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Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 2. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Eulenspiegel macht als Knabe schon solche ärgerliche Possen, dass viele Leute sich über ihn beklagen.

ls nun Eulenspiegel emporwuchs, zeigte er mit seinen zunehmenden Jahren, was für ein Häkchen aus ihm werden wollte. Er tummelte sich mit anderen Kindern häufig auf dem Gras herum, und je toller es dabei zuging, desto lieber war es dem losen Knaben. Es verging beinahe kein Tag, wo er nicht Schelmereien ausübte, und sein Vater wurde täglich mit Klagen über seinen bösen Knaben überhäuft. Der Vater strafte ihn auch deswegen mit Worten hart, allein diese ließ er zu einem Ohr hinein und zum anderen wieder heraus. Schon als er vier Jahre alt war, zeigte er, dass in ihm ein Sinn für Schelmenstreiche wohnte. Sein Vater ritt einmal aus und nahm ihn hinter sich aufs Pferd, gebot ihm aber, ja ruhig zu sitzen, damit keine Klage über ihn entstehe, sonst würde er ihn mit dem Stock bestrafen. Eulenspiegel kehrte sich indessen wenig an die Drohung seines Vaters, sondern hob ganz behände, ohne dass sein Vater etwas davon merkte, das Hemd vom Hintern auf und ließ die Leute in einen neuen Spiegel gucken.
»Pfui!«, riefen die Leute, die das sahen, »pfui, du kleiner boshafter Schalk! Was wird aus dir kleinem Buben noch für ein großer Bösewicht werden!«

Aber der Vater wusste nicht, was er zu dem Schelten der Leute sagen sollte, da sie sein Söhnchen einen schalkhaften Buben nannten.

»Höre, lieber Vater«, sprach der kleine Schalk, »wie die Leute auf mich schelten. Du siehst doch, dass ich stillschweigend hier hinter dir sitze und niemandem etwas Arges tue, und doch sprechen die Leute, ich sei ein böser Schalk.«

Der Vater besann sich nicht lange, sondern nahm seinen Sohn vor sich auf das Pferd.
Nun konnte Till vor seinem Vater weiter nichts vornehmen. Also er sperrte den Mund mit ausgestreckter Zunge allen, die an ihnen vorbeigingen, entgegen.

Da sagten die Leute: «Seht doch, welch ein junger Schalk das ist!«

Der einfältige Vater konnte aber keine Schuld an ihm finden, sagte vielmehr: »Du bist in einer unglücklichen Stunde geboren!« Und hatte ihn doch recht lieb.

Claus Eulenspiegel zog endlich ins Magdeburgische in ein Dorf an der Saale, wo sein Weib gebürtig war, starb bald nachher und hinterließ sein Weib und Kind in Armut.

Der junge Eulenspiegel, der damals 16 Jahre alt war, hatte noch kein Handwerk zu lernen angefangen, hingegen war er in Gaukeleien aller Art desto mehr geübt, weil es seine boshafte Seele am häufigsten und liebsten beschäftigte und ergötzte.

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