Wundersame Abenteuer zweier Scholaren durch die Welt – Kapitel 3
Ralph Alexander, Serge Patrice
Wundersame Abenteuer zweier Scholaren durch die Welt
Zusammenfassung des bisherigen Geschehens
Im Jahr 1491 wird der Rektor der Universität Paris ermordet. Ein Student, Amaury de Preuilly-Montfort, wird zu Unrecht verhaftet. Um ihn in Verzweiflung zu stürzen, sucht der Feind seiner Familie – der Mörder seines Vaters und seines Bruders – ihn in seiner Zelle auf. Er teilt ihm mit, dass seine Mutter, die Schlossherrin von Touraine, in größter Gefahr schwebt, der sie nicht entkommen kann, wenn sie nicht gewarnt wird. Amaury, außer sich vor Sorge, schlägt seinen Peiniger nieder und schafft es, dank seines Klerikergewandes zu fliehen.
Kapitel 3
Gutes beginnt und Schlechtes endet
Im Schutz der durch das Feuer verursachten Verwirrung hatte sich Amaury davongemacht. Dank seines Gewandes hatte er das Châtelet problemlos verlassen können. Das erste Gesicht, das er beim Verlassen des schrecklichen Gefängnisses erblickte, war das seines Freundes Tiburce, der seit zwei langen Tagen in der Nähe herumlungerte. Tiburce hatte nämlich von der Inhaftierung seines Freundes und der schweren Anklage, die auf ihm lastete, erfahren. Und er suchte nach einem Weg, ihm zur Flucht zu verhelfen.
Amaury dankte ihm überschwänglich und, nachdem er ihn rasch über die vorangegangenen Ereignisse ins Bild gesetzt hatte, teilte er ihm seine Absicht mit, seiner bedrohten Mutter zu Hilfe zu eilen.
»Ich komme mit dir«, sagte Tiburce entschlossen. »Aber aus Sicherheitsgründen ist es besser, wenn wir nicht zusammen aufbrechen. Komm zu mir, ich habe dort Kleidung für dich vorbereitet. Ein Pferd wird dich bis zur Licorne bringen. Du weißt schon, das äußerst verdienstvolle Wirtshaus an der Straße nach Orléans, wo wir so fröhlich Mariä Himmelfahrt gefeiert haben, an dem Tag, als …«
»Ja, ja, ich weiß«, unterbrach ihn Amaury hastig.
»Ich werde durch ein anderes Tor hinausgehen und dich bald darauf dort treffen. Und beim lebendigen Gott!«, fuhr Tiburce fröhlich fort, »wenn wir erst wieder vereint sind, müssen sie schon sehr schlau sein, um uns zu trennen. Aber lass uns keine Zeit verlieren: Wirf erst einmal diese Kutte ab, die dir in etwa so gut steht wie einer Nonne eine Kriegsrüstung!«
»Danke, mein tapferer Tiburce. Aber versuche bitte nicht, mich aufzuheitern. Ich kann nicht vergessen, dass meine Mutter in Gefahr ist.«
»Aber wir werden sie retten!«
Amaury antwortete nicht. Er wagte es nicht, den schrecklichen Zweifel auszusprechen, der ihm das Herz zuschnürte, und er dachte an den Verlust seines Gnadendolches – in seinen Augen eine unfehlbare Quelle neuen Unglücks für ihn.
Während sie sprachen, waren die beiden Studenten in der Rue Saint-Jacques vor dem Haus von Tiburce angekommen und traten ein. Eine halbe Stunde später trat Tiburce in Begleitung eines jungen Edelmannes von stolzer Erscheinung wieder heraus, in dem man Amaury nur schwer hätte erkennen können.
In Reisekleidung, mit Stiefeln und Sporen versehen und bewaffnet, bot er ein völlig anderes Bild als das, welches wir von ihm kannten. Seine Erscheinung vermittelte einen viel stärkeren Eindruck von Kraft, und dass sein Gesicht etwas Feminines an sich hatte, betonte die kriegerische Note des Ganzen nur noch.
So ausgerüstet schwang er sich auf ein Pferd, das Tiburce gemietet hatte, und nach einem letzten Händedruck ritt er im Schritttempo, wie ein Reisender, der es nicht eilig hat, die Grand Rue Saint-Jacques hinab. Ohne Zwischenfall passierte er das Stadttor von Paris und bog auf die Straße nach Orléans ein.
