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Die Bezwinger des Erdinneren – 1.04

Grigori B. Adamow
Die Bezwinger des Erdinneren
Aus dem Russischen
Erster Teil
Das außergewöhnliche Projekt
Kapitel 4
Das Land rüstet eine Expedition aus

In der Abenddämmerung des Aprils, als Moskau in einem sanften lila Dunst versank, erschien kurz eine Nachricht auf der Lichttafel des monumentalen Gebäudes der zentralen Regierungszeitung:

»Die Institute VEI und Maschinostroitelny haben die Detailplanung für das Projekt des Geologen Marejew abgeschlossen. Ein speziell konstruiertes Tiefbohrgerät wird mit einem dreiköpfigen Team unter der Leitung des Erfinders tief in das Innere der Erde vordringen. In einer Tiefe von fünfzehn Kilometern sollen thermoelektrische Batterien installiert werden, die die unterirdische Wärme in Strom umwandeln. Das Projekt von Genosse Marejew ist von großer staatlicher Bedeutung. Der Rat der Volkskommissare der UdSSR hat ein Regierungskomitee eingesetzt, das die Arbeiten zur Verwirklichung dieses Projekts überwacht. Der Bau des Hülle und der Ausrüstung für das unterirdische Kraftwerk wird den genannten Instituten sowie den besten Werken der UdSSR anvertraut. Die Frist beträgt zehn Monate.«

Die Abendzeitungen und der Rundfunk berichteten mit enthusiastischen Schlagzeilen über die Einzelheiten des Projekts: Ein neuer Sieg über die Natur, Ein Angriff auf das Innere der Erde, Wir erobern die unzugänglichen Tiefen der Erde, Unerschöpfliche Ströme unterirdischer Energie im Dienste des sozialistischen Landes.

Auf Boulevards, Straßen und Plätzen versammelten sich die Menschen, lasen eifrig die Sonderausgaben der Zeitungen und diskutierten über dieses unerhörte Unterfangen. Überall kam es zu spontanen Versammlungen und hitzigen Debatten.

Die Korrespondenten ausländischer Zeitungen hatten schon lange keine so unruhige Nacht mehr erlebt. Sie belagerten die Institute, befragten die Mitarbeiter und machten Jagd auf Marejew, Bruskow, Zeitlin, Malewskaja und alle anderen, die mit der Expedition zu tun hatten. Der Telegraf und der Funk konnten die Flut von Depeschen, Radiogrammen und Bildübertragungen kaum bewältigen.

Die gesamte kapitalistische Welt geriet in helle Aufregung. Am nächsten Tag waren die Zeitungen fast ausschließlich mit sensationellen Berichten über das erstaunliche Projekt gefüllt.

In den Fabriken und Betrieben, in den Bergwerken und Gruben, an den Rändern der Großstädte und in den Arbeitersiedlungen nahmen die Freunde der Sowjetunion die Entscheidung des Sownarkoms mit Freude auf – als neuen Beweis für die Stärke und Macht des sozialistischen Landes.

Alle interessierten sich für Marejew und seine engsten Mitarbeiter, für ihre Porträts und Biografien. Die europäischen und amerikanischen Fachleute waren gierig nach technischen Details. Die renommiertesten Experten aus Wissenschaft und Technik wurden von Zeitungen und Zeitschriften in eine Debatte hineingezogen, die bald sehr erbittert geführt wurde.

Der renommierte Metallurg Professor Coleridge aus Milwaukee argumentierte in der Zeitschrift GEOLOGICAL NEWS, dass kein Metall den extremen Temperaturen in den Tiefen der Erde und der Reibungshitze standhalten könne, die beim Durchdringen der harten Gesteinsschichten entstehe. Diese Faktoren würden Bedingungen schaffen, unter denen sich selbst das widerstandsfähigste bekannte Metall verformen müsste.

