Archiv

Die Geheimnisse Londons – Band 1- Kapitel 16

George W.M. Reynolds
Die Geheimnisse Londons
Band 1

Kapitel 16
Der Beginn des Unglücks

Es war acht Uhr am Morgen nach der Szene in der Hölle. Während Richard sich noch im Gewahrsam der Polizei befand, eilten Sir Rupert Harborough und der ehrenwerte Arthur Chichester in einem stattlichen Cabriolet, das Ersterem gehörte, in Richtung Markham Place.

Das Gespräch dieser Herren während der Fahrt wird dazu dienen, ein wenig Licht auf ein oder zwei vorangegangene Vorfälle zu werfen, die dem Leser vielleicht etwas rätselhaft erschienen sind.

»Ich frage mich, was letzte Nacht aus ihm geworden ist«, sagte Chichester.

»Bei meiner Ehre, in dem Moment war es mir völlig gleichgültig«, erwiderte der Baronet.

»Mir ebenso. Ich war nur darauf bedacht, selbst wegzukommen.«

»Er wird nicht erfreut darüber sein, dass wir ihn auf diese unzeremonielle Weise verlassen haben.«

»Ach! Verlassen Sie sich auf mich – jede Erklärung wird genügen. Er ist so überaus grün hinter den Ohren.«

»Und so wunderlich genau in seinem Benehmen. Wären wir nicht gewesen, wäre er wohl ein vollkommener Heiliger geblieben.«

»Ich habe keine Angst«, bemerkte Chichester, »ihn handhaben zu können und ihn zu immensem Vorteil für unsere Pläne zu nutzen. Aber diese vulgäre Bestie Talbot wird ganz sicher alles verderben. Selbst die Vorstellung von dem Reichtum und den Wohltätigkeiten des Kerls wird Markham nicht immer dazu bewegen, seine Vulgarität zu ertragen. Außerdem hat der Wicht einen solch abscheulich schlechten Geschmack. Gestern Abend zum Beispiel, als ich beiläufig eine nette kleine Lüge über die Suppe am Tisch des Königs von Preußen fallen ließ, paradierte Talbot sofort mit der Erbsensuppe des Herzogs von Lambeth daher. Stellen Sie sich das nur vor: ein Herzog und Erbsensuppe in einem Satz!«

»Und dann seine Hundenase, seine wunden Füße und die gekochten Kutteln«, sagte der Baronet. »Nach all dem Drill, den wir ihm anfangs gaben, als er darauf bestand, sich uns anzuschließen, um zu sehen, wie wir die Sache drehen, ist er immer noch unverbesserlich. Wenn ich an all das Geld denke, das ich bereits ausgelegt habe, um die Materialien zu kaufen – das richtige Papier zu besorgen – und ihn die ganze Zeit über durchzufüttern, während er an der Arbeit war, kocht mein Blut bei dem Gedanken, dass er wie ein Mühlstein an unserem Hals hängt und durch seine Vulgarität alles zu ruinieren droht.«

»Aber was hätten wir tun können?«, sprach Chichester. »Sie sagten mir anfangs, ich solle einen Graveur finden, auf den wir uns verlassen könnten; und ich war gezwungen, diesen Kerl Pocock für unsere Sache anzuwerben. Was sein Fachwissen angeht, war er genau der Richtige, da er sein ganzes Leben lang für Bankiers gearbeitet hat. Aber seine grässliche Vulgarität ist sein Fluch; und selbst sein aristokratischer Name Talbot, den ich ihn habe annehmen lassen, hilft ihm nicht dabei, als Gentleman durchzugehen. Es war ein Jammer, dass er nicht auf die Vernunft hören wollte und die Barzahlung nahm, die Sie ihm anfangs anboten. Aber nein – er musste unbedingt auf ein Drittel der Beute bestehen und darauf, uns auf Schritt und Tritt zu folgen, um sicherzugehen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.«

»Und um seinen Anteil zu bekommen«, fügte der Baronet hinzu.

