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Im Original Johann Heinrich Ramberg

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 4. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Eulenspiegel schwatzt von 100 jungen Leuten die Schuhe ab, und macht, dass sie sich in den Haaren zausen.

urz nach voriger Begebenheit wollte Eulenspiegel seine Verspottung wieder vergelten, als seine Mutter gerade über Land gegangen war. Er nahm das Seil, zog es von einem anderen Haus über die Saale und machte bekannt, wie er jetzt besser auf dem Seil tanzen wolle. Die Menschen, welche an Narrenpossen oft mehr Gefallen finden, als sich um etwas Nützliches zu bekümmern, fanden sich auch bald in großer Menge ein. Jeder war nun begierig zu sehen, was er dieses Mal für Kunststücke machen würde. Nachdem Eulenspiegel mehrere Possen auf dem Seil gezeigt hatte, bat er sich von beinahe 100 Knaben die Schuhe aus, um, wie er sagte, ein besonderes Kunststück damit auszuführen. Die Knaben glaubten dem Windbeutel, zogen ihre Schuhe aus und gaben sie ihm. Diese zog er alle auf eine Schnur und Weiterlesen

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 3. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Wie Eulenspiegel auf einem Seil gehen lernt und in die Saale stürzt.

ls Claus Eulenspiegel tot war, glaubte seine hinterlassene Witwe Anna nun ihren Sohn ein Handwerk lernen lassen zu müssen. Aber hier ging es, wie man zu sagen pflegt, wenn die Katze nicht zu Hause ist, so tanzen die Mäuse auf den Bänken. Till Eulenspiegel war froh, dass sein Vater tot war, denn nach seiner Mutter als einem alten schwachen Weib hörte er nicht viel. Ein ordentliches Handwerk zu lernen, dazu hatte er keine Lust. Wohl aber dachte er mit allem Fleiß darauf, wie er Meister in allen nur möglichen Possen, Torheiten und Neckereien werden möge. Seine Mutter wohnte jetzt in einem Haus, dessen Hof zur Saale hinging. Hier, dachte sie, habe sie ihren Buben vor Augen, weil er hinten durchs Haus nicht entwischen konnte, denn sie war allen seinen Schelmereien äußerst feind und sehr bekümmert Weiterlesen

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 2. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Eulenspiegel macht als Knabe schon solche ärgerliche Possen, dass viele Leute sich über ihn beklagen.

ls nun Eulenspiegel emporwuchs, zeigte er mit seinen zunehmenden Jahren, was für ein Häkchen aus ihm werden wollte. Er tummelte sich mit anderen Kindern häufig auf dem Gras herum, und je toller es dabei zuging, desto lieber war es dem losen Knaben. Es verging beinahe kein Tag, wo er nicht Schelmereien ausübte, und sein Vater wurde täglich mit Klagen über seinen bösen Knaben überhäuft. Der Vater strafte ihn auch deswegen mit Worten hart, allein diese ließ er zu einem Ohr hinein und zum anderen wieder heraus. Schon als er vier Jahre alt war, zeigte er, dass in ihm ein Sinn für Schelmenstreiche wohnte. Sein Vater ritt einmal aus und nahm ihn hinter sich aufs Pferd, gebot ihm aber, ja ruhig zu sitzen, damit keine Klage über ihn entstehe, sonst würde er ihn mit dem Stock bestrafen. Eulenspiegel Weiterlesen

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 1. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Till Eulenspiegels Geburt und Taufe

s war einst in einer niedersächsischen waldigen Gegend ein Dorf, welches Knetlingen genannt ward, daselbst wurde das seltsame Kind Eulenspiegel geboren. Sein Vater hieß Claus Eulenspiegel, und die Mutter Anna Weibekin. Als das Kind geboren war, schickten sie es nach Amtleben zur heiligen Taufe. (Bei Amtleben war sonst ein altes Schloss, welches auch so genannt wurde, das aber von den Magdeburgern und anderen Nachbarn als ein Raubnest im Krieg zerstört worden ist.) Bei dieser Taufe erhielt das Kind den Namen Till Eulenspiegel. Als nun die Taufhandlung verrichtet war, begab sich die Wehmutter mit den Taufzeugen in das Bierhaus, um nach damaligem Gebrauch, erst auf des Vaters, der Mutter und des Kindes Gesundheit und Wohlsein sich gütlich zu tun, damit sie es bei der gerade Weiterlesen

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – Vorwort

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Vorwort

ill Eulenspiegel ist glaubhaften Nachrichten zufolge am Ende des 13. oder im Anfang des 14. Jahrhunderts in dem Dorf Kneitlingen im Amt Schöppenstädt im Braunschweigischen geboren. Seine Eltern waren arme Bauersleute. Über seiner Wiege und seinen Jugendjahren liegt aber, soweit er ihn nicht selbst in seinen Schwänken lüftet, ein mythischer Schleier. Dass er wirklich gelebt habe, ist sonach außer Zweifel gestellt, ebenso, dass er schon frühzeitig ein Wanderleben geführt hat, sogar nach Paris und Rom gekommen ist und als »fahrender Scholast« eine Menge Schwänke und Schalksstreiche verübt hat. Sein hauptsächlichster Aufenthalt war in Norddeutschland. Er starb im Jahre 1350 zu Mölln im Lauenburgischen, wo noch heute ein Gedenkstein an der Kirche Sankt Nicolai an Till Weiterlesen