Archiv

Deutsche Märchen und Sagen 199

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

276. Bischof Wulfhelm

Kaiser Ludwig II., auch der Deutsche genannt, verirrte sich eines Tages bei der Jagd und kam spät abends in den Ort Katzenhausen. Dort kehrte er in der Wohnung des Pfarrers ein. Der Pfarrer war ein schlichter, armer Mann, aber von gutem Herzen. Er empfing den Kaiser freundlich und liebevoll und ließ ihn in seinem eigenen Bett schlafen. Er hatte nur dieses eine, doch das machte ihm nichts aus: »Ich schlafe ebenso gut auf meinem Strohsack«, sprach er. Auch kochte er ihm einen guten Brei. Am anderen Morgen brachte er ihm nach der Messe Brot und Butter und einen Becher frisches, klares Wasser.

Als der Kaiser nun wieder aufbrechen wollte, sprach er zu dem Pfarrer: »Sagt mir, Herr, welchen Dienst ich Euch erweisen kann; Ihr habt mir so viel Liebes erwiesen.«
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Die Virginier Erster Band – 11. Kapitel

William Makepeace Thackeray
Die Virginier
Erster Band
Wurzen, Verlags-Kontor, 1858
11. Kapitel

In welchem sich die beiden Georges zum Blutvergießen rüsten

Der Oberst weilte in einer Kammer der Schenke und war mit trüben Vorbereitungen für das bevorstehende Treffen beschäftigt. Sein Gegner im anderen Zimmer dachte ebenfalls daran, seine letztwilligen Verfügungen zu treffen, und diktierte einem gehorsamen Bruder und Sekretär einen hochtrabenden Brief an seine Mutter, von der er in diesem Schreiben feierlich Abschied nahm. Sie würde, so glaubte er, den Plan, den sie im Auge hatte, nach dem Ereignis dieses Morgens kaum weiterverfolgen, wenn er fallen sollte, was wahrscheinlich war.

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Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 15

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig

Wie Virgilius starb

Da Virgilius in seinem Leben bereits viele wunderbare und künstliche Dinge vollbracht hatte, versprach er dem Kaiser, noch viel größere und wunderbarere Dinge zu vollbringen, falls er so glücklich sein sollte, am Leben zu bleiben. So wollte er unter anderem erreichen, dass die Fruchtbäume und das Getreide dreimal im Jahr tragen, dass jeder Baum zur gleichen Zeit reife Früchte und Blüten haben sollte, dass Schiffe ebenso leicht und jederzeit gegen den Strom wie mit dem Strom segeln können sollten, dass man einen Pfennig ebenso leicht verdienen wie ausgeben könnte, dass Frauen ihre Kinder ohne Schmerzen zur Welt bringen könnten und vieles andere mehr, was hier zu weit führen würde, wenn man es einzeln aufzählen wollte.

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Al Capone – Band 18

Al Capone
Band 18
O’Banions Ermordung

1. Kapitel
Der bekümmerte Frank Rio

Dion O’Banion hatte soeben in einer Zeitung, die er von einem Jungen gekauft hatte, von der Ermordung des Harry Benson Beltman, des Direktors des Chicago Herald, und von der Verhaftung seines mutmaßlichen Mörders, des deutschen Gangsters Ed Weller, gelesen.

»Bravo, bravo!«, rief der Ire vergnügt, während er sich die Hände rieb. »Alle Umstände sprechen gegen ihn. Niemand wird daran zweifeln, dass Ed Weller diesen Mann ermordet hat. Oh, das wird ihn teuer zu stehen kommen, dass er aus meiner Bande desertiert ist. Nicht einen Cent gebe ich für das Fell dieses Jungen. Noch ehe zwei Monate vorüber sind, sitzt er auf dem Weiterlesen

Der mysteriöse Doktor Cornelius – Band 1 – Episode 5 – Kapitel 7

Gustave Le Rouge
Der mysteriöse Doktor Cornelius
La Maison du Livre, Paris, 1912 – 1913
Fünfte Episode 
Das Geheimnis der Insel der Gehenkten 
Siebtes Kapitel

Harry und Isidora

Fred Jorgell hatte lange Zeit die Vorherrschaft über den Mais- und Baumwollmarkt mit dem Spekulanten William Dorgan geteilt. Doch dann hatte Dorgan den Kampf für sich entschieden. Fred Jorgell sah sich gezwungen, die Bestände seines Konzerns mit Verlust an seinen Gegner abzugeben.

Ohne das Eingreifen des Ingenieurs Harry Dorgan, der seinen Vater zu einer Mäßigung seiner Forderungen bewogen hatte, wäre er Weiterlesen