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Elbsagen 25

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

25. Die Sagen von den Zwergen im Cottaer Spitzberg

Das früher den Burggrafen von Dohna gehörige Rittergut Cotta liegt am südöstlichen Rand der Sächsischen Schweiz an einem Kalkmergelberge mit Basaltspitze an der nach Teplitz führenden Chaussee etwa eine Stunde von Pirna entfernt. Dieser sogenannte Cottaer Spitzberg, von dem man eine reizende Aussicht genießt, überragt den Ort selbst noch um 400 Fuß. In diesem sollen noch heute einige Zwerge, sogenannte Querkse, hausen, die einzigen Überreste eines ganzen Volkes von gutmütigen kleinen Wesen, die vor Zeiten hier und im nahen Zwergloch des Hennersdorfer Wasserfalls wohnten. Einst hatte ein junges Mädchen, dem einer von ihnen aus Liebe die Wohnung seiner Genossen am Wasserfall gezeigt hatte, das Geheimnis in der Beichte verraten.  Infolgedessen mussten alle fortziehen, worauf auch ihre Brüder aus dem Spitzberg sich anschlossen, mit Ausnahme der wenigen, die zur Bewachung des großen, im Spitzberg liegenden Schatzes zurückblieben.

An einem düsteren Novembermorgen, während ein dichter Nebel über der Erde lag, hörte man das Trippeln einer unzähligen Menge von kleinen Füßen, die den Kirchweg herunter durch das Rottwernsdorfer Tal nach Pirna zogen und sich dort über die Elbe setzen ließen. Der Fährmann, der wegen des Nebels nicht sehen kannte, verlangte, als man ihm das Hol über zurief, für jede Person einen Pfennig Fährgeld. Als er die kleinen Wesen übergesetzt hatte, da fand er so viel Pfennige in seinem Kahn, dass er sie nicht zählen konnte, sondern mit der Metze messen musste und dadurch ein reicher Mann wurde. Das Mädchen aber, welches das Geheimnis verraten hatte, starb bald darauf an gebrachtem Herzen, doch niemand weiß, ob die Zwerge, wie sie versprochen haben, einst wiederkommen werden und ob dann der Bergbau im nahen Städtchen Berggießhübel wieder aufleben wird. Der Eingang zu der noch jetzt von den zurückgebliebenen Querksen bewohnten Höhle des Cotta-Berges ist nur alle neun Jahre, wenn das umstehende Laubholz geschlagen ist, eine kurze Zeit und auch dann nur in beträchtlicher Entfernung vom Berg auf der südlichen Seite sichtbar. Kommt man aber in die Nähe der wahrgenommenen Stelle, so ist die Öffnung so mit Steinen versetzt, dass man irre wird und sie nicht wiederfinden kann. In jedem Jahr soll aber die Höhle einen Tag lang für jedermann offen stehen. Schade nur, dass niemand weiß, wann der Tag fällt. Einst war eine Frau oben am Berg grasen, als gerade die Mittagssonne gewaltig heiß schien, sodass die Frau in das Gehölz ging, um etwas auszuruhen. Da befand sie sich plötzlich vor einer offen stehenden Höhle, in welcher längs der Wände Bänke und in deren Mitte eine Tafel stand. Auf eine dieser Bänke setzte sie sich nieder und nahm dabei ihre Haube ab. Nach einiger Zeit ging sie wieder an ihre Arbeit, vergaß aber, ihre Haube mitzunehmen, und erst auf dem Heimweg dachte sie daran. Sie kehrte zwar sogleich zurück, allein sie fand keine Höhle mehr und musste ohne Haube nach Hause gehen. Da sie sich jedoch den Tag gemerkt hatte, wo ihr dies geschehen war, so kehrte sie das nächste Jahr an demselben Tag wieder an jenen Ort zurück, fand die Höhle offen, und auf demselben Ort, wo sie die Haube hingelegt hatte, lag sie auch jetzt noch.

Einst ging eine arme Frau, die sich in schwerer Not befand, auf den Cottaer Spitzberg. Da trat aus dem Gebüsch ein kleines Männchen auf sie zu und drückte ihr ein Päckchen in die Hand, das sie aber vor Schreck in die nahe dabei liegenden Steine schleuderte. Später besann sie sich aber eines Besseren, kehrte zurück, fand zwar das Päckchen nicht mehr, wohl aber unter den Steinen einige alte Silbermünzen. Noch jüngst lebte in Cotta ein Mann, der behauptete, er sei als Knabe mit einem Schulkameraden auf dem Berg herumgeklettert und habe sich plötzlich vor der offen stehenden Höhle befunden. Sie wagten aber nicht einzutreten, sondern liefen entsetzt den Berg hinunter und konnten späterhin trotz alles Suchens die Stelle nicht wiederfinden.

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