt Nottingham zu Gesicht bekommt.«

Rücken an Rücken gebunden und so gesichert, dass sie nicht herunterfallen konnten, boten Oswald de Burgh und der Geizkragen einen kläglichen Anblick dar.

Auf ein Zeichen von Robin Hood versetzte einer der Waldläufer dem Maultier einen kräftigen Klaps und schickte es auf die Reise.

So zogen die beiden gedemütigten Männer unter manchem Ruckeln und Holpern Meile um Meile dahin, stöhnten und beschuldigten sich gegenseitig aufs Herzlichste. Das Maultier fand Gefallen an der Situation und genoss sie. Hier war ein grausamer Herr, der nun machtlos war, es zu schlagen oder zu peitschen, und der der Willkür des Viehs ausgeliefert war; daneben ein anderer Geselle, der als Tyrann berüchtigt war. Greedyjaws schien dies zu spüren und fand sogar noch genug Kraft, um vor Freude die Hufe zu schwingen.

»Barmherziger Himmel! Das ist mehr, als ich ertragen kann«, stöhnte Oswald de Burgh. »Dass ich, der Sheriff von Nottingham, auf so klägliche Weise reiten muss – und an einen Grobian gebunden!«

»Was das betrifft«, entgegnete Gaspard rasend vor Wut, »mag ich ein Grobian sein, aber Ihr habt Euch nicht gescheut, von mir zu borgen, Eure gierigen Finger in meine Schatullen zu stecken und zu jeder Zeit zu mir zu kommen, wenn Eure Verschwendungssucht Euch in solche Nöte trieb, dass Ihr nicht einmal den Lohn Eurer Dienstboten bezahlen konntet. Oh! Oh! Erbarmen, alle meine Knochen sind gebrochen! Greedyjaws, du wirst dafür büßen!«

»Ach«, hätte das Maultier sagen können, »du hast mich immer wieder leiden lassen, aber jetzt bin ich an der Reihe.«

Und um zu zeigen, dass die Gelegenheit gekommen war, schrammte Greedyjaws Gaspard so am Stamm eines Baumes entlang, dass ihm ein Hautstreifen von der Nase abgeschabt wurde.

Eine Stunde verging, und wohin Greedyjaws sie gebracht hatte, davon hatten weder Gaspard noch De Burgh die geringste Ahnung. Hungrig, durstig, durchgeschüttelt und halbtot kämpften sie nun wie wild darum, ihre Fesseln zu sprengen. Doch je mehr sie sich mühten und anstrengten, desto fester zogen sich die geknoteten Stricke zusammen.

Kurz darauf kam ein armer Mann mit einem Kleiderbündel auf dem Rücken durch den Wald gegangen.

»Heda!«, brüllte Oswald de Burgh.

»Heda!«, piepste Gaspard. »Guter Mann, kommt uns zu Hilfe, ich bitte Euch!«

Der Mann starrte auf das seltsame Schauspiel und begann dann zu lachen.

»Beim heiligen Beda«, sagte er, »so etwas habe ich noch nie gesehen. Ihr seid wahrlich eine lustige Gesellschaft.«

»Lustige Gesellschaft, du Schurke!«, schrie Oswald de Burgh. »Ich bin –«

»Ich kenne Euch«, unterbrach ihn der Wanderer, »aber es gereicht keinem Mann zur Ehre, Euch zu kennen. Nun, setzt Eure Reise fort und bleibt wohlgemut.«

»Bindet uns los!«, brüllte Oswald de Burgh.

»Ich denke gar nicht daran«, sagte der Mann. »Der Arbeiter ist seines Lohnes wert, aber kein Geld der Welt könnte mich überreden, Euch eine helfende Hand zu reichen, Tyrann. Und was Gaspard betrifft: War er es nicht, der meinem Vater ein paar Groschen lieh und ihn dann in Euer eigenes Gefängnis werfen ließ, Sheriff von Nottingham? Reitet nur weiter, sage ich. Jene Straße führt direkt nach Nottingham, und ein solcher Anblick wird dem Volk ein prächtiges Schauspiel bieten.«

»Wird Geld Euch nicht dazu bewegen, uns loszubinden?«, keuchte Oswald de Burgh.