Der Tag war herrlich. Etwas weniger besorgt, ließ sich der Reiter bald von dessen Charme gefangen nehmen. Auf beiden Seiten der Straße erstreckten sich so weit das Auge reichte Felder in den verschiedensten Farben, auf denen das Weiß einer weiblichen Haube hin und wieder einen fröhlichen Akzent setzte. Fast fröhlich ließ der junge Mann sein Reittier traben und erfreute sich an der Landschaft.
Er wusste die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, doppelt zu schätzen, nachdem sie ihm zuvor so grausam genommen worden war. Und das strahlende Panorama, das sich seinen Augen bot, erschien ihm umso schöner, da er schon befürchtet hatte, es nie wieder zu sehen. Denn er hatte bereits oft die Gelegenheit gehabt, diese fruchtbare Landschaft zu bewundern, von der ihm viele Details vertraut waren. Und die heiteren Erinnerungen, die ihm in Scharen ins Gedächtnis zurückkehrten, trugen dazu bei, Hoffnung und Gelassenheit in seine schmerzende Seele zurückzubringen.
Nach einer Stunde Ritt erblickte er am Wegesrand ein kleines weißes Haus. Es war das Wirtshaus La Licorne. Alarmiert durch das Geräusch des trabenden Pferdes eilte der Wirt auf die Schwelle. Er ergriff die Zügel, die Amaury ihm zuwarf, und wollte das Reittier in den Stall führen.
»Das ist nicht nötig«, erklärte Amaury. »Ich werde gleich wieder aufbrechen. Binde es an diesen Ring und lass es abreiben, ohne es abzuzäumen.«
»Möchtet Ihr Euch nicht ausruhen, mein Herr?«, erkundigte sich der Wirt unterwürfig. »Nein. Serviere mir etwas zu essen unter der Laube an der Straße. Schnell und gut, wenn du kannst.«
»Seid unbesorgt, mein Herr … Toinon! Heda! Toinon, deck den Tisch in der Laube für den Herrn!«, rief der dicke Mann, während er sich zurückzog.
Amaury drehte sich um.
»Guten Tag, meine Schöne!«, sagte er zu der Magd, einer wirklich sehr hübschen Brünetten mit einem hinreißenden Lächeln. »Erkennst du mich nicht?«
Sie zögerte einen Moment. »Ihr scherzt, mein Herr! Ich hatte bisher nicht die Ehre …« »Nun komm schon, meine Landsmännin!«, tadelte er sie sanft.
»Ah! Monsieur Amaury!«, rief das hübsche Mädchen und klatschte in die Hände. »Wie froh ich bin. Aber wie seid Ihr gekleidet! Geht Ihr auf Reisen?«
»Leider ja, Toinon! Ich verlasse Paris! Wir werden lange nicht mehr hierherkommen! Vorbei sind die vergnüglichen Ausflüge aufs Land! Vorbei die Gelage! Vorbei die Jugend! Sei froh, Toinon: Wir werden dich nicht mehr ärgern«
»Oh! Monsieur! Ich habe nur gute Erinnerungen behalten. Seht her, ich erinnere mich an den Tag, als Ihr mich in einem Kahn auf der Seine spazieren gefahren habt, als Ihr erfahren hattet, dass ich in Romorantin geboren wurde.«
»In der Touraine! Dorthin bin ich unterwegs, Toinon!«
»Ja? Ich erinnere mich auch, dass Ihr mich einmal auf dem Pferderücken bis nach Créteil mitgenommen habt, und dass dort …«
»Und was war dort?«
»Ihr habt mit meinem Namen ein … ein … wie nennt Ihr das noch gleich, gedichtet?« »Ein Akrostichon!«
»Genau das … Es war sehr hübsch … Ihr seht, ich habe ein gutes Gedächtnis und dass … Aber, wie dumm von mir! Wie geht es Monsieur de Brenne, Eurem Freund?« »Tiburce? Du wirst ihn gleich wiedersehen: Ich warte hier auf ihn.«
»Er reist auch ab? Welch ein Unglück! Aber ich muss Euch bedienen, sonst werde ich ausgeschimpft. Hat Meister Pascal Euch erkannt?«
»Nein … Vater Pascal!«
»Ich komme, mein Herr, ich eile!«
»Ich erlaube dir, mich nicht mehr mein Herr zu nennen. Ich habe dich früher oft genug geärgert, um dir diesen Gefallen zu tun.«
»Was? Ihr …«
»Du warst mir sehr böse, weil ich dir Toinon für einen unglückseligen halben Tag entführt hatte!«
»Monsieur de Preuilly-Montfort! Ist das möglich!«
»Wie du siehst! Einer deiner nichtsnutzigen Studenten!«
»Und ich habe Euch nicht erkannt!«
Während dieses kurzen Gesprächs hatte Toinon eifrig den Tisch gedeckt. Amaury setzte sich und begann gut gelaunt sein Mahl.
