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Im Gespräch mit Stephan Askani

Im Gespräch mit Stephan Askani
Lektor für Phantastische Literatur der Hobbit Presse im Verlag Klett Cotta

Geisterspiegel: Hallo Herr Askani, ich freue mich, dass Sie sich die Zeit nehmen und dem Geisterspiegel ein paar Fragen zum Thema Fantasy und insbesondere zu J. R. R. Tolkien beantworten.
Seit 10 Jahren sind Sie nun Lektor für Phantastische Literatur bei Klett Cotta, sind Sie damit am Ziel Ihrer beruflichen Träume angekommen?

Stephan Askani: Ich würde es am ehesten so formulieren: Die Hobbit Presse bei Klett-Cotta ist wirklich ein ungewöhnlich schönes Arbeitsfeld, und ich bin auch sehr stolz mit Werken von Tolkien und mit Autoren wie Tad Williams, Patrick Rothfuss, Oliver Plaschka, Christian von Aster zusammenarbeiten zu dürfen. Das freut mich ungemein.

Geisterspiegel: Welche Aufgaben umfasst Ihre Tätigkeit als Lektor und was bereitet Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten Freude?

Stephan Askani: Meine Aufgaben gehen von der Programmplanung, der Akquise von Titel – beides in Abstimmung mit der Geschäftsleitung – Vergabe von Übersetzungsaufträgen, dem Redigieren von Manuskripten, Betreuung der Titel bis hin zur »Druckfreigabe«, außerdem müssen Vorschautexte verfasst werden. Das ist alles sehr vielfältig und mir macht gerade das Abwechslungsreiche an diesem Beruf Spaß. Kurz gesagt: Der Kontakt zu Autoren, Übersetzern und die Arbeit mit Texten machen den Beruf des Lektors so interessant.

Geisterspiegel: Klett Cotta bietet den Lesern eine vergleichsweise kleine, dafür aber handverlesene Auswahl an phantastischen Titeln und Autoren, die zum Teil länger bei Klett Cotta zu Hause als Sie dort als Lektor tätig sind. Worin liegt Ihrer Meinung das Geheimnis, dass sich fast alle Titel der Hobbit Presse in unserer heutigen schnelllebigen Zeit auf Dauer am Markt behaupten?

Stephan Askani: Ja, das ist natürlich der Arbeit meiner Vorgänger zu verdanken, und natürlich  Michael Klett, der Tolkien, den Autor, mit dem die moderne Fantasy beginnt, in den Verlag geholt hat. Damit ist dann natürlich auch die Messlatte für die erzählerische Qualität beschrieben: Welche neue Autoren passen in ein Programm dieses Zuschnitts? Wie findet der Verlag die Balance zwischen »klassischer« Fantasy und neuartigen Projekten, wie zum Beispiel Otherland von Tad Williams?

Geisterspiegel: Sind das dann auch die Auswahlkriterien für neue Manuskripte oder neigen Sie auch gern mal zu »Experimenten«?

Stephan Askani: Natürlich muss man auch experimentieren. Dabei ist das Wichtigste, dass neue Impulse kommen, unerlässlich ist dabei aber, dass wir von der Art, wie ein Autor erzählt, überzeugt sind. Neue Impulse setzen wir in der Hobbit Presse zum Beispiel mit Kevin Hearnes Die Chronik des Eisernen Druiden, welches von einem über 2000 Jahre alten Druiden erzählt und in den heutigen USA spielt, und mit Christian von Asters Der letzte Schattenschnitzer, ein fulminantes, sprachgewaltiges Buch, das in gar keine Schublade zu passen scheint, oder schon vor meiner Zeit als Fantasylektor mit Otherland von Tad Williams, ein Buch übers Netz (Internet), in dem Seelen verschwinden.

Geisterspiegel: Kommen wir zu Tolkien, dem Autor, der ein ganzes Genre begründet und geprägt hat. Der Herr der Ringe hat im Lauf der Jahre einige Übersetzungen und Bearbeitungen erlebt. Meinen Sie, dass mit der aktuellen Ausgabe nun die ideale deutsche Fassung vorliegt oder darf man mit weiteren Optimierungen rechnen?

Stephan Askani: Wir haben vom Herr der Ringe zwei Übersetzungen im Programm, M. Carroux und W. Krege. Beide haben ihre Vorzüge und beide haben wir in den letzten Jahren auf den neuesten Stand gebracht. Ein Ausnahmeautor wie Tolkien hat durchaus zwei Übersetzungen verdient (wie zum Beispiel auch Marcel Proust). Zunächst einmal ist jetzt philologisch alles ganz aktuell, was die Zukunft bringt, muss man sehen. Es sind ja auch noch nicht alle Werke von Tolkien publiziert bzw. übertragen. Für Anfang 2015 dürfen wir die deutsche Übersetzung von The Fall of Arthur erwarten, eine Tolkiensche Fassung der Artussage. Das wird absolut spannend.

Geisterspiegel: Die Übersetzung von Wolfgang Krege im Jahr 2000 rief einige Diskussionen hervor. Wie bewerten Sie die »Neuerungen«, die Wolfgang Krege bei seiner Übersetzung vorgenommen hat?

Stephan Askani: Wolfgang Krege, den ich persönlich kannte und sehr schätze, hat in seiner Zielsetzung auf Formulierungen von Tolkien selber zurückgegriffen: »In presenting the matter oft he Red Book, as a history of today to read, the whole of linguistic setting has been translated as far as possible into terms of our own times.« deutsch:  »Um den Inhalt des Roten Buches als eine Geschichte darzubieten, die Leute von heute lesen können, ist der gesamte sprachliche Bestand soweit wie möglich mit Worten unserer Zeit wiedergegeben worden.« Hier kann man genau sehen, wie streng Krege sich mit seinem Übersetzungsansatz an Tolkien orientiert, und diesen eigentlich fortführt. Insofern beruhen die Angriffe auf Krege, die ja mittlerweile abgeebbt sind, auf einem Missverständnis.

Geisterspiegel: Und wessen Übersetzung mögen Sie persönlich lieber und warum?

Stephan Askani: Ich mag beide, denn sowohl die Kregesche als auch die Carrouxsche haben ihre ganz spezifischen Vorzüge.

Geisterspiegel: Worin liegt Ihrer Meinung nach das Geheimnis verborgen, dass Der Herr der Ringe bis heute so eine große Faszination auf die Leser ausübt?

Stephan Askani: Es liegt meiner Ansicht nach daran, dass neben all der Gefahr, neben all dem Kampf gegen das Böse, neben den faszinierenden Kämpfen und Schlachten, der Herr der Ringe vor allem ein Buch über Freundschaft ist. Es ist vielleicht das schönste Buch über Freundschaft. Das macht es zu recht so beliebt. Und mal ehrlich: Wer von uns hätte nicht gerne einen Freund wie Sam, Merry oder Pippin, von Gandalf ganz zu schweigen!

Geisterspiegel: Und was glauben Sie, macht das Buch so einzigartig, dass kaum ein anderer Autor ein solches Meisterwerk schaffen konnte?

Stephan Askani: Die Erzählung. Tolkien ist eben einer der größten Erzähler, den die fantastische Literatur je gesehen hat.

Geisterspiegel: Nun startet in wenigen Wochen der zweite Teil der Verfilmung des Hobbit. Was hat Ihnen an der Verfilmung vom ersten Teil des Hobbit besonders gefallen und gab es etwas, was Sie da gar nicht mochten?

Stephan Askani: Insgesamt fand ich toll, wie vieles filmisch umgesetzt wurde, die Landschaft, Bilbos Hobbithöhle, die Figuren, Gandalf, Bilbo, Smaug. Manches ist natürlich im Buch noch witziger und pointierter, zum Beispiel die Szene mit den Trollen am Lagerfeuer …

Geisterspiegel: Wenn Sie eine Rolle in den Filmen hätten besetzen dürfen, wen hätten Sie am liebsten gespielt? Oder anders gefragt, wer ist Ihre persönliche Lieblingsfigur, die Tolkien in Mittelerde erschaffen hat?

Stephan Askani: Ich sage nur: Liebe Hobbit-Freunde, habt ein Auge auf Thorin Eichenschild!

Geisterspiegel: Ich danke Ihnen für das Interview und wünsche Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit.

(ab)

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