Archiv

Literatur

Allerhand Geister – Die harte Kur – Kapitel II

Allerhand Geister
Geschichten von Edmund Hoefer
Stuttgart. Verlag der I. G. Cotta’schen Buchhandlung. 1876

Die harte Kur

II.

Er öffnete vorsichtig die Tür und schaute, in der Nische stehen bleibend, durch das Gemach und gegen das Fenster. Es war alles genau wie immer. Die große Stube lag in ihrer steten Ruhe und Sauberkeit vor ihm, die Möbel standen an ihren Plätzen, im zweiten Fenster hing ein blanker Vogelkäsig, aber es war bezeichnend ohne Bewohner. Am ersten ruhte in ihrem kleinen Lehnstuhl Agnes’ Gestalt, die Hände lässig im Schoß, das Haupt leicht Weiterlesen →

Deutsche Märchen und Sagen 25

Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

25. Von dem Schiff, das zu Wasser und zu Lande fuhr

Ein reicher und mächtiger König hatte nur eine einzige Tochter. Er ließ ein Gebot ausgehen in alle Länder, worin es hieß, er wolle die Tochter nur dem geben, der ein Schiff machen könne, welches zu Wasser und zu Lande führe.

Das hörten drei Jungen und die sprachen untereinander: »Warte, wir wollen doch einmal sehen, ob wir das nicht fertig kriegen.«

Weiterlesen →

Aus dem Wigwam – Otterherz

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig.1880
Otterherz
oder die gute und die böse Squaw

ief im Urwald am Ufer eines einsamen Sees lebte ein vierzehnjähriges Mädchen. Sie hatte niemand auf der weiten Welt, als einen jüngeren Bruder, für den sie sorgte, den sie kleidete und dem sie Nahrung gab. Der Kleine aber verstand bereits den Bogen zu führen. Er schoss Vögel und Präriehasen im Wald und brachte sie seiner Schwester, die sie zubereitete.

»Schwesterchen«, fragte der Bruder eines Tages, »woher kommt es, dass wir so allein leben? Gibt es denn gar keine menschlichen Wesen außer uns? Und wo sind Vater und Mutter?«

»Grausame Zauberer töteten unsere Eltern«, erwiderte die Schwester. »Ob es aber außer uns noch andere Indianer gibt, weiß ich nicht.«
Weiterlesen →

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern … Teil 24

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern, Zauberern und Gaunern
Dem Ende des philosophischen Jahrhunderts gewidmet
Adam Friedrich Böhme, Leipzig, 1796

Jeder Gewinner schafft sich ein neues Kleid und ein Paar große Steifstiefel an.

Im Oktober des Jahres 1788 kam ein schlecht gekleideter Mann mit seiner Frau nach N. im Nassauischen, mietete sich in einem Bauernhaus ein und gab vor, er hätte von der Herrschaft die Erlaubnis, sich niederzulassen und sein Geld zu verzehren, in welchem Ort er wolle. Seine Heimat gab er nie recht an, sondern sagte nur, dass er wegen verübter Wilddieberei habe flüchten müssen. Er gab sich nun für einen Kollektor zum Wiesbadener Lotto aus. Die Bauern, die zum Teil schon lange ihr sauer erworbenes Geld in dieses Lotto getragen hatten, brachten also ihr Weiterlesen →

Der Detektiv – Der Fakir von Nagpur – 3. Kapitel

Walter Kabel
Der Detektiv
Kriminalerzählungen, Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1920
Der Fakir von Nagpur
3. Kapitel

Der Yogi und das Mädchen

Gegen vier Uhr nachmittags verließen wir das Städtchen auf der Draisine, die sehr bald eine überraschende Geschwindigkeit entwickelte. Ihr Wagenkasten war so hoch, dass wir, auf der Polsterbank sitzend, nichts von der über uns pfeifend hinwegstreichenden Zugluft merkten.
Weiterlesen →