»Ja. Sogar in der allerersten Nacht, in der er Markham sah«, fuhr Chichester fort, »hätte seine Gier ihn fast dazu gebracht, alles aufs Spiel zu setzen, nur um dem jungen Burschen in Dianas Logis ein paar erbärmliche Pfunde abzunehmen. Aber das habe ich ihm verdammt schnell untersagt. Ich wollte gestern nicht einmal die zwanzig Pfund nehmen, die Markham für die arme Familie anbot, über die ich eine so vorzügliche Geschichte erfunden hatte.«

»Nein – es sind nicht ein paar Pfunde, die uns nützen oder mich für meine großen Auslagen entschädigen«, sagte der Baronet. »Wir brauchen Tausende – und dieser Markham ist genau das Instrument, das wir benötigen. Der erste Versuch wurde gestern unternommen und gelang bewundernswert. Die Note wurde tatsächlich bei einer Bank gewechselt; einen besseren Test kann niemand erwarten. Wenn dieser Talbot uns nun bei Markham ruinieren sollte – der Person, die wir brauchen, dem besten Medium, das wir uns wünschen könnten, da er selbst über jeden Verdacht erhaben ist und keinen Verdacht hegt …«

»Es wäre genug, um einem das Herz zu brechen«, ergänzte Chichester.

»Außerdem sind meine Gläubiger so lautstark, dass ich mich mit ihnen einigen muss«, fuhr der Baronet fort. »Und Diana kostet mich ein Vermögen. Ich muss sie ohne Verzögerung loswerden; denn ich habe das Gefühl, dass sie Gefühle für diesen Jüngling entwickelt und sich nicht mehr für unsere Angelegenheiten interessieren wird, aus Angst, ihn in Schwierigkeiten zu bringen.«

»Nun, es ist ganz sicher«, bemerkte Chichester, »dass wir bei der bewundernswerten Art und Weise, wie wir unsere Pläne arrangiert haben, im Falle einer Entdeckung unmöglich hineingezogen werden könnten. Wie dem auch sei – wir müssen uns beeilen und London abarbeiten, und dann ab nach Paris. Wir könnten bei den Geldwechslern im Palais-Royal vier- oder fünftausend Pfund unterbringen. Dann der Reihe nach nach Deutschland – Italien als Nächstes – ein Abstecher nach Spanien – und zurück nach England.«

»Bei meiner Ehre, es ist ein edler Plan – ein grandioser, ein fürstlicher Plan!«, rief der Baronet, berauscht von der Idee. »Mein Gott! Wenn er doch nur nicht in seinen Kinderschuhen durch irgendeinen Fehler von uns oder unseren Partnern verdorben würde!«

»Und Talbot ist ein solch versoffenes Vieh, dass wir uns kaum auf ihn verlassen können«, sagte Chichester. »Eines Tages wird er sich und uns verraten; der Kerl versteht es nicht einmal, sich wie ein Gentleman zu betrinken.«

»Wir werden ihm die nackte Wahrheit sagen und sehen, was er dazu meint«, fuhr der Baronet fort. »Wenn er merkt, dass wir entschlossen sind, ihn nicht länger in unserer Mitte zu dulden, und dass wir die ganze Sache sofort abblasen, wenn er auf seinem Bleiben beharrt, muss er nachgeben. Da war doch dieser junge Walter Sydney, der anfangs an Diana Gefallen zu finden schien. Ich dachte daran, ihn ebenfalls zu benutzen; aber er hat nach diesem betrunkenen Auftritt von Mr. Talbot nie wieder vorgesprochen. Er war offensichtlich angewidert von dessen Benehmen und von uns, weil wir uns mit ihm abgaben.«

»Nun gut«, konstatierte Chichester, »entschließen wir uns also dazu, eine Aussprache mit Talbot in dem von Ihnen genannten Sinne herbeizuführen; und Sie müssen auch ernsthaft mit Diana sprechen und sie dazu bringen, den jungen Markham einzuspannen.«

»Und wenn sie nicht will«, fügte der Baronet hinzu, »werde ich sie unverzüglich loswerden. Was nützt eine teure Mätresse, wenn man sie weder als Ablenkungsmanöver noch als Lockvogel benutzen kann?«

Das ergötzliche Gespräch endete hier, da diejenigen, die es geführt hatten, nun an ihrem Ziel angekommen waren.

Der Tiger (Leibdiener) des Baronets klopfte an die Haustür, und Mr. Whittingham erschien sogleich.

»Ist Ihr Herr zu Hause?«, erkundigte sich Chichester.

