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Die drei Templer

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Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern … Teil 56

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern, Zauberern und Gaunern
Dem Ende des philosophischen Jahrhunderts gewidmet
Adam Friedrich Böhme, Leipzig, 1796

Der Teufel auf einem schwarzen Pferd will die Leiche holen.

Ein Arzt wurde zu einem todkranken Prediger gerufen und ritt, da die Gefahr groß vorgestellt wurde, noch spät zu ihm. Der Mond schien hell, er war der Gegend kundig, reiste allein und kam endlich in ein ihm wohlbekanntes Holz. Kaum war er hinein, so stutzte sein Pferd, und er spornte es umsonst. Nun lenkte er um und ritt durch einen Nebenweg auf die ordentliche Straße. Auf einmal stand es wieder. Er machte die Pelzkappe vom Gesicht zurück und sah einen Toten mit einem mit Blut und Beulen bedeckten Gesicht in einem Sarg unter einer Eiche. Nun fing seine Einbildungskraft an zu wirken. Er sah, wie sich der Tote aufrichtete, als er ihn ansah, und Miene machte, aus dem Sarg zu steigen und ihn anzufallen. Kaum behielt er noch so viel Mut, dass er dem Pferd den Zügel schießen und es nach Hause zu rennen ließ. Da er in der Schenke des Dorfes, wo er vorbeireiten musste, Licht sah, so ging er hinein, um sich zu erholen. Der Wirt merkte seine Bestürzung und fragte, ob er etwa das Gespenst im Wald gesehen habe, da er denn gräuliche Geschichten zu erzählen anfing. Nun ritt er nach Hause und hörte schon am frühen Morgen die abenteuerliche Geschichte, dass in voriger Nacht der Teufel, auf einem schwarzen Pferd reitend, einem Mann im Wald den Hals umgedreht hätte und er dann mit Zurücklassen eines hässlichen Gestanks verschwunden sei.

Inzwischen kam ein Bote, der ihn abermals zum Patienten rief, wo er denn die Geschichte noch fürchterlicher hörte: Der Teufel auf einem schwarzen Pferd habe die im Wald unter die Eiche gesetzte Leiche holen wollen und die Hüter verjagt. Weil sie sich aber mit Kreuzen gesegnet hätten und der Schulmeister dabei gewesen wäre, so wäre er mit Zurücklassen eines gräulichen Gestanks unverrichteter Sache wieder verschwunden. Nun merkte er, dass man ihn selbst für den Teufel angesehen hatte, und erzählte, dass er in einer schwarzen Kappe vermummt und in einem Pelz, das Rauche auswärts gekehrt, geritten sei und eine Leiche habe liegen sehen.

»Ganz recht«, sagte der Schulmeister, »ich bin bei denen gewesen, die die Leiche abholen sollten, welche auf der Grenze gefunden worden war. Herr Doktor, glauben Sie mir, ich sah mich um, und da kamen mir die Zipfel an Ihrer Reisekappe so vor, wie die Hörner, welche der Teufel haben soll.«

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