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Felsenherz der Trapper – Teil 02.5

Felsenherz, der Trapper
Selbst Erlebtes aus den Indianergebieten erzählt von Kapitän William Käbler
Erstveröffentlichung im Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1922
Überarbeiteter Text
Band 2
Das Geheimnis der Llano Estacado
5. Kapitel
Am Apache-Spring

So hatte sich seine düstere Vorahnung also bestätigt. Ein Ereignis war eingetreten, das die Verfolgung Fred Hoblers beinahe unmöglich machte. Felsenherz besaß keine Waffe mehr, kein Pferd und war in der endlosen Llano Estacado vollkommen auf den Schutz des rätselhaften Skalpierten angewiesen.

Er hielt sich an den Ausläufern eines flachen Höhenzuges. Dort hoffte er, auf harten, steinigen Boden zu stoßen, der keine Spuren annahm. Er zog die Stiefel aus und eilte auf seinen derben Strümpfen der Mitte des Gebirges zu, wo er sich mit dem Skalpierten treffen wollte. Selbst für den feinen Spürsinn der Indianer sollte es nun unmöglich sein, seiner Fährte zu folgen.

Als der Tag anbrach, lag Felsenherz in einer sicheren Felsspalte. Nur durch waghalsiges Klettern hatte er dieses Versteck erreicht. Die ersten Sonnenstrahlen schossen über die Wüste, und in der Ferne entdeckte er einen Reitertrupp: Indianer, die in geschlossener Reihe nach Osten zogen. Es mussten die Mescalero sein, doch ob sie Gefangene bei sich führten, konnte er auf die Entfernung nicht erkennen.

Gegen zehn Uhr vormittags hörte er plötzlich ein Geräusch über sich. Sofort griff er nach einem spitzen Stein, den er als Behelfswaffe mitgenommen hatte. Doch dann erklang die raue Stimme seines neuen Bekannten:

»So, Felsenherz, Sie können aus Ihrem Loch herauskriechen. Die Apachen sind weg.«

Felsenherz zögerte. »Sind Sie allein, Master?«, fragte er misstrauisch.

»Nicht ganz. Meine Stute Aurora ist bei mir – und Ihr Brauner. Es ist gut, dass Sie argwöhnisch sind; zu viel Vertrauen hat hier im Westen schon manchen den Kopf gekostet. Ich war früher selbst so ein Greenhorn, deshalb fehlen mir heute die Ohren und die Kopfhaut. Damit Sie sehen, dass ich kein Verräter bin: Hier!«

An einem Lasso ließ er Felsenherz’ Doppelbüchse, das Pulverhorn, das Jagdmesser und den Tomahawk hinab. Erleichtert nahm der Trapper seine Waffen entgegen, prüfte die Ladung und kletterte hinauf. Im Tageslicht wirkte der Fremde nun anders auf ihn: Er hatte ein regelmäßiges Gesicht und kluge, graue Augen, die trotz aller Härte eine gewisse Gutmütigkeit ausstrahlten.

»Ich danke Ihnen!«, sagte Felsenherz und reichte ihm die Hand. »Wie sind Sie an meine Sachen gekommen?«

»Gegen Pulver und Blei eingetauscht«, erwiderte der Skalpierte knapp. »Wir müssen aufbrechen. Ich will nach Hause.«

»Nach Hause? Hier in der Wüste?«, rief Felsenherz erstaunt.

»Folgen Sie mir einfach. Besteigen Sie Ihren Braunen, ich gehe zu Fuß.«

Eine halbe Stunde später waren sie auf dem Weg nach Süden. Nachdem Felsenherz seinen Hunger gestillt hatte, fragte er nach dem Schicksal seiner Gefährten.