»Nein, Sir; er hat sich nicht mehr in seinem eigenen Domizil domestiziert, seit er gestern kurz nach Ihnen fortging. Aber eine Person meiner Bekanntschaft – ein Mann von vollkommener Kredibilität – ist gerade gekommen, um mir zu versichern, dass mein junger Herr noch im Kurswert des Tages wieder hier sein wird.«

»Wo hat diese Person Ihren Herrn gesehen?«, fragte Chichester, den Markhams Abwesenheit während der gesamten Nacht stutzig machte.

»Seine Respondenzen sind evasiv und desatisfaktionsfähig«, sagte Whittingham.
»Das ist höchst bemerkenswert!«, stieß Chichester hervor. Nach einer Pause fügte er hinzu: »Aber wir werden Mr. Markhams Rückkehr abwarten; und ich werde diesen Mann kurz sehen und ihn allein befragen – allein, hören Sie, Whittingham.«

»Ich höre Sie, Sir, da meine akustischen Propensitäten gut sind. Ich werde diese Person zu Ihnen in die Bibliothek schicken.«

Mr. Chichester stieg aus dem Wagen und eilte in die Bibliothek, während der Baronet sich zu den Ställen begab, um sicherzugehen, dass sein Pferd (um das er sehr besorgt war) ordnungsgemäß versorgt wurde.

Mr. Chichester ging in der Bibliothek auf und ab und grübelte über die möglichen Ursachen für Richards Abwesenheit nach. Einen Moment lang glaubte er, er könne der Polizei in die Hände gefallen sein; doch dann dachte er, dass Markham in diesem Fall nach ihm oder dem Baronet geschickt hätte. Er ahnte nicht, dass die edle Natur des jungen Mannes, den er geradewegs in den Ruin trieb, es verschmähen würde, Schritte zu unternehmen, die seine Freunde kompromittieren könnten.

Die Tür der Bibliothek öffnete sich, und ein Mann trat ein.

»Was? John!«, rief Mr. Chichester aus, wobei er sehr bleich wurde und große Verwirrung zeigte.

»Mr. Winchester!«, rief Snoggles – denn er war es.

»Bst, mein guter Kerl – sagen Sie kein Wort!«, forderte Chichester, der seine Fassung wiedergewann. »Ich bin wirklich froh, Sie zu sehen – ich habe seit dieser unangenehmen Angelegenheit oft an Sie gedacht. Ich hoffe, sie hat Ihnen keine Unannehmlichkeiten bereitet. Jedenfalls werde ich die Sache jetzt wieder gutmachen.«

»Besser spät als nie«, sagte Snoggles.

»Nun – und Sie müssen mir hoch und heilig versprechen, diese Angelegenheit niemandem gegenüber zu erwähnen, und ich werde Ihnen immer ein Freund sein. Und denken Sie daran – mein Name ist jetzt Chichester – nicht Winchester. Bitte vergessen Sie das nicht.«

»Nein, nein; ich bin helle genug – mich führt keiner hinters Licht«, antwortete Snoggles mit einem Grinsen von unverschämter Vertraulichkeit.

»Hier ist eine Zwanzig-Pfund-Note – das wird all Ihre Verluste decken und Sie obendrein entschädigen.«

»Das genügt.«

»Es wäre besser, wenn Sie nicht erwähnen würden, dass Sie mich jemals zuvor gekannt haben.«

»Ganz wie Sie wünschen.«

»Ich bevorzuge diesen Weg. Aber nun zu einem anderen Punkt: Wo haben Sie Mr. Richard Markham gesehen?«

»Auf der Polizeiwache.«

»Auf der Wache! Und weswegen?«

»Ah, da fragen Sie mich zu viel. Das kann ich nicht sagen! Alles, was ich weiß, ist, dass er mir einen halben Sovereign gab, damit ich heute Morgen herkomme und seinem alten Butler sage, dass er im Laufe des Tages zu Hause sein würde.«

»Und das ist alles, was Sie wissen?«

»Alles.«

»Kann ich mich nun darauf verlassen, dass Sie die andere Sache geheim halten?«, forderte Chichester zu wissen.

»Das habe ich Ihnen bereits gesagt«, antwortete Snoggles.

»Und Sie brauchen dem alten Whittingham nicht zu sagen, dass sein Herr auf der Polizeiwache ist.«

Snoggles zog sich zurück; und unmittelbar darauf stieß der Baronet zu Mr. Chichester.