Der Wirt fuhr fort: »Gewiss, es stünde mir schlecht an, mich über Euch zu beschweren. Habt Ihr nicht zusammen mit Eurem Freund mein Haus vor einer Bande anderer Studenten – von jenen bösen Buben, die es plündern wollten – beschützt?«
»Pah! Waren wir das nicht schuldig?«, entgegnete Amaury, ohne beim Essen innezuhalten.
»Ich weiß, dass viele Edelleute uns skrupellos in der Klemme gelassen hätten.«
Amaury hörte nicht mehr zu. Er hatte sich angespannt aufgerichtet und lauschte einem fernen Geräusch, das beim Näherkommen deutlicher wurde: dem Galopp eines Pferdes!
»Da ist Tiburce«, sagte er. Und er trat auf die Straße.
In der Ferne, aus Richtung Paris, bewegte sich ein dunkler Fleck rasend schnell auf die Licorne zu und ließ eine dichte Staubwolke hinter sich.
Meister Pascal, der dem Studenten gefolgt war, schüttelte den Kopf: »Euer Freund ist also immer noch genauso verrückt!«, sagte er.
»He da! Meister Pascal! Mir scheint, dass …«
»Verzeiht, Monsieur, aber dann muss er es verdammt eilig haben, zu Euch zu stoßen. Nie zuvor habe ich ein so schnelles Tempo gesehen.«
Tatsächlich wurde der Fleck zusehends größer.
»Er fürchtet sich wahrlich nicht davor, sein Reittier zuschanden zu reiten«, fuhr Pascal fort.
Dieser unwirkliche Galopp erstaunte auch Amaury.
Gewiss, Tiburce musste ihm sehr dringende Neuigkeiten überbringen, um sein Pferd zu einer solchen Geschwindigkeit anzutreiben, wo er doch allem Anschein nach noch eine lange Reise vor sich hatte. Nun, Amaury sollte bald Gewissheit haben: Der Reiter kam näher. Man erkannte die Gesten, mit denen er sein offensichtlich erschöpftes Reittier anspornte. Eine letzte Anstrengung … und das arme, völlig entkräftete Tier brach vor den Füßen von Amaury und Meister Pascal zusammen. Mit eleganter Präzision war sein Reiter, über und über mit Staub bedeckt, auf den Boden gesprungen. Es war nicht Tiburce!
Ohne ein Wort zu sagen, rannte der Neuankömmling zu Amaurys Pferd, das er an einem der Ringe an der Mauer angebunden gesehen hatte, und machte sich daran, dessen Zügel zu lösen.
Amaury stürzte herbei.
»He da, Monsieur! Was soll das bedeuten?«
Unbeirrt setzte der Unbekannte seine Arbeit fort und antwortete: »Ruhig! Immer mit der Ruhe, junger Mann! Ich hinterlasse Euch ein überaus schönes Pferd samt kostbarem Zaumzeug!«
»Was kümmert mich das! Ich brauche weder Euer Pferd noch sein Geschirr. Lasst das, sonst …«
»Es reicht, Bürschchen! Ich beschlagnehme dieses Reittier für den Dienst des Königs!« »Des Königs?«
»Ich bin ein Eilbote Seiner Majestät!«
Pascal war zu Amaury getreten, bereit, ihm beizustehen. Doch der königliche Kurier nutzte die Verwirrung des Studenten und hatte sich bereits in den Sattel geschwungen.
»Ein Eilbote Seiner Majestät!«, zischte der Wirt. »Dass er das beweise!«
Der Unbekannte hatte es gehört. Er zog ein großes, mit dem königlichen Siegel verschlossenes Schreiben aus seinem Wams und zeigte es Amaury. Dieser erbleichte, als er die Anschrift der Botschaft las. Das Schreiben war an das Seneschallat von Tours gerichtet. Es betraf offensichtlich Amaury. Der Unglückliche würde sich in der Touraine nicht blicken lassen können, ohne sofort gefasst zu werden.
