Die Geschichte des Toten
Willard E. Hawkins
Die Geschichte des Toten
Die merkwürdige Erzählung, die hier folgt, wurde im Nachlass des verstorbenen Dr. John Pedric gefunden, einem parapsychologischen Forscher und Autor okkulter Werke. Sie weist Anzeichen dafür auf, dass sie durch mediales Schreiben empfangen wurde, wie es auch bei mehreren seiner Veröffentlichungen der Fall war. Leider gibt es keine Aufzeichnungen, die diese Annahme bestätigen, und keines der von ihm bei seinen Forschungsarbeiten eingesetzten Medien oder Assistenten weiß etwas darüber. Möglicherweise – denn dem Doktor wurde nachgesagt, er besitze selbst einige mediale Fähigkeiten – ist sie von ihm selbst empfangen worden. Jedenfalls macht das Fehlen von Daten den Bericht als Dokument für die Society for Psychical Research wertlos. Er wird wegen des ihm innewohnenden Interesses oder der Bedeutung veröffentlicht, die er besitzen mag. In Bezug auf die erwähnten Namen sei hinzugefügt, dass sie durch die Aufzeichnungen des Kriegsministeriums nicht bestätigt werden. Es ließe sich jedoch geltend machen, dass entweder vom Doktor oder von der kommunizierenden Entität absichtlich fiktive Namen eingesetzt wurden.
I.
Man nannte mich – als ich noch in einem Körper aus dichter Materie auf der Erde wandelte – Richard Devaney. Obwohl meine Geschichte wenig mit dem Krieg zu tun hat, wurde ich am 24. Juli 1918 in der zweiten Marneschlacht getötet. Viele Male hatte ich mir dieses Ereignis in Gedanken ausgemalt und mich gefragt, wie es wohl sein würde, so wie es Männer zu tun pflegten, die die tägliche, stündliche Nähe des Todes in den Schützengräben spürten. Hauptsächlich hatte ich zu einem Glauben an die totale Auslöschung tendiert. Dass ich, wenn der kraftvolle, vollblütige Körper, den ich besaß, seiner Fähigkeiten beraubt daliegen sollte, als ein von ihm getrenntes Wesen weiterleben würde, lag jenseits des Glaubens. Das Spiel des Lebens durch die menschliche Maschine, so argumentierte ich, sei wie das Fließen von Benzin in den Motor eines Automobils. Sperrte man diesen Fluss ab, wurde der Motor träge und tot, während die Flüssigkeit, die ihm Kraft gegeben hatte, an sich nichts war.
Und so war es, wie ich gestehe, eine Überraschung zu entdecken, dass ich tot und doch nicht tot war.
Ich machte diese Entdeckung nicht sofort. Es hatte eine blendende Erschütterung gegeben, einen Moment der Dunkelheit, ein Gefühl des Fallens – in einen tiefen Abgrund. Eine unbestimmte Zeit danach fand ich mich benommen am Hang eines Hügels wieder, gegen dessen Kuppe wir uns vorwärts gegen den Feind gedrängt hatten. Der Gedanke kam mir, dass ich vorübergehend das Bewusstsein verloren haben musste. Doch jetzt fühlte ich mich seltsam frei von körperlichem Unbehagen. Was hatte ich getan, als jener Moment der Schwärze alles ausgelöscht hatte? Ich war von einer Absicht beherrscht worden, von einem flammenden Begehren …
Wie ein Blitz brach die Erinnerung über mich herein und mit ihr eine Glut des Hasses – nicht gegen die Boche-Infanteristen, die sich in den Wäldern über uns verschanzt hatten, sondern gegen den privaten Feind, den ich gerade hatte töten wollen.
Es war die Gelegenheit gewesen, auf die ich unendlich lange Tage und Nächte gewartet hatte. In der offenen Formation hielt er sich ein paar Schritte vor mir. Während wir abwechselnd vorwärtsrannten, uns dann auf den Bauch warfen und feuerten, hatte ich auf meine Chance gelauert. Niemand würde bei den Dutzenden, die jeden Augenblick unter dem unbarmherzigen Feuer aus den Bäumen dahinter fielen, vermuten, dass die Kugel, die Louis Winstons Laufbahn beendete, aus dem Gewehr eines Kameraden stammte.
Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.
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