»Billy und der Lord wurden als Gefangene zum Apache-Spring gebracht«, erklärte der Händler gleichmütig. »Dort erwartet sie der Marterpfahl. Jimmy ist tot. Er wurde skalpiert; ich habe ihn heute früh begraben.«

Felsenherz erstarrte. Eine bleierne Schwere legte sich auf sein Herz, doch der Skalpierte sprach ungerührt weiter: »Wattami ist Ihrer Kugel entgangen, weil sie auf ein Säckchen mit Goldstaub traf, das er auf der Brust trug. Er jagt jetzt Hobler nach, der Ihre Schwester raubte. Hobler hat die Mescalero um ihren Anteil an der Beute betrogen. Er wird am Apache-Spring wohl ebenfalls am Marterpfahl enden – geschieht ihm recht. Dieser Schurke hatte es wohl auch auf meine Ersparnisse abgesehen. Aber Wattami wird ihm die Suppe versalzen.«

»Und das sagen Sie so gefühllos?«, rief Felsenherz empört. »Haben Sie kein Mitleid mit dem Lord und Billy? Ich bin Ihnen dankbar, aber Ihre Art ist unerträglich!«

»Ruhig, junger Freund!«, unterbrach ihn der Skalpierte. »Bedenken Sie: Ich bin mit den Mescalero befreundet und besitze keine Waffen, um gegen sie zu kämpfen. Aber ich habe nichts dagegen, wenn Sie versuchen, Ihre Gefährten zu befreien. Wir reden darüber, wenn wir bei mir sind. Meine Wohnung liegt nicht weit vom Apache-Spring entfernt.«

Er schwang sich in den Sattel seiner Stute, und sie galoppierten schweigend weiter. Bei einer Rast kam das Gespräch auf den Geisterbüffel. Der Händler lachte nur. »Was Sie gesehen haben, war ein weißer Büffel, nichts weiter! Ich lebe schon lange hier und habe nie ein Gespenst gesehen. Trapper machen gern aus einer Mücke einen Elefanten. Reden wir nicht von solchem Unsinn.«

Nach Sonnenuntergang erreichten sie hohe Sanddünen, über denen ein zerklüfteter Granitberg aufragte. Der Händler hielt an und reichte Felsenherz vier tellerförmige Unterschnallschuhe aus dickem Büffelleder für die Pferdehufe. »Machen Sie fix! Die zugespitzte Seite nach hinten.«

Mit diesen Ledertellern hinterließen die Pferde nur eine undeutliche Fährte, die niemand als Hufspur erkennen konnte. Sie ritten auf den flachen, kahlen Berg zu. An einer Seite führte ein kaum meterbreiter Vorsprung steil nach oben zu einer Kluft. Sie leiteten die Tiere hinein und gelangten in eine dunkle Spalte.

Der Skalpierte entzündete eine Fackel und beleuchtete eine Grotte, die als Stall diente. »Das ist nur die Vorhalle«, erklärte er. Er trat an eine Wand und drehte ein gewaltiges Felsstück wie eine Tür nach außen. Innen war die Konstruktion mit Balken verstärkt, außen mit Steinplatten getarnt.

Dahinter führte ein Gang in eine noch größere Wohnhöhle, die mit Holzwänden in drei Räume unterteilt war. Schmale Felsspalten ließen Licht und Luft herein. Doch kaum hatte der Händler sein Quartier betreten, stieß er einen Fluch aus. Er stürmte zu einer Truhe. »Erbrochen! Das war Hobler! So dankt er mir also für meine Gastfreundschaft.«

»Er hat Sie bestohlen?«, fragte Felsenherz erschrocken.

Der Händler antwortete nicht direkt. Er holte seine Stute wieder aus dem Stall. »Warten Sie hier auf mich. In zwei Stunden bin ich zurück. In der Küche können Sie sich etwas kochen.«

»Warum nehmen Sie das Packpferd mit?«, wunderte sich Felsenherz. »Wollen Sie jetzt etwa Tauschhandel treiben?«

»Vielleicht. Denken Sie an Ihre Schwester! Ich habe es eilig.«

Damit verschwand der Skalpierte durch die getarnte Tür. Felsenherz blieb allein zurück. Die Ungeduld quälte ihn. Er trat auf einen felsigen Vorsprung vor der Höhle, der wie ein Balkon über den Dünen hing. In der Ferne, etwa eine halbe Meile entfernt, sah er rote Pünktchen in der Dunkelheit schimmern.

Die Lagerfeuer der Mescalero! Dort war der Apache-Spring. Dort war Hobler – und dort musste seine Schwester sein. Felsenherz besann sich nicht lange. Er nahm seine Büchse, eilte hinaus und drückte die schwere Felstür hinter sich zu. Er musste dorthin, getrieben von dem einen Gedanken: Anna zu befreien.

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