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Susanne Tägder – Das Schweigen des Wassers

Susanne Tägder – Das Schweigen des Wassers

Hauptkommissar Arno Groth wird nach langem Aufenthalt im Westen mit Beschäftigung bei der dortigen Kriminalpolizei Anfang der 90er zurück in seine Heimatstadt im Osten geschickt.

Er soll dort als Aufbauhelfer Ost Kollegen in westlicher Polizeiarbeit schulen und ansonsten bei der Kriminalpolizei als Ermittler arbeiten.

Seit seine Tochter bei einem Segelunfall gestorben ist, den noch dazu ihr Begleiter und damaliger Freund überlebte, hat Arno Groth selbst so seine Schwierigkeiten mit den Vorschriften und weiß nicht genau, ob er an der richtigen Stelle arbeitet.

Sein kriminalistischer Instinkt ist ihm durch den Tod seiner Tochter allerdings nicht abhandengekommen, und als ihn ein Säufer und Bootsverleiher namens Siegmar Eck an seinem Arbeitsplatz aufsucht, um ihn um Hilfe zu bitten, weil er verfolgt werde, wittert Arno Groth einen Fall.

Wenige Zeit später wird die Leiche des Bootsverleihers aus dem örtlichen See gefischt, und Groth weiß sofort, dass es sich nicht um einen Unfall handelt. Er denkt, dass ein guter Schwimmer wie Eck nicht einfach im See ertrinkt, sondern dass da jemand nachgeholfen haben muss.

Während die Kollegen, allen voran Groths Vorgesetzter Bekendorf, den Fall zu den Akten legen wollen, weil ihrer Meinung nach kein Fremdverschulden vorliegt, ist Groth anderer Ansicht und ermittelt weiter.

Seine Nachforschungen führen ihn zu einer Kellnerin des nahegelegenen Ausflugslokals, die den Namen Regine Schadow angibt. Erst einige Zeit später erfährt Groth, dass ihr Mädchenname Timm und sie die Schwester eines Mordopfers namens Jutta Timm ist, die nach dem Abitur, nachdem man ihre Schwester ermordet hatte, nach Berlin verschwand und ihre Tochter, die sie in sehr jungen Jahren bekam, fortgeben musste.

Der Tod von Jutta Timm hatte in der damaligen DDR sehr viel Staub aufgewirbelt, da ihr Vater bei der Volkspolizei arbeitete. Sie war bei einer Tanzveranstaltung gewesen und von dort nicht nach Hause zurückgekehrt. Stattdessen hatte man ihrer Leiche kurze Zeit später gefunden und festgestellt, dass sie vergewaltigt worden war.

Nach den Ermittlungen, bei denen sogar Kriminalpolizei aus Rostock mitwirkte, wurde zunächst Siegmar Eck als Verdächtiger verhaftet, obwohl er ein Alibi hatte, da er am fraglichen Abend Kontakt zu Jutta Timm hatte. Nach endlosen Verhören gestand er die Tat trotzdem. Am Ende aber wurde er freigesprochen, und die Akten des Falls verschwanden in der Versenkung.

Hat Ecks Tod mit seiner Rolle beim Mord an Jutta Timm zu tun, und wo sind die Akten zum damaligen Fall? Groth und sein Kollege Gerstacker haben eine Menge zu tun.

Susanne Tägder schreibt mit Das Schweigen des Wassers einen sprachlich sehr gelungenen Kriminalroman, der wohl von einem wahren Fall inspiriert wurde.

Die Charaktere dieses Romans sind allesamt psychologisch sehr differenziert beschrieben und erinnern weit eher an real existierende Menschen als die taffen Frauen und Männer, die oftmals in anderen Krimis morden und ermitteln.

Gerade dadurch, dass die Helden dieser Geschichte eben Ecken und Kanten haben und öfter auch psychisch nicht immer kerngesund sind, sind sie glaubwürdig.

Zudem gelingt es der Autorin, die Zeit kurz nach der Wende in den neuen Bundesländern und vor allem die Auswirkungen der politischen Wende auf die Polizisten der ehemaligen DDR sehr authentisch zu schildern.

Zusätzlich zu all diesen Dingen werden in dieser Story die Landschaften und Örtlichkeiten, in welchen sich die Charaktere bewegen, sehr intensiv beschrieben, was die Erzählung für den Leser anschaulich macht.

Fazit:
Die Verfasserin legt mit Das Schweigen des Wassers einen recht anspruchsvollen Kriminalroman vor, der einem wahren Kriminalfall nachempfunden ist.

Sie schildert dabei die Nachwendezeit in den neuen Bundesländern, die Auswirkungen der Wende auf die dort lebenden Menschen, insbesondere auf die Beamten der damaligen Polizei der DDR, authentisch und besitzt ein psychologisches Gespür für die Besonderheiten dieser Menschen.

Der Roman kann deshalb jedem historisch interessierten Krimifreund empfohlen werden, der gern ein wenig über das nachdenkt, was er gelesen hat.

Die Autorin:
Susanne Tägder wurde 1968 in Heidelberg geboren. Sie studierte in Deutschland und den USA und war dann als Richterin in Karlsruhe tätig. Heute lebt sie zusammen mit ihrer Familie in Kalifornien und der Schweiz.

Für Das Schweigen des Wassers erhielt die Autorin den Wittwer- Thalia- Debütkrimipreis und war außerdem für den Glauser Preis in der Sparte Debüt nominiert.

Sie ist Preisträgerin des deutschen Krimipreises 2025 mit Die Farbe des Schattens (National, 3. Platz).

Mit ihren literarischen Texten erwarb sie den Walter- Serner- Preis und den Harder Literaturpreis.

Quellen:

• Susanne Tägder, Das Schweigen des Wassers, Tropen, J.G. Cotta‘ sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart, 2024/25.

www.lovelybooks.de

www.klett-cotta.de

Bilder:

• Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung von Klett-Cotta.

• Foto der Autorin. © Maximilian Gödecke. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung von Klett-Cotta.

(ww)

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