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Im Original Karl Knortz

Aus dem Wigwam – Der Totenvogel

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Der Totenvogel

uf dem linken Ufer des Mississippi, zwei Meilen unterhalb Little Crow’s Village, liegt die sogenannte rote Felsenprärie, die von den Indianern göttlich verehrt und häufig mit Tabak, Waffen, Esswaren usw. versorgt wird. Dicht bei jenem Dorf liegen zwei kleine Inseln, von denen eine die Jungferninsel getauft ist, weil die Rothäute dort früher jährlich ihr Jungfernfest abgehalten haben sollen. Wenn sich Japanerinnen gegen die Keuschheit vergehen, so bestrafen sie sich auch selbst dafür und geben sich zuweilen den Tod, indem sie sich von einem hohen Felsen hinunterstürzen oder an einem ganz dünnen Baum aufhängen. Einen dünnen Baum wählen sie nämlich deshalb, weil sie glauben, sie müssten denselben bei der Seelenreise ins Jenseits beständig nachschleppen. Von dieser Insel erzählt man sich folgende Geschichte:
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Aus dem Wigwam – Arezuma

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Arezuma

uf den alten spanischen Karten wird das Territorium Arizona Arezuma genannt und eine alte Tradition der Pueblo-Indianer erzählt, dass dies der Name einer aztekischen Königin sei, die einst am Golf von Kalifornien regiert habe. Mehrere Könige des Südens, die von ihrer großen Schönheit gehört hatten, kamen und trugen ihr ihre Hand an, aber sie hatte keine Lust, ihr Schicksal und das ihres Volkes in die Hände fremder Männer zu legen und erklärte, sie wolle lieber unverheiratet bleiben. Darauf sagten ihr die südlichen Fürsten den Krieg an und überzogen ihr Land mit einer furchtbaren Armee. Als die Königin sah, dass ihre Streitmacht zu klein war, um erfolgreich kämpfen zu können, zog sie sich mit einigen ausgewählten Kriegern in die Berge zurück und ließ nichts mehr von sich hören.

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Aus dem Wigwam – Der Waldwolf und der Steppenwolf

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Der Waldwolf und der Steppenwolf

in großer Waldwolf und ein kleiner Steppenwolf durchstreiften einst das Land in allen Richtungen nach Nahrung. Als sie schon beinahe verhungert waren, kamen sie an einen Wigwam, aus welchem ihnen eine frisch gebratene Hirschkeule entgegenduftete. Dieser verlockende Geruch machte sie gleichgültig gegen alle Gefahren, und sie beschlossen, auf die Hütte loszugehen und um Nahrung zu fragen. Die Indianer fütterten und behandelten sie sehr freundlich. Die Wölfe aßen sich satt und ruhten sich auf den Fellen aus, die man für sie hingelegt hatte.

Als sie nun am Morgen wieder abreisen wollten, sagte der Steppenwolf: »Wir haben hier eine angenehme Heimat gefunden. Alles ist in Hülle und Fülle vorhanden. Warum sollen wir sie nun verlassen? Lass uns doch bei unseren Weiterlesen

Aus dem Wigwam – Das Totenfeuer

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Das Totenfeuer

enn ein Indianer den Weg alles Fleisches gegangen ist und den ewigen Schlaf begonnen hat, so legen seine Anverwandten den Leichnam in einen Sarg von Birkenrinde und stellen denselben so lange auf ein hohes Gerüst, bis der Körper vollständig verwest ist. Damit der Geist, der sich nach der Meinung der Indianer noch einen Monat lang bei seiner ehemaligen Hülle aufhält, keine Not leide, werden rundum Körbe voller Speisen und vollgestopfte Tabakpfeifen aufgehangen. Ist es Winter, so wird während dieser Zeit ein mächtiges Feuer unterhalten, damit der Geist nicht friere und der Körper gegen hungrige Wölfe geschützt sei.

Den Ursprung dieses Totenfeuers erzählt sich der Odschibwä-Stamm auf folgende Art:
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Aus dem Wigwam – Der Jungfernfels

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Der Jungfernfels

ie lieblichen Ufer des Pepinsees in Mississippi waren von jeher der Lieblingsaufenthalt der Indianer. In der Mitte dieses Sees steht ein großer Felsen, der sogenannte Maiden Rock an den sich folgende Sage knüpft:

Sechzig Meilen unterhalb des erwähnten Sees steht das alte Dakotadorf Wabascha, wo viele Jahre vorher, ehe das Blassgesicht jene Gegend entheiligte, der mächtige Häuptling Keora lebte. Keora hatte eine wunderliebliche Tochter, Wenona oder die Erstgeborene genannt. Als dieses Mädchen einst einsam im Wald spazieren ging, gesellte sich ein blühender jungerMann zu ihr, mit dem sie sich so angenehm unterhielt, dass er ihr versprechen musste, sie am folgenden Tag wieder an einem bezeichnten Ort zu treffen. Der junge Krieger hieß Talangamana oder der rote Flügel, Weiterlesen

Aus dem Wigwam – Der Weg zum Meister des Lebens

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Der Weg zum Meister des Lebens

in armer Delaware suchte den Weg zum Meister des Lebens. Als er lange gefastet hatte und ihm allerlei Traumgestalten erschienen waren, genoss er endlich die hohe Gnade, die betreffende Richtung angedeutet zu bekommen. Schnell machte er sich marschfertig, nahm sein Jagd- und Kochgerät und ging los. Er irrte lange Zeit herum, ohne jedoch das Gewünschte zu finden. Endlich, am Abend des achten Tages, bemerkte er vor sich drei große weiße Pfade im Wald, die ihm immer heller entgegen leuchteten, je dunkler es sonst ringsum wurde. Er ließ sein halbfertiges Abendessen stehen und wählte den breitesten Gang. Als er einige Schritte gegangen war, gebot ihm eine aus der Erde hervorschießende Flamme plötzlich Halt. Der Indianer ging also zurück zum nächsten Eingang, wo ihm dasselbe passierte. Auf dem dritten Pfad, den er danach betrat, ging er einen ganzen Tag lang unbelästigt fort und Weiterlesen