Mörder und Gespenster – Band 1 – 3. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Der Werwolf
Kapitel 3
Es war später Abend. Durch die kalte Winterluft hallte mancherlei Getöse scharf in seine Einsamkeit hinüber. Vom Kirchturm summte die Glocke neunmal. Der Wind pfiff durch die Ritzen seiner baufälligen Hütte, das Röhricht klapperte im Sumpf und dazwischen ertönte ein schriller Laut irgendeines verspäteten Tieres, gefolgt vom Bellen ferner Hunde.
Mit dem Licht des Tages waren ihm alle schönen Träume wieder entschwunden. Er fühlte sich wieder einsam und unglücklich, schauderte vor Kälte und der Hunger plagt ihn aufs Neue. Das wenige Reisig, das er in einer Ecke der Hütte angezündet hatte, ist nur noch ein Häufchen Asche und hier und da verglimmende Glut, in die er verzweifelt starrt. So sitzt er da. Da zieht ein Blitz des Weiterlesen
Femegerichte und Hexenprozesse in Deutschland – Teil 3
Oskar Wächter
Femegerichte und Hexenprozesse in Deutschland
Stuttgart, Verlag von W. Spemann, 1882
Erster Abschnitt
Zwei Erzählungen1
II. Macht in die Ferne
Im Oktober des Jahres 1429 wurde in Nürnberg eine prächtige Hochzeit gefeiert. Der Ratsherr Tucher verheiratete seine jüngste Tochter Mechtild an den Bürgermeister Pferinger von Nördlingen. Aus weiter Ferne kamen die Gäste herbei. Die Herbergen waren von Pferden und Reisenden besetzt. Denn in jenen Zeiten des Faustrechts schien es nicht ratsam, unbewaffnet zu reisen. Besonders lebhaft war es in der Herberge Zur goldenen Au. Sie lag dicht am Tor, wo die Landstraße nach Nördlingen einmündete. Der geräumige Saal fasste kaum die Gäste, die ihr Mittagsbrot heischten und dem Würzburger Wein, der hier gezapft wurde, Weiterlesen
Der Kurier und der Detektiv – Kapitel 21
Allan Pinkerton
Der Kurier und der Detektiv
Originaltitel: The Expressman and the Detective
Chicago: W. B. Keen, Cooke & Co., 113 and 115 State Street. 1875
Kapitel 21
Ich beschloss, Maroney einen Schlag zu versetzen. Man kann sich die Wirkung dieses Schlags ausmalen, wenn man sich einen Gefangenen vorstellt, der die Nachricht erhält, dass seine untreue Frau die ungesetzlichen Avancen eines jungen Galanterie-Liebhabers genießt, während er im Gefängnis schmachtet. Alles deutet darauf hin, dass die beiden mit seinem gesamten Vermögen in unbekannte Gefilde fliehen wollen, um ihn zurückzulassen. Genau das war die Strafe, die ich für Maroney vorgesehen hatte. Ich teilte ihm dies in folgendem Brief mit:
Nathan Maroney, Eldridge Street Jail, New York
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Das Buch vom Rübezahl – Teil 28
Das Buch vom Rübezahl
Neu erzählt von H. Kletke
Breslau, 1852
28. Wie Rübezahl einen groben Knecht zum Besten hat
Ein Knecht eines Bauern aus Warmbrunn fuhr einmal mit einem Wagen nach Hirschberg, um dort Getreide zu holen. Als er unweit von Hermsdorf kam, stand ein reisender Geselle am Wegesrand und bat darum, ihn ein Stück mitzunehmen. Der Knecht sagte jedoch, er müsse eilen, um bei guter Zeit in die Stadt zu kommen. Da wies der Reisende ihn so derb auf seine Ungefälligkeit hin, dass jener dennoch anhielt und ihn aufsitzen ließ. Nachdem sie eine Weile in starkem Trab gefahren waren, begannen die Pferde, immer langsamer zu gehen, sodass der Knecht fortwährend damit beschäftigt war, sie mit Schreien und Peitschen im Gang zu halten. Als er aber in Kunersdorf durch den Zacken fahren wollte, blieben die Pferde beim Ausgang des Wassers mit dem Wagen stehen und wollten nicht von der Stelle. Der Knecht wusste gar nicht, was er denken sollte, denn die Pferde zogen überhaupt nicht an. Da lachte der Reisende und wollte ihm einen guten Rat geben, wie er es anfangen solle, um weiterzukommen.
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Aus den Geheimakten des Welt-Detektivs – Band 9 – 2. Kapitel
Aus den Geheimakten des Weltdetektivs
Band 9
Die Lady mit dem Kanarien-Brillant
2. Kapitel
Eifersucht
Die Lady konnte Sherlock Holmes keine weitere Frage stellen, denn in diesem Moment öffnete sich die Tür und Lord Canbury betrat den Raum. Er trug eine Taille, die zu einer sehr vornehmen Balltoilette gehören musste.
»Da, sehen Sie sich das Corpus Delicti einmal an, verehrter Mr. Sherlock Holmes«, sagte der Lord, während er die Taille auf einem kleinen Marmortisch vor dem Detektiv ausbreitete. »Sehen Sie, hier hat der Kanarienbrillant gesessen. Von hier hat ihn die Hand des Räubers abgerissen.«
»Es muss eine ziemlich kräftige Hand gewesen sein«, sagte Sherlock Holmes, während er die Taille mit scheinbarer Weiterlesen
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