Dieser erneute Schicksalsschlag raubte ihm jeglichen Mut. Er musste sich an der Mauer abstützen, um nicht umzufallen.
Der Eilbote entfernte sich bereits und beschleunigte allmählich sein Tempo. Pascal sah Amaury fassungslos an.
Dieser stöhnte schmerzerfüllt auf: »Mein Gott! Alles ist aus! Meine Mutter ist verloren!«
*
Der Abend brach herein. Fast zwei Stunden lang war der Student in eine düstere Niedergeschlagenheit versunken. Vergebens hatten Meister Pascal und Toinon ihm Trost gespendet – der eine mit aufmunternden Worten, die andere mit ihrem tröstlichsten Lächeln. Sie konnten die verhängnisvolle Tragweite eines scheinbar so harmlosen Zwischenfalls nicht begreifen. Aus Verzweiflung waren sie gerade dabei, ihre mitfühlenden Bemühungen aufzugeben, als Pascal das Geräusch eines erneuten Galopps vernahm.
»Das ist wahrscheinlich Monsieur de Brenne«, sagte er.
Dieses Mal war er es tatsächlich. Kaum war er abgesessen, stürzte Tiburce auf seinen Freund zu, ohne den Wirt zu beachten, der ihn mit enthusiastischen Begrüßungen überhäufte.
»Schnell in den Sattel!«, rief er ihm zu und erklärte mit gedämpfter Stimme: »Die Leute des Königs sind dir auf den Fersen! In einer Viertelstunde werden sie hier sein! Man hat gesehen, wie du das Tor Saint-Jacques passiert hast.«
In wenigen Worten erzählte ihm Amaury von seinem schrecklichen Missgeschick und teilte ihm die unmittelbaren Folgen mit, die er absehen konnte.
Tiburce schüttelte den Kopf.
»Beim Beelzebub!«, sagte er. »Das ist ein ärgerlicher Rückschlag. Aber bevor wir uns Gedanken darüber machen, wie wir einer Verhaftung in der Touraine entgehen, müssen wir erst einmal dafür sorgen, dass du nicht hier geschnappt wirst! Glaubst du, dass das Pferd des Boten imstande ist, dich zu tragen?«
Sie gingen hinaus, um es sich anzusehen. Obwohl der Stallbursche es gestriegelt hatte, war das Tier noch völlig entkräftet. Zur Not konnte es noch einen Reiter tragen, aber es wäre ihm unmöglich gewesen, eine andere Gangart als den Schritt durchzuhalten, und sei es auch nur für kurze Zeit.
Amaury überließ sich der Verzweiflung.
»Und doch müssen wir uns beeilen!«, wiederholte Tiburce fluchend und schimpfend. »Sagt mal, Vater Pascal, hättet Ihr nicht ein ausgeruhtes Reittier, das Ihr uns verkaufen könntet?«
»Leider nein, meine Herren! Ich besitze nur einen mickrigen Klepper, der Euch keine Hilfe gewesen wäre. Ich habe ihn erst gestern an einen befreundeten Nachbarn für die Feldarbeit verliehen.«
»Einen befreundeten Nachbarn?«
»Ja. Etwa drei Wegstunden von hier.«
Tiburce machte eine entmutigte Geste.
Plötzlich rief er freudig aus: »Heureka!«
»Hier bin ich, der Herr!«, antwortete der Stallbursche, der Nicolas hieß.
»Idiot! Dich habe ich nicht gerufen … Das ist Griechisch! … Amaury, hör zu …«
»Hast du ein Pferd gefunden?«
»Nein. Aber ich habe einen Weg gefunden, wie wir ohne auskommen.«
»Das ist kaum der richtige Moment für Scherze, mein Freund!«, tadelte ihn Amaury ernst und betrübt.
