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Sitting Bull – Band 2

Sitting Bull, der Letzte der Sioux
Auf zur Eroberung des Goldtals
1. Kapitel
Ein waghalsiges Unterfangen

Felsen mit seltsamen Formen ragten über der Ebene auf, auf die die Mittagssonne ihre brennenden Strahlen sandte und die sich, so weit das Auge reichte, gleichmäßig grau erstreckte, unterbrochen hier und da von langen Reihen aus Birken. Von den Bergen und ihren felsigen Ausläufern kamen kleine Flüsse oder Bäche herab, die sich in der Ferne im Sand verloren und nur durch die Weidengruppen erkennbar waren, die an ihren Ufern wuchsen. Ganz am Fuße dieser Berge hielt sich eine kleine Anzahl Pferde in einer Geländeunterbrechung versteckt.

An ihrem eigenartigen Zaumzeug und ihrer Ruhe konnte man indianische Rösser erkennen, jene schnellen Mustangs, die, ebenso vorsichtig wie ihre Herren, ihre Anwesenheit niemals durch das leiseste Wiehern verrieten. Ein einzelner Krieger bewachte die angebundenen Pferde, unbeweglich wie eine Marmorstatue, während seine Gefährten im Schatten der umliegenden Büsche lagen und mit ihren Falkenaugen die riesige, sonnenüberflutete Ebene absuchten. Es waren Sioux-Krieger von kräftiger Statur und mit kühn gezeichneten Gesichtern.

Unerfahrene Augen hätten in der sonnigen und staubigen Ebene nichts Außergewöhnliches entdeckt, doch was die indianischen Krieger aus einer gewissen Entfernung erspähten, war durchaus geeignet, ihr Erstaunen hervorzurufen: Es handelte sich um eine Anzahl von Wagen, die mit weißen Segeltuchplanen bedeckt waren, Zelte und daneben einen Pferch für Pferde und Maultiere. Die Indianer waren etwa zwanzig an der Zahl. Alle bewahrten die gleiche Unbeweglichkeit wie die seltsam geformten Felsen, die sich über ihren Köpfen erhoben.

»Die Bleichgesichter sind da«, sagte einer der jüngsten Krieger, dem die anderen die größte Ehrerbietung entgegenbrachten. »Ich frage mich nun: Hat der böse Geist sie in die Irre geführt? Wurden sie durch Geister in der Wüste getäuscht, dass sie es wagten, so weit in unser Gebiet einzudringen? Oder sind sie absichtlich hierhergekommen? Was suchen sie in der Nachbarschaft dieser Berge, wo unsere toten Häuptlinge schlafen und wo die Geister unserer Vorfahren bei Nacht geheimnisvolle Räte abhalten?«

Niemand antwortete; mit fest verschlossenen Lippen betrachteten die Krieger ihren jungen Anführer, dessen Adleraugen bis weit über den Horizont zu blicken schienen.

»Es sind weder Trapper noch Biberjäger«, fuhr der junge Häuptling fort. »Die Wagen dort drüben tragen gewisse Zeichen, die ich gut kenne. Es sind Bleichgesichter, die im Dienste des Großvaters in Washington stehen, es sind Blauröcke, die regulär kämpfen. Was wollen diese Soldaten in den Jagdgründen der Sioux?«

Stille herrschte, während der Häuptling mit der rechten Hand auf die Ebene deutete: »Krieger meines Stammes«, sagte er, »wir müssen wissen, was diese Leute in unsere Wüste geführt hat, wo bisher noch nie ein Bleichgesicht seinen Fuß hingesetzt hat. Mein Herz ist voller Trauer; ich denke, es könnte sein, dass ein Sioux-Krieger eine gespaltene Zunge hat und ein Verräter die verfluchten Bleichgesichter in diese geheimnisvollen Berge geführt hat.«

»Kein Sioux hat eine gespaltene Zunge«, erwiderte ein alter Krieger, »es gibt keinen Verräter in unserem Stamm. Vielleicht ist es der Zufall, der die Bleichgesichter in diese den Geistern unserer Vorfahren geweihte Gegend geführt hat.«

Der Häuptling stand langsam auf. Obwohl er noch sehr jung war, genoss er bereits ein enormes Ansehen bei den Kriegern seines Stammes, und zahlreiche Skalps schmückten sein Wigwam. Es war Sitting Bull, der tapferste aller Sioux-Häuptlinge. Trotz seiner Jugend besaß er einen Gesichtsausdruck und ein Auftreten, das Respekt einflößte. Da die Ämter bei den Sioux erblich waren, war er nach dem Tod seines Vaters in den Rang eines Häuptlings erhoben worden und schien sowohl körperlich als auch geistig das vollkommene Beispiel dafür zu verkörpern.

»Man hat uns verraten!«, sagte er mit drohender Miene. »Wir müssen die Absichten der Bleichgesichter in Erfahrung bringen. Einer unserer Krieger muss in das Lager unserer Feinde eindringen, schlau wie ein Fuchs und kühn wie ein Adler; das muss noch heute Abend geschehen. Der Weg zu unserem Stamm ist weit, und allein können wir nichts gegen die zahlenmäßige Überlegenheit unserer Gegner ausrichten.«

»Ihr sprecht weise«, antwortete der alte Krieger, »aber wie könnte ein Krieger in das Lager eindringen? Die Bleichgesichter halten Wache, und die Ebene ist so flach wie ein Tisch. Ein Präriehund könnte sich dem Lager nicht nähern, ohne gesehen zu werden.«

Der junge Häuptling lächelte verächtlich und antwortete: »Der Häuptling der Sioux-Krieger ist schlauer als der Präriehund. Sitting Bull wird allein in das Feindeslager gehen, sobald die Sonne verschwunden ist. Was euch betrifft, bleibt, wo ihr seid, bis ich zurückkehre.«


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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