»Daher«, so schloss der Professor, »ist die sowjetische Expedition von vornherein zum Untergang verurteilt, und die Leute, die sie ausrüsten und daran teilnehmen, sind Wahnsinnige.«

In einer Ausgabe von LA SCIENCE, die kurz darauf erschien, erhob Professor Claude Charpentier aus Rouen Einwände. Er war eine weltweite Autorität auf dem Gebiet der Qualitätsmetallurgie und der ewige Widersacher von Professor Coleridge. Zunächst machte er sich über die Rückständigkeit des amerikanischen Wissenschaftlers lustig, der die enormen Errungenschaften der sowjetischen Metallurgie – insbesondere im Bereich der hochwertigen hitzebeständigen Stähle und der superharten Legierungen – offenbar überhaupt nicht kenne. Professor Charpentier führte weiter aus, dass die Frage gar nicht so sehr darin bestehe, ob das Metall standhalte. Man könne sicher sein, so Charpentier, dass die sowjetische Metallurgie in dieser Hinsicht für das Bohrfahrzeug sorgen werde. Viel kritischer sei die Frage, wie die Menschen, die in eine Tiefe von fünfzehn Kilometern vordringen, die dort herrschende Hitze ertragen und unter diesen Bedingungen arbeiten sollen. Hier sehe er das Haupthindernis, da ihm nicht bekannt sei, welche Mittel der sowjetischen Wissenschaft zur Verfügung ständen, um diese Gefahr gebührend zu bannen.

Zu den streitenden Professoren gesellten sich sogleich weitere Wissenschaftler. Es wurden die unterschiedlichsten und zum Teil widersprüchlichsten Hypothesen vorgebracht.

Einige wiesen darauf hin, dass das Tiefenfahrzeug unter dem gewaltigen Druck der Erde zerquetscht werden würde. Sie beriefen sich dabei auf die von W. Trabert durchgeführten Berechnungen des Drucks in den Oberflächenschichten der Kontinente. Laut Trabert beträgt der Druck in einem Kilometer Tiefe bei einer durchschnittlichen Dichte dieser Schichten von 2,7 bereits 270 Atmosphären, in zehn Kilometern Tiefe 2.700 Atmosphären und in der vorgesehenen Tiefe von fünfzehn Kilometern ganze 4.050 Atmosphären. Dies entspreche einem Druck von 41 852,7 Tonnen pro Quadratmeter, dem kein Hohlkörper standhalten könne.

Andere Kritiker bezweifelten, dass man nach Erreichen der Zieltiefe überhaupt eine thermoelektrische Station installieren könne. Dazu brauche man schließlich einen Hohlraum, der in einem dichten Gesteinsmassiv in 15 Kilometern Tiefe kaum zu finden sei.

Der bedeutendste englische Geologe, Professor Johnson, wies zudem darauf hin, dass es selbst in großen Tiefen zahlreiche Karsthohlräume gebe, ganz zu schweigen von vulkanischen Adern und Kavernen, die von der einst geschmolzenen Masse auf ihrem Weg zur Erdoberfläche durchstoßen worden seien.

Nach der Veröffentlichung des Regierungsdekrets erschien in sowjetischen Zeitungen und Zeitschriften eine Reihe von Artikeln über das Projekt von Nikita Marejew und dessen Bedeutung für die Wissenschaft sowie die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Die kühne Idee, der außergewöhnliche Mut und die enormen Perspektiven der Expedition erregten das ganze Land. Von überall her – aus Städten, Gemeinden, Dörfern, Kolchosen und Staatsgütern – trafen Anfragen nach Literatur über Astronomie, Geologie, Elektrotechnik und speziell über Marejews Projekt ein. Unzählige Kulturpaläste, Klubs und Erholungsheime aus allen Teilen des Landes verlangten nachdrücklich nach Vortragenden und Referenten.

Der Enthusiasmus der Massen verlangte nach einer Tatenfolge: Der einfachste und direkteste Weg war der Geldfluss von Einzelpersonen und Organisationen an den Expeditionsfonds. Geld und Wertgegenstände trafen aus allen Landesteilen ein. Die Medien griffen diese Bewegung sofort auf. Die eigens für die Annahme von Beiträgen eingerichteten Girokonten des Komitees wuchsen rasend schnell. Bereits einen Monat nach der ersten Spende – 3 Rubel und 70 Kopeken von Nikolai Schelestow, einem Pionier der 86. Moskauer Schule – überstieg die Gesamtsumme der Beiträge bereits einhundert Millionen Rubel.

Kiko Rachischwili, ein Meister des Richtbohrens auf dem Ordschonikidse-Ölfeld in Baku, schrieb einen Brief an Nikita Marejew. Er bot seine neueste Erfindung, welche die Flexibilität des Bohrgeräts erhöhte, als Geschenk für die Expedition an. Nachdem dieses Geschenk und Marejews Dankbarkeit im ganzen Land bekannt geworden waren, trafen von überall her Erfindungen, Rationalisierungsvorschläge und Ergänzungen ein. Aus Charkow brachte der Arbeiter-Erfinder Michejew das Modell seines verbesserten automatischen Apparats zur künstlichen Klimatisierung von Untertage-Räumen mit. Das Komsomol-Mitglied Sergej Kochergin, ein hervorragender Vorarbeiter des Chemiekombinats Beresniki, schickte Zeichnungen eines von ihm erfundenen chemischen Wasserreinigungsgeräts.

Der Strom von Vorschlägen wuchs von Tag zu Tag. Es kam nicht selten vor, dass Marejew beim Durchsehen der riesigen Postmenge plötzlich aufsprang und zu Bruskow, Zeitlin oder Malewskaja eilte, um ihnen eine brillante Idee mitzuteilen, die ihn aus Zentralasien oder dem Fernen Osten erreicht hatte.

In Vereinen, Schulen, Fachschulen und Universitäten entstanden Studienkreise für die unterirdische Expedition, das geplante Wärmekraftwerk sowie für Geologie, Geophysik, Geochemie, Paläontologie und Elektrotechnik.

Das Zentralkomitee des Leninistischen Komsomols trug der großen Bedeutung dieses Vorhabens sogleich Rechnung und übernahm die Schirmherrschaft über die Bewegung. Die KOSOMOLSKAJA PRAWDA berichtete von Ausgabe zu Ausgabe ausführlich über Marejews Projekt.

Der Enthusiasmus der Jugend wuchs unaufhaltsam. In Moskau erschien beim Zentralkomitee des Komsomol der siebzehnjährige Andrjuscha Kuprijanow. Er erklärte, er sei aus Cherson angereist und wolle sich persönlich an der Expedition beteiligen. Er hatte die zehnjährige Schule absolviert und war der Überzeugung, dass ein Vertreter des Komsomol unbedingt an einem für das Land so wichtigen Unternehmen teilnehmen müsse.

Andrjuscha Kuprijanow war jedoch nur die erste Schwalbe dieser Bewegung. Täglich landeten Hunderte von Bewerbern für die Fahrt in die Tiefe an den zahlreichen Moskauer Bahnhöfen, Binnenhäfen und Flugfeldern. Sie belagerten Marejew, die Mitglieder des Komitees beim Sownarkom und die Sekretäre des Zentralkomitees des Komsomol. Aus allen Bezirken und Regionen trafen unaufhörlich Anträge und Petitionen ein. Es waren nicht nur junge, begeisterte Menschen, sondern auch Erwachsene – Ingenieure, Chemiker, Geologen, Elektriker, Ärzte und Piloten –, die sich beharrlich um die Teilnahme an der Expedition bemühten.

In diesen Tagen und Wochen hat Marejew keine Aufgabe so sehr ermüdet wie dieser spontane Ansturm von Kandidaten. Nirgendwo fühlte er sich sicher. Er wurde verfolgt – in seinem Auto, auf der Treppe seines Hauses, im Foyer und im Sekretariat des Ausschusses –, nur damit ihm die Leute ihren Antrag persönlich überreichen und eine mündliche Erklärung abgeben konnten.