»Undankbarer! Nur weil ich früher – das heißt, noch vor drei Tagen! – ein bekannter Spaßvogel war, glaubst du … Aber dies ist wahrlich nicht die Zeit zum Plaudern! Glaubst du, dass es unbedingt nötig ist, dass du selbst nach Preuilly reitest?«
»Was willst du damit sagen?«
»Glaubst du, dass ein treuer Freund – der nicht verfolgt oder gejagt wird wie du oder wie du es bald sein wirst –, wenn er allein loszöge, um deine Mutter zu warnen und sie notfalls zu verteidigen, nicht denselben Dienst erweisen könnte wie du?«
»Was? Du würdest …«
»Glaubst du das, sag schon?«
»Zweifellos.«
»Nun gut, ich werde reiten!«
»Danke, mein Freund. Ja, so ist es besser. Du wirst sicherer dort ankommen. Was kümmert es mich, ob ich gefasst und hingerichtet werde, wenn nur meine Mutter gerettet ist.«
»Aber bist du verrückt? Es geht nicht darum zu sterben, oder auch nur gefasst zu werden! In der Zwischenzeit besteigst du das Pferd des Eilboten und kehrst so schnell wie möglich um. Ein paar Minuten von hier habe ich auf dem Hinweg einen Querweg bemerkt, der sich weiter unten durch die Hügel schlängelt. Dort biegst du ein, und hinter der ersten Kurve bist du in Sicherheit.«
»Tiburce, du bist meine rettende Vorsehung.«
»Ja! Irgendetwas in der Art muss ich wohl sein. Aber ich erlasse dir die Danksagungen. Mach dich auf den Weg und verlass dich auf mich! Nicolas!«
»Aber wo werden wir uns wiedersehen?«
»Ah! Ja! Verflixt … Ich bin eine ziemlich vergessliche Vorsehung … Nicolas …! Du musst ins Ausland fliehen. Begib dich nach England, ich werde mit deiner Mutter dorthin nachkommen, vielleicht!«
»Ja, das ist gut.«
»Nicolas …! Dieser Schuft antwortet nicht! Also, geh nach London, in die Hostellerie picarde, wo mein Onkel abgestiegen ist. In genau drei Monaten, auf den Tag genau, was auch immer passiert, werde ich dort sein.«
»Ich auch.«
»Nicolas! Nicolas! Ni…co…las! Ich werde dir die Knochen brechen!«
Der Knecht zeigte ein verängstigtes Gesicht. »Der Herr ruft mich?«
»Unverschämter Kerl! Ich werde dir die Ohren abschneiden! Hast du mich nicht gehört?«
»Der Herr möge mir verzeihen: Ich dachte, Ihr sprächet Griechisch.«
»Tölpel! Geh und sattle das Pferd! Ich zähle bis zwanzig: Wenn du es bis dahin nicht fertig aufgezäumt hierher gebracht hast, schlitze ich dich auf!«
Eine Minute später war das Pferd abmarschbereit. Was Tiburce nicht davon abhielt, den Stallburschen mit einer gewissen Gelassenheit weiter zu schikanieren, während Amaury sich von Pascal und Toinon verabschiedete, die er großzügig entlohnte.
»Ich hatte Zeit, bis siebenhundert zu zählen!«, erklärte Tiburce.
Der Knecht dachte: Der Herr zählt aber schnell! Doch er sprach es nicht aus. Das war klug!
Amaury überprüfte den Sattelgurt seines Reittiers, streichelte das gute Tier, das ihn zu verstehen schien, mit Stimme und Hand, und schwang sich mit tränenerfüllten Augen in den Sattel, nachdem er Tiburce brüderlich umarmt hatte.
Dieser drehte sich, um seine Ergriffenheit zu verbergen, zu dem unglücklichen Nicolas um.
»Nun! Glaubst du, ich will hier bleiben? Willst du mir die Zügel halten, du Lump!«
Und zum Abschied verpasste er ihm einen gewaltigen Fußtritt und warf ihm einen schönen, nagelneuen Écu zu, der ihn völlig verblüffte.
*
Die Nacht brach herein. Auf seinem hinkenden Reittier ritt Amaury langsam in Richtung Paris zurück. Er dachte an seinen verlorenen Gnadendolch und dessen unheilvollen Einfluss, der ihn, wie er glaubt, noch immer bedroht. Das Auftauchen der bewaffneten Männer, die nach ihm suchen, war für ihn eine logische Konsequenz. Daher segnete er Tiburce, dessen erfinderischer Geist ihm einen rettenden Ausweg aufgezeigt hatet. Genau in diesem Moment sah er rechts den erwähnten Pfad. Doch leider zu spät! In einer Armbrustschussweite Entfernung tauchten an einer Wegbiegung die Leute des Königs auf! Sie hatten ihn erblickt … Sie stürmen auf ihn zu …
Wird er ihnen in die Hände fallen?
Fortsetzung folgt …
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