»Gebt es mir.«

»Meine Hände sind gebunden. Aber ich vergaß«, erwiderte der Sheriff. »Jener Schurke Robin Hood hat mir alles genommen, was ich besaß. Kommt in mein Schloss, und ich werde Euch reichlich belohnen.«

»Ho! Ho!«, lachte der Mann und rückte sein Bündel auf den Schultern zurecht. »Ich weiß genau, was für eine Belohnung mich erwarten würde, ginge ich in Euer Schloss!«

»Fünfzig Nobles für nur ein paar Schnitte mit Eurem Messer!«, flehte Oswald de Burgh.

»Die Klinge selbst würde stumpf werden aus Hass auf Euch«, sagte der Mann finster blickend, »es sei denn, ich zöge sie für einen anderen Zweck.«

»Wie! Wollt Ihr mich etwa ermorden?«

»Nein, ich werde Euch nichts antun«, antwortete der Mann. »Ich bin ein Sachse, und Sachsen schlagen nicht auf Schwache und Wehrlose ein. Aber begegnete ich Euch Mann gegen Mann im Wald, würde ich mein Bestes tun, die Welt von einem Ungeheuer zu befreien.«

»Ganz recht«, schien Greedyjaws zu sagen, und trabte dann in seiner anmutigsten Art den Weg nach Nottingham entlang.

Bald begegneten sie weiteren Menschen, aber Greedyjaws schien es keineswegs eilig zu haben, die beiden elenden Männer loszuwerden, und gewiss machte sich kein Mensch die Mühe, ihnen zu helfen.

»Ich werde das Gespött des ganzen Ortes sein!«, heulte Oswald de Burgh. »Oh, dass doch einer meiner Handlanger diesem abscheulichen Vieh seine Lanze hineinstieße!«

Schließlich tauchten einige seiner eigenen Männer auf und nahmen die Verfolgung auf, doch Greedyjaws bot ihnen einen munteren Tanz, bis es schließlich vor einem geschlossenen Tor zum Stehen gebracht wurde. Als die Männer die Stricke durchschnitten, rollten Oswald de Burgh und Gaspard auf den Boden und lagen nach Luft schnappend da.

»Ich werde das Leben von tausend Waldläufern für diese Schandtat fordern«, sagte der Sheriff, sobald er wieder sprechen konnte. »Nun, Gaspard, macht Euch fort, und zwar schnell, denn Euer Anblick ist mir verhasst. Heda! Einer von euch Kerlen soll hinausgehen und dieses Biest von einem Maultier töten!«

Doch Greedyjaws war schlau gewesen und hatte das Weite gesucht, sobald der Sheriff und der Wucherer befreit worden waren.

Mittlerweile hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, und hie und da drang ein Lachen an Oswald de Burghs Ohren. Dies erwiesen sich als beinahe ebenso zermürbend wie seine jüngsten Plagen, und er schwor, dass er den ersten Mann, der sich über ihn lustig machte, auf offener Straße aufhängen lassen würde.

»Sorgt lieber für Euren eigenen Hals, bevor Ihr Euch so sehr um den unseren sorgt«, rief jemand aus der Menge. »Totgesagte leben länger, und es wird der Tag kommen, an dem es Recht und Gerechtigkeit für den armen Bauern ebenso gibt wie für die normannischen Adligen.«

Oswald de Burgh schickte einen Boten zum Schloss, und bald eilte eine Truppe unter Führung eines Offiziers zu seiner Rettung herbei. Die Leute machten ihnen schweigend Platz, jedoch mit zusammengepressten Lippen und knirschenden Zähnen. Das Feuer des Aufstands stand kurz davor, aufzuflammen, und Oswald de Burgh zitterte.

»Heißt diese guten Leute friedlich nach Hause gehen«, sagte er. »Ich will ihnen nichts Böses.«

Der Offizier wiederholte diese Botschaft Wort für Wort und warf einige Münzen in die Menge, doch sie blieben unberührt liegen, abgesehen von einigen Speichelleckern des Sheriffs, die ihre Mützen hoben und riefen:

»Lang lebe der edle Oswald de Burgh!«

»Ah, jubelt nur und werft eure fettigen Mützen in die Luft«, sagte ein Mann. »All das Gefrotzelte kann die Niederlage nicht auslöschen, die Robin Hood ihm beigebracht hat.«

»Besiegt, ja«, sagte der Sheriff zähneknirschend, »aber ich werde all das mit einer Rache auslöschen, die ebenso bitter wie schrecklich sein wird!«

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