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Al Capone – Band 44

Al Capone
Band 44
Rächendes Gift

1. Kapitel
Ein schlauer Plan

In dem Kabarett Die blauen Teufel saßen Miss Dynamit und Magdalena Duffy, die soeben erst von ihrer Freundin aus dem Gefängnis befreit worden war, und berieten, auf welche Weise sie die Mörder von Magdalenas Bruder und Doherty ausfindig machen könnten. Auf Anraten Mary Mays verkleidete sich Magdalena wie die Girls, die abends in dem Kabarett auftreten, mit dem Kostüm einer holländischen Müllerin.

Dann sagte Miss Dynamit zu ihr: »So, nun hör mal genau zu: Also, ich werde in den Salon gehen, wo die Leute von der North Side-Bande sitzen, werde so tun, als ob ich sie zufällig treffe, dann werde ich mich mit ihnen in eine Loge setzen. Dort werde ich sie tüchtig zum Trinken anhalten und auch selbst mittrinken. Plötzlich, wenn wir mittendrin sind im Trinken, kommst du in die Loge herein, als ob du jemanden suchst. Ich tue so, als ob ich dich wiederkenne – du heißt jetzt Else Grabner – und werde dann rufen: ›Hallo, Else!‹ Ich lade dich dann ein, bei uns zu bleiben; du wirst dies zuerst ablehnen, nimmst dann aber doch an. Das Übrige überlasse ich deiner Schlauheit. Hältst du meinen Plan für gut?«

»Er ist ausgezeichnet!«

Die beiden Verbündeten trennten sich nun.

Miss Dynamit hatte ihr aber etwas verborgen; etwas hatte sie Magdalena nicht anvertraut, nämlich dass sie ihr untreues Verhalten Al Capone gegenüber durch eine verdienstvolle Tat wiedergutmachen wollte, und zwar noch heute Nacht, umso besser die Verzeihung von Scarface erringen zu können.

Wir werden bald erfahren, was Miss Dynamit noch in dieser Nacht zu tun sich vorgenommen hatte und was es für eine verdienstvolle Tat war, durch die sie sich wieder mit ihrem Chef versöhnen wollte.

Die Angehörigen von der North Side-Bande saßen im großen Mittelsalon, höchst zufrieden damit, dass es ihnen geglückt war, so leicht in den Antiquitätenladen von Al Capone einzudringen und dort so ungehindert den Bankier Ahrens und seine Tochter Eveline zu überwältigen und mitzunehmen. Sie gestanden sich allerdings ein, dass, wenn die Sache so gut geklappt hatte, das nicht etwa der Schlauheit eines ihrer Mitglieder zu verdanken war, sondern dem Umstand, dass von dritter Seite die Sache verpfiffen wurde. Und die Person, die das getan hatte, war doch nur Miss Dynamit!

Die Leute hatten allerdings nicht die geringste Ahnung davon, wie sich der Leser wohl denken kann, was im Roten Hause passiert war, nachdem sie wieder fortgefahren waren, also das heißt, was für einen höchst unerwünschten Besuch Hymie Weiß bekommen hatte, nämlich den von Al Capone und Ed Weller!

Drucci und Zuta hatten mit zwei ganz netten Chormädels angebändelt, als ihnen plötzlich jemand leicht auf die Schulter schlug. Die beiden Männer wandten gleichzeitig den Kopf und blickten in das lächelnde Gesicht von Miss Dynamit.

»Na, man scheint sich ja ganz gut zu unterhalten!«

»Nein, schönste Prinzessin«, erwiderte mit der ganzen plumpen Galanterie, deren er fähig war, Vicente Scheemer Drucci. »Wenn du da bist, dann gibt es für uns nichts anderes auf der Welt!«

»Dann möchte ich euch gern mal etwas fragen, was mir schon auf der Zunge brennt!«

Die beiden Gangster erhoben sich, nickten ihren Mädels kurz zu und gingen mit Mary May ein paar Schritte abseits.

»Der Alte und das Mädel?«

»In Ordnung, Kleine!«, sagte Drucci lachend. »Wir haben uns schon gedacht, dass du es gewesen seist. Weiß, der ein ganz schlauer Kerl ist, meinte gleich: ›Darin sehe ich wieder einmal die Eifersucht einer Frau, und diese Frau ist Miss Dynamit, die sich unsterblich in einen Deutschen verliebt hat, der eigentlich ein so fabelhaftes Weib wie sie gar nicht wert ist.‹«

»Das hat Weiß gesagt?«

»So, wie ich es dir eben gesagt habe.«

»Dann hat Hymie Weiß nur die halbe Wahrheit gesagt; denn was den Deutschen anbetrifft, so bin ich mit ihm fertig!«, log ihnen Mary May vor, weil das in ihre Pläne passte. »Ihr seht ja, ich komme hierher auf der Suche nach Liebe und Champagner!«

»Liebe und Champagner? Das fabrizieren wir ja beides selbst, Mädel!«, erwiderte Jack Zuta, über seinen eigenen Witz lachend, den er anscheinend für großartig hielt. »Ja, aber was ist denn nun mit der South Side-Bande? Hast du etwa mit Scarface gebrochen?«

»Nachdem ich euch den Bankier und seine Tochter in die Hände geliefert habe, könnt ihr es euch doch ganz gut denken!«

»Allerdings! Das wird dir Scarface nicht einmal auf dem Totenbett verzeihen!«, sagte Drucci.

»Ja, ihr habt mir aber noch immer nicht gesagt, was aus dem Bankier und seiner Tochter geworden ist!«

»Allerdings, das hätten wir beinahe vergessen. Also, Mary May, wir haben sie erwischt, so wie der Fuchs vom Eisen der Falle gepackt wird; es war eine höchst einfache Angelegenheit; wir haben sie gefesselt, sind mit ihnen zum Roten Haus gefahren, dort haben wir sie in das Panzergewölbe gesteckt und eine Bombe mit einem Uhrenmechanismus aufgestellt, so dass sie selbst das Herannahen des fatalen Augenblicks feststellen und sich gebührend auf die Himmelfahrt vorbereiten konnten. Na, und jetzt werden sie wohl schon zerpulvert sein!«

Als Mary May das hörte, schauderte sie am ganzen Leibe! Ihre so heiß ersehnte Rache war erfüllt worden, wie ihr die Gangster eben mitteilten. Eveline und Sam Ahrens waren jetzt beseitigt!


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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