Auch Betriebe aus den Bereichen Metallurgie, Maschinenbau und Elektroindustrie mit Zehntausenden von Arbeitern, Ingenieuren und Technikern schalteten sich in den Kampf um den Erfolg der Expedition ein. Die Industriesoldaten wetteiferten um die Ehre, Aufträge für die Herstellung von Rumpfteilen, für die Ausrüstung der unterirdischen Station sowie für die Ausrüstung der Expeditionsmitglieder zu erhalten.

Nach und nach traten immer neue Bewerber für diese Aufträge auf den Plan. Jeder von ihnen legte Kennzahlen vor, die über die in den Projektbedingungen geforderten oder von den Konkurrenten angebotenen Werte hinausgingen. Der Ausschuss wurde mit Telegrammen, Denkschriften, Petitionen und Verweisen auf frühere Produktionsleistungen überschwemmt. Delegationen von Arbeitern und Ingenieuren verteidigten das Recht ihres Betriebs oder Instituts, den Auftrag auszuführen.

Das Messgerätewerk in Swerdlowsk hatte zwar bereits einen Zuschlag erhalten, wurde jedoch vom Moskauer Werk überboten, das nachwies, dass es mithilfe seiner neuen Maschinen genauere und viel schneller gefertigte Geräte herstellen konnte als das Ural-Werk mit seiner veralteten Ausrüstung. Sofort flog eine Delegation der Werksleitung und der Werksvertretung aus Swerdlowsk ein und forderte den Rivalen zum Wettbewerb heraus: Wer das komplizierteste Gerät – Nefedjews Tiefenmessgerät neuester Bauart – schneller und präziser herstellen könne, sollte den gesamten Auftrag erhalten.

Sieben Tage nach Unterzeichnung der Vereinbarung lieferte das Moskauer Werk einen Tiefenmesser ab, dessen Genauigkeit zehn Prozent höher war als gefordert. Das Werk feierte bereits den Sieg. Obwohl das Werk in Swerdlowsk den Tiefenmesser erst am neunten Tag ablieferte, übertraf die Genauigkeit seiner Messwerte die Anforderungen der Bestellung um 35 Prozent. Es kam zum Streit, doch das Komitee beim Rat der Volkskommissare entschied, den Auftrag für die kompliziertesten und präzisesten Geräte an das Ural-Werk und den übrigen Teil an das Moskauer Werk zu vergeben.

In allen Industriezweigen, die Aufträge für die Expedition ausführten, ging es heiß her: Wärmedämmung für die Hülle, thermoelektrische Batterien, Quarzbeleuchtung, Kleidung und Schuhwerk für die Expeditionsteilnehmer sowie Vitaminkonzentrate wurden benötigt.

Die gewaltigsten Schlachten fanden jedoch im metallurgischen Bereich statt. Hier kämpften die Titanen der sozialistischen Industrie. Es ging um das Hauptinstrument der Expedition: das unterirdische Schiff, das zum ersten Mal in der Weltgeschichte Menschen in die unerforschten Tiefen unseres Planeten tragen sollte. Wer würde die hohe Ehre haben, die Teile für das Bohrfahrzeug zu gießen? Wer würde die superharten Legierungen herstellen, die der Menschheit den Weg ins Innere der Erde ebnen?

Teilnehmer dieses Wettbewerbs waren das riesige Kombinat Saporischstal, das stetig wachsende, an Erfahrung und Tradition reiche Slatoustowsker Werk für hochwertige Stähle, der junge Chalilowo-Riese, der auf der Basis von Chrom-Nickel-Erz entstanden war, das Tscheljabinsker Werk für Werkzeugstahl sowie die südlichen Werke.

Bald konzentrierte sich die ganze Aufmerksamkeit des Landes auf den entscheidenden Kampf der drei Giganten – Saporischstal, Chalilowo und Slatoust.

Täglich berichteten die Zeitungen über die Erfolge und Rückschläge an der Stahlfront. Kurze, prägnante Telegramme und Berichte voll ungewöhnlicher Fachausdrücke erregten die Leser wie Nachrichten von einer echten Front. Jeden Tag wuchs die Spannung. Millionen von Menschen verschlangen gierig die Zeitungsmeldungen, fingen Gerüchte auf, verlangten Details und vertieften sich in technische Einzelheiten.

Der Stahlkocher von Saporischstal, Ingenieur Gromkich, stellte eine neue Stahlsorte her, die in Bezug auf Härte, Hitze- und Säurebeständigkeit alles übertraf, was bis dahin der Stolz der Qualitätsmetallurgie gewesen war. Jede experimentelle Schmelze steigerte diese hervorragenden Werte.

Der bis dahin unbekannte Zusatz zu dem berühmten Nickel-Molybdän-Stahl und die neuen Härtungsverfahren, die das Team des jungen Ingenieurs Jussuf Talijew vorgeschlagen hatte – Talijew war ein Baschkire, der vor Kurzem aus den südlichen Werken in seine Heimat zurückgekehrt war –, stärkten die Zuversicht der Arbeiter aus Chalilowo auf den Sieg.

Nur das Werk in Slatoust schwieg geheimnisvoll. Es schickte keine Berichte über seine Leistungen, druckte keine Zusammenfassungen ab und gab kein Material an Korrespondenten weiter. Eine Spezialbrigade arbeitete dort hartnäckig und im Stillen.

Niemand wusste etwas über die Ergebnisse ihrer Arbeit. In der Presse sickerte lediglich durch, dass Schmelzversuche bei Temperaturen von etwa dreitausend Grad Celsius durchgeführt wurden. Bei der Prüfung von Proben sei die Stahlkugel des Brinell-Prüfgeräts durch die Belastung zerquetscht worden, ohne eine Spur auf der Testplatte zu hinterlassen.

Der Abgabetermin für den Wettbewerb rückte näher. Die Siegesmeldungen des Chalilowo-Werks und von Saporischstal schallten durch das Land, doch die Experimente in Slatoust hatten das Labor noch immer nicht verlassen.

Erst drei Tage vor Ablauf der Frist, tief in der Nacht und nach achtundzwanzig Stunden ununterbrochener Arbeit, stellte die Brigade ein langes Radiogramm zusammen, das vor Zahlen und Formeln nur so strotzte, und schickte es per Eil-Depesche nach Moskau.

Spät in der Nacht erhielt Zeitlin die Meldung. Als er die Werte sah, wurden seine verschlafenen Augen immer größer. Fünf Minuten später fuhr Zeitlin mit halsbrecherischer Geschwindigkeit zum Flugplatz. Am nächsten Tag erhielt die Jury des Metallurgenwettbewerbs beim Komitee des Rates der Volkskommissare einen Funkspruch von ihm. Darin bestand er darauf, die Frist für die Einreichung der Ergebnisse um weitere fünf Tage zu verlängern.

Ein Protestschreiben der Saporischstal-Werke war die prompte Reaktion auf Zeitlins Einmischung in den Wettbewerb. Das Radiogramm strotzte vor verhaltenem Zorn.

»Zlatoust, Kommissar des Rates der Volkskommissare Zeitlin. Wir berichten erneut, dass die fünfte Schmelze der Simonow-Brigade nach dem Rezept des Stahlherstellers Gromkich einen Stahl geliefert hat, dessen Leistung die der Werke von Slatoust und Chalilowo um fünfundzwanzig Prozent übertrifft. Wir glauben, dass der Wettbewerb zu unseren Gunsten entschieden ist. Wir bitten Sie, uns eine detaillierte Spezifikation und Arbeitszeichnungen der Schalenteile für den sofortigen Beginn der Arbeiten unter Ihrer Aufsicht zukommen zu lassen. Sollte dies nicht bis zum 20. geschehen, werden wir beim Rat der Volkskommissare und beim Leiter der Expedition Einspruch gegen Ihr Vorgehen einlegen. Zwanzigtausend Arbeiter, Ingenieure und Techniker von Saporischstal sind zutiefst beunruhigt über Ihre offensichtliche und ungerechtfertigte Bevorzugung des Slatoustowsker Werks.«

Die Aufgaben wurden streng unter Marejews engsten Mitarbeitern aufgeteilt.

Zeitlin war für die Konstruktion des Tiefenfahrzeugs zuständig. Er trug die Verantwortung für die Qualität des Materials sowie für die Herstellung der Einzelteile – Sektionen, Stabilisatoren, Bohrkopf, Archimedische Schraube, Kugelkabine und Innenaufbau – nebst deren Montage. Er leitete den metallurgischen und maschinenbaulichen Teil des Vorhabens. Das Komitee beim Sownarkom hatte ihn mit umfassenden Vollmachten ausgestattet, und Zeitlin dirigierte nun ein riesiges Orchester miteinander konkurrierender Betriebe.

Bruskow beaufsichtigte die elektrische Ausrüstung des Fahrzeugs sowie die thermoelektrische Ausrüstung der unterirdischen Station. Er kümmerte sich um Motoren, Verkabelung und die hochkomplexen automatischen Regelungs- und Steuerungssysteme.

Malewskaja war für die Infrarot-Kameratechnik, die Mineralisatoren, die Klimatisierungsgeräte und die gesamte wissenschaftliche Ausrüstung der Expedition verantwortlich. Sie erstellte das wissenschaftliche Arbeitsprogramm, führte Listen der erforderlichen Instrumente, bestellte neue Geräte und überwachte deren Fertigung.

Andrej Iwanowitsch, stets der Gewissenhafte, kümmerte sich um die Verpflegung der Expedition, die Kleidung und Spezialausrüstung für die Untertagearbeit sowie um die Sanitätsausrüstung, Haushaltswaren, eine Bibliothek, Sportgeräte, Musikinstrumente und Spiele. Nach Marejews Berechnungen sollte die Expedition mindestens sechs Monate dauern. Es musste nicht nur für die richtige Ernährung gesorgt werden, sondern auch für den Tagesablauf, die kulturelle Zerstreuung und die Erholung der Mannschaft.

Marejew war glücklich. Die Partei und die Regierung stellten seine Idee unter ihren persönlichen Schutz. Dies sowie sein bemerkenswertes Organisationstalent und seine Fähigkeit, Menschen mitzureißen, sorgten dafür, dass das Projekt schnell und reibungslos voranschritt. An den entscheidenden Stellen saßen seine Freunde – begabte und unermüdlich engagierte Enthusiasten. Unzählige Fabriken wetteiferten um die Ehre, an seinem Unternehmen mitzuwirken. Die Massen trugen ihren Glauben, ihre Mittel und ihre Erfindungen zu seinem Erfolg bei.

Marejew fühlte ein Hochgefühl, das von Tag zu Tag stärker wurde und ihn immer selbstbewusster zu neuen Ufern trug. Noch nie hatte sein schöpferischer Geist so leicht und frei gearbeitet. Er war unermüdlich. Jeden Tag fand er die Zeit, unzählige Fragen zu klären, mit Dutzenden von Menschen zu sprechen, die Flut von Briefen aus allen Teilen des Landes zu beantworten, die Berichte der Sownarkom-Kommissare persönlich oder per Funktelefon entgegenzunehmen, Anweisungen zu geben, Zweifel auszuräumen und selbst regelmäßig über den Fortschritt zu berichten.

Seine gedrungene Gestalt mit den breiten Schultern, sein Gesicht mit den tief liegenden Augen und dem kleinen schwarzen Bart waren im ganzen Land bekannt.

Die Tage vergingen mit rasender Geschwindigkeit. Es schien, als hätten sich die Stunden verdichtet und die Zeit reichte kaum aus. Das Leben von Marejew und seinen Freunden war von einem mitreißenden Strudel erfasst worden. Alles vertraute, geregelte Leben war spurlos verschwunden und hatte einer endlosen Folge von Sorgen, Aufregungen und großen, einzigartigen Freuden Platz gemacht.

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