»Markham ist auf der Polizeiwache.«

»Der Teufel auch! Und weswegen?«

»Ich kann es nicht in Erfahrung bringen. Finden Sie es nicht seltsam, dass er nach keinem von uns geschickt hat?«

»Ja. Wir werden in diesem Moment in die Stadt zurückkehren«, sagte der Baronet, »und jemanden, der ihm unbekannt ist, hinschicken, um den Fall im Polizeiamt anzuhören. Wir werden dann erfahren, ob etwas bezüglich der Banknoten durchsickert und was wir ihm sagen müssen, wenn wir ihn sehen.«

»Ja; es ist keine Minute zu verlieren«, erwiderte Chichester.

Das Cabriolet wurde nach wenigen Minuten wieder vor die Tür gefahren. In diesem Intervall versicherte Chichester Whittingham, dass er nichts über seinen Herrn erfahren habe und dass er und der Baronet nur in die Stadt zurückkehrten, um nach ihm zu sehen.

Sobald das Gefährt außer Sichtweite war, kehrte Mr. Whittingham in trübseliger Stimmung in seine Speisekammer zurück, wo Mr. Snoggles gerade mit einer kalten Pastete und einem Krug gutem alten Bier beschäftigt war.

»Na, heute hab ich mal was gelernt, das hab ich«, bemerkte Snoggles, der ein Geheimnis unmöglich für sich behalten konnte.

»Was denn?«, fragte Whittingham.

»Na, dass Winchester Chichester ist und Chichester Winchester.«

»Das sind zwei irrelevante Städte«, bemerkte der Butler, »und in keinster Weise identisch.«

»Die Städte sind verschieden, aber die Männer sind dieselben«, sagte Snoggles.

»Ich kann Ihre Bedeutung nicht apprehendieren.«

»Nun – ich will mich deutlich ausdrücken. Haben Sie gehört, wie ich gestern Abend im Servants’ Arms Suggett die Geschichte über meinen alten Herrn erzählt habe?«

»Nein – ich war zu der Zeit in einen kolloquialen Diskurs vertieft.«

»Dann werde ich Ihnen das Abenteuer noch einmal erzählen«; – und Mr. Snoggles berichtete dementsprechend von dem Vorfall.

Mr. Whittingham war völlig fassungslos und erging sich in vielen eindrucksvollen Beobachtungen über die Angelegenheit, mit denen wir unsere Leser jedoch nicht so grausam sein wollen, sie zu belästigen.
Es war etwa halb eins, als Richard nach Hause zurückkehrte. Sein Antlitz war blass und voller Sorge; und er bemühte sich vergeblich um ein Lächeln, als er seinem treuen alten Diener begegnete.

»Ach! Master Richard, ich hatte schon die schreckliche Befürchtung, Sie seien in eine Trepidation geraten!«

»Ein sehr unangenehmes Abenteuer, Whittingham – das ich Ihnen ein andermal erzählen werde –, hat mich von zu Hause ferngehalten. Ich war mit Sir Rupert Harborough und Mr. Chichester zusammen …«

»Dieser Mr. Chichester taugt nichts, Sir«, unterbrach ihn der Butler nachdrücklich.

»Was meinen Sie damit, Whittingham?«

»Ich meine genau das, was ich sage, Master Richard – nicht mehr und nicht weniger. Sowohl der Baronet als auch Mr. Chichester waren heute Morgen hier.«

Dann berichtete der Butler mit beträchtlicher Umschweife und wortreichen Kommentaren von Chichesters Verhalten gegenüber Snoggles und ihrem zufälligen Zusammentreffen an diesem Morgen.

»Das ist sehr außerordentlich«, sagte Richard nachdenklich.

»Ich kann nicht behaupten, dass ich diesen Mr. Chichester jemals regulär bewundert hätte«, bemerkte Whittingham. »Er scheint mir zu flott, zu extrem und zu … zu … zirkumventisch in seinem Diskurs, um irgendetwas Exzedierendes und exzessiv Gutes zu sein. Da mag ich den Baronet viel lieber; er ist nicht so familiär in seinen Manieren. Wann immer er mit mir spricht, sagt er stets Mr. Whittingham; aber Mr. Chichester nennt mich schlicht Whittingham. Und was diesen vulgären Kerl Talbot angeht, der ein- oder zweimal hier war: Der klappt mir auf die Schulter und brüllt: ›Na, Whittingham, alte Tulpe, wie geht’s?‹ Nun, wissen Sie, Master Richard, es konformiert nicht mit den perzipierten Vorstellungen, einen Butler eine Tulpe zu nennen.«

»Ich bin in meinen Bekannten getäuscht worden – zweifellos bin ich getäuscht worden«, sagte Richard, hörbar vor sich hin sinnend, während er mit unruhigen Schritten in der Bibliothek auf und ab ging. »Es liegt etwas Verdächtiges in der Verbindung dieses Mannes Talbot – wie reich er auch sein mag – mit einem so eleganten Gentleman wie dem Baronet; dann dieses Verhalten Chichesters gegenüber seinem Diener – dass sie mich in ein gewöhnliches Spielhaus führten – dass sie mich im Moment der Not im Stich ließen – ja, ich bin getäuscht worden! Und dann Diana – ich sollte sie nie wiedersehen: Ihr Einfluss, ihre Faszination sind zu gefährlich!«

»Ein Spielhaus!«, rief Whittingham aus, dessen Ohren Bruchstücke dieser Überlegungen aufgefangen hatten.

»Mein alter Freund«, sagte Richard, indem er sich plötzlich dem Butler zuwandte, »ich befürchte, ich bin verlockt worden – hineingezogen in eine Gesellschaft, die weder für mich noch für meine Position ehrenhaft ist. Ich werde meinen Fehler wiedergutmachen. Mein Vormund, Mr. Monroe, hat mir vor einigen Wochen zu einer Reise auf den Kontinent geraten; ich werde von dieser Erlaubnis Gebrauch machen. Um vier Uhr habe ich eine Verabredung – eine dringende Verabredung in der Stadt; bis spätestens sieben werde ich zurück sein. Lassen Sie eine Postkutsche vor der Tür bereitstehen und alles vorbereiten: Wir werden noch heute Nacht nach Dover aufbrechen. Nur Sie allein sollen mich begleiten.«

»Tun wir es, Sir – tun wir es!«, rief der treue alte Diener aus. »Es wird Sie trennen von diesen feschistischen Kerlen, die junge Männer in die Bredouille bringen, und von diesen vulgären Personen, die Butler Tulpen nennen.«

Whittingham zog sich zurück, um die Vorbereitungen für die geplante Reise zu treffen, und Richard setzte sich an den Tisch, um zwei Briefe zu schreiben.

Der erste war an Mrs. Arlington gerichtet und lautete wie folgt:

Umstände sehr eigentümlicher Natur, die ich Ihnen derzeit nicht erklären kann, zwingen mich, London so abrupt zu verlassen. Ich hoffe, Sie werden nicht glauben, dass ich Ihre angenehme Gesellschaft ohne großes Bedauern verlasse. Wir werden uns wahrscheinlich wiedersehen, und dann kann ich Ihnen vielleicht die Motive für diesen plötzlichen Aufbruch anvertrauen; Sie werden dann verstehen, dass ich keine weitere Minute in London hätte bleiben können, ohne mich selbst zu gefährden. Ich weiß kaum, was ich schreibe – ich bin so aufgeregt und unruhig. Bitte entschuldigen Sie dieses Gekritzel.

Richard Markham.

Der zweite Brief war an Mr. Monroe gerichtet und in folgende Worte gefasst:

Es wird Sie überraschen, mein lieber Herr, zu erfahren, dass ich nun doch unverzüglich von Ihrer gütigen Empfehlung und Erlaubnis, den Kontinent zu besuchen, Gebrauch machen werde. Ich halte es für meine Pflicht – angesichts von Gerüchten oder Berichten, die Sie in Kürze über mich erreichen könnten –, Ihnen mitzuteilen, dass ich erst in diesem Augenblick die schrecklichen Gefahren der Laufbahn erkannt habe, in die ich in den letzten Wochen blindlings hineingestürzt bin, bis schließlich gestern —: aber ich wage nicht, mehr zu schreiben. Ich bin reuig – tief reuig; möge diese Erklärung Sie dazu bewegen, meinen Ruf zu verteidigen und zu schützen.

Ihr Ihnen stets aufrichtig verbundener
R. Markham.

Nachdem er diese Briefe hastig gefaltet, adressiert und versiegelt hatte, eilte Markham in sein Schlafzimmer, um bestimmte Kleidungsstücke und andere Notwendigkeiten auszuwählen, die er auf seiner Reise benötigen würde.

Er wurde mitten in dieser Beschäftigung durch den Eintritt Whittinghams unterbrochen, der ankündigte, dass zwei Personen von etwas seltsamem und verdächtigem Aussehen ein sofortiges Gespräch mit ihm wünschten.

Kaum war diese Nachricht überbracht, traten die beiden Männer, die Whittingham nach oben gefolgt waren, sehr unzeremoniell in das Schlafzimmer.

»Das hier ist Richard Markham, nehme ich an?«, sagte einer, während er auf den jungen Mann zuging.

»Ja – mein Name ist Markham. Aber was bedeutet dieses unverschämte und unverzeihliche Eindringen?«

»Eindringen, soso!«, wiederholte der vorderste der finster blickenden Fremden. »Nun, um Sie nicht warten zu lassen, mein junger Freund: Ich muss Sie informieren, dass ich und dieser Mann hier Beamte sind; und wir haben einen Haftbefehl gegen Sie.«

»Einen Haftbefehl!«, riefen Richard und Whittingham im selben Moment aus.

»Kommen Sie, kommen Sie schon – ich wette, Sie haben seit gestern Ihre Vorahnungen gehabt. Aber wenn junge Herren solche Streiche spielen, nun, dann müssen sie damit rechnen, dass sie früher oder später abgeholt werden – das ist alles!«

»Aber was habe ich getan?«, verlangte Richard zu wissen. »Es muss ein Missverständnis vorliegen. Ich kann nicht die Person sein, die Sie suchen.«

»Haben Sie nicht gestern bei gewissen Bankiers in der City vorgesprochen?«, fragte der Beamte.

»Sicherlich – ich hatte Geld in Empfang zu nehmen, das Mr. Monroe, mein Vormund, zu meiner Verwendung dort eingezahlt hatte.«

»Und Sie haben eine Fünfhundert-Pfund-Note gewechselt. Der Kassierer tat es als Gefälligkeit für Sie.«
»Ich leugne es nicht: Ich benötigte Kleingeld. Aber wie hängt das alles mit Ihrem Besuch zusammen?«

»Diese Fünfhundert-Pfund-Note war eine Fälschung!«

»Eine Fälschung! Unmöglich!«, rief Richard.

»Eine Fälschung!«, sagte Whittingham. »Das ist wahrlich eine Impudenz von allzu konsumierender Natur!«

»Kommen Sie, es gibt kein Vertun, und dieser ganze Hokuspokus nützt Ihnen nichts. Ich und mein Partner sind in einer Mietkutsche gekommen, die an der Ecke der Gasse steht; wenn Sie also bereit sind, machen wir uns sofort auf den Weg zur Bow Street.«

»Ich bin bereit, Sie zu begleiten«, sagte Richard, »denn ich bin mir wohl bewusst, dass ich nicht viele Minuten im Büro des Magistrats aufgehalten werde.«

»Das ist nicht meine Sorge«, erwiderte der leitende Beamte. Dann wandte er sich an seinen Gefährten: »Jem, du bleibst hier und nimmst das Anwesen in Augenschein, während ich mit dem Gefangenen abziehe. Du kommst dann nach, sobald du dich davon überzeugt hast, ob es hier auf dem Gelände irgendwelche Beweismittel gibt.«

Nur mit großer Mühe konnte Richard den Wunsch Whittinghams abwenden, ihn zu begleiten. Doch schließlich sah der treue alte Mann die Notwendigkeit ein, zurückzubleiben, da ein Beamter im Begriff war, das ganze Haus einer strengen Durchsuchung zu unterziehen, und Markham sein Eigentum nicht der Gnade eines Fremden überlassen wollte.

Nachdem dieser Punkt geklärt war, trat Richard mit dem Beamten, in dessen Gewahrsam er sich befand, den Weg an. Sie bestiegen die Mietkutsche, die in geringer Entfernung wartete, und fuhren auf kürzestem Wege zum Hauptpolizeiamt in der Bow Street.

Nach ihrer Ankunft in diesem unheilvollen Etablissement wurden Richard seine Brieftasche und seine Börse abgenommen; er selbst wurde in eine Zelle gestoßen, bis die Angelegenheit, die in diesem Moment vor dem Magistrat verhandelt wurde, erledigt war.

Hier müssen wir ihn vorerst verlassen; denn während der Nacht, die auf seine Verhaftung folgte, spielten sich andernorts Szenen von schrecklicher Natur ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert