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Aus Armand’s Frontierleben – Band 1- Kapitel 2

Fredéric Armand Strubberg
Aus Armand’s Frontierleben
Band 1
Carl Rümpler, Hannover, 1868

Zweites Kapitel
Der Tod der Indianerin

Kaum graute der Morgen, erhob sich Kionata leise, blickte einige Augenblicke mit gefalteten Händen auf ihre beiden noch schlafenden Lieblinge nieder und ging dann hinaus vor die Höhle zu dem Feuerplatz.

Sie entfachte schnell das Feuer, warf einige Holzstücke darauf und zog die Biberschwänze aus der Asche hervor. Mithilfe des Messers, das sie in ihrem Gürtel trug, schabte sie die hart gebackene Rinde von den Schwänzen ab, schnitt diese in Stücke und legte sie in einen flachen, mit einem Deckel versehenen eisernen Topf. Sie stellte den Topf bei das Feuer, damit das sehr fette Weiterlesen

Detektiv Nobodys Erlebnisse und Reiseabenteuer Band 1 – Teil 10

Detektiv Nobodys Erlebnisse und Reiseabenteuer
Nach seinen Tagebüchern bearbeitet von Robert Kraft
Band 1
Kapitel 2, Teil 5

Wir wollen nicht dabei sein, wenn Nobody noch angesichts der Leiche seine Erklärung gibt. Wir fassen alles kürzer zusammen.

Slackjaw – seinen richtigen Namen kannte man gar nicht – war schon seit mehreren Jahren in Costenobles Lagerschuppen als Arbeiter beschäftigt. In England gibt es keine Arbeitsbücher und dergleichen, so wenig wie eine polizeiliche Anmeldung. Obwohl er regelmäßig montags und manchmal auch dienstags blau machte und einmal wegen einer Prügelei oder eines in der Trunkenheit verübten Unfugs für eine ganze Woche hinter Schloss und Riegel saß, hatte er seinen Posten immer behalten. Denn sonst war er ein recht anstelliger Bursche. Wenn im Lagerraum eine große Kiste verstaut werden musste oder der Aufseher sein Notizbüchlein verlegt hatte, wurde Slackjaw gerufen. Er fand immer alles, brauchte gar nicht erst zu suchen und wusste alles. Trotz seiner von Leidenschaften entstellten Physiognomie und seines tückischen Blickes war er immer ehrlich und verträglich mit seinen Kameraden gewesen.
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Worst Case

T.J. Newman
Worst Case
Originaltitel: Worst Case Scenario

Thriller, Taschenbuch, Goldmann, München, 19. Juni 2025, 416 Seiten, 12,00 EUR, ISBN 9783442496303, Übersetzung aus dem Amerikanischen von Thomas Bauer

Stromausfälle: meist unerwartet, stets ärgerlich. Für einen Teil der Bürger der beschaulichen Kleinstadt Waketa im US-Bundesstaat Minnesota ein Grund zur Besorgnis – mindestens. Der Preis, wenn man seit über 50 Jahren im Schatten eines Atomkraftwerks lebt, liebt und arbeitet. Etwa der frisch verwitwete Feuerwehrkommandant Steve Tostig, der die Trauer vertagen muss. Die Nuklearingenieurin Jocelyn Joss Vance erlebt den Blackout vor Ort am heimischen Frühstückstisch. Und deutet die Signale leider richtig. Es ist was mit dem Atomkraftwerk. Doch weder Steve noch Joss ahnen, was sie unmittelbar vor der eigenen Haustür erwartet: Flugzeugtrümmer, eine Schneise der Zerstörung und des Todes, die pfeilgerade gen Clover Hill-Kernkraftwerk führt. Der Verursacher? Eine Boeing 757, deren Kapitän aus heiterem Himmel einen tödlichen Herzinfarkt erlitt. Zu jäh für Weiterlesen

Die Geheimnisse Londons – Band 1- Kapitel 1

George W.M. Reynolds
Die Geheimnisse Londons
Band 1

Kapitel 1
Das alte Haus in Smithfield

Unsere Erzählung beginnt zu Beginn des Juli 1831.

Die Nacht war dunkel und stürmisch. Die Sonne war hinter riesigen Haufen trüber, violetter Wolken untergegangen, die, nachdem sie ihren goldenen Schein verloren hatten, düster und bedrohlich wirkten. Die blauen Abschnitte des Himmels, die hier und da vor Sonnenuntergang sichtbar waren, wurden nun schnell von diesen trüben Wolken verdeckt, die sich zu dichten und kompakten Massen zusammenrollten, bevor sie ihren elementaren Krieg begannen.

Auf ähnliche Weise formieren sich die irdischen Schwadronen der Kavallerie und mächtigen Kolonnen der Infanterie zu einer Weiterlesen

Das unheimliche Buch – Das unbewohnte Haus

Das unheimliche Buch
Herausgegeben von Felix Schloemp

A. M. Frey
Das unbewohnte Haus

Mitten im Gewühl der Großstadt, in einer alten, engen Straße, steht ein altes, unbewohntes Haus. Doch die enge Straße führt von den Eingeweiden der Stadt zu ihren riesigen Speiseschüsseln hinunter, zum Marktplatz. Die Eingeweide sind immer hungrig. Deshalb greifen tagaus, tagein, vieltausend leere, unersättliche Hände durch die alte Straße nach den Speisen auf dem Marktplatz und kehren gefüllt wieder zurück.

Daher ist die alte, enge Straße durchlärmt von einem wogenden Strom – sie, die Hochbetagte, die doch ein Anrecht auf Ruhe hätte. Daher kommt es, dass sie sich Schminke und modische Kleidung gefallen lassen muss. Wo ist ihr liebes, holpriges, grasdurchwachsenes Pflaster geblieben? Ein grauer, harter Teppich, langweilig in seiner faltenlosen Vornehmheit, bedeckt ihren